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Musik, Film, Heiteres

Erich Möchel

Netzpolitik, Datenschutz - und Spaß am Gerät.

25. 4. 2011 - 16:57

Leistungsschau der Wiener Hackerszene

Fünf Jahre Metalab: Von Montag bis Samstag halten die Technikenthusiasten Workshops zum Mitmachen mit Lasercuttern, 3D-Druckern etc. für alle Interessierten ab. Der Eintritt ist frei, das Motto ist "Spaß am Gerät".

Die Feierlichkeiten sind am Montag mit dem ersten Programmpunkt angelaufen. Am Tag des Lichts beschäftigt sich der gemeine Hacker logischerweise mit Lochkameras, LED-Konstruktionen, Siebdruck usw. Am Dienstag kommen der Metalab-eigene 3D-Drucker, sowie der Lasercutter zu praktischen Ehren, allerdings in anderen Kreisen als gewohnt.

Zu dieser Leistungsschau der Wiener Hackerszene sind nämlich alle Interessierten (bei freiem Eintritt) eingeladen, die derlei hochwertiges Gerät einmal selbst ausprobieren wollen. Natürlich darf auch eine Einführung in die Disziplin "Lockpicking" nicht fehlen, das Knacken von Schlössern ist ein in der Szene gern gepflogener Unterhaltungssport.

"Speed geeking"

Am Mittwoch stehen Games, Audio und Memes im Mittelpunkt, am Donnerstag stellen sich die einzelnen Interessensgruppen vor, was im Jargon heißt: "speed geeking" und "lightning talks". Der Begriff "Geek" leitet sich übrigens vom mittelhochdeutschen "Gecken" her und ist wie der ebenfalls gern auf Hacker angewandte Begriff "Nerd" von den Ursprüngen her negativ besetzt gewesen.

Workshops und Vorträge starten täglich ab 16 Uhr im Metalab, Rathausstraße 6, 1010 Wien. Das Lab ist nur zwei Minuten zu Fuß von der U2-Station Rathausstraße entfernt.

Beide Begriffe bezeichneten bis vor wenigen Jahren grob gesagt Menschen mit überdurchschnittlich, aber einseitig ausgebildeten, rein technischen Fähigkeiten, gepaart mit einem Defizit an sozialen Eigenschaften und einem Hang zu Abschottung und Eigenbrötelei. Im 21. Jahrhundert sieht es damit schon etwas anders aus, denn von Einseitigkeit kann angesichts des Metalab-Programms keine Rede sein.

Metalab

Jacob Appelbaum, flickr.com/photos/ioerror/315405038/

Hacker und Funker

In den fünf Jahren seines Bestehens hat das Angebot an Einführungen und Kursen des Metalabs nach dem "Hands-On" Prinzip eine beachtliche Breite eingenommen. Der Wiener Hacktertreffpunkt unweit des Rathauses hat nicht nur ziemlich gut bestückte Elektronik- und Chemielabors zu bieten, der Trend geht eindeutig zum Ganzheitlichen und zur Transzendenz.

So ist zum Beispiel ein weiteres dutzend junger Technikinteressierter auf dem Weg zur Funkamateurlizenz. Bei diesen Kursen der Leistungsgruppe "Metafunk" sind die Referenten in der Regel doppelt so alt wie ihr Publikum, gestandenene Fernmeldetechniker unterrichten einen bunten Haufen von Programmierern.

Die Funkertruppe im Metalab hat sich für das diesjährige Camp des Chaos Computer Clubs Großes vorgenommen. Das Projekt "Moonbounce" zielt - wie der der Name schon sagt - auf den Funkverkehr Erde-Mond-Erde ab. Mit schwerem Gerät - Senderendstufen mit bis einem Kilowatt - und Arrays aus Yagi-Richtfunkantennen wird auf den Mond gezielt, der als Reflektor genutzt wird, um indirekten Funkverkehr etwa mit den USA aufzunehmen.

Wer da auf einen "Clash der Kulturen" tippt, liegt jedoch genau daneben, denn wie das abgelaufene Jahr gezeigt hat, verhält es sich bald nach dem Kurs genau umgekehrt. Da halten junge Geeks Vorträge über digitale Steuerung von Funkgeräten oder das Open-Source-Projekt GNU-Radio ab, Fernmeldetechniker hören zu.

Hacken, bitte ganzheitlich

Wie es der Fortschritt nämlich haben will, erobern gerade digitale Protokolle und "Software Defined Radios" die vordem rein analog bespielten Amateurfunkbänder. Weil es dazu trotzdem dieselben Antennentechniken braucht, die immer schon zum Einsatz kamen, ist es dann wiederum an den Geeks, andächtig zu lauschen.

Die kollektiven Skills dieser beiden angeblich so unterschiedlichen Technikergruppen ergänzen sich. Auch hier ist wieder derselbe Trend am Werken, der sich durch das gesamte Hackerlabor zieht: Hacken, aber bitte ganzheitlich.

Wer eine Antenne will, muss auch einen Masten dafür haben und dieser will befestigt werden, was liegt also näher als ein Schweiß-Workshop? Die gleichfalls nötigen Isolatoren druckt man sich dann am 3D-Drucker aus.

Akademisch am Freitag

Der gebürtige Grazer Prof. Herbert Edelsbrunner gilt als einer der führenden Forscher und Leitfiguren in rechnergestützter Geometrie/Topologie.

Den Höhepunkt erreicht die öffentliche Hackerei am Freitag mit dem Vortrag des Pioniers in "computergestützer Geometrie und Topologie" Herbert Edelsbrunner, Professor an der renommierten Duke University sowie am Institute of Science and Technology Austria. Auf Edelsbrunners Forschungsarbeit basiert ein guter Teil der heute verwendeten 3D-Drucktechnik.

Sicherheitshalber hat man für den Abschluss gleich einmal zwei Parties eingeplant. Chill-Out ist am Freitag, am Samstag feiern die Geeks dann mit den Besuchern. Hinweis zum Abschluss für Besucher: Als nicht salonfähig gilt die Bezeichnung "Computerfreak".

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