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Musik, Film, Heiteres

Christian Fuchs

Christian Fuchs

Twilight Zone: Film- und Musiknotizen aus den eher schummrigen Gebieten des
Pop.

20. 3. 2010 - 13:00

Action mit Attitude

Matt Damon und sein Stammregisseur Paul Greengrass suchen in "Green Zone" vergeblich nach irakischen Massenvernichtungswaffen.

Man kann dem amerikanischen Kino wirklich nicht vorwerfen, dass es dem Krieg im Irak ausweicht. Etliche Filme in den letzten Jahren näherten sich dem Thema mal eindringlich, mal rührselig an, gefloppt sind sie aber fast alle.

Auch "The Hurt Locker", Kathryn Bigelows Oscar-gekröntes Meisterwerk, konnte eher die Kritiker als die Zuschauer begeistern. Dabei lässt die Regisseurin die offensichtliche Politik eher außen vor. Ihre Studie von Soldaten in Extremsituationen funktioniert auch einfach nur als packender Thriller.

Regisseur Paul Greengrass setzt auf den ersten Blick nun Bigelows Weg fort. "Green Zone", sein neuester Streifen, verbindet den Kriegsschauplatz Irak mit der Gehetztheit des Actionkinos. Die rasante Machart erinnert an den letzten Erfolgsfilm von Greengrass, das virtuose Agentenepos "The Bourne Ultimatum". Und auch der Hauptdarsteller ist derselbe: Matt Damon.

Green Zone

Ich persönlich hegte ja gegen Mr. Damon eine lang anhaltende Abneigung, muss ich zugeben, konnte sein Babyface auf der Leinwand schwer ertragen und war von seinem streberischen Perfektionismus angewidert.

Diese Haltung meinerseits zerbröselte irgendwann angesichts der Wandlungsfähigkeit dieses Mannes. Als Jason Bourne zeigte der liberale Musterschüler ganz ungewohnte Facetten und fügte sich blendend in die Ära der dysfunktionalen Actionheroen ein. Besonders beeindruckte mich aber, was Matt Damon mit an sich undankbaren Nebenrollen in Filmen wie "Syriana" oder "The Departed" anstellte, wie er diese Parts äußerst uneitel zum Leben erweckte.

In "Green Zone" darf Damon wieder ganz im Zentrum stehen, wir folgen seiner Figur des Officer Roy Miller durch das bombardierte Bagdad der ersten Kriegstage 2003.

Als Leiter einer Sondereinheit ist er mit seinem Team auf der Suche nach den berüchtigten Massenvernichtungswaffen des Saddam-Regimes. Aber Miller und seine Männer finden nur leere Fabrikshallen vor. Verwirrung macht sich breit.

Green Zone

Roy Miller zieht es bei seinen Nachforschungen allmählich den Boden unter den Füßen weg. Kann es sein, dass die ominösen Waffen, die der US-Bevölkerung als Auslöser für die amerikanische Invasion verkauft wurden, gar nicht existieren?

Wir als Zuseher kennen die Antwort auf die Frage. Der eigentliche Kriegsanlass trat damals immer mehr in den Hintergrund. Denn sie tauchten einfach nicht auf, die gefährlichen Massenvernichtungswaffen, die der Regierung Bush als Vorwand dienten. Von aufgebauschten Geheimdienstdokumenten war plötzlich die Rede und von peinlichen Fehlinformationen.

"Green Zone" ist ein Balanceakt. An der Oberfläche ein atemloses Stück Action-Entertainment, dessen Tempo nahtlos an die "Bourne"-Filme anschließt. Gleichzeitig lebt der Film von einer dokumentarischen, akribischen Detailtreue, von seiner Besetzung mit echten Kriegsveteranen, von unzähligen Anspielungen auf die desaströse amerikanische Außenpolitik.

Green Zone

Gegen Ende des Films funktioniert die Gratwanderung dann nicht mehr. Das ganze Chaos des Krieges, die konfusen Untersuchungen, der Konflikt von Militär und CIA, all das löst sich so simpel auf, wie es sich für einen breiten Kassenerfolg gehört. Und es ist ein einziger Mann, der drehbuchgerecht die Verschwörungen und Vertuschungen aufdeckt: Roy Miller.

Aber egal, "Green Zone" fasziniert als Ausnahmefall. Paul Greengrass erweist sich nicht nur weiterhin als Großmeister der entfesselten Handkamera und der hektischen Schnitte. Er ist auch einer der wenigen kritischen Actionregisseure in Hollywood.

Wenn Greengrass und Matt Damon in Interviews von einem simplen Thriller sprechen, dann lügen sie bewusst. Niemand will schließlich sein potentielles Publikum mit politischen Botschaften verschrecken. In Wahrheit ist "Green Zone" aber genau das: Hochspannungskino mit Attitude.

Green Zone

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  • headcore | vor 693 Tagen, 18 Stunden, 57 Minuten

    fehlt da was?

    ich weiss auch nicht, was mit mir los ist. green zone sollte mich eigentlich hellauf begeistern. auch wenn ich ebenfalls nicht so ein fan von damon bin, und mir die schnitte zu schnell sind und wackelige kamera zu wackelig - die story ist actionreich (yay explosions!), packend, spannend, nie langweilig, nicht zu voraussehbar und auch gar nicht blöd. aber irgendwie hat mir bei dem film was gefehlt, und meine innere stimme kommentierte den film andauernd mit "dum-di-dum". naja, als nächstes mal hurt locker besorgen; mal schaun ob der linderung bringt.

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  • muekinator | vor 694 Tagen, 21 Stunden,

    doppelplusgut alter

    ;)

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  • prom000 | vor 695 Tagen, 9 Stunden, 16 Minuten

    http://tinyurl.com/yha8n26

    Even for Hollywood, "Green Zone" is dumbfoundingly brazen in its effort to rewrite the facts. As any reasonably informed person knows, many intelligence services (including the French, German, Chinese, Russian and British) believed Iraq had WMDs. And the CIA (which along with Chief Miller is a hero of "Green Zone") was among them. Plus, such intel reports predated the Bush administration -- and Saddam's refusal to allow the UN weapons inspectors to finish their work gave us every reason to think he was hiding something and sealed his fate.
    ...
    "Green Zone" isn't cinema. It's slander. It will go down in history as one of the most egregiously anti-American movies ever released by a major studio.

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    • kleinerrollhügel | vor 695 Tagen, 6 Stunden, 11 Minuten

      lol, genau...wie lange muss man sich diesen linkslinken meinungsterror noch gefallen lassen...;)

    • christianfuchs | vor 694 Tagen, 19 Stunden, 46 Minuten

      "It will go down in history as one of the most egregiously anti-American movies ever released by a major studio" ist ein sehr schöner satz, der hoffnung im mainstream gibt. und ich sag das als großer pro-amerikaner.

      im übrigen hier eine chronik zu den WMDs:

      http://www.tagesschau.de/ausland/meldung323420.html

    • prom000 | vor 694 Tagen, 19 Stunden, 24 Minuten

      Der TV- und Kino-Sektor bordert doch schon am Kommunismus.
      Geschichtlich noch interessant wäre, dass ein gewisser Herr Robert Gates, GOP, immer noch Chef des Pentagons, in den 80er als Chef der Analytikerabteilung, massgeblich an der aktuellen Kultur des CIA Schuld ist.
      Hat sich noch keiner von euch gewundert warum ein Republikaner unter Obama immer noch Chef des DoD ist? Where is the change in that?

    • prom000 | vor 694 Tagen, 19 Stunden, 15 Minuten

      Noch was maybe auch ein Grund, warum solche "Irak-" usw. Filme(Hurt Locker) nicht so gut funktionieren.
      Bsp.: Platoon & patton genannt(beides Kriegsfilme die oscars gewonnen haben) die geklappt haben weil zwischen Krieg & Film Jahrzehnte liegen, während die aktuellen einfach zu sehr in der Gegenwart spielen, nur so eine idee.

    • watchtowerman | vor 694 Tagen, 16 Stunden, 49 Minuten

      stimmt das gefühl hab ich auch

      hat mich schon bei den 9/11 filmen sehr gewundert dass da nicht mal 10 jahre vergehen.

      und jetzt...
      ich mein wenn ein film darauf aufbaut dass es keine massenvernichtungswaffen gibt.
      das wissen wir doch alle noch
      müßten wohl echt erst ein paar jährchen ins land ziehen damit uns das wieder umhaut.

      bzw. die leute die dass nicht live miterlebt haben müssen auch erst ins alter kommen dass sie sowas interessiert

  • mishkin | vor 695 Tagen, 11 Stunden, 8 Minuten

    Damons Uneitelkeit und Wandlungsfähigkeit findest du toll, sein Perfektionismus widert dich an? Gerade dieser hat es ihm ermöglicht, um die von dir gelobten Eigenschaften zu forcieren.

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    • christianfuchs | vor 695 Tagen, 10 Stunden, 55 Minuten

      ich mochte ihn früher gar nicht, jetzt sehr. er hat mit den jahren gewonnen. finde ich. zu frieden?

    • mishkin | vor 695 Tagen, 3 Stunden, 8 Minuten

      Jo, ich bin übrigens derselben Meinung. Hab manchmal die Tendenz zum Klugscheissen.

  • kleinerrollhügel | vor 695 Tagen, 14 Stunden, 46 Minuten

    wenn der greengrass durch die handlung hetzende (laufend, sprigend, fahrend, kämpfend usw) personen inszeniert, kann ich stundenlang zuschauen. da ist mir politik und ähnliches wurscht.

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    • christianfuchs | vor 695 Tagen, 11 Stunden, 54 Minuten

      eh.

      wenn dann aber noch kleine feine beobachtungen und sarkasmen mitgeliefert werden (auch schon mehr als genug im letzten "bourne"), dann ist der mehrwert gewaltig.

  • dumichauch | vor 695 Tagen, 16 Stunden, 41 Minuten

    aber jetzt...

    ...den matt damon in departed als nebendarsteller zu bezeichnen is scho a bissl hart, oder? :-)

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    • christianfuchs | vor 695 Tagen, 16 Stunden, 11 Minuten

      geht teil eines ensembles? mark wahlberg war auch nebendarsteller, di caprio & nicholson die hauptfiguren....

    • dumichauch | vor 695 Tagen, 15 Stunden, 7 Minuten

      naja...

      ...da könnt ich jetzt wahrscheinlich stundenlang mit dir diskutieren drüber :-) weil meiner auffassung nach sind di caprio und damon die hauptfiguren und nicholson der nebendarsteller. der ganze film ist eigentlich fast durchgehend so aufgebaut, dass man immer sieht was die andere "ratte" gerade macht. screentime stoppen will ich nicht, aber hauptdarsteller ist er für mich alle mal.

    • kleinerrollhügel | vor 695 Tagen, 14 Stunden, 50 Minuten

      unterteilungen in haupt- und nebendarteller sind sowieso viel zu undifferenziert in den meisten filmen...

    • christianfuchs | vor 695 Tagen, 11 Stunden, 53 Minuten

      bitte weiterleiten an die academy awards. wer ist jetzt der hauptdarsteller nochmal in "inglorious basterds"?

    • dumichauch | vor 695 Tagen, 10 Stunden, 6 Minuten

      eh, oder in "no country for old man", man könnte sicher drüber streiten, ob nicht sogar der joker mehr screen time hat als batman in "the dark knight" :-) aber wäre damon für "the departed" nominiert gewesen, dann in der kategorie "best actor" :-)

    • watchtowerman | vor 694 Tagen, 16 Stunden, 47 Minuten

      finde auch dass es mehr auf damon und dicaprio aufgebaut war, so als spiegelbild

      aber wahlberg,
      oh mann in dem film ist er wirklich großartig