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Claus Pirschner

Claus Pirschner

Politik im weitesten Sinne, Queer/Gender/Diversity, Sport und Sonstiges.

16. 6. 2010 - 15:55

Know your rights! Ferienjob, Praktikum & Volontariat

Rechtliche Tipps, damit du beim Ferienjob gut aussteigst.

130.000 SchülerInnen und StudentInnen starten in Österreich auch heuer bald wieder ihren Ferienjob. Ob Servieren am Wörthersee, Flyerverteilen auf Festivals, oder Pflichtpraktikum im Labor. Welche Kohle steht dir da zu? Welche Rechte hast du beim Sommerjob? Das hängt sehr davon ab, ob du einen gewöhnlichen Job, ein Praktikum oder ein Volontariat machst.

IFES Befragung unter 200 SchülerInnen und 200 StudentInnen über Praktika:
Die meisten sind mit ihren Praktika im Sommer zufrieden. Die Kohle sei angemessen, die Tätigkeiten okay. Allerdings, ein Drittel der Praktika ist unbezahlt, ein Großteil davon zu Unrecht. Ein Drittel der SchülerInnen hat große Probleme, überhaupt ein Praktikum zu finden. Je niedriger die Bildung der Eltern, desto schwieriger finden SchülerInnen eine Praktikantenstelle. Es hängt zu sehr vom Bildungsstand und Netzwerk der Eltern ab, ob man ein passendes Praktikum ergattert. Unis und Schulen sollten, so regt die Gewerkschaft der Privatangestellten an, mehr bei der Vermittlung von Praktika in die Pflicht genommen werden.

Klassischer Ferienjob

Da geht’s einem meistens hauptsächlich ums Geldverdienen. Wenn du angestellt bist, dann steht dir ein Mindestgehalt je nach entsprechendem Kollektivvertrag zu. Du kriegst anteilsmäßig Urlaub, Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Mit 800 bis 1.000 Euro Mindestgehalt ist in jedem Fall zu rechnen. Du bist an Arbeits- und Ruhezeiten gebunden.

Praktikum

Viele absolvieren Pflichtpraktika im Rahmen ihrer Ausbildung an einer Schule, Fachhochschule oder an der Universität. Geht es nur um die Ausbildung. Arbeitest du im Betrieb nicht produktiv mit, dann gelten Kollektivverträge und Arbeitsrecht nicht. Dann kann man nur mit dem Arbeitgeber aushandeln, ob und wieviel man bezahlt bekommt.

Volontariat

Mit Volontariat ist das Schnuppern gemeint. Du kannst kommen und gehen, wann du möchtest und schaust den anderen im Betrieb sozusagen über die Schulter. Du bist also an keine Arbeitszeit gebunden und nicht im Unternehmen integriert. Du bist nur unfallversichert (der Arbeitgeber muss dich bei der AUVA anmelden).

Prekär Hackln

Wenn du nicht angestellt bist, sondern als freier Dienstnehmer angeheuert wirst, bist du versichert, hast aber zum Beispiel kein Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Hast du einen Werkvertrag unterzeichnet, giltst du als selbständig, als Unternehmer, und musst dich selbst versichern.

Was tun bei Unklarheiten, Etikettenschwindel und anderen Problemen?

Infobroschüre der GPA-djp
Info-Broschüre zum Download

Oft entpuppen sich Volontariate, Praktika oder auch freie Dienstnehmer- oder Werkverträge als klassische Ferienjobs, wo du angestellt sein solltest. Wenn du wie ein Elektriker Kabel verlegst oder wie eine Bürokraft Schriftverkehr erledigst, wenn du quasi eine Urlaubsvertretung machst, dann geht das weit übers Volontariat oder das Praktikum hinaus und du sollst auch danach bezahlt werden. Ein weiteres Problem: Machst du Überstunden, zahlen Unternehmen diese in über der Hälfte der Fälle nicht aus. In all diesen Lagen hilft es, unbedingt Aufzeichnungen über Tätigkeit und Arbeitszeit zu machen. Dann holst du dir Rat bei der Arbeiterkammer oder der Gewerkschaft. Die können dir dann helfen den Lohn einzufordern. Und da genügt oft ein Gespräch oder ein Brief der Gewerkschaft an den Arbeitgeber - im Notfall kann man auch klagen.

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  • protagoras | vor 606 Tagen, 6 Stunden, 6 Minuten

    Weltklasse!

    So bereitet man die jungen Leute aufs Leben vor! "Know your rights", "Arbeiterkammer", etc...

    In der Seitenkolumne schreibt man kurz, dass kaum Schüler und Studenten überhaupt einen Ferialjob oder ein Praktikum bekommen, obwohl sie gern einen hätten, und im Hauptartikel rät man ihnen gleich die Arbeiterkammer einzuschalten, wenn eine Überstunde nicht bezahlt wird.

    Das ist ja exakt der Grund, warum Unternehmen mittlerweile darauf pfeifen Ferialpraktikanten einzustellen. Wirtschaftlich sinnvoll ist das ohnehin nur in den wenigsten Betrieben: bis der Praktikant eingeschult ist, ist das Praktikum vorbei, aber der Angestellte, der den Praktikanten einschult, ist während der Einschulung ebenfalls blockiert.

    Ferialjobs sind ein Entgegenkommen der Betriebe, jungen Leuten einen Einblick in diese Unternehmen zu geben. Wer da glaubt, er kann groß auftreten im Sinne von "Klassenkampf" und "Arbeiter befrei dich von deinen Ketten" lebt am Mond.

    Tipps wie man sich für sowas bewirbt und dann im Praktikum eine gute Figur abgibt, wären für junge Menschen wesentlich sinnvoller, als sie auf das AMS vorzubereiten.

    Auf dieses Posting antworten
    • alexandraaugustin | vor 605 Tagen, 6 Stunden, 13 Minuten

      @ protagoras: also ich muss da wiedersprechen - aber sowas von. als ich mit 15,16 meine ersten jobs im sommer erledigt hab - und die waren nicht ohne - wäre ich froh gewesen, derartiges zu wissen. ich wusste damals ja nicht einmal an wem ich mich hätte wenden sollen, als sich der job zum albtraum entwickelte. gezwungen werden, im supermarkt an der kasse stehen...ähm. so hab ich mir die nette aufshilfstätigkeit im sommer nicht vorgestellt. ich schätz meine schulfreundin, die währenddessen am schönen see einen 18 stunden-serviermarathon jeden tag hingelegt hat, auch nicht. überstunden waren bei all meinen sommerjobs gang und gäbe und die einzige antwort darauf "wenn dir was net passt dann geh". es ist gut, dass genau solche menschen wissen, wohin sie gehen können, wenn derartiges passiert. viel zu oft wird der gute wille und die naivität der jungen arbeitskräfte völlig bewusst ausgenutzt.

    • protagoras | vor 605 Tagen, 5 Stunden, 31 Minuten

      bitte unterscheiden zwischen ferialpraktikum (von dem hab ich gesprochen), bei dem es in erster linie darum geht, einen ersten einblick in einen beruf zu bekommen, den man später vielleicht selbst ausüben möchte, und einem sommerjob, in dem es nur ums kohle-machen geht, aber nicht um die erfahrung fürs spätere berufsleben.

      solche rein-wegen-der-kohle-jobs (müllabfuhr, kellner, billa-kassier) sind was völlig anderes als ein ferialpraktikum. im obigen artikel wird das jedoch alles irgendwie zusammengemischt.

      abgesehen davon: im supermarkt an der kasse stehen, musste im übrigen auch der billa-vorstand in jungen jahren. also deine überheblichkeit ist echt nicht angebracht. ein unternehmen lernt man von unten kennen, nicht von oben. wenn du dir also bei einer ferialtätigkeit oder einem sommerjob schon für manche dinge zu gut bist, dann wird dich das ams später schwer vermitteln. davon, dass man eigeninitiativ mit dieser einstellung wohl keinen guten job findet, brauchen wir erst gar nicht reden...