Erstellt am: 17. 6. 2010 - 19:03 Uhr
Hans Dichand ist tot
Hans Dichand ist im Alter von 89 Jahren verstorben. Der "Krone"-Chef prägte wie kein anderer die heimische Medienlandschaft. Er schuf eine mediale Erfolgsgeschichte, die ihresgleichen sucht. Gleichzeitig gab es aber auch kaum einen umstritteneren Medienmacher in Österreich. Sein Tod wird die Medienlandschaft in Österreich drastisch verändern.

Mirjam Unger und Roland Gratzer haben zum Tod von Hans Dichand den Medienwissenschafter Hannes Haas und "Falter"-Chefredakteur Armin Thurnher, einen scharfen Kritiker von Hans Dichand, zum Interview gebeten und nach dessen Rolle in der österreichischen Medienlandschaft gefragt.
Hannes Haas im Interview

Ein Ausschnitt: "Hans Dichand hat selber immer von einem "Volksblatt" und nie von einer Boulevardzeitung gesprochen. Gemeint ist damit, dass die Kronen-Zeitung nicht vergleichbar ist mit anderen Boulevardzeitungen und damit hat er recht gehabt. Unterschiede gibt es vor allem dort, wo man eine ganz eigene Themenselektion bei der Kronen-Zeitung verfolgen kann. Also relativ wenige innenpolitische Themen, die aber dafür sehr intensiv und sehr ausführlich und in sehr unterschiedlichen Ressorts, oder auch die Hereinnahme von zeitungs-a-typischen Formaten, wie Gedichten."
"Und noch ein zweiter Punkt: Wenn Sie Kronen-Zeitungs-Exemplare von vor 20 oder 25 Jahren herannehmen, dann werden Sie zwar kleinere Änderungen am Layout, aber keine allzu großen Veränderungen wahrnehmen. Und das ist eine Metabotschaft: In einer Welt, in der es unentwegt Wandel gibt, in der sich die Dinge verändern, gibt es da etwas, das seit vielen Jahren im gleichen Kleid, und dann auch noch im Kleid der Bescheidenheit, daherkommt."
Das ganze Interview zum Nachhören:
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Armin Thurnher im Interview

Ein Ausschnitt: "Ich glaube, dass der von ihm geprägte "Kampagnen-Journalismus" zu einer allgemein grassierenden Unsitte geworden ist. Es geht darum Aufmerksamkeit zu akkumulieren, fast schon wurscht wie. Und das Sympathische an Dichand war ja, bei aller Kritik, dass er wenigstens noch inhaltliche Anliegen hatte, nach denen er sich orientiert hat.
Er war der Meinung, er war der von Gott eingesetzte Herrscher Österreichs, der das Volk dort hin lenkt, wo es hin soll. Und entsprechend hat er auch gehandelt."
Armin Turnher im Connected-Interview:
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Anneliese Rohrer im Interview
“His power was the lack of courage on the side of the politicians. One of the reasons why they replaced Gusenbauer with Faymann was because they thought he had such a good relationship to Hans Dichand and the Kronen Zeitung, and the support of the Kronen Zeitung would help the party. So it really was the cowardice [of the politicians].”
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