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Musik, Film, Heiteres

Rainer Sigl

Spiel, Kultur, Pop im Assoziationsblaster.

28. 4. 2012 - 15:02

A MAZE Indie Connect 2012

Die Deutschen Gamestage in Berlin haben mit der A MAZE Indie Connect seit diesem Jahr auch ein Podium für Independent Games.

AMAZE logo

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Während die Berliner Games-Entwicklerkonferenz Quo Vadis, die ihr zehnjähriges Jubiläum feierte, mit ihrem heuer kontroversiellen Verleihung des Deutschen Computerspielpreises an "Crysis 2" die trockene Businessvariante der deutschen Gamesbranche verkörpert, war die in dieser Form zum ersten Mal stattfindende A MAZE Indie Connect die sympathisch verschlurfte Independent-Variante für digitale Lo-Fi-Hipster: An zwei Tagen drehte sich alles um die am Rande des großen Games-Mainstreams blühende Independent-Games-Szene. Der Berliner Verein A MAZE widmet sich in verschiedenen Projekten bereits seit 2008 der Konvergenz zwischen Spielen, Kunst und Gesellschaft und hat heuer erstmals internationale Entwickler und heimliche Stars der Indie-Szene nach Berlin gerufen, um an zwei Tagen, am 26. und 27. April, der Welt des Indie-Gamings eine europäische Plattform zum Gedankenaustausch und Netzwerken zu bieten.

Jonatan Söderström

Sigl

Jonatan Söderstrom alias Cactus

Und die Welt der Indies ist im Umbruch: Schon die Keynote am Eröffnungstag machte klar, dass der globale Erfolg der Independent-Games auch seine Schattenseiten hat. Jonatan Söderström, besser bekannt als Cactus und seit Jahren hyperproduktives Chaos-Wunderkind der Independent-Szene, zeichnete gleich zu Beginn ein ernüchterndes Bild: Die Freeware-Tage, so Cactus fatalistisch, in denen Indie-Developer ihre Spiele im Geiste der kostenlosen Verbreitung gratis zum Download zur Verfügung gestellt hätten, seien als Folge von Kommerzialisierung und Verbreiterung der Szene vorbei. Der auch kommerzielle Erfolg der Subkultur bedrohe dabei die Kreativität: "When money becomes an issue, uncreative types get in - to make money."

Dass diesem provokant pessimistischen Befund nur zum Teil zugestimmt werden kann, machten zum Glück die im Verlauf der zwei Konferenztage folgenden Referenten klar: Neben tatsächlich viel Fokus auf Geschäftsmodelle wie Free2play, Crowdfunding und Rat für hoffnungsvolle Start-Ups konzentrierte sich der Rest des Programms in Workshops und Vorträgen auf Kreativität und die Weiterentwicklung des Mediums - und auf die Vernetzung der europäischen Indie-Games-Community.

Thorsten Wiedemann, AMAZE

Glashüttner

A MAZE-Mastermind Thorsten Wiedemann präsentiert den ersten europäischen Indie-Award für das "most AMAZING Indie game".

Die Ausrichtung am Games-Underground zeigte sich auch an dem der Konferenz angeschlossenen Award - dem ersten Indie-Games Award Europas - und den aus über 70 Einreichungen ausgewählten und in einer Exhibition ausgestellten Finalisten: Neben den schon beim IGF-Award mit Trophäen bedachten Titeln "Botanicula" (IGF Best Audio) und "Proteus" (IGF Audio Honorable Mention) versammelte die Jury auf ihrer Shortlist acht weitere Titel, die in Design, Ansatz oder formal nur abseits des Games-Mainstreams ihren Platz finden.

Proteus

Ed Key

Der erste A MAZE-Award geht an "Proteus".

Alle Details zu A MAZE Indie Connect 2012 gibt's auf der Homepage, der Award-Gewinner "Proteus" wird voraussichtlich im Herbst 2012 erscheinen.

Über die hübsche Award-Trophäe für das "most AMAZING Indie game" und die damit vergebene Prämie durfte sich letztendlich "Proteus" von Ed Key und David Kanaga freuen. Das grafisch im sympathischen 8-bit-Style gehaltene Exploration-Game, das im Herbst erscheinen wird, schickt Spieler auf eine mysteriöse Insel auf Entdeckungsreise. Die Hauptrolle spielen nicht Rätsel oder Gegner - die gibt es nämlich nicht -, sondern die bezaubernde Optik und der prozedural generierte Ambient-Soundtrack, der sich durch das Wandern durch die Umgebung ständig subtil verändert und so die Erforschung der Insel zu einem meditativen Spaziergang durch atmosphärische Soundscapes werden lässt. Die Preisvergabe ausgerechnet an ein derart experimentelles Spiel beweist, dass Cactus' einleitende Mahnung vor der kreativitätszersetzenden Macht der Kommerzialisierung zumindest im Falle des Berliner Festivals unbegründet ist.

Die Independent-Games-Welt ist mit diesem deutschen Indie-Treffpunkt um eine europäische Pflichtveranstaltung erweitert worden. Eine Fortsetzung im nächsten Jahr ist gesichert.

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