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Musik, Film, Heiteres

Stefan Trischler

Trishes

Beats, Breaks und Tribe Vibes - oder auch: HipHop, Soul und staubige Vinyl-Schätze.

20. 6. 2012 - 15:40

Soul-Held in neuem Universum

Mit ein bisschen Hilfe von Richard Russell und Damon Albarn läuft Bobby Womack auf dem neuen Album "The Bravest Man In The Universe" wieder zu hoher Form auf - zumindest streckenweise.

Wenn das jetzt zu einer Formel verkommt, soll's uns auch recht sein: XL Records-Boss Richard Russell erweckt Legenden des Soul (und der Leidenschaft) zu neuem musikalischen Leben. Nach dem großartigen und leider letzten Gil Scott-Heron Album (und der noch ein wenig besseren Remix-Version) war jetzt also Bobby Womack an der Reihe.

Damon Albarn hatte die große Soulstimme bei der Aufnahmesession zu diesem Gorillaz-Song kennengelernt und ihn wenig später mit der Idee eines neuen Albums angerufen. Wie er in diesem Making Of-Video erzählt, war Bobby nicht sofort überzeugt, weil ihm die Leidenschaft für die Musik abhanden gekommen war.

Was ihm jahrzehntelange Drogensucht, Krebs und andere Schicksalsschläge nach und nach genommen hatten, hauchten ihm ein paar Tage mit seiner Gitarre im Studio zum Glück wieder ein. Damon nahm neben Richard Russell auf der Produzentenbank Platz und ist mit dafür verantwortlich, dass The Bravest Man In The Universe mehr Melodie und Pop-Appeal hat, als I'm New Here. Andererseits ist Bobby Womack natürlich auch selbst ein großartiger Songwriter und noch viel mehr klassischer Soul-Crooner als Scott-Heron. Der Mann hatte in ganz jungen Jahren immerhin den großen Sam Cooke als Mentor. Dem Song Dayglo Reflection ist deshalb auch ein Cooke-Zitat über das Reifen eines Künstlers mit dem Alter vorangestellt, bevor sich Bobby Womack den Song mit einer gewissen Miss Del Rey teilt.

Und wie sie da bei Minute 1:55 ihre Stimme brechen lässt, das erinnert mich an einen Satz, den ich gestern bei Kollegin Natalie gelesen habe: "Lana will uns weiß machen, dass sie mit zwanzig vom Leben zerstört ist und unter der Zuckerfassade verkohltes Fleisch welkt." An der Seite des tatsächlich vom Schicksal gegerbten Bobby Womack, dem man das durchaus auch anhört, wird die Aufgesetztheit dieser Pose besonders stark offensichtlich. Schade, denn der melancholische Broken Beat-Track hätte sonst durchaus Potenzial gehabt.

Bobby Womack

Wenn wir gleich bei den Makeln bleiben, muss leider auch Love Is Gonna Lift You Up erwähnt werden - ein übertrieben käsiger Gute-Laune-Song gegen Ende der Platte. Die Stärken von "The Bravest Man In The Universe" liegen in den intimen, verletzlichen und traurigen Momenten, wo der 68jährige Sänger oft um Versöhnung und Vergebung fleht. Herausragend sind in dieser Hinsicht der Titeltrack und die allererste Hörprobe aus dem Album: Please Forgive My Heart.

In diesen Songs verschmilzt die alte Soulstimme mit den modernen Beats von Richard Russell und den Klavierakkorden von Damon Albarn zu einer Art musikalischer Zeitlosigkeit - im besten Sinne. Ähnlich auch in Whatever Happened To The Times, wo Bobby Womack eine von ihm geschriebene Melodie zurückholt, die sich seinerzeit Rod Stewart für den Gassenhauer Do You Think I'm Sexy? "ausgeborgt" hatte.

Dass der sehr hohe Level vom Anfang des Albums leider wegen einiger weniger Ausrutscher nicht durchgehen gehalten werden kann, ist die große Enttäuschung an The Bravest Man In The Universe. Letztlich überwiegt aber trotzdem die Freude darüber, Bobby Womack überhaupt noch einmal in Hochform erleben zu dürfen. Hoffentlich auch bald auf einer Konzert- bühne - oder auf einem noch etwas fokussierteren Nachfolgewerk!

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  • biased | vor 335 Tagen, 16 Stunden, 27 Minuten

    MIch hat das Album eher enttäuscht

    Bobby ist alt geworden, fast kraftlos. Einzig und allein "Stupid" hatte noch etwas von dem alten Feuer.

    "Smoking a spliff, sippin cognac, God
    you know my two love songs, Bobby Womack tracks" (Wu Tang Clan, AIDS)

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  • gedge | vor 335 Tagen, 18 Stunden, 41 Minuten

    "Lana will uns weiß machen, dass sie mit zwanzig vom Leben zerstört ist und unter der Zuckerfassade verkohltes Fleisch welkt"

    geh bitte, liebe leute, hörts doch auf mit diesem 90er jahre kurt kobain -authentizitätsansatz, wenn man wirklich konsequent die diskrepanz zwischen künstler und glaubhaftigkeit seines vortrages ins treffen führen will, müßte man 80 prozent aller popkulturellen ergüsse der letzten 40 jahre in die tonne hauen. nur ein beispiel: johnny cash, für die meisten DER musiker in punkto wahrhaftigkeirt, intoniert vor hunderten schwerverbrechern "st. quentin, you`ve been livin hell to me!", ohne auch nur annähernd, abgesehen von kurzzeitiger drogenbesitz-inhaftierung, das erleben mußte was sein publikum tagtäglich im strafvollzug erfahren hat. war er deswegen weniger authentisch? nein, natürlich nicht, die leute nahmen ihm seien vortrag ab,eben WEIL er glaubhaft in eine rolle schlüpfte.
    warum genau DIESE fähigkeit lana del rey ständig abgesrochen wird, ist mir ein rätsel. GERADE mit 20 ist es doch total nachvollziehbar, den eigenen weltschmerz kunstvoll zu überhöhen und die gefühlte last des eigenen menschseins mit jugendllicher pathosgewalt hymnenhaft zu vertonen !
    mehr davon, kann ich nur sagen !!

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