Standort: fm4.ORF.at / Meldung: "Bike-Park-Schnuppern"

Musik, Film, Heiteres

Simon Welebil

Abenteuer im Kopf, drinnen, draußen und im Netz

26. 5. 2012 - 13:34

Bike-Park-Schnuppern

Die Bikeschule-Leogang hilft, die Einstiegshürden beim Freeride-Mountainbiken zu überwinden.

Der Mountainbike-Sport hat sich in den letzten Jahren sehr stark ausdifferenziert. Anders als die klassischen Bergauf- oder Querfeldeinvarianten gehen die neuen Spielarten des Mountainbikens fast nur noch bergab und/oder in die Luft, ob Downhill, Single- und North-Shore-Trails, Bikercross oder Dirt-Jump.

All diese neuen Bike-Varianten kann man dieses Wochenende beim Out-of-Bounds Festival in Leogang sehen

Diese neue Mountainbike-Szene erlebt gerade einen Boom. Die Ausrüstung wird billiger und weil die Skiliftbetreiber die BikerInnen als gutes Sommergeschäft entdeckt haben, werden vielerorts neue Strecken aus dem Boden gestampft.

Der Einstieg in das Freeride-Mountainbiken stellt aber immer noch eine große Hürde dar. Nicht nur wegen der gut 2.000 Euro, die ein gebrauchtes Downhillbike und die Schutzausrüstung kosten, es gehört auch einiges an Überwindung dazu, die steilen Trails und hohen Drops anzugehen.

Drei Personen stehen in voller Schutzausrüstung auf Holzrampen und schauen sich die Landung eines Sprunges an.

fm4 Simon Welebil

"Ein bisschen verrückt muss man vielleicht schon sein. Wenn man jetzt eher ein "Planscher" ist, dann ist es vielleicht nicht das richtige, aber grundsätzlich kann es fast jeder lernen.", meint Sabine Enzinger. Nachdem sie bereits Rafting, Snowboard und Skifahren unterrichtet hat, hat sie letztes Jahr die erste Bike-Schule Österreichs eröffnet und bietet seither Downhillkurse an.

Grundlegendes am Parkplatz

Im Kurs soll in erster Linie vermittelt werden, wie man die Strecke runterkommen kann, ohne dass man sich verletzt, meint Sabine Enzinger. Neben all den sicherheitsrelevanten Aspekten soll aber der Spaß nicht zu kurz kommen, für den man sich eigentlich aufs Bike setzt.

Wie jeder Sportkurs beginnt auch das Downhill-Training mit dem Kennenlernen des Geräts. Ein Downhill-Bike unterscheidet sich nämlich grundlegend von einem gewöhnlichen Mountainbike. Es ist schwerer, der Federweg von Gabel und Stoßdämpfer ist größer als zwanzig Zentimeter und der Schwerpunkt des Rads liegt ziemlich tief.

Mehr Geschichten von der FM4 Draußen Redaktion

Durch die tiefe Sitzposition und den langen Federweg ist das Treten auf gerader Strecke ziemlich anstrengend und auch die Schutzausrüstung, ein Vollvisierhelm, Bein- und Armprotektoren, Rückenprotektor und Handschuhe sind im Flachen eher lästig. Aber lange werden wir hier ohnehin nicht bleiben, nur bis wir die Basics können: richtiges Bremsen, driften, Kurvenfahren und Sprungtechniken.

Schon nach einer Stunde wechseln wir rüber zum Bikepark um die ersten Drops zu bewältigen, Holzrampen, die an ihrem Ende bis zu eineinhalb Meter hoch sind und kurz darauf geht's auch schon mit der Gondel auf den Berg.

Zwei Downhillfahrer im Wald, in voller Schutzausrüstung

fm4 Simon Welebil

Respekteinflößend

Schon die Einsteigerstrecke im Bikepark ist flößt Respekt ein: steil, mit kleinen Sprüngen, Wellen und Steilkurven und alles matschig durch den Regenguss vom Vortag. Doch Sabine will keine Angst aufkommen lassen. Die Regel der Bikeschule: "Wer nicht langsam fahren kann, soll auch nicht schnell fahren, und so wird auf der ersten Fahrt viel gebremst und die schwierigen Streckenpassagen werden einzeln inspiziert.

Langsam fahren ist aber ein relativer Begriff, vor allem wenn es eng zwischen den Bäumen durch und steil in die Kurven reingeht. Es wird viel Adrenalin ausgeschüttet. Matsch spritzt ins Gesicht und über die Kleidung, "Peeling und Schlammpackung inklusive - eigentlich ein Wellness-Sport", kommentiert Sabine. Zwei Mal muss ich unfreiwillig absteigen.

verschwommene Fahrerin in einer Steilkurve

fm4 Simon Welebil

Sabine Enzinger zu schnell für meine Kamera

Alles nur Kopfsache

Bikeguide Sabine bleibt immer wieder stehen und korrigiert unsere Kurventechnik. Zu tiefes Anfahren in der Kurve oder Bremsen am falschen Kurvenpunkt kann dazu führen, dass man wegrutscht oder das Rad umfällt. Sie fordert ein bisschen weniger Zurückhaltung von uns: "Alles nur Kopfsache!" Der soll nämlich immer nur nach vorne gerichtet sein.

Die erste Fahrt ist geprägt von Zurückhaltung und Respekt vor der Steilheit der Strecken und erst auf dem Schotter wird das Fahren gemütlicher und weniger verkrampft. Doch bereits bei der zweiten Fahrt traut man sich die Kurven schon viel schneller zu nehmen und auch kleine Sprünge sind drinnen - sogar freiwillig.

Am Ende des Tages bin ich dreckig, verschwitzt und erschöpft von der ungewohnten Muskelbelastung beim Bremsen. Aber von Sabine kommt ein "gar nicht so schlecht" für meine Kurventechnik und der Spaß beim Downhillfahren hat die Anstrengung bei Weitem wett gemacht.

Bikeschul-Besitzerin Sabine Enzinger und ein weiterer Downhiller vor einer Holzschnitzerei mit der Inschrift Bikeschule

fm4 Simon Welebil

Haftungsausschluss

Die ORF.at-Foren sind allgemein zugängliche, offene und demokratische Diskursplattformen. Die Redaktion übernimmt keinerlei Verantwortung für den Inhalt der Beiträge. Wir behalten uns aber vor, Werbung, krass unsachliche, rechtswidrige oder beleidigende Beiträge zu löschen und nötigenfalls User aus der Debatte auszuschließen. Es gelten die Registrierungsbedingungen.

Forum

Zum Eingabeformular Kommentieren

  • zugverschrotter | vor 1652 Tagen, 2 Stunden, 31 Minuten

    aaaaaah. du sack :D

    wenn das ganze nicht so schweineteuer und ich nicht so ein lulu wäre, hätt ich dort glaub ich schon vor ca 10 jahren, als die das ganze eröffnet haben, vorbeigeschaut. und dein bericht hat natürlich die alte sehnsucht wieder aufleben lassen...

    ned deppert, dass die auch kurse anbieten. die verletzungsgefahr ist ja leider trotz aller sicherheitsvorkehrungen nicht ohne, und kann selbst die weltbesten rider unter die erde oder zumindest in den rollator schicken (tarek rasouli, anyone?).

    und jetzt zieh ich mir gerade die videos von den einzelnen strecken rein und ärger mich noch mehr. waaaaaaah =D

    Auf dieses Posting antworten
    • simonwelebil | vor 1651 Tagen, 5 Stunden, 48 Minuten

      tarek rasouli

      hatte gerade ein interview mit tarek rasouli, der ja mittlerweile einer der größten promoter der freeride mountainbike world tour ist. wenn er im rollstuhl bei den events auftaucht bringt das sicher einige fahrer zum nachdenken. Mich wundert's trotzdem immer, wieso die fahrer beim dirtjump noch immer ohne nackenstützen und rückenprotektor unterwegs sind - beim downhill längst üblich.

    • zugverschrotter | vor 1651 Tagen, 3 Stunden, 8 Minuten

      ich denke die pros muss er nicht mehr zum nachdenken bringen, weil denen ohnehin bewusst ist, worauf sie sich einlassen. bei neueinsteigern ist das aber sicher ein wichtiger öha-effekt, der das, was auf videos so easy-cheesy aussieht in einem anderen licht darstellt.
      was mich an dem kerl aber fasziniert ist seine ungetrübte lebensfreude, die die szene auch für gehandicapte personen zugänglich macht.

      was die dirter betrifft: dort ist ab einem bestimmten level das risiko eines kapitalen sturzes sicher höher, wenn man in seiner beweglichkeit eingeschränkt ist, während beim dh die bodenbeschaffenheiten und ausbrechende reifen bei sehr hohem tempo die großen unbekannten darstellen.

      ist vermutlich, abgesehen vom coolnessfaktor, ähnlich wie beim bmx: 4crosser tragen schutzanzüge, weil die unfallwahrscheinlichkeit von 3 gegnern abhängt. slopestyler pfeifen drauf, weil sie in 99% der fälle bereits in der luft merken ob sie den sprung auch landen können. ein gewisses können natürlich vorausgesetzt. die vorbildwirkung auf hobbyfahrer ist natürlich ein anderes thema...