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Musik, Film, Heiteres

Daniela Derntl

Diggin' Diversity

5. 4. 2012 - 19:00

Eso-Electronica

„Pray for Sun“ ist der hoffnungsfrohe Titel des Albumdebüts von Konea Ra, auf dem dunkle Synthie-Schleifen dem Licht entgegen wabern.

„Das ist nichts Eindeutiges, eher tiefer. Es ist nichts Oberflächliches. Es nicht einfache Musik“, so beschreibt die Sängerin Stephanie Zamanga ihre Band Konea Ra. Doch auch wenn die Musik nicht einfach ist, bleibt sie weitgehend poppig, stets harmonisch. Sie und ihr Kollege Matthias Cermak entwerfen auf dem Debüt-Album eine dunkle, nebelverhangene Elektro-Pop-Landschaft, voll mit wabernden Synths, gedrungenen Bässen und kühlem Gesang. „Pray for Sun“ lautet das Mantra aus dem elektronischen Dickicht, das Freunde von Royksopp, Fever Ray und Indianer Mythologien mittels Repeat-Button gerne wiederholen werden.

Konea Ra

Katharina Reckendorfer

Inspirations- und Namensstiftend für das Duo ist ein indianisches Fabelwesen namens Konea Rau Ne Ne. Doch bis auf den Namen und das Albumcover haben die beiden mit Indianern nichts am Hut und im Gegensatz zu Karl May sind ihre Werke autobiografisch. Einzig der Song „Discosad“, ein romantischer Discoblues, stammt nicht direkt aus ihrer Feder, sondern geht auf die Wiener Band Laserschaua zurück. Matthias Cermak hat unter seinem Solo-Alias Mangara einen Remix der Nummer gemacht, der nun das Grundgerüst des Songs bildet.

Konea Ra Cover

Konea Ra

Konea Ra haben ihre Wurzeln nicht in der elektronischen Musik, sondern im Jazz. Stephanie hat am Konservatorium Gesang und Matthias Saxophon studiert. Eine Vergangenheit, die allerdings kaum noch Einfluss auf ihr aktuelles Schaffen hat.

„Mich interessiert alles, wo die elektronische Musik auf Songstrukturen trifft. Unsere Songs sind klassisch mit Strophe und Refrain aufgebaut. Auch wenn ich noch das Saxophon verwende, wie z.B. in „Pray for Sun“, dann geht es hauptsächlich darum, eine spezielle Atmosphäre zu erzeugen. Es geht mir im Unterschied zu meiner Jazz-Vergangenheit nicht mehr darum, das perfekte Solo oder die komplizierteste Harmonie zu spielen. Ganz im Gegenteil, Konea Ra ist eigentlich sehr einfach gehalten.“

Synthie-Labor

Kennengelernt haben sich die Beiden allerdings nicht am Konservatorium, sondern über den Wiener Produzenten und DJ Karl Möstl. Stephanie Zamanga hat bei seinen Produktionen gesungen und Matthias Cermak hat auf seinem Label Defusion Records sein Mangara-Projekt verwirklicht. Doch für das gemeinsame Projekt haben sie einen neuen Weg eingeschlagen: Das Album „Pray for Sun“ wurde auf dem Label Vienna Wildstyle veröffentlicht, und sie haben sich auch ein neues, sehr spezielles Studio für die Aufnahmen gesucht - ein Synthesizer-Labor in der Wiener Volksoper. Der Geräte-Park ist gespickt mit alten Synths, Röhrengeräten und Bandmaschinen. Die analogen Maschinen klingen zwar viel besser als ein Computer, doch bergen auch Tücken. Auch wenn die Pre-Sets notiert werden, können manche Sounds einfach nicht mehr hergestellt werden. Der Synthesizer auf dem Track „You“ war während der Aufnahmen schon kaputt und nach der Reparatur klingt er ganz anders.

Durch die vielen verschiedenen Geräte kann Konea Ra auch nur einen Teil ihrer Musik tatsächlich live umsetzen, der Rest kommt vom Band. Vor jedem Konzert plagen sie sich mit der Entscheidung, welchen der antiquierten Synths sie mitnehmen sollen. Die größte Herausforderung für die junge Band ist deshalb auch Mexiko-Konzert dieses Jahr, das sie gemeinsam mit dem Visualisten-Duo Luma.Launisch bestreiten werden.

Auf der Bühne wirkt Konea Ra wie ein Mann-Frau-Duo mit der klassischen Rollenverteilung: Die Frau steht im Mittelpunkt und singt, während der Mann im Hintergrund die Sounds produziert. Doch dieser Eindruck täuscht: Im Studio sind die beiden 50/50 für die Musik und die Texte verantwortlich.

Der Titeltrack steht z.B. für die Stimmung und Jahreszeit, in der das Album produziert wurde.

„In dem Song geht es ganz speziell um dieses Gefühl, dass nach einem langen Winter die Sonne endlich wieder kommen soll. Das Licht fehlt einfach und kommt dann erst im Frühling wieder. Der Song drückt diese dunkle Stimmung aus und beim Refrain kommt dieses hoffungsfrohe Warten zum Ausdruck.“

Ein hoffnungsfrohes, atmosphärisches Debüt ist Konea Ra gelungen, leider können nicht alle elf Songs auf dem Album überzeugen, manche klingen klinisch und spröde.

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