Erstellt am: 7. 3. 2010 - 14:32 Uhr
Mark Linkous, der Große
Ein Puzzlestück ist auseinandergefallen, ein Eck fehlt und lässt sich nicht mehr ins Bild pressen. Das Bild zeigt ungreifbaren Respekt ohne Rahmen. Mark Linkous ist gestorben. Laut dem Rolling Stone hat sich der Sparklehorse-Sänger am 6.März 2010 das Leben genommen. Alter unbekannt will das Internet sagen. Seine Familie lässt uns wissen:

"It is with great sadness that we share the news that our dear friend and family member, Mark Linkous, took his own life today. We are thankful for his time with us and will hold him forever in our hearts. May his journey be peaceful, happy and free. There’s a heaven and there’s a star for you."
Die Umarmung vom Plattenregal ist das Ritual, das diese schlechte Nachricht erfordert. Von A bis Z bleibt auch die Festplatte nicht verschont, vor dem salzigen Graben in Erinnerungen, die zur Musik von Sparklehorse hochkommt.
Als zu (Napster&)Soulseek-Zeiten ein Wish_You_Were_Here_Radiohead_Sparklehorse.mp3 auf der Festplatte landete, dachte ich an einen schlampigen Benamsungsfehler. Nichts Neues, denn da gab es unzählige BenutzerInnen, die sich – so mein Eindruck der alphabetischen Anarchie – einen Spaß daraus gemacht haben, Songs falsch zu benennen. Denn auf Wish_You_Were_Here.mp3 stand Radiohead drauf und Radiohead war nicht drin. Macht nichts, Mark Linkous Stimme war besser.
Später hab ich natürlich gelesen, dass die TV-Zapping-Teile die in dem Pink Floyd-Cover von Sparklehorse auftauchen, von Thom Yorke aufgenommen wurden. Aus seinem Hotelzimmer per Telefon.
Ein Song von symbolischem Wert. 1996 war Sparklehorse mit seinem Debütalbum Vivadixiesubmarinetransmissionplot im Vorprogramm von Radiohead auf Europa-Tour (Vivadixiesubmarinetransmissionplot war das Album mit dem großen Abschiedssong "The Most Beautiful Widow in Town"). Mark Linkous wurde nach einer Alkohol/Valium/Heroin-Überdosis in seinem Londoner Hotelzimmer bewusstlos aufgefunden, Herzstillstand, Operation, für sechs Monate an den Rollstuhl gefesselt. In dem Song "Saint Mary" auf dem zwei Jahre nach dem Unfall erschienenen Album "Good Morning Spider" singt Mark Linkous: "in the bloody elevator rising for their first cup of tea of the day. When does sky turn into space and air into wind?"

2001 hab auch ich mir aus einem sehr bescheidenen Grund, das dritte Sparklehorse-Album "It´s A Wonderful Life" gekauft. Der Grund war der Titel, das war mal endlich eine klare Ansage, da konnte man nicht daran vorbei. "He got dragged by a donkey throught the glass and the myrtle. But he was once a little fat baby!"
So war es und so wurde es (inspiriert von Vic Chesnutt) besungen. Punkt. Das dazugehörige Studium der Linernotes hat dann die Welt kleiner werden lassen: "All songs written by Mark Linkous" aber der Multiinstrumentalist hatte Gäste geladen: Dave Fridman als "engineer" oder am Bass und Wurlitzer, Joan Wasser aka Joan As Police Woman an der Violine, Nina Persson, PJ Harvey, Tom Waits als Gastvokalisten. Sparklehorse war in den zerbrechlichen Singer/Songwriter-Momenten, wie auch in den klassischen Rockband-Momenten unbesiegbar. Seine Musik klang unglaublich vorsichtig, stärkte und ermutigte, war herzergreifend und muskelzerreissend, da wurde nichts beschönigt oder vom unnötigem Pathos umwickelt. Und: sie war nicht langweilig. Letztens hat mir nämlich wer gesagt, die Musik, die ich höre ("Singer/Songwriter") erinnere ihn ans Briefmarken sammeln. Weil´s immer das gleiche ist. Little did he know, aber dann ist Sparklehorse halt die blaue Mauritius.

2003 hat Mark Linkous Daniel Johnston´s Rockstar-Album "Fear Yourself" produziert, den ersten Kontakt hat Linkous Jahre davor durch seine Mutter herstellen lassen, in dem er sie bei Johnston´s Eltern anrufen hat lassen und für ihn sprechen hat lassen.
Für Daniel Johnston, das wahnsinnige Genie, dessen Songs durch die Bank durch von unerwiderter Liebe handeln, hat Mark Linkous auch am Tribute-Cover-Album "The Late Great Daniel Johnston" mitgearbeitet. Gemeinsam mit den Flaming Lips ist er mit dem Cover von "Go" vertreten: "Someone once said that life is like a cow, but I don't know how that applies. but anyhow here we are all on this planet taking everything for granted. but I think you've caught on to something don't let go - go go go go you restless soul, you're going to find it."

2009 erschienen gleich zwei große Alben mit Tintenreicher Unterstützung des Sparklehorse-Musikers: Gemeinsam mit Danger Mouse mit dem er schon an seinem 2006 erschienenem Album Dreamt for Light Years in the Belly of a Mountain gearbeitet hat, veröffentlichte Sparklehorse "Dark Night Of The Soul". Mark Linkous zapfte mit Danger Mouse die musikalischen Hirne von Suzanne Vega, Black Franci, Flaming Lips, Vic Chesnutt und anderen an, um ein Traumalbum zu veröffentlichen. Das hat nun auch endlich die Plattenfirma EMI erkannt, die das vorerst nur im Netz veröffentlichte Album nun endlich auch physisch veröffentlichen wird.
Der FM4 Soundpark wiederholt heute das Fennesz&Sparklehorse Konzert vom La Patie Festival 2003 in der Nacht vom Sonntag auf Montag ab 1Uhr.

Mit dem Ausnahmemusiker Christian Fennesz ist 2009 auch ein Kollaborations-Album aus der "In The Fishtank"-Reihe erschienen. Das holländische Konkurrent-Label lädt MusikerInnen ein innerhalb von zwei Tagen ein Album zu erarbeiten. Wahllos zusammengewürfelt wurden die beiden natürlich nicht, denn Fennesz´ Zusammenarbeit mit Mark Linkous hat schon 2003 begonnen, als die beiden nach einer zweiwöchigen Artist Residency gemeinsame Musiken beim La Patie Festival vorgestellt haben. "Sparklehorse+Fennesz In The Fishtank" ist - überrascht wenig - eine außerordentliche Gitarren-Ambient Platte, die mit wenigen bis gar keinen Lyrics auskommt und nichts an Spannung oder Schönheit vermissen lässt.
Hier werden meine neun Jahre Sparklehorse-Fan-Sein auf 5 Minuten 42 Sekunden komprimiert. Man kann es Christian Fennesz nur nachmachen und den Daumen nach oben richten. Danke Mark Linkous. R.I.P.
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