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Musik, Film, Heiteres

Robert Glashüttner

Robert Glashüttner

Videospielkultur, digital geprägte Lebenswelten, Musik aus Österreich

14. 5. 2010 - 15:09

"Kein Geschenk an die Musiker"

Google betreibt mit YouTube eine der effizientesten Werbeplattformen der Welt. Doch die Vergütung der Urheberrechte ist weiterhin ein Problem.

Wer Laie in Wirtschaftsfragen ist, durchschaut die Logik von Geldströmen in vielen Fällen nicht. In der neuen, nun weitgehend digitalen Medienwelt ist es aber selbst für Profis und Beteiligte nicht immer klar, wer wann von wem warum wieviel Geldmittel bekommt - oder nicht. Vor allem schwer zu fassende Werte wie Aufmerksamkeit lassen sich oft nicht klar in monetäre Werte umlegen. Abgesehen davon sieht jeder an einem Geschäft beteiligte Partner die Sachlage naturgemäß anders.

Das neue MTV

Skeros "Kabinenparty"-Video auf Youtube: 1429538 Aufrufe

Skero, Videostar

Musiker Skero über den Einfluss seines viel aufgerufenen Videos auf YouTube:

"Der Erfolg von 'Kabinenparty' ist nur von dem Video ausgegangen. Wenn ich das nicht gemacht hätte, hätten die Kids das nie überrissen, dass es die Nummer überhaupt gibt."

Manchmal kann man sich aber trotz verworrener Verhältnisse seiner Position sicher sein. Dass YouTube, das ehemals sympathisch-chaotische Bewegtbilder-Portal zum Upload von Katzenvideos und Handyfilmchen, fünf Jahre nach dem Start zu einer mächtigen, weil dezentralen und überall verfügbaren Medienmaschine geworden ist, bezweifelt niemand mehr. Wer hier - womit auch immer - einen Hit landet, zieht große Aufmerksamkeit auf sich. Die meiste Aufmerksamkeit bekommt allerdings in jedem Fall der YouTube-Besitzer Google. Er steigert durch die hohen Zugriffszahlen den Marktwert seiner populären Videoplattform enorm.

Am vergangenen Montag ist wieder einmal eine Debatte um die Frage entbrannt, wer von wem mehr profitiert: YouTube von den Inhalten, die hochgeladen werden oder umgekehrt? Anlass waren die seitens der deutschen Musikverwertungsgesellschaft GEMA abgebrochenen Verhandlungen mit YouTube/Google Deutschland über eine vertragliche Lösung zur Tantiemenfrage. Die österreichische AKM, ebenso wie sieben weitere internationale Verwertungsgesellschaften, schließen sich der Reaktion der GEMA an.

Gut oder gut gemeint?

Grund der Verhandlungsabbrüche: Man würde auf keine gemeinsame Lösung kommen, Google stelle sich quer. Schon seit April 2009 würden keine Tantiemen, also keine Vergütung, für die auf YouTube zur Verfügung gestellte Musik mehr fließen. AKM Generaldirektor Gernot Graninger dazu im Gespräch mit FM4:

"Die Provider und Plattform-Betreiber glauben immer, das ist ein Geschenk an die Musiker, dass ihre Werke zur Verfügung gestellt werden - aber das ist es eben nicht. Wir freuen uns ja, wenn die Musik verbreitet und wenn sie konsumiert wird. Aber die Rechteinhaber müssen eben auch dafür entlohnt werden."

Google würde jeglichen Modus zur Tantiemenabrechnung grundsätzlich ablehnen, so Graninger. Stimmt nicht, sagt der für Deutschland und Österreich zuständige Google Pressesprecher Kay Oberbeck. Bloß die Umsetzung eines Pay-Per-Click Bezahlungsmodells wird abgelehnt, denn das sei "einfach nicht nachhaltig", wie es in der offiziellen Pressemeldung von Google dazu heißt. Außerdem habe man mit vielen anderen Ländern erfolgreich Lösungen zur Tantiemenabrechnung gefunden. Welche Abrechnungsmodelle dabei zum Einsatz kommen, bleibt unbeantwortet.

Das Video zu OK Go "This Too Shall Pass" auf Youtube: 12816333 Aufrufe
Kostenfreie Werbung oder Ausbeutung? - Die Grenze zwischen Promotion und Urheberrechtsverletzung kann fließend sein.

Ein Zeichen setzen

Um, so Gernot Graninger, "Google an den Verhandlungstisch zu bringen", hat sich der Verbund der Musikverwertungsgesellschaften nun entschlossen, 600 YouTube-Videos wahlweise zu löschen oder von Deutschland aus zu sperren. Die AKM stellt 50 davon, welche das sind, wird nicht verraten.

Weder YouTube/Google noch die Verwertungsgesellschaften schaffen es in diesem Streit, Sympathiepunkte von der Öffentlichkeit und den betroffenen Usern und Musikern zu ernten. Beide Parteien bleiben in der Kommunikation ihrer konkreten Standpunkte, Vorschläge und Maßnahmen vage und intransparent. Google beharrt darauf, dass der schiere Schub an Aufmerksamkeit via YouTube der größte Mehrwert für Musikschaffende ist, die Verwertungsgesellschaften verurteilen die Ignoranz und Überheblichkeit von Google, wo man sich bestehenden Urheberrechtsgesetzen widersetzen würde.

User, die es ohne viel Nachdenken gewohnt sind, auf YouTube quasi alles immer verfügbar zu haben, werden es verkraften, wenn das eine oder andere Video mal vorübergehend offline ist oder den Ort im Netz gewechselt hat. Die Leidtragenden in dieser Streitfrage sind hauptsächlich Musikerinnen und Musiker, deren Rechte in einer Weise geschützt werden, die möglicherweise kontraproduktiv ist. AKM-Generaldirektor Graninger wünscht sich - wie Google auch - eine baldige Lösung des Streitfalles, besonders kompromissbereit wirkt aber auch er momentan noch nicht:

"Die österreichischen Musiker brauchen sich nicht fürchten, dass irgendwas heruntergenommen wird. Sie müssen sich nur fürchten, dass sie von YouTube ausgebeutet werden - das ist derzeit der Fall und das werden wir verhindern.

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  • valderama | vor 638 Tagen, 3 Stunden, 36 Minuten

    dezentral?

    ich würde youtube nicht als "dezentral" bezeichnen. das internet insgesamt ist denzentral, eine einzelne applikation wie youtube, wird aber "zentral" gesteuert. in dem fall im google headquarter...

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  • valderama | vor 638 Tagen, 3 Stunden, 58 Minuten

    urheberrechtlich geschütztes material wird doch eh ständig aus youtube entfernt. und das ist auch gut so, weil youtube keine verwertungsmaschine von geschützer musik werden soll.

    wenn manche kreative trotzdem wollen, dass ihre videos im internet gesehen werden können, sollen sie die halt auf ihre eigenen server hochladen.

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  • zarniwoop | vor 638 Tagen, 16 Stunden, 28 Minuten

    Zwei Aspekte für Asinella

    Zum einen: Wie will ein unbekannte Künstler heute irgendwie auf sich aufmerksame machen - wenn nicht über "for free" Plattformen wie YOUTUBE?
    (in heutigen Zeiten tendiert alles auf Acts, die "eh schon jeder kennt")
    Zum anderen: Wie kann der Unterschied erklärt werden zwischen "Patenten" (wo ja wirklich Geld und Zeit und Wissenschaft verbraten wird) und "Urheberrechten" (wo etwa vier Töne reichen, um 80 Jahre über das Leben des "Urhebers" hinaus noch geldwerte Ansprüche gemacht werden?
    Ach ja - noch eine Frage: Wie viel kommt eigentlich von einem Euro, der etwa bei Konzerten an Verwertungsgesellschaften gezahlt wird, letztendlich beim Künstler an? Das bewegt sich doch auch nur im einstelligen Prozentbereich! Heisst: Die "Urheber" sind willkommene Gelddruckmaschinen für SONY und GEMA etc.

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    • robertglashuettner | vor 638 Tagen, 3 Stunden, 4 Minuten

      abrechnung

      "1/3 Komponist, 1/3 Textautor (bzw. 2/3 Urheber), 1/3 Musikverlag"

      quelle: http://snipurl.com/wbibj

  • mrbigstuff | vor 638 Tagen, 17 Stunden, 35 Minuten

    warum

    kann ich mir einige Videos in Deutschland nicht anschaun und bekomm die Meldung, dass es in meinem Land gesperrt ist?

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  • asinella | vor 638 Tagen, 18 Stunden, 43 Minuten

    und noch einmal der hinweis: nicht alle künstlerInnen laden ihr zeug selbst rauf, sondern es wird einfach raufgeladen von dritten (siehe nur die ganzen live-mitschnitte und hochgeladene songs von cds unterlegt mit irgendwelchen - mehr oder weniger passenden - bildern, für die im übrigen meistens auch das copyright nicht besessen wird). und wenn was wegen copyright-verletzungen runtergenommen wird dann nicht, weil youtube das sagt, sondern weil die rechteinhaberInnen anklopfen. und im übrigen geht's hier gar nicht darum, dass wer millionen verdienen will, hier geht's ums prinzip: nämlich das, dass eine ganze generation dazu erzogen wird, dass sämtliche kreativen werke gratis für sie zu haben sind. zugespitzt und bösartig: dass musikerInner und alle sonstigen künstlerInnen nur zur unterhaltung für sie da sind - und das natürlich gratis. ich sag' ja auch überhaupt nicht, dass youtube das böse schlechthin ist, aber die diskussionen sind einfach immer diesselben und laufen immer auf dieses argument raus, dass wir (labels, musikerInnen, verlage etc.) ja froh sein könnten, dass wir gratis werbung bekommen. nein, müssen wir nicht. ist schon okay in manchen fällen, aber es kann daraus kein künftiger standard in der musik- bzw. der gesamten...

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    • asinella | vor 638 Tagen, 18 Stunden, 40 Minuten

      kreativwirtschaft gemacht werden - das post sollte im übrigen als antwort auf schaaf weiter unten kommen...

  • truhe | vor 638 Tagen, 21 Stunden, 18 Minuten

    Musiker sind schon was besonderes - wenn ich ein Bild male, dann kann ich das genau einmal verkaufen und dann muss ich ein neues malen - wär echt mal lustig wenn ich jedesmal was dafür verlangen könnte wenn sich's jemand ansieht....

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    • harryjen | vor 638 Tagen, 19 Stunden, 41 Minuten

      Du verkaufst du deine Bilder wahrscheinlich aber nicht um 0,99 pro Stück.
      Wenn mir einer für einen Song 200,- aufwärts zahlt, ist mir nachher auch wurscht, wie oft er den kopiert.

  • asinella | vor 638 Tagen, 23 Stunden, 54 Minuten

    ich kann das argument "ist ja nur werbung für die künstlerInnen" nicht mehr hören. blanker zynismus. hier soll also für youtube gratis content geliefert werden, damit die millionen aus werbeeinnahmen scheffeln können. das kann doch echt nicht wahr sein! wie sollen kreativarbeiterInnen ihre arbeit machen, wenn sie immer und überall nur hören "geld gibt's keins, ist ja eh werbung für Euch." wenn ich mir kein leben mehr leisten kann, brauche ich auch keine werbung mehr für mich.

    Auf dieses Posting antworten
    • harald123 | vor 638 Tagen, 23 Stunden, 11 Minuten

      wenn das alles so einfach wär. youtube hat selbst noch keinen cent verdient (jahresverlust 2009: 470 Mio Euro)

      http://bit.ly/eJVYi

    • schaaaf | vor 638 Tagen, 22 Stunden, 58 Minuten

      den content liefern die user youtube ja freiwillig, wenn man denen ihre werbeeinnahmen nicht unterstützen will, muss man es ja nicht nützen.

      umgekehrt könnte man auch behaupten, dass den künstlern mit youtube eine gratis plattform zur weltweiten bekanntmachung ihrer werke zur verfügung gestellt wird.

      es muss ja keiner, und der deal ist ja von vornherein klar. wenn man nicht will, dass die eigenen werke online gratis abrufbar sind, muss man sich halt von youtube, myspace und was es da sonst noch gibt fernhalten.

    • asinella | vor 638 Tagen, 19 Stunden, 1 Minute

      die wenigsten liefern freiwillig, wie Du schreibst, sondern musik Dritter wird einfach hochgeladen - mit dem argument, die bands könnten ja froh sein, wenn sie hier gratis beworben würden. aber jedes werk - egal jetzt ob photographie, video, musikstück, text etc - hat einen oder mehrere autoren/autorinnen (ja, ja, der vielgepriesene "tod des autors..." lass ich außen vor) und dieser/diese sollten meiner ansicht nach schon noch das recht haben zu entscheiden, wo und wie ihr werk verbreitet wird - und zu welchen bedingungen. und das haben sie formal auch. aber dieses bewusstsein schwindet zusehends und dann kommen Unternehmen wie google und verstärken diesen trend noch, indem sie sich darüber hinwegsetzen - ja, sie haben hinweise in den AGB, dass nur hochgeladen werden darf, wofür man das copyright hat, aber wir sehen ja, wie wirkungsvoll das ist. ist etwas naiv zu behaupten, wir hätten alle noch völlige kontrolle über unser schaffen. darum geht's ja in dieser diskussion, dass hier leute werke anderer einfach verramschen. und die, die's produziert haben, schauen durch die finger. das ist ein system, das sich nicht lange halten wird können. geht zu lasten von qualitativ hochwertiger kunst/kultur.

  • harald123 | vor 639 Tagen, 2 Stunden, 49 Minuten

    was Musiker online wirklich verdienen:

    es kann sich eh nur um Bruchteile von Peanuts handeln.

    http://bit.ly/cVeMC8

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    • rudiortner | vor 638 Tagen, 19 Stunden, 46 Minuten

      wow

      super link! danke!

  • toteraltermann | vor 639 Tagen, 3 Stunden, 9 Minuten

    Man sollte eigentlich meinen, wenn die zwei sich kloppen, kann man als Konsument garnicht verlieren.

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  • fargonaut | vor 639 Tagen, 17 Stunden, 20 Minuten

    Verzwickt,
    Youtube ist ja schon irgendwie selbst ein eigenständiges Medium
    Eine Mischung aus Sender und Fernseher (und Medien-Informations-speicher-bibliothek, ...und und und)

    auf jedenfalls zu komplex für ein stures „pro klick = eine Münze“-System

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