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Musik, Film, Heiteres

Robert Glashüttner

Robert Glashüttner

Videospielkultur, digital geprägte Lebenswelten, Musik aus Österreich

7. 4. 2011 - 17:30

Quetsch 'n' Roll

Der neue Attwenger-Longplayer "Flux" führt das unorthodoxe, selbsterarbeitete Popkonzept des oberösterreichischen Duos konsequent fort. Es ist unser FM4 Album der Woche.

"und wieda draht si olles,
und weida geht die show,
wir bleim jo no a zeidl do,
we don't wanna go."

(Attwenger - "Trip")

Die bloße Lust am gemeinsamen Spielen, am Machen, am Auftreten - das sei laut eigener Aussage die wichtigste Triebfeder von Attwenger, der Grund, warum das markante Ziehharmonika-und-Schlagzeug-Duo auch am siebten Studioalbum noch genauso lebendig wirkt wie vor 20 Jahren. Hans Peter Falkner und Markus Binder entgegnen verschwurbelten Journalist/innen-Fragen stets mit klaren, unverblümten Antworten. Geradliniges Auftreten und Bodenständigkeit statt künstlichem Verkomplizieren und "hintn umi" gehen: "kumm liaba von vurn, donn homma olle wos davau".

Fluxus

Keine Metaebenen, keine aufwändigen Verpackungen, keine Distanz zum Publikum: Attwenger ist, was es ist oder was man jeweils daraus machen möchte. Das ist zwar kein neuartiger Zugang zu künstlerischer Arbeit, aber einer, der von Binder und Falkner seit Beginn ihrer Karriere vorgelebt wird - einfach deshalb, weil das ihrer Wesensart entspricht. Die Fluxus-Bewegung aus den 1960er Jahren agierte von einer ähnlichen, wenn auch ideologisch prägnanteren Grundidee aus: Die Idee des Kunstwerkes sollte dekonstruiert und die Verschmelzung von den Schaffenden mit ihrem Publikum vorangetrieben werden.

Weiterlesen: über die Geschichte von Attwenger.

Rein musikalisch fließt es beim Attwenger-"Flux" aber weitaus nicht so experimentell wie bei originalen Fluxus-Vertretern wie George Brecht oder John Cage, die etwa mit Wassertropfen und Stille musiziert haben. Ganz im Gegenteil: Wie schon bei den Vorgängeralben "dog" (2005) und "sun" (2002) wird auch auf der aktuellen Platte der verstärkte Quetschn-Pop ein weiteres Mal in unterschiedlichen Formen, Geschwindigkeiten und Laufzeiten ausgespielt: Von der 1-Minute-21-Sekunden-Sprachspielerei mit Punk-Anmutung ("Woat") über Power-Landler mit Hang zum Zungenknoten ("Durchdrahn") bis hin zu mit Kopfnicker-Grooves unterlegten Sprechgesang-Geschichten ("Proberaum") wirkt jede neue Nummer auf "Flux" wie das Öffnen eines Überraschungs-Eis. Neu hinzugekommen ist ein von der Band in jüngsten Jahren entwickeltes Faible für klassischen Rock 'n' Roll.

Die normative Kraft des Faktischen

Ebenso zwingend wie die Geradlinigkeit von Binder und Falkner als Personen und Musiker ist ihr traditionelles Spiel mit der Sprache: Dialekt-Worte und -Ausdrücke werden durch den phonetischen Reißwolf gedreht und anschließend mantraartig bis übersprudelnd wieder aneinander gereiht. Wie schwierig das vor allem bei der Wiedergabe ist, kann man an sich selbst erfahren. Um schnelle Attwenger-Stücke, etwa "Kugl" oder "Kantri", mitsingen zu können, bedarf es einiges an Übung und Konzentration.

Das siebente Studioalbum von Attwenger, "Flux", ist auf Trikont erschienen.

Die nächsten Live-Termine:

  • 8. April: Wien/Flex
  • 9. April: Wien/WUK
  • 11. April: Zell am See/Burg Kaprun
  • 15. April: Wien/Flex

Alle weiteren Tour-Termine in Deutschland und Österreich gibts hier.

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Ein paar Lieder am neuen Album sind wieder konkreten Themen und kritischen Stellungnahmen gewidmet, darunter das bereits genannte "Hintn umi" und die schlaue Schmähschrift "Internet ged", die unreflektierte Online- und News-Hysterie hinterfragt. Ein konzeptueller Attwenger-Klassiker, der auch auf "Flux" ein Wiedersehen an mehreren Stellen erlebt, ist das Herausstellen substanzieller Fakten und Notwendigkeiten. So wie es bereits 1992 klar war, dass "wer koan rahm ned hot" auch "kan rian" kann, finden sich in aktuellen Stücken wie "one" nun weitere, ausgefeilt formulierte Attwenger-Unbedingtheiten.

"one gwond bist du nockat,
one pflug wird ned g'ockert,
one berg is ois eben,
one herz konnst ned lebn,
one hirn konnst ned denga,
one uns kane attwenger,
one attwenger wärs enger,
oba wir bleim eh no länga."

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  • hermes | vor 773 Tagen, 22 Stunden, 46 Minuten

    internet geht und ich ins wuk. ole!

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  • judo1 | vor 775 Tagen, 2 Stunden, 40 Minuten

    Interview

    subtext hat mit den Jungs von Attwenger vor ihrem Linzer Überasschungskonzert gesprochen

    http://www.subtext.at/2011/04/attwenger-wir-wollten-immer-schon-gerne-in-japan-auf-tournee-gehen/

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  • aristobulus | vor 775 Tagen, 16 Stunden, 1 Minute

    Vergesst doch dieses 'Fluxus' ganz schnell

    Das ist nichts mit oder von Fluxus, nichts Konzeptuelles das keiner aus alten Publikums-Vereinnahmern oder Kunst-Publizisten verstehen soll, nix davon!, schlagt Euch ruhig mal diese wiederkehrenden Verweise auf Fluxus aus dem Kopfe, denn hnur da sind die.
    Nö, Attwengers sind anti-konzeptuell, die sind überhaupt anti, denn die sind einfach, nein sie sind nicht einfach!, nicht mal das, die _sind_, aus.
    Und sie singen nichtmal deutsch.
    Das sind anti-Ideologen in der Musik, in der Kunst, im Kopf und überall.

    Justement das macht sie ja so überaus gut

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    • hermes | vor 773 Tagen, 22 Stunden, 47 Minuten

      ui

  • kaxell | vor 775 Tagen, 18 Stunden, 7 Minuten

    gefällt mir sehr, das neue album!!!

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