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Musik, Film, Heiteres

Lukas Tagwerker

Lukas Tagwerker

Beobachtungen beim Knüpfen des Teppichs, unter den ihr eure Ungereimtheiten kehrt.

27. 1. 2012 - 11:21

Parallelgesellschaft mit Gesichtsnarben

Anlässlich des letzten WKR Balls in der Wiener Hofburg: Was machen Burschenschaften? Und wer sind sie?

Der viertmächtigste Mensch im Staate Österreich ist - nach dem Bundespräsidenten, erstem und zweitem Nationalratspräsidenten - der dritte Nationalratspräsident Martin Graf.

Graf ist Mitglied in dem Lebensbund Olympia, einer mensurfechtenden, deutschnationalen Burschenschaft, die das DÖW als rechtsextrem einstuft. Von hier gelangte Graf zum Ring Freiheitlicher Studenten. Von dort weiter in den Bezirksvorstand des 22. Wiener Gemeindebezirks und dann in den Nationalrat.

Braunblaue Flecken
Daniela Derntl über die erste Linzer Burschitour

WKR-Ball am Holocaust-Gedenktag
Christoph Weiss

Rechter Terror in Österreich?
Rainer Springenschmid

8. Mai: Trauer- oder Feiertag?
Simon Welebil

Katz und Maus
Simon Welebil über die WKR-Proteste 2011

Verbarrikadiert
Sarah Seekircher über die WKR-Proteste 2010

Wir sind Wir
Extremismus im Herzen der Republik

Burschenschaften gelten nicht umsonst als Karrierenetzwerke. Die Beförderung individuellen Vorankommens unterliegt dem Zweck, eine gehorsame Funktionselite für die Schalthebel des Staates zu züchten. Männlich-patriarchale Dominanz; ein autoritärer Charakter, der befehlen und gehorchen kann; Sozialdarwinismus und ein mitunter rassistischer Glaube an das "deutsche Volk" prägen das geschlossene Weltbild, das die Zugehörigkeit zu dieser Funktionselite ausmacht.

Martin Graf war unter der schwarz-blauen Regierung an der Ausarbeitung des Universitätsgesetzes beteiligt. Damals wurden mit den Uniräten Aufsichtsgremien an den Universitäten installiert, in die alte Burschenschafter berufen wurden, wie zum Beispiel Martin Grafs Verbindungsbruder aus der Olympia Friedrich Stefan, der im Unirat der Universität Wien saß.

Ich habe mich gestern ins Juridikum und zur Hauptuni begeben, um einen Eindruck davon zu bekommen, wie Burschenschaften an der Universität wahrgenommen werden.

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Pennales Corps Austria zu Knittelfeld
Bier nach überstandener Mensur beim pennalen Corps Austria zu Knittelfeld

Eines der obskursten Rituale der Burschenschaften ist das für Außenstehende archaisch anmutende Mensurfechten. Für Burschenschafter geht es bei der Mensur darum, "den inneren Schweinehund" zu überwinden. Der Autor Hans Magenschab sieht dieses Initiationsritual im Zusammenhang mit einer spezifisch deutschen Erziehungskultur der Grausamkeit, zu der brutale Grimm-Märchen, die Struwelpeter-Geschichte und die späteren blutrünstigen Karl-May-Romane zählen.

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Die sadomasochistische Mutprobe kann einerseits mit der Geschichte der "männlichen Ehre" und zum anderen mit der Entwicklung des Waffen-Tragens erklärt werden. Nach der Einführung von Schusswaffen sind Schwertwaffen zu Fetischen von Männlichkeit und "Ritterlichkeit" geworden. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als Frauen für das Studium an Universitäten zugelassen wurden, diente die Mensur zur Abschottung gegen weibliche Einflüsse.

Heidelberg, Mensur auf der Hirschgasse, um 1925
Mensur in Heidelberg 1925 (Archiv Corps Rhenania Heidelberg)
Die geheimen Drahtzieher
Der Autor Hans Magenschab ist Mitglied der katholischen akademischen Verbindung Bajuvaria.

Der Beginn des Burschenschafterwesens ist eng mit dem Sieg über Napoleon und dem erwachenden deutschen Nationalismus verbunden. Studenten hatten in preußischen Freiwilligen-Verbänden gekämpft und forderten ein Ende der Feudalherrschaft und die Bildung eines einigen deutschen Staates.

Die Revolution 1848 bezeichnet Hans Magenschab als "Burschenschafterrevolution". Presse-, Rede- und Versammlungsfreiheit wurden vom burschenschaftlich organisierten Bildungsbürgertum erkämpft. Die radikalsten demokratischen Burschenschafter flüchten nach der Niederschlagung der Revolution aus Europa. Im Ringen um die deutsche Einigung wird der Antisemitismus identitätsstiftend. Heutige Burschenschaften hätten mit den Freiheitsideen von 1848 gar nichts mehr zu tun, so Magenschab.

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Burschenschafter geben ihre Mützen ab und treten in den nationalsozialistischen deutschen Studentenbund ein
Die meisten Burschenschaften treten nach Hitlers Machtergreifung zum Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund über. (Foto: Imagno/picturedesk.com)

Wohin die späte Vereinigung der katholischen und protestantischen deutschsprachigen Länder geführt hat, ist aktenkundig: zum arischen Rassewahn in historischer Menschenvernichtungsdimension.

Dass deutschnationale Burschenschaften bis heute an extrem gestrigen Weltbildern laborieren, wird seit einigen Jahren jeweils Ende Jänner anhand des WKR-Balls thematisiert. Der vorläufige Erfolg der Proteste gegen den Ball in der Hofburg: Nächstes Jahr wird die Veranstaltung nicht mehr in den repräsentativen Prunkräumen stattfinden. Die Entscheidung der Kongresszentrum Hofburg GmbH könnte letztlich aber weniger von den Anti-WKR-Ball-Protesten, als vielmehr vom Bekanntwerden der Neonazi-Mordserie in Deutschland beeinflusst worden sein. Der terroristische "nationalsozialistische Untergrund" soll mutmaßlich Verbindungen zur Burschenschaft Normannia Jena gehabt haben. Mit dieser rechtsextremen Burschenschaft war bis vor kurzem noch die Olympia des dritten Nationalratspräsidenten Martin Graf in der so genannten Burschenschaftlichen Gemeinschaft verbunden.

wien.orf.at: Holocaustgedenken auf dem Heldenplatz

Die Musikerin Clara Luzia (mit ihrem Lied Colours), die Band Kommando Elefant (mit Falsche Helden) und Christoph und Lollo (mit ihrem Lied Burschen) treten heute ab 18:30 am Heldenplatz bei einer Protestveranstaltung gegen den WKR-Ball auf.

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  • valuetown | vor 475 Tagen, 6 Stunden, 35 Minuten

    Themenverfehlung

    Trololo... ist das ernstgemeint oder ist das ein Scherz?

    In der Schule hätte der Autor dieser Zeilen seine Arbeit mit der Bemerkung "Themenverfehlung" zurückgeworfen bekommen. Herr Tagwerker sollte sich besser einen Beruf suchen, von dem er Ahnung hat. Journalismus ist eindeutig zu viel für ihn.

    Wenn "Burschenschaftler" mit stumpfem "Degen" auf den Oberkörper schlagen, warum sollten sie dann Narben im Gesicht bekommen?

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  • suedmaehrer | vor 475 Tagen, 10 Stunden, 24 Minuten

    Verstehe die Intentionen von Hrn. Magenschab nicht

    Als CVer stellt er bewusst falsche Behauptungen auf und falsche Zusammenhänge her. Was will er damit erreichen?
    Und was unternimmt der CV gegen solch unwürdiges Benehmen?
    Einfach nur traurig, dass ein alter Mann seinen Hass und Neid so unverschämt unter das unwissende Volk bringt...

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  • christianfuchs | vor 479 Tagen, 2 Stunden, 27 Minuten

    ich will jetzt ein sehr ernstes thema nicht ironisieren. wollte nur trotzdem anmerken: brutale grimm-märchen, der struwwelpeter und karl-may-filme (sind die bücher wirklich blutrünstig?) können in verbindung mit dario-argento-obsessionen, liberal-humanistischen eltern und einer postpunk-sozialisation auch zu einem job als fm4-filmkritiker führen...

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    • gratzer | vor 479 Tagen, 2 Stunden, 25 Minuten

      wenn sie statt deutschnationalismus und degen einfach yeditum und lichtschwerter hätten, könnte ich schon schwach werden

    • lukastagwerker | vor 478 Tagen, 5 Stunden, 55 Minuten

      ich muss zugeben, dass ich kein karl-may-leser bin. angeblich sind die themen seiner romane aber u.a. blutsbrüderschaft, marterpfahl und blutrache. und er hat einen burschenschafer-roman geschrieben: http://de.wikipedia.org/wiki/Der_blaurote_Methusalem

      was schwach werden betrifft: als männer kommen wir so männerbündeleien nur aus, wenn wir uns damit auseinandersetzen. aber gesagt ist das leichter, als getan.

  • biased | vor 479 Tagen, 6 Stunden, 9 Minuten

    Kleine kritische Anmerkung zur Berichterstattung

    Über WKR Ball und Demonstrationen dagegen müssen wir wirklich nicht diskutieren.
    Aber Rechtsextreme gibt es nicht nur bei den Rechstextremen sondern auch bei den Linken von Occupy Österreich und ihren Hörmännern auf der WU, die mit ihrer Geld und Zinskritik auch eine Form der Nazipropaganda betreiben.

    Man sollte auf keinem Auge blind sein.

    Wollt ich nur kurz angemerkt haben.

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    • endlessnameless | vor 479 Tagen, 4 Stunden, 39 Minuten

      mir ist bei diesen diskussionen aufgefallen, dass viele begriffe (rassismus, rechtsextrem, antisemitismus, xenophobie,...) recht undifferenziert und teilweise synonym verwendet werden...

    • agentprovooo | vor 479 Tagen, 4 Stunden, 21 Minuten

      Man könnte es auch drastischer formulieren, nämlich dass die Occupy-Bewegung hierzulande sukzessiv von Rechtsextremen unterwandert und für deren Zwecke genutzt wird.

    • biased | vor 479 Tagen, 2 Stunden, 50 Minuten

      @endlessnameless

      Bei welchen Diskussionen ist dir das aufgefallen?

    • einoeder | vor 479 Tagen, 2 Stunden, 25 Minuten

      stimmt, irgendwie tun sich da selbst nachrichtensendungen schwer.

    • softmachine | vor 478 Tagen, 8 Stunden, 27 Minuten

      http://derstandard.at/1326503612748/Oesterreich-Ermittlungen-gegen-Occupy-Aktivisten-wegen-Wiederbetaetigung?seite=2

    • biased | vor 477 Tagen, 20 Stunden, 24 Minuten

      Mir erscheint das Hauptproblem zu sein, dass die Occupybewegung

      gar nichts verändern wird und das sie das auch nicht soll. Stattdessen ist sie ein Vehikel, mit dem sich ganz, ganz alte Kräfte wieder ins Spiel bringen, weil sie sehen dass eine bestimmte Rhetorik und ein bestimmtes Ressentiment sie zurück in die Politik bringen kann.