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Musik, Film, Heiteres

Das Biber

Artikel aus dem Stadtmagazin für Wien, Viyana und Beč. Mit Scharf.

5. 5. 2010 - 13:21

Das Kreuz mit den Frauen

Wenn die Christen (und andere) den Islam kritisieren, verwenden sie die Frauenunterdrückung als Totschlagargument. Aber wie frauenfeindlich sind die Christen selbst?

Eine Polemik von Bogumil Balkansky

Biber-Cover: Tätowierter Mann. Text: "Tattoo-Trend: Gott - Glaube oder Ästhetik"

Das Biber

Der Artikel "Das Kreuz mit den Frauen" ist in der Mai-Ausgabe von biber. mit scharf erschienen.

"Eine Frau sollte still zuhören und sich ganz unterordnen. Ich gestatte es keiner Frau, zu lehren und sich über den Mann zu erheben. Zuerst wurde ja Adam geschaffen und dann erst Eva." Das sagte 1988 Karol Józef Wojtyla (1920-2005), von Beruf Papst und besser bekannt unter seinem Künstlernamen "Johannes Paul II". Bis heute unwidersprochen spiegelt dieser unfehlbare, weil päpstliche Erguss den Kern der Frauenverachtung in der katholischen Kirche wider. Da braucht es gar keine Diskussion über Kopftuch, Burka oder Genitalverstümmelung.

Aber der Schleier ist auch bei den katholischen Christenmenschen nicht weit. Zumindest wenn es nach dem Kirchenlehrer Ambrosius von Mailand (339-397) geht: "Die Frau muss das Haupt verhüllen, weil sie nicht das Ebenbild Gottes ist." Ähnlich sieht das auch Tertullian (ca.160 - ca.220) ein Jahrhundert zuvor: "Der Frau steht nur Trauerkleidung zu. Sobald sie dem Kindesalter entwachsen ist, soll sie ihr gefahrbringendes Antlitz verhüllen."

Ein "Missgriff der Natur"

Frau, inszeniert wie Jesus am Kreuz

Lucia Bartl

Den sprichwörtlichen Vogel schießt jedoch Thomas von Aquin (1225-1274) ab. Der Kirchenlehrer und Heilige geht die Sache mit den Frauen wissenschaftlich an. Seine total "wissenschaftliche" Erklärung für die Minderwertigkeit der Frau: "Die Frau ist ein Missgriff der Natur. Mit ihrem Feuchtigkeitsüberschuss und ihrer Untertemperatur ist sie körperlich und geistig minderwertiger. Sie ist eine Art verstümmelter, verfehlter, misslungener Mann." Die biologische Begründung für die Minderwertigkeit der Frauen liefert Aquin gleich mit: "Ein männlicher Fötus wird (bereits) nach vierzig Tagen, ein weiblicher (erst) nach achtzig Tagen ein Mensch. Mädchen entstehen durch schadhaften Samen oder feuchte Winde."

Die Liste dieses Gelabers ist lang und auch die Protestanten haben sich noch immer nicht ausreichend von ihrem großen Frauenverächter Martin Luther (1483-1546) distanziert. Für Luther sind Frauen einfach nur Gebärmaschinen für Männer und sollten sie sich auch "zu Tode tragen, das schadet nichts, lass sie nur zu Tode tragen, sie sind darum da".

Heilige Frauenfeinde

Obwohl dieser frauenfeindliche Unsinn wenigstens nicht mehr im Religionsunterricht vorgetragen wird, hängen nicht wenige erwachsene Christen den schwarzen Peter der Frauenunterdrückung allein dem Islam um. Vielleicht weil die Kleinen sonst bald fragen, wo denn im Christentum die sogenannte frohe Botschaft der Liebe und Toleranz für ihre Mütter und Schwestern zu finden ist? Es ist traurig und schrecklich, dass all diese Männer, die ich zitiere (und eine Legion mehr, die ich nicht zitiere), für die Christen als Kirchenlehrer und Heilige gelten. Man muss sich fragen, warum die christlichen Religionsgemeinschaften das "Werk" dieser Frauenhasser noch immer uneingeschränkt als Leistung würdigen?

Seit der Pharao Amenophis IV (alias Echnaton, ca. 1350-1330 v.Chr.), zusammen mit seiner Frau Nefertiti (alias Nofretete, gestorben ca. 1338 v. Chr.) den Eingottglauben (Monotheismus) erfunden hat, behalten die Männer die Deutungshoheit über die "heiligen" Bücher ausschließlich sich selbst vor. So haben sie weniger Konkurrenz um die Macht, die diese Tätigkeit und die bezahlten Ämter der Kirchen mit sich bringen. Zwar lassen die Protestanten auch Frauen an Ämter und damit an Gehälter, aber solange sie Luthers Aussagen zur Natur der Frau nicht ersatzlos aus ihrem Programm streichen, sind sie um keinen Deut besser als die Katholiken. Ein anderer Grund, die Frauen zu unterdrücken, liegt freilich direkt in der "Natur der Frau" – eben der Fähigkeit zu Gebären. Hat Mann erst Frau gut unter der Knute, kontrolliert Mann auch ihre Gebärmutter und damit die Produktion neuer Christen für Mutter Kirche.

"Das Bild der Frau im Christentum kommt vom Patriarchat - und dieses regiert auch den Rest der Welt!" So die Seelsorgerin und Pastoraltheologin Veronika Prüller-Jagenteufel im Biber-Interview: "Es behauptet sich seit Urzeiten und ist bis heute sehr erfolgreich." Für Pessimismus sei dennoch kein Platz: "Es ist schon vieles weitergegangen. Gesellschaftspolitisch wie auch innerhalb der christlichen Religionsgemeinschaften, haben sich Frauen stabil vernetzt und betreiben erfolgreich eine Änderung der Verhältnisse." Warum allein Männern die Deutungshoheit der Heiligen Schrift vorbehalten bleibt, erklärt die Theologin so: "Man muss das im historischen Zusammenhang sehen. Die zwölf Apostel waren Männer, einfach weil zu Zeiten Jesu eben nur Männer als Vertreter ihrer Sippe oder des Hauses bzw. des Stammes agieren durften. Mit keinem Wort ist geschrieben, das es bis in alle Ewigkeit dabei bleiben muss!"

Sex nach Gottes Plan

Wie gelingt es den christlichen Religionsgemeinschaften, die Frauen, und damit mehr als die Hälfte ihrer Gläubigen, seit so vielen Jahrhunderten zu unterdrücken? Wie findet das groteske Frauenbild dieser gläubigen Männer seinen Weg in die Köpfe einer jeden neuen Generation? Unter anderem wohl auch mit dem Aufzwingen einer widernatürlichen Sexualmoral. Als Katholik darf man sich nur nach Gottes Plan sexuell vergnügen: um Schwangerschaft zu bewirken. Sex einfach nur zum Spaß ist Sünde, die von der Frau ausgeht, weil sie ja mit der "Erbsünde" behaftet und außerdem die "Eingangspforte des Teufels" ist! Der Teufel wohnt also ausschließlich in der Vagina!

Der andere Knüppel der Religionsgemeinschaften ist tatsächlich ein Knüppel: nackte Gewalt. Die christlichen Religionsgemeinschaften hatten eine Jahrhunderte alte Tradition, jeden, der dumme Fragen stellte oder dieses System kritisierte, mundtot zu machen. Und in manchen Köpfen lebt die Inquisition auch heute noch weiter. Zum Faschismus war es dann mitunter gar nicht mehr so weit. Es war daher kein Zufall, dass gerade der Katholizismus immer in Staaten erblühte, die von einem faschistischen, katholischen Diktator oder einer Junta regiert wurden, wobei diese Diktatoren und Junta selbstredend ausschließlich Männer waren.

Den perversen Höhepunkt der christlichen Frauenunterdrückung kennen wir alle: die Hexenprozesse. Vom Mittelalter bis weit in die Neuzeit, haben die Christen hunderttausende Frauen gefoltert, vergewaltigt und lebendig verbrannt, weil sie nachts auf Besen fliegen und Teufels Werk tun. Heute haben die Christen Jesus auf jugendlich getrimmt und gehen besonders in den USA auf junge Seelen los. Komplizierte Fragen wie Frauenrechte werden nicht gestellt. Stattdessen wird gebetet und Cumbaya gerappt. Realsatire: Es wird ausgerechnet von einem österreichischen Kirchenvertreter das jungfräuliche Waisenkind Harry Potter bezichtigt, Aberglaube und Teufels Werk zu verbreiten.

Jesus der Frauenversteher

Ironischerweise gilt Jesus (wie Mohammed) unter Theologen und Historikern doch tatsächlich als Frauenbefreier. Jesus (wie Mohammed) befreite die Frauen in seinem Kulturkreis von der Knechtschaft des Alten Testaments, worin sie gerade einmal ein wenig mehr als tumbe Sklavinnen sind. Freilich gesteht Jesus (wie Mohammed) den Frauen nichts ein, was sie damals nicht ohnehin schon an Rechten hatten - allerdings im römischen Bürgertum und davor in der griechischen Antike. In Israel leben bis heute rund 500.000 ultraorthodoxe Juden nach dem Schema des Alten Testaments. Ihre Kinder lernen nur Lesen, Schreiben und die vier Grundrechenarten. Der Rest steht ja im Alten Testament und dessen Studium widmen die Männer ihr ganzes Leben, während die Frauen arbeiten und den Haushalt erhalten, sprich: alles andere machen müssen. Von Jesus wollen diese heiligen Männer allerdings nichts wissen. Genau so wenig wie von Frauenrechten als Menschenrechten.

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  • johnleehookerelectro | vor 1446 Tagen, 5 Stunden, 45 Minuten

    bis hin zur wirtschaft wo noch immer in manchen kollektivverträgen drinnen steht dass frauen weniger überstunden machen dürfen etc

    das positive resultierende ist (vl auch nur einbildung)dass die mittlerweile immer zahlreicher revoltierenden frauen(passiv und aktiv revoltierend),die die ihre sogenannte "erbsünde"/aussehensexappeal/woteva zur gefährlichtsen waffe der welt machen wenn sie wollen,die die sich selbst darstellen können, die die wie ein mystisches wesen,bei tag die kulturliebende bei nacht der innbegriff des bad-girljokers in die synapsen von hilflos ausgelieferten männern brennen können...das ganze system endlich mal in der wirklichkeit aufn kopf schmeissen ohne wie alice schwartzer nur zu laaaabern...
    es wirkt für manche so als ob die evolution eingreift."wenn man die ganze zeit nur gewichten/lasten läuft und aufeinmal sind die gewichte weg dann machts logischerweise bum"

    haha das fadi merza is da beste,einer der besten kickboxer des landes und hat vermutlich frauen zum shoppengehen als samanter von sex in the city...so ein styler haha

    Auf dieses Posting antworten
    • johnleehookerelectro | vor 1446 Tagen, 5 Stunden, 35 Minuten

      und @ die polemik-geiffer

      bitte lernt leben
      danke

  • moosesgarcia | vor 1447 Tagen, 11 Stunden, 12 Minuten

    Na ja, ohne jetzt die Thematik des Artikels zu kritisieren, aber etwas als "Polemik" zu bezeichnen, um inhaltliche Schwächen zu rechtfertigen, finde ich ein wenig billig.

    Auf dieses Posting antworten
  • cheguevarawithblingon | vor 1448 Tagen, 2 Stunden, 36 Minuten

    was ist sinn und zweck dieses artikels? ich verstehe es nicht.

    Auf dieses Posting antworten
    • alpiarts | vor 1448 Tagen, 2 Stunden, 9 Minuten

      Ganz einfach: lerne lesen.

  • jackyjackson | vor 1448 Tagen, 6 Stunden, 56 Minuten

    was die orthodoxen juden im letzten absatz angeht: sie leben nicht nur von der arbeit ihrer frauen sondern sie sind in israel auch in hohem maße auf staatliche hilfsleistungen angewiesen: "cuts to government funding and their welfare payments have pushed many of the country's 650,000-strong ultra-orthodox community into poverty"
    http://tinyurl.com/33xgwyp

    Auf dieses Posting antworten
  • rriotrradio | vor 1448 Tagen, 9 Stunden, 3 Minuten

    nicht alles was schlecht recherchiert...

    ...und in weiten teilen aufgrund der offensichtlich nur sehr oberflächlichen beschäftigung mit der materie einfach nur dumm ist, ist eine "polemik".

    Auf dieses Posting antworten
    • keyserkeli | vor 1448 Tagen, 3 Stunden, 49 Minuten

      sehr richtig, danke.
      bitte in meinem unteren post polemik durch oberflächliche recherche ersetzen...

  • keyserkeli | vor 1448 Tagen, 9 Stunden, 30 Minuten

    bei allem respekt gegenüber der provokant-frechen herangehensweise welcher themen auch immer in "das biber", aber so eine polemik ist reichlich überflüssig.
    obwohhl es schon haarsträubend ist, worauf sich die katholische kirche heute noch berufen mag, mit so billiger argumentation lenkt man von vornherein den diskurs in die falsche richtung.
    die legitimation der fauenunterdrückung im islam ist also das rollenbild der frau im christentum?
    na halleluja...

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    • oxymoron | vor 1448 Tagen, 8 Stunden, 13 Minuten

      nachdem der diskurs heute so aussieht, dass viele so tun, als wäre das christentum die gute religion, die an schulen unterrichtet werden muss, damit die europäischen werte nicht verfallen, ist es schon legitim, darauf zu verweisen, dass das christentum ohne aufklärung fast schon das gegenteil der heutigen europäischen werte repräsentiert. kreuze in klassenzimmern und konfessioneller religionsunterricht sind ein stolperstein für integration und aufklärung. eine aufgeklärte ethik sollte unterrichtet werden, nicht eine glaubensrichtung, weil die geschichte eben gezeigt hat, dass erst mit der nicht-religiösen auseinandersetzung mit werten auch die religion aufgeklärt interpretiert wird.

    • offi | vor 1448 Tagen, 7 Stunden, 34 Minuten

      Ich stimme oxymoron vollinhaltlich zu!

    • sicklikejosef | vor 1448 Tagen, 5 Stunden, 24 Minuten

      Ob das Christentum die "gute Religion" ist kann ich nicht sagen

      aber es ist historisch sehr leicht zu zeigen, dass europäische Aufklärung ihre philosophischen Fundamente aus der christlichen Theologie herleitet. Das kann man auch als Argument gegen die Aufklärung betrachten, aber auch eine Entfernung der Kruzifixe aus Klassenzimmern kann uns zeitgenössischen Europäern nicht ersparen die eigenen kulturellen Voraussetzungen etwas ernster zu nehmen. Wenn man das Christentum ganz negiert, endet man in Paulo Coehlos "Krieger des Lichts". Eine Kritik des Christentums wäre wertvoller, die es versteht das Unverzichtbare an diesem Ethos heraus zu arbeiten. Und das besteht eben darin dass es die christliche Theologie von Augustinus und Aquin war, die eine Trennung von Religion und Politik denkmöglich gemacht hat. Nicht mehr, nicht weniger.

    • oxymoron | vor 1448 Tagen, 3 Stunden, 50 Minuten

      die kulturellen voraussetzungen etwas ernster zu nehmen: gerne, nur bitte nicht zu ernst. im mittelalter mag man die religion noch gebraucht haben (nachdem u.a. durch das christentum enorme errungenschaften zunichte gemacht wurden), heute ist es meiner ansicht nach absolut widersinnig, in irgendeiner religion etwas "unverzichtbares", vermeintlich dieser religion Eigenes finden zu wollen (laizismus entstand auch in ländern des ostens - ganz ohne augustinus und aquin). und das wichtigste prinzip, auf das man fast jede ethische frage runterbrechen kann - die goldene regel - ist längst vor dem christentum und nicht nur in religiösem zusammenhang verschriftlicht worden, was beweist, dass dafür keine religion notwendig war. religion ist nur ein teil unserer kultureller voraussetzungen, wieviel und welchen (positiven und negativen) einfluss man dem für die entwicklungen der letzten 500 jahre beimisst, darüber kann man lange diskutieren, nur tut man das in einem konfessionellen religionsunterricht nur einseitig bis gar nicht und immer nur mit einem bruchteil der schüler - deshalb bitte ethik stattdessen.

    • keyserkeli | vor 1448 Tagen, 3 Stunden, 38 Minuten

      die frage religions- oder ethikunterricht wäre es wert, ausführlich diskutiert zu werden, ebenso die notwendigkeit des kruzifix in klassenzimmern!

      zu bedenken ist aber, ob man in der islamischen welt schon bereit ist, solche diskussionen zu führen, immerhin hat man dort die aufklärung noch vor sich...

    • sicklikejosef | vor 1448 Tagen, 2 Stunden, 33 Minuten

      @oxymoron (cooler nick übrigens)

      Ethik ist schon ein wenig mehr als ein paar moralische Vorschriften und sie geht auch tiefer als die Frage wo laizistische Systeme entstanden.
      Es geht darum, was wir als Europäer mit unserer Vergangenheit als kolonialistische und imperialistische Kultur anfangen. Europäische Zivilisation und Kultur ist die einflussreichste dieses Planeten. Keine andere hat so tiefgreifende Veränderungen ausgelöst wie sie, ob im Guten oder im Schlechten. Die Wissenschaftskultur dieses Kontinents hat die bedeutendsten Umwälzungen der gesamten Geschichte in unfassbar kurzer Zeit in Gang gesetzt, irreversibel und unaufhaltsam. Wie wollen wir damit umgehen? Ein Rekurs auf das Christentum (und übrigens auch auf das Judentum) ist deshalb notwendig, um zu begreifen, was uns von anderen unterscheidet. Wir haben Stärken, die andere nicht haben, wir haben Schwächen, die andere überwunden haben. Das christliche Erbe stattet uns mit einem mächtigen Ethos der Differenz aus, das uns dazu befähigt unseren eigenen Horizont zu überschreiten. Da geht es nicht um goldene Regeln, sondern die Frage, wer wir sind, was wir wollen. Oder anders gesagt: man muss das Christentum gegen die Christen verteidigen, indem man sich erinnert, wozu es uns befähigt hat.

    • oxymoron | vor 1448 Tagen, 1 Stunde, 21 Minuten

      der mächtige ethos der differenz, mit dem unser christliches erbe uns ausstattet, befähigt uns dazu, unseren eigenen horizont zu überschreiten? da wären wir wieder bei dem punkt, wo man lange diskutieren könnte, welche rolle dabei die religion spielte (und welche rolle ganz andere politische, wirtschaftliche und philosophische einflüsse). dass wir begreifen sollen, was uns von anderen unterscheidet, kann ich insofern nachvollziehen, als es wichtig ist, die geschichte des wohlstandes, der konflikte, der werte, etc. zu kennen - wieso aber sollte man ernsthaft spekulieren, welche unserer schwächen/stärken "uns" das christentum verliehen habe? wie oft wird nur im nachhinein etwas der religion angedichtet? henne oder ei? wieso ist japan eine stärker leistungsorientierte gesellschaft als die calvinistische schweiz? wieso ist china "imperialistisch" unterwegs?

      die goldene regel ist alles andere als eine moralische vorschrift, sondern ein prinzip, nach dem sich zu richten sinnvoll ist.

    • oxymoron | vor 1448 Tagen, 47 Minuten

      @keyserkeli. "die" islamische welt gibt es ja nicht (türkei ist zB NOCH laizistisch, inkl. kopftuchverbot), aber was jene moslems betrifft, die in europa leben: hätten wir nicht konfessionellen religionsunterricht bezahlt, sondern stattdessen vor jahren einen gemeinsamen ethikunterricht eingeführt, wäre heute mit sicherheit einiges besser. wie kann es sonst wohl sein, dass manche moslems in der dritten generation borniertere religiöse ansichten haben, als ihre großeltern?
      ich glaub kaum, dass ein türkischer gastarbeiter in den 60ern zu einem kollegen, der (nicht halal) putenfleisch aß, sagte "das darfst du nicht essen! wenn du das isst, bist du wie ein christ!", wie das heute manche schülerInnen machen.
      und auch heute wäre ethikunterricht wichtig und - was die moslems betrifft - locker durchsetzbar. schulpflicht ist schulpflicht - wenn die meisten väter sogar ihre töchter in den schwimmunterricht lassen, wieso sollten sie ein problem damit haben, wenn es einen gemeinsamen unterricht über ethik gibt, und für religionsunterricht geblecht werden muss?
      nur wenn die schüler erleben, dass man ethik diskutieren kann, und dass entscheidungen bei uns diskutiert werden MÜSSEN, weil wir in einer demokratie leben, und welche vorteile daraus erwachsen, kann man das auch schätzen lernen.

    • keyserkeli | vor 1447 Tagen, 22 Stunden, 53 Minuten

      hochinteressante, richtige ansätze!

      was aber machen wir mit den von dir beschriebenen moslems der dritten generation?

      ich ertappe mich immer öfter dabei, diesen sogenannten "bornierten" moslems ein "aufgeklärteres" christentum entgegenhalten zu wollen, obwohl ich mit überzeugung aus der kirche ausgetreten bin, meine christl. prägung jedoch leider(?) nicht ganz ablegen kann.

    • blumenau | vor 1447 Tagen, 4 Stunden, 37 Minuten

      "wir" "machen" mit der dritten generation gar nix. das ist der verkehrte denkansatz.

      weil es so selten vorkommt, muß es gesagt sein: stimme mit oxymoron aber sowas von überein...

      und im licht dessen, was sich in diesem schönen thread hier zeigt, manifestiert sich das, was dasbiber unnötig übervorsichtig als polemik bezeichnet, als wichtiger alternativer denkansatz.

    • keyserkeli | vor 1447 Tagen, 4 Stunden, 5 Minuten

      was dasbiber unnötig übervorsichtig als polemik bezeichnet, mag hier in dieser community zu einem schönen thread führen, anderswo eher nicht (jedenfalls nicht auf der dasbiber-site selbst).

      ich finde, wir müssen viel machen, vorallem reden, aufeinander zugehen, missverständnisse ausräumen.
      aber wie weit toleranz walten lassen gegenüber den intoleranten, tell me?

  • aereogramme | vor 1448 Tagen, 10 Stunden, 15 Minuten

    ;)

    Da fehlt eindeutig das zweite, schönere (freizügigere) Foto der Dame am Kreuz aus der Printausgabe ..

    Auf dieses Posting antworten
    • aereogramme | vor 1448 Tagen, 9 Stunden, 57 Minuten

      (Case in point?)

  • sicklikejosef | vor 1448 Tagen, 12 Stunden, 27 Minuten

    Die Frage anders gestellt: Wie christlich ist Frauenfeindlichkeit?

    Anders als Islam und Judentum, die Gesetzesreligionen sind, ist das Christentum eine Gewissensreligion. Seine spezifische Neuerung bestand darin, den Ort der spirituellen Erkenntnis im Individuum zu lokalisieren, während er in Islam und Judentum in der Gemeinschaft, der Umma oder dem Volk Gottes liegt.
    Im christlichen Ethos unterhält sich Gott mit dem einzelnen, in den anderen Bekenntnissen kommuniziert er mit der Gemeinschaft. Diese Verschiebung im spirituellen Ort ermöglichte es dem Christentum zur Aufklärung vorzudringen. Anders gesagt: So misogyn, rassistisch und bigott die christlichen Kirchen auch sein mögen, erst der spirituelle Horizont des Christentums in Verbindung mit seiner jüdischen Vergangenheit konnte Aufklärung und Emanzipation überhaupt denkmöglich machen. Das trifft eben nicht auf den Islam zu, und auch ganz sicher nicht auf asiatische Religionen.

    Auf dieses Posting antworten
    • zikmund | vor 1448 Tagen, 10 Stunden, 44 Minuten

      http://www.hdamm.de/buddha/buddhadasa.php

      vgl. erster absatz, könnte Dich interessieren, leider ist der Mann schon gestorben.

    • sicklikejosef | vor 1448 Tagen, 9 Stunden, 37 Minuten

      Um es diplomatisch zu formulieren:

      Das Problem ist und bleibt, dass wie in diesem Beispiel ein Mann die Stellvertretung der Frauen übernehmen muss. Das Neue am westlichen Feminismus ist die Verschiebung des Politischen auf die weibliche Subjektivität, weg vom männlichen Blick. Ich kann dem Herrn Bhikkhu nur dafür gratulieren soviel Mut gezeigt zu haben seine Religion reformieren zu wollen, aber das ändert die Geschlechterverhältnisse eben nicht (oder kaum). Man fordert ja seit Jahrzehnten das Frauenpriestertum in der katholischen Kirche. Das wäre eine nachhaltige Veränderung, nicht dass Benedikt seinen Sexismus gesteht.

  • isron | vor 1448 Tagen, 16 Stunden, 23 Minuten

    Wie schon in einigen anderen Kommentaren hier angesprochen glaube ich auch, dass die Unterdrückung von Frauen primär ein gesellschaftliches und kein religiöses Problem ist. Religionen sind meiner Meinung nach nichts anderes als kodifizierter Ausdruck von gesellschaftlichen Normen und Konventionen. In den aller-meisten Religionen wurde so eben auch das Patriachat kodifiziert. Hier sind auch Christentum, Islam und Judentum genau gleich scheiße. In wieweit dieser Mist dann in der gelebten Gesellschaft noch Relevanz genießt ist eine gänzlich andere Frage und lässt keinerlei Rückschlüsse auf die jeweilig vorherrschende Religion zu.

    Auf dieses Posting antworten
    • offi | vor 1448 Tagen, 7 Stunden, 26 Minuten

      Richtig!

      Sehr vereinfacht würde ich aber sagen, dass nur der Wohlstand der Gesellschaft hier den Unterschied macht.

  • gerlinde666 | vor 1448 Tagen, 21 Stunden, 25 Minuten

    in sachen gleiche rechte für frauen und männer denk ich mir immer, man kann gar nicht so viel futtern, wie man kotzen möchte.

    Auf dieses Posting antworten
    • dilak | vor 1448 Tagen, 20 Stunden, 20 Minuten

      nanana....
      gehts a bissl inhaltsreicher oder wolltest nur den alten "...nicht so viel fressen wie ich kotzen möchte" spruch loswerden?

    • rriotrradio | vor 1448 Tagen, 10 Stunden, 14 Minuten

      forza allgemeinplatz!