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Musik, Film, Heiteres

Rainer Sigl

Spiel, Kultur, Pop im Assoziationsblaster.

29. 12. 2011 - 15:31

Unsichtbare Wegbegleiter

Auch bei Games gilt: Hochglanztitel kommen und gehen, manche Spiele nisten sich aber dafür auf Dauer ein. Welche davon auf den diversen Geräten vom spielenden FM4-Team laufen? Ein kleiner Rundblick.

Weihnachtszeit ist Blockbuster-Zeit, wenn die größten Spielekracher des Jahres mit ihren noch größeren Marketingbudgets um die Gunst der Spielergemeinde buhlen. Nicht mehr lange, und auch das Spielejahr 2011 wird in den unvermeidlichen Best-of-Listen seinen Abschluss finden. Doch irgendwann entschlummern auch die bombastischsten und innovativsten Triple-A-Titel des Jahres, werden ganz vergessen oder vom nächsten Hype verdrängt – so ist das Leben.

Daneben gibt es aber noch ganz andere Spiele, die zwar selten ins Rampenlicht gestellt werden, uns Spieler aber dafür treu und oft jahrelang begleiten – kleine, unsichtbare Wegbegleiter, die immer und immer wieder auf unseren Bildschirmen landen, wenn der Megatitel XY längst von den Spielgeräten verschwunden ist. Hier eine Auswahl vom spielenden FM4-Team.

"The Binding of Isaac"

The Binding of Isaac

Team Meat

Bizarrer wird's wohl auch 2012 nicht werden: Indie-Enfant-terrible Edmund McMillen ("Super Meat Boy") und sein kongenialer Partner, der Innsbrucker Florian Himsl, schicken uns als nacktes Kind im Kampf gegen die religiös wahnsinnige Mutti (!) in die bei jedem Spiel neu zusammengewürfelten Kellergewölbe, um dort in Twin-Stick-Shooter-Manier gegen ödipale Albtraumgestalten im ziemlich kranken Minimal-Comic-Look anzutreten. Die geschickt aus dem Genre der Roguelikes entlehnten Zufallselemente und unzählige wunderbar geschmacklose Ausrüstungsgegenstände sorgen für langanhaltende Motivation und Abwechslung. Ganz oldschool-mäßig geht’s bei jedem Tod zurück an den Start - und trotzdem will man’s immer wieder wissen. 1000 Tode für Spieler, denen David Lynch zu zahm geworden ist. Erschienen für PC, Mac und Linux, eine Demo gibt's hier. (Rainer Sigl)

"Galaxy On Fire 2"

Galaxy on Fire 2

Fish Lab Games

Eine Space-Sim für ein tragbares Gerät wäre an sich schon ungewöhnlich genug, denn dieses Genre ist fast ausschließlich am PC anstatt der Konsole zuhause. Die iOS- und Android-Versionen von "Galaxy on Fire 2" aber machen sowohl beim schnellen Zwischendurch-Spiel an der Bushaltestelle als auch bei langdauernden Sessions Sinn. Als einsamer Raumschiffpilot fliegt man durch eine offen gestaltete Galaxie und kann – genretypisch – Weltraumpiraten jagen, Asteroidenbergbau betreiben oder Missionen erfüllen, die man von zwielichtigen Typen in schummrigen Bars auf Raumstationen erhält. Weniger komplex und schwierig als andere Space-Sims, aber wunderschön und mit 8 Euro recht günstig. Minuspunkt: Die Android-Version läuft nur auf Sony-Xperia-Geräten. (Burstup)

"Kratochvil Pong"

Kratochvil Pong

Mahler

Als Mensch, der ausschließlich mit Konsolen groß geworden ist, verweigere ich mich für gewöhnlich Browser-Games und Gaming-Apps. Als Mensch mit nicht enden wollender Bewunderung für Comic-Künstler bin ich einem dann doch gehörig auf den Leim gegangen. Der Österreicher Nicolas Mahler, Erfinder von herrlich simplen, in ihrer konsequenten Demenz aber unheimlich süchtig machenden Krixi-Kraxi-Zeichenuniversen wie "Flaschko" oder "Kratochvil" ist schuld daran. Das auf seiner Homepage abrufbare Browsergame "Kratochvil Pong" ist nicht nur die beste "Pong"-Deutung aller Zeiten, sondern auch eine Übung in angewandtem Existenzialismus. Statt einem Strich lenkt man "Kratochvil" am rechten Rand entlang, der gegen einen anderen "Kratochvil" antritt. Ein Szenario, das einen mit brennenden Fragen in den Bürosessel zurücksinken lässt. Ist der zweite "Kratochvil" ein Spiegelbild des ersten? Sein verschollener Zwillingsbruder? Eine Halluzination? Ja, spielt "Kratochvil" mit sich selbst gegen sich selbst? Ein Akt der Autoaggression? Selbstkritik? Ich weiß es nicht. Alles was ich weiß: Ich spiele immer noch. (Markus Keuschnigg)

"Sims Social"

Sims Social

EA

Ich bin bekennender Facebookoholic und wenn gefragt, gebe ich auch offen und ehrlich zu: – Ja, ich spiele auch Facebook Games. Ausgiebig und regelmäßig und täglich. Dazu stehe ich und schäme mich nicht dafür. Aber wenn man mich fragt, welches Spiel ich im letzten Jahr wohl am meisten gespielt habe, dann steigt mir schon etwas Schamesröte ins Gesicht. Ich kann es mir ja selbst nicht erklären, warum ich täglich so viel Zeit damit verschwende, die Bedürfnisse meines Sims zu befriedigen, seine (bzw. ihre) Koch-, Mal- und Schreib-Skills zu verbessern, die Wohnung aufzuwerten und Quests zu erledigen. Ich weiß nicht, warum ich das tue, aber ich weiß eines – ich bin nicht allein. Alle anderen Spiele, bei denen ich nicht mehr weiterkommen konnte, ohne Freunde mit nervigen Game-Requests zu nerven, habe ich abrupt beendet. Aber "Sims Social" wird von so vielen Leuten gespielt, dass in fast jeder Freundesliste der eine oder die andere "Sims"-Spieler/in zu finden ist an die man plötzlich ohne schlechtes Gewissen Anfragen versenden kann. Und damit ist mein Weiterkommen in diesem nicht besonders schönen, nicht besonders spannenden, nicht besonders anspruchsvollen Spiel gesichert, und ebenso meine Sucht. Hiermit bin ich geoutet - "Hallo, mein Name ist Conny und ich spiele Sims Social." (Conny Lee)

"Monopoly" (Tablet-Version)

Monopoly

EA

Spiele wie "Monopoly", das durchaus artverwandte "DKT", "Risiko" und in Ansätzen auch „Siedler von Catan“ leben von dem, was eben nicht im Beipacktext steht. Die Dramaturgie eines Spiels ist ein sozialer Moment. Die verschiedenen SpielerInnen gleichen durch ihre Gruppendynamik dieses vermaledeite Glücksmoment aus. Regeln sind dehnbar, können adaptiert und mit Blut festgeschrieben werden, der direkte Augenkontakt übertrumpft jede Online-Anwendung. Ein Spiel kann Abende prägen, in welcher Art auch immer. Gerade kein Spielbrett daheim oder seit Jahren bei den Eltern rumliegen und Weihnachten schon wieder vergessen, es mitzunehmen? Wurscht. "Monopoly" für das Tablet deiner Wahl. Das fetzt. (Roland Gratzer)

"Jetpack Joyride"

Jetpack Joyride

Halfbrick

Die meisten werden es noch kennen, dieses lustige Helikopter-Spiel aus dem (Flash-)Browser, wo der Heli nach oben fliegt, wenn man die linke Maustaste gedrückt hält und sinkt, wenn man sie wieder los lässt. "Jetpack Joyride" ist genau dasselbe Spiel, nur von der Präsentation her so aufpoliert, dass man glaubt, man hätte etwas ganz Neues, Verblüffendes vor sich. Und irgendwie stimmt das ja auch, denn die Abenteuer von Barry Steakfries sind doch wirklich kein schnöder Helikopter-Flug. Mit in verschiedenen Varianten erhältlichen Jetpacks entkommen wir mutig aus einem unendlich langen Labor, klatschen Wissenschaftler ab, weichen tödlichen Elektroschockstangen aus und versuchen, nach Möglichkeit nicht von den dauernd auf uns einschießenden Raketen getroffen zu werden. Je länger man fliegt, desto größer werden der Highscore und das eigene Ego. Aber weil wir hier von einem Tablet-Game reden, gibt es natürlich auch eine eigene In-Game-Währung, einen Shop, Missionen und Achievements. Ach ja, und natürlich fliegt Barry nicht nur mit Jetpacks, sondern schwingt sich auch mal aufs Motorrad oder einen Blechdrachen namens Mr. Cuddles. (Robert Glashüttner)

"Steambirds: Survival"

Steambirds Survival

Spryfox

Als Fan von rundenbasierten Taktik- oder Strategiespielen ist man immer auf der Suche nach frischem Material, das dem Trend zur vollen Auslastung der Mehrkernprozessoren in Smartphones nicht nachkommt. In den vergangenen zwei Jahren waren das auf meinem iPhone vor allem "Uniwar" und das ebenso kurzweilige wie kurze "Armageddon Wars". Heuer hat sich das grafisch unaufgeregte, aber abwechslungsreiche und gerade richtig schwierige "Steambirds: Survival" in mein Herz geschossen. Als Fliegerpilot im Weltkriegssetting tritt man auf Seite der Alliierten gegen eine Übermacht feindlicher Flugzeuge an, aus deren Trümmern Spezialwaffen und andere Powerups fallen. Nach und nach steuert man die unterschiedlichsten Maschinen – vom kleinen Jagdflugzeug zum trägen Bomber - und erfüllt mit ihnen immer härtere Missionen. "Steambirds: Survival" ist gratis und will durch einen In-Game-Shop Geld verdienen. Dort kann man sich die Spielwährung kaufen, mit der neue Kampagnen freigeschaltet werden können. Nachdem sich das Geld auch in den Levels verdienen lässt, braucht den Shop eigentlich niemand, was "Steambirds: Survival" endgültig zum besten rundenbasierten Spiel des Jahres macht. Erhältlich für iPad und iPhone, die Android-Version soll in Kürze folgen. (Michael Fiedler)

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