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Musik, Film, Heiteres

Roland Gratzer

Roland Gratzer

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10. 8. 2010 - 12:21

Viel Cloud um Nichts

Das Internet hat unser Leben verändert. Die Welt aber nicht.

"Alter ist eine Frage der Einstellung", lautet das Credo all jener Menschen, die mit Falten, undefinierbaren Knieschmerzen und tagelangen Hangovern zu kämpfen haben. Auch beim Internet ist eine Datierung des Geburtsvorganges schwierig. Waren es Konrad Zuse oder Alan Turing, ohne die wir noch immer mit Rechenschiebern arbeiten würden? Oder doch Tim Berners Lee, dem wir das schmucke Kürzel WWW verdanken? Wie auch immer: Heute vor 20 Jahren ist Österreich erstmals per Standleitung an das CERN in Genf angeschlossen worden. Die Geschwindigkeit war miserabel, der Tag ist trotzdem historisch. "Alles Gute" also.

Zu Beginn mal ein Stehsatz

Schnell mal ein Stehsatz: "Seitdem hat sich viel verändert". Kurz zusammengefasst: Das Internet ist in fast all unserer Lebensbereiche vorgedrungen. Die dafür benötigten Endgeräte sind keine 16 Tonnen schweren Supercomputer mehr, sondern passen sogar in krampfadernprgonostizierende Röhrenjeans. Das, was heute eine oder ein Jugendliche(r) ist, kann sich eine Zeit vor der Flatrate gar nicht mehr vorstellen. Digital Native werden diese Menschen genannt. Ihnen gegenüber stehen die "Others", die noch feuchte Träume von ihrem C64 haben, von seltsamen Dingen wie dem Fidonet reden und noch genug Vorstellungskraft hatten, sich beim Text-Adventure spielen tatsächlich in eine finstere Höhle zu imaginieren.

Wer sich für Text-Adventures interessiert, sei hier auf die großartige Doku Get Lamp von Jason Scott verwiesen.

Messianische Prophezeiungen

Wie jede neue Kulturtechnik begleiten auch das Internet messianische Prophezeiungen, die es bis jetzt natürlich nicht eingelöst hat. Es gibt noch immer Zeitungen, Journalisten werden noch immer für das Schreiben bezahlt, Kinos gibt es auch noch immer und Menschen treffen sich nach wie vor im Realraum. Gut, die Musikindustrie jammert. Aber das hat sie auch schon wegen der Musikkassetten getan und Mitleid mit globalen Konzernen finde ich grundsätzlich überbewertet.

grafik

Paritätsfantasien

Bei allen Visionen und Paritätsfantasien, die solange retweetet werden, bis sie jeder glaubt, sollten wir die Macht der internationalen Vernetzung nicht überschätzen. Denn was heißt schon international? Facebook hat 500 Millionen User. Die Welt hat aktuell 6,8 Milliarden Einwohner. Der Digital Gap gleicht sich fast nahtlos an die traditionellen Ost/West bzw. Süd/Nord-Unterschiede an. Auch die heilbringende Gratiskultur des Internets setzt teilweise ordentliche finanzielle Potenz voraus. Runterladen kostet natürlich nichts. Ein dafür benötigtes Endgerät, die monatlichen Kosten für den Internetzugang und nicht zuletzt der Strom aber schon. DIY und selber basteln ist eines der Schlagworte der Nullerjahre. Solange ich mir mein iPhone aber nicht auch runterladen kann, ist von "gratis" keine Spur. Der Traum vom "bottom up" endet dort, wo Geld im Spiel ist. Es sind nicht gerade viele Firmen, die die besten Stücke vom Kuchen abkriegen und die wie Schwammerl aus dem Boden schießenden Startups haben ihr Endziel dann erreicht, wenn sie von den Großen gekauft werden. Anti-Kommerz sieht anders aus.

"It's Post Privacy, stupid!"

Übertreiben tun aber nicht nur die, die sowieso alles am Internet super finden und der binären Datenschleuder nicht weniger als die Rettung der Welt zutrauen. (Soviel ich weiß, ist die Regierung im Iran immer noch dieselbe und die ORF-Sommergespräche haben sich trotz ach so zynischer Online-Kommentare wenig geändert).

Viel heiße Luft kommt auch von denen, die im Internet die anscheinend wichtigste Errungenschaft der westlichen Kulturhemisphäre sehen: die heilige und unbefleckte Privatsphäre. Natürlich hat der Holtzbrinck-Verlag studiVZ nur deshalb gekauft, um an die Userdaten zu kommen. Natürlich glauben Semantic Web Unternehmen, mit der intelligenten Vernetzung aller Daten Millionen zu scheffeln. Natürlich hofft facebook, mit personalisierter Werbung in den bescheidenen, aber immerhin schwarzen Umsatzzahlen zu bleiben. Aber wie lebensgefährlich ist es wirklich, Urlaubsfotos zu posten? (Gut, man sollte vielleicht nicht großspurig ankündigen, die nächsten zwei Wochen im Ausland zu sein und vergessen zu haben, das kaputte Schloss an der Wohnungstür reparieren zu lassen.) Bis auf den weltberühmten "Drunken Pirate Case" gibt es nicht gerade viele Beispiele von Kündigungen, die aufgrund von unüberlegten Statusmeldungen ausgesprochen worden sind.

Mark Zuckerberg
Kann dieses Milchgesicht böse sein?

Einer von fünf Facebook-Nutzern weiß gar nicht, dass es dort sowas wie Privatsphäre-Einstellungen gibt. Noch mehr geben ihre komplette Wohnadresse an oder posten ihre neue Telefonnummer. Denen ist sowieso nicht mehr zu helfen.

Was ist denn jetzt so heilig an der Privatsphäre? Der Berliner Blogger Christian Heller tourt mit seiner Theorie der "Post Privacy" durch die steigende Zahl der Hackerkonferenzen. Seiner Meinung nach war es in der Geschichte vor allem diese Privatsphäre, die die Freiheit der Menschen eingeschränkt hat. Gewalt in der Familie bleibt gerade deshalb oft ungesühnt, weil die Öffentlichkeit eben nichts darüber erfährt. Ein anderes Beispiel ist die Homosexuellenbewegung. Erst der Gang in die Öffentlichkeit und das Ende der geheimen Privatheit hat laut Heller zur Akzeptanz der Lebensrealität geführt.

Diskussionen über die Privatsphäre gelangen langsam in das Stadium einer historischen Debatte. Die bereits erwähnten Digital Natives haben einen anderen Zugang zu ihren Daten und bekommen trotzdem Jobs und müssen nicht täglich mit existenzbedrohendem Online-Mobbing kämpfen. Wer diese Entwicklung stoppen will, negiert die Tatsache, dass das Internet einen gesellschaftlichen Paradigmenwechsel bedingt hat. Diesen nicht zu akzeptieren ist mittlerweile hoffnungslos revisionistisch.

Pfoten der Wahrnehmung

20 Jahre Internet in Österreich haben zwar vielleicht nicht die Welt verändert, aber immerhin unser tägliches Leben. Denn was wäre ein ordentlicher Bürotag ohne liebe Katzenvideos und peinliche Fails? Eben. In diesem Sinne:

"Danke, liebes Internet. I can finally haz cheezburger!"

eine lolcat

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  • yaketiyak | vor 551 Tagen, 15 Stunden, 32 Minuten

    Ziemlich schwachmathischer Artikel.

    Auf dieses Posting antworten
  • merani | vor 552 Tagen, 6 Stunden, 33 Minuten

    wieso

    wird hier 4chan nicht erwähnt?

    Auf dieses Posting antworten
    • gratzer | vor 552 Tagen, 6 Stunden, 31 Minuten

      Here we go:

      http://fm4.orf.at/stories/1627177/

  • haralat | vor 552 Tagen, 6 Stunden, 42 Minuten

    Fein korrekte

    Berichterstattung! Gute Story, grazie

    www.ipackdes.net

    Auf dieses Posting antworten
  • inhale | vor 552 Tagen, 12 Stunden, 49 Minuten

    die globale vernetzung ist eine wesentliche bedingung für die größte völkerwanderung aller zeiten.

    Auf dieses Posting antworten
    • winnetou2 | vor 552 Tagen, 5 Stunden, 43 Minuten

      ist doch schön

      wenn die menschen zusammenkommen

    • inhale | vor 551 Tagen, 10 Stunden, 46 Minuten

      das stimmt. aber lt. artikel hat sich die welt durchs internet nicht verändert. und die weiteren möglichkeiten, die die oppositionellen in teheran nun durchs internet haben (natürlich ist das regime nicht so leicht zu kippen...) wird auch "verharmlost".

    • gratzer | vor 551 Tagen, 9 Stunden, 51 Minuten

      "verharmlost" wird hier gar nix. Nur: im fall iran wird (oder eher wurde) gerne von einer "internetrevolution" gesprochen. aber außerhalb teherans dürfte die konnektivität nicht die beste sein. und nach ein wenig grün-einfärben des twitter-avatars war's das dann auch schon mit der internationalen unterstützung. revolutionen und regime-stürze haben auch schon ohne internet (nicht) funktioniert.

  • teilzeitjugendlicher | vor 552 Tagen, 13 Stunden, 12 Minuten

    Da wäre jetzt natürlich

    ein Kommentar der Herren M. Blumenau und A.Thurnher diskursbefruchtend...

    Auf dieses Posting antworten
  • sauvage | vor 552 Tagen, 13 Stunden, 32 Minuten

    Wie bei allen Medien hängen Wie, Wann und Warum an dem/der einzelnen NutzerIn. An Selbständigkeit und Eigenverantwortung hat auch das Internet nichts geändert.

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  • zikmund | vor 552 Tagen, 14 Stunden, 24 Minuten

    genauso ist es.
    nicht weniger, nicht mehr.

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  • bigbadjohn | vor 552 Tagen, 14 Stunden, 30 Minuten

    Erster

    Weil ich schon immer teil einer jugendbewegung sein wollte

    Auf dieses Posting antworten
    • ramboso | vor 552 Tagen, 13 Stunden, 35 Minuten

      damn´, musst du ein scheiss leben haben...

    • longview | vor 552 Tagen, 11 Stunden, 58 Minuten

      ramboso hat verloren

    • longview | vor 552 Tagen, 11 Stunden, 58 Minuten

      ramboso hat verloren

    • bigbadjohn | vor 552 Tagen, 9 Stunden,

      longview hat gewonnen

    • bigbadjohn | vor 552 Tagen, 8 Stunden, 59 Minuten

      longview hat gewonnen