Erstellt am: 27. 4. 2010 - 19:03 Uhr
Vom Pech beim ersten Mal zu gewinnen
Es begann alles ganz harmlos: Als Mario 15 ist, zeigt ihm sein Vater, wie Fußballwetten funktionieren. Bald darauf folgen ersten Erfahrungen mit Glücksspielautomaten. In den nächsten Jahren schmeißt Mario insgesamt rund 57.000 € in die einarmigen Banditen. Wenn er nicht spielen kann, wird er aggressiv und er isoliert sich mit der Zeit von Familie und Freunden. Elf Jahre hat Mario gebraucht, um sich aus dem Teufelskreis Spielsucht zu lösen. Seit sechs Monaten ist der heute 26jährige in Therapie.
Die Lücken des Gesetzes
Man sollte eigentlich annehmen, dass das österreichische Glücksspielgesetz (GSpG) Jugendliche wie Mario daran hindern würde, mit Spielautomaten in Kontakt zu kommen. Der Besuch einer Spielbank ist laut GSpG auch nur volljährigen Personen gestattet, die sich auch entsprechend ausweisen müssen. Dieses Gesetz regelt allerdings nicht das sogenannte "Kleine Glückspiel", also Automaten mit einer Einsatzhöhe von bis zu 50 Cent. Klassische Hinterzimmer-Automaten also, die sich in Wirtshäusern, Wettbüros, Wettcafés und kleineren Spielhallen befinden. Für das "Kleine Glückspiel" sind die jeweiligen Bundesländer zuständig. Und obwohl sie in den meisten Bundesländern gar nicht erlaubt sind, geht man von 12.000 illegalen und weiteren 10.000 legal aufgestellten Geräten aus. Zwar gilt auch hier ein theoretisches Mindestalter von 18 Jahren, das wird allerdings schon bei den legal aufgestellten Geräten kaum kontrolliert. Und dass sich bei illegalen Automaten erst recht niemand einen Personalausweis zeigen lässt, davon kann man ausgehen.
Das Anton-Proksch-Institut in Wien geht von 60.000 Spielsüchtigen in Österreich aus. 150.000 seien durch die wachsende Zahl der Online-Spiele "stark gefährdet".
Nun soll eine Novellierung dieses Gesetzes unter anderem den Spielerschutz stärken. Das "Kleine Glückspiel" bleibt Ländersache, bekommt nun aber ein bundesweites Rahmen-Regelwerk. Größte Änderung im Gesetzesentwurf: Der Höchsteinsatz darf dann statt 50 Cent bis zu 10 € betragen, zumindest bei Geräten, die in neuen "Automatensalons" aufgestellt sind, außerhalb dieser Salons (also zum Beispiel in Wirtshäusern) immerhin 1 €. Und: Der Zugang soll mit eigenen Berechtigungskarten für die Spieler und Spielerinnen kontrolliert werden.
Ob diese Gesetzesnovelle greift, wird vor allem davon anhängen, ob es auch eingehalten wird. Das sollte zwar eine Selbstverständlichkeit sein. Die tausenden im Moment und seit Jahren mehr oder weniger unbehelligt offen rumstehenden und benützbaren illegalen Automaten geben da aber kein besonders gutes Bild ab. Und die Zahl der jugendlichen Spielsüchtigen spricht auch nicht dafür, dass sich um das (ja geltende!) Jugendverbot bisher jemand groß gekümmert hätte.

Die jungen Profispieler

Izabela Horodecki vom Verein Spielsuchthilfe bietet Hilfe und Beratung für Suchtkranke und deren Angehörigen. Obwohl nur 2% ihrer Klienten Jugendliche unter 18 Jahren sind, berichtet fast die Hälfte aller spielsüchtigen Erwachsenen, dass sie bereits als Jugendliche zu spielen begonnen haben. Keiner von ihnen dürfte je kontrolliert worden sein.
Tappt man aber schon im jungen Alter in die Falle Spielsucht tappt, dann kommt man schwer wieder heraus. Insbesondere, wenn man das Pech hat, beim ersten Mal gleich zu gewinnen. Denn das verändere laut Horodecki die Wahrnehmung der Wahrscheinlichkeit: Man spielt häufiger, um mehr zu gewinnen und man spielt auch häufiger, um seine Verluste zu kompensieren.
Als Jugendlicher ist man zumeist auch noch orientierungslos, was die eigene Zukunft betrifft. Und dann kann man leicht dem Glauben verfallen, mit Glücksspiel sei das "schnelle Geld" zu machen. Quasi als Nebenjob. Wenn Jugendliche bei Izabela Horodecki zur Beratung kommen, dann sagen sie meist so oft Dinge wie "Ich bin ein Berufsspieler" oder "Ich bin ein Profispieler". Auf die Frage, was sie denn dabei verdienen, bleibt dann nur ein "Nichts".
Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Um Jugendliche vom Glücksspiel fernzuhalten, müsste auch tatsächlich kontrolliert werden. Bei meinem Lokalaugenschein in diversen Wiener Spielhallen sind mir z.B. mehrere ziemlich jung aussehende Personen an den Automaten aufgefallen. War wirklich jeder von ihnen volljährig? Oder läuft es dort wie in vielen Trafiken, in denen Minderjährige ohne Probleme Zigaretten kaufen können, weil sie eben nicht mehr wie 14 ausschauen? Und hier ist noch nicht die Rede von den unzähligen illegal aufgestellten Automaten, bei denen das Alter der Spieler mit Sicherheit nicht immer kontrolliert wird.
Wer bei sich oder jemandem in seiner Umgebung Merkmale einer Spielsucht bemerkt, kann sich an den Verein Spielsuchthilfe melden.
Kontakt und Beratung können auch problemlos online und daher anonym erfolgen. Und Antwort und Hilfe werden garantiert.
Dass der Ausbau der Kontrolle wichtig wäre, unterstreicht auch Horodecki. Schon das bisherige Glücksspielgesetz hatte offensichtlich gröbere Mängel in diesem Punkt. Wird nicht effizient genug kontrolliert, bleibt für viele Jugendliche wie Mario am Ende nur der Weg in eine Therapie. Meist haben sie dann aber schon ein Jahrzehnt Spielsucht und finanzielle Katastrophen hinter sich.
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