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Musik, Film, Heiteres

Andreas Gstettner

Andreas Gstettner

Vertieft sich gern in elektronische Popmusik, Indiegeschrammel, gute Bücher und österreichische Musik.

15. 3. 2010 - 12:14

Schneller als der Tod

Vom Mafiakiller zum Turnusarzt und zurück. Josh Bazells schwarzhumoriger Debütroman ist ein spektakulärer, temporeicher und filmreifer Blutrausch mit doppeltem Boden.

Es ist fünf Uhr früh. Dr. Peter Brown ist auf dem Weg ins Krankenhaus, als ein dümmlicher Möchtegernverbrecher ihm von hinten den kalten Lauf einer Pistole gegen den Hals drückt. Trotz verschlafenem Ärger analysiert Peter kurz die Situation, um dann im Bruchteil einer Sekunde den Räuber unschädlich zu machen. Synchron zum Kampf einer Taube und einer Ratte im Schnee knacken Elle und Speiche, Bänder reißen und Blut fließt aus dem Kopf Dr. Browns Widersacher, der bereits am Boden liegt. Nachdem Peter den bewusstlosen Idiot in eine stabile Seitenlagen gebracht und sich vergewissert hat, dass er nicht ins Gras beißen wird, wirft er sich seine morgendliche Drogendosis an Aufputschmitteln und Schmermedikamenten ein, schließlich wird es ein harter Tag im Manhattan Catholic.

Parallelwelten

Buchcover Josh Bazell "Schneller als der Tod"
"Schneller als der Tod" von Josh Bazell ist im Fischler Verlag in deutscher Übersetzung von Malte Krutzsch erschienen.

Der jüdische Pietro Brnwa wird von seinen Großeltern in New York aufgezogen. Er lebt ein ganz normales Leben eines großstädtischen Jugendlichen bis er kurz vor seinem fünfzehnten Geburtstag eine schreckliche Entdeckung macht, die sein Leben zum ersten Mal vollkommen verändert: Seine Großeltern werden ermordet. Bei dem Versuch, die Täter ausfindig zu machen, schlittert der junge Brnwa über seinen Schulfreund "Skinflick" in die Mafiaszene. Die italienische Familie Locano wird zu seiner eigenen und was als Rachefeldzug beginnt, wird zu Pietros blutigem Tagesgeschäft.

Doch ein zweites Mal ändert ein unvorhergesehenes Ereignis Pietros Leben. Er verliebt sich in die rumänische Violinistin Magdalena und will geläutert aus dem Killergeschäft aussteigen. Ein Zeugenschutzprogramm des FBI verhilft ihm zu einer Stelle als Turnusarzt, die er als Dr. Peter Brown antritt. Zunächst scheint alles glatt zu laufen, bis ein Mafiamitglied mit Magenkrebs eingeliefert wird und den Ex-Killer erkennt. Im Krankenhaus entspinnt sich ein wüstes Wettrennen mit dem Tod, wobei nicht nur das Leben des Patienten am Spiel steht.

Blood is beautiful

Der Amerikaner Josh Bazell hat Literatur und Medizin studiert. Als er sein Debüt "Schneller als der Tod" geschrieben hat, war er Turnusarzt in einem Krankenhaus. Er weiß also genau, wovon er erzählt. In Fußnoten vermittelt er anatomisches und ärztliches Grundwissen, enthüllt Mythen und Tricks der Götter in Weiß und plaudert in vertraulichem Ton so mache Pfuscherei und alltäglichen Murks aus, den man eigentlich lieber nicht wissen möchte. Mit Ironie und geschliffenem Wortwitz versetzt er dem Gesundheitssystem der USA und der Allmachtsstellung der Ärzte deftige Seitenhiebe. So wird bei einem chirurgischen Eingriff eines von Pharmafirmen gesponserten Scharlatans gleich mal die Milz in Stücke gerissen, dass das Blut nur so sprudelt. Oder ein kurzes Stolpern eines Virologen hat die Verbreitung einer schlimmen Infektion zur Folge. Doch das alles kann man gut überstehen, wenn man wie Bazells Hauptcharakter vollkommen zugedröhnt zwischen aufgeputschter Überdrehtheit und komatösen Blackouts durch den Krankenhausalltag wandelt.

Der amerikanische Autor Josh Bazell am Strand vor der Golden gate Bridge

Es ist schwer zu sagen, ob die Mordauftragsarbeiten oder die medizinischen Eingriffe blutiger ablaufen. Einen guten Magen werden manche bei dieser Lektüre schon brauchen. Als Mittel gegen Übelkeit hat Bazell jedoch genug schwarzen Humor injiziert, der "Schneller als der Tod" neben der gewohnten Thrillerspannung zu einem überaus amüsanten Leseerlebnis werden lässt. Dabei bekommt auch die stereotype Hollywooddarstellung der Cosa Nostra ihr Fett ab. Denn bei Josh Bazell ist die Mafiafamilie kein hochstilisierter, mystischer Ort, der Schutz garantiert und in dem Stolz und Anerkennung die treibenden Mittel sind. Zwar verfällt der junge Pietro Brnwa genau diesen Klischeebildern, doch nur um kurz darauf ein der blutigen und garstigen Realität zu erwachen, die so gar nichts Glamouröses besitzt.

Wenn Dexter bei Dr. House Visite macht

Schneller als der Tod von Josh Bazell als Hörbuch
Josh Bazell "Schneller als der Tod" erscheint am 19. März als Hörbuch im Hörverlag. Gelesen wird der Roman von Christoph Maria Herbst.

Durch die clevere Erzählstruktur, bei der sich Rückblenden mit brenzligen Gegenwartssituationen abwechseln, wird enormes Tempo erzeugt. Diesen Kniff holte sich Josh Bazell aus seinen Erfahrungen beim Schreiben von Drehbüchern. Kein Wunder also, dass die Fimrechte zu "Schneller als der Tod" schon verkauft wurden. Bleibt nur zu hoffen, dass dieses Projekt mit Leonardo DiCapro den ursprünglichen Spirit des Buches beibehalten wird. Denn klar ist, dass dieser Roman von der unverblümten Direktheit, dem bitteren Zynismus gepaart mit schrägem Witz und den blutigen Schockelementen lebt.

Außerdem stellt man sich am Ende des Buchs sowieso die Frage, warum nicht schon früher Leute wie Quentin Tarantino, Guy Richie, Jeff Lindsay oder David Shore auf die Idee gekommen sind, die Welt der mafiösen Auftragskiller mit jener der Ärzte zu verbinden. Schließlich liegt es auf der Hand, was Killer und Weißkittel gemeinsam haben: Die Macht, über Leben und Tod zu entscheiden und die Tendenz, diesem göttlichen Gefühl gerne zu verfallen.

Josh Bazell ist mit "Schneller als der Tod" ein großartiges Buch geglückt, das Erfolge in den USA feiert und den Autor dazu veranlasst hat, an einer Fortsetzung zu arbeiten. Inzwischen können wir uns an den dreihundert Seiten des Debüts erfreuen und an einem ebenso hervorragenden Hörbuch, wobei der schnoddrige Charakter des Erzählers von niemand geringerem als Christoph Maria "Stromberg" Herbst gelesen wird.

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  • veliec | vor 695 Tagen, 15 Stunden, 57 Minuten

    souds like lesenswert, aber der titel klingt nach western.

    Auf dieses Posting antworten
    • andreasgstettner | vor 690 Tagen, 9 Stunden, 46 Minuten

      i know

      weiß auch nicht, warum so ein deutscher titel, aber davon sollte man sich nicht abschrecken lassen...

  • johnleehookerelectro | vor 699 Tagen, 4 Stunden, 15 Minuten

    glaub kaum dass die meisten mafia killer so pervers sind wie ärzte(vorallem bei den ärzten oder chirurgen die unheilbare patienten, langsam "töten" müssen)...mafiakiller sind ja meistens nur "advokaten", in dem fall hat die entscheidung über leben und tot schon vorher der aufraggeber abgenommen und man spult die arbeit höchstens mit dem genuss eines jägers der sein handwerk verrichtet hat runter

    ein arzt hat nur sich und das riesige universum der antropologie und nichts dazwischen

    ausnahmen gibts aber sicher auf beiden seiten

    Auf dieses Posting antworten
    • johnleehookerelectro | vor 699 Tagen, 3 Stunden, 56 Minuten

      sowas ähnliche nur mit nem "chemie professor"( hardcore gespielt von bryan cranston..) der zum grosshändler von crystal meth wird und sich unter anderem mit nem mexikanischen kartell rumwurschtelt,gibts bei ner neuen genialen TV-serie namens brekaing bad.
      staffel 3 kommt gerade

      nach den ersten 2 staffeln is malcolm mittendrin nie wieder dasselbe....

    • johnleehookerelectro | vor 699 Tagen, 3 Stunden, 56 Minuten

      breaking bad

    • andreasgstettner | vor 698 Tagen, 22 Stunden, 28 Minuten

      auch wenn der auftrag schon vorher erteilt wird, könnte man in der unmittelbaren situation durchaus machtgefühle besitzen, aber was weiß ich schon, bin ja kein auftragskiller...
      und das mit den ärzten ist natürlich sehr überspitzt formuliert, wie natürlich dieser roman auch :-)

      und "breaking bad" muss ich mir jetzt wirklich UNBEDINGT ganz bald anschauen!

      PS: nice nick name!

    • kirschensindambaum | vor 698 Tagen, 21 Stunden, 53 Minuten

      breaking bad is wirklich supa aba als "neu" würd is ned grad bezeichnen. ;)

    • johnleehookerelectro | vor 698 Tagen, 13 Stunden, 33 Minuten

      ja da wirds ziemlich spekulativ von unserer warte aus...

      @kirschensindambaum
      angeber/in:P
      die 3te staffel kommt in den usa erst in 6 tagen

    • kirschensindambaum | vor 698 Tagen, 20 Minuten

      I know (3rd season)... i wart ja scho seit letztn mai drauf ;p

  • schaaaf | vor 700 Tagen, 9 Stunden, 9 Minuten

    lustig

    wenn der deutsche titel für die filmversion beibehalten wird, spielt leo dicaprio in 2 filmen mit gleichem titel mit. wobei die assoziation mit dem alten dem neuen wohl eher nicht zugute kommt.

    Auf dieses Posting antworten
    • andreasgstettner | vor 700 Tagen, 8 Stunden, 14 Minuten

      stimmt...

      das ist auch beim googln des deutschen titels etwas unvorteilhaft :-)