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Daniela Derntl

Daniela Derntl

Diggin' Diversity

14. 7. 2012 - 18:10

Zwei Bier, wenn überhaupt

In Oberösterreich überlegt man, für Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren ein Alkohollimit bei 0,5 Promille einzuführen.

Ob und wie viel Alkohol Jugendliche in Österreich trinken dürfen, ist je nach Bundesland unterschiedlich geregelt. Im oberösterreichischen Jugendschutz-Gesetz heißt es momentan, dass "der übermäßige Alkoholkonsum für 16- bis 18-Jährige verboten ist".

Das lässt viel Interpretationsspielraum und wenn es nach dem Landeshauptmannstellvertreter der SPÖ, Josef Ackerl, geht, soll damit jetzt Schluss sein. Er will eine 0,5-Promille-Grenze für Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren. Und je nach Gewicht, Geschlecht, Größe und Alter hat man zum Beispiel nach zwei großen Bieren die 0,5-Promille-Grenze schon überschritten.

zwei Flaschen Bier

Kein einheitlicher Jugendschutz in Österreich

In Oberösterreich wird schon seit vielen Jahren über ein Alkohollimit für Jugendliche nachgedacht und nachdem kein einheitliches Jugendschutzgesetz für ganz Österreich in Sicht ist, will Josef Ackerl eine Grenze bei 0,5 Promille ziehen. Die Idee, strengere Kontrollen einzuführen, stammt laut Ackerl von der Polizei, die diese künftig auch durchführen soll.

Polizei auf Kuschelkurs

Doch mittlerweile zeigt sich die Polizei von der Idee nicht mehr so begeistert. In einem Interview mit den OÖ-Nachrichten befürchtet der Landespolizeikommandant Andreas Pilsl, dass durch Alkotests bei jungen Nachtschwärmern das gute Verhältnis zwischen Polizei und Jugendlichen beeinträchtigt werden kann.

Josef Ackerl begrüßt diesen Kuschelkurs nicht unbedingt: "Ich halte das auch für ein Unterlaufen des Gesetzgebers und der Verwaltung, denn wir sind zuständig dafür, was zu tun ist und die Polizei ist ja nur ausführendes Organ und kann nicht selbst bestimmen, ob es sie freut oder nicht".

Alkohol im Geschäft. Stockholm.

Ähnlich wie im Straßenverkehr sollen Polizisten künftig mit Alkomaten die Jugendlichen unangekündigt und stichprobenartig überprüfen, allerdings nicht in den Lokalen und Discos selbst, sondern außerhalb.

"Es ist absolut nicht geplant, Massenverfolgungen oder Razzien durchzuführen. Es geht wirklich darum, Jugendschutz zu betreiben, und das heißt dann auch, den Willen zu haben, mit den Leuten zu reden und nicht zu strafen", beteuert Josef Ackerl im Interview.

Strafen

Wenn Jugendliche zum ersten Mal mit über 0,5 Promille im Blut auffallen, sollen sie zu einem Präventions-Gespräch in eine Beratungseinrichtung geschickt werden. Doch wenn Abmahnungen nichts nützen und sie wiederholt das Limit überschreiten, wird es Mandats- oder Verwaltungsstrafen über die Bezirkshauptmannschaft geben. Das heißt, dann muss gezahlt werden!

Kritik von der JVP

Doch nicht nur in der Polizei wurde Kritik laut, sondern auch in Jugendorganisationen wie der Sozialistischen Jugend und der Jungen ÖVP. Helene Kirchmayer ist die JVP-Landesobfrau in Oberösterreich:

"Man kriminalisiert die Jugendlichen, weil wir haben jetzt schon ein sehr strenges Jugendschutzgesetz, das man sehr gut exekutieren kann. Aus meiner Sicht ist es ganz wichtig auf Prävention im Rahmen von Workshops zu setzen. Aber ich glaube nicht, dass man mit einer 0,5-Promille-Grenze eine Lösung findet. In anderen Bereichen wird den Jugendlichen schon sehr viel Verantwortung übertragen - ab 16 darf man wählen, ab 17 darf man Autofahren, und hier wird ihnen diese Verantwortung wieder abgesprochen".

Den Vergleich mit der Wahlerlaubnis ab 16 lässt Josef Ackerl nicht gelten und er will auch niemanden kriminalisieren. Er sieht die neue Regelung als Präventiv-Maßnahme, um die Gesundheit der Jugend zu schützen und um etwaige Unfälle, Schlägereien usw. zu verhindern.

In Oberösterreich wird in den Sommermonaten weiter über die 0,5-Promille-Grenze diskutiert. Der Vorschlag von Josef Ackerl hat jedenfalls viele Diskussionen um die Thematik Jugend und Alkohol angestoßen. Im Herbst wird sich zeigen, ob seine Idee der 0,5-Promille-Grenze für Jugendliche tatsächlich kommt. Dann wird im Unterausschuss des Landtags über das Gesetz abgestimmt.

leere Flaschen Alkohol

Umfrage auf der Linzer Landstraße:

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  • moosesgarcia | vor 338 Tagen, 18 Stunden, 26 Minuten

    Ein unglaublicher Schwachsinn. Aber wohl auch wieder nur ein zahnloses Gesetz, weil mit der Realität nicht vereinbar. Stehen die Beamten dann bei jedem Festl und schnappen sich jeden Jugendlichen, um zu kontrollieren. Wer macht dann die (wesentlich wichtigeren) Verkehrskontrollen? Oder wird der Beamtenapparat für ein solch doch sehr umfassendes und aufwändig zu exektuierendes Gesetz aufgestockt?
    Abgesehen davon, sollte man mal über die Ländergrenzen schielen: Jene Länder mit sehr restriktiven Alkoholgesetzen (Anglo-Sächsicher Raum, Skandinavien) haben sehr oft mit extremen Ausmaßen an Binge Drinking zu kämpfen. So fahren Schiffsladungen von Finnen übers Wochenende nach Russland, um sich dort die Kante zu geben, weil der Alk daheim zu teuer ist. Anderes Beispiel die Sperrstunden in England oder Irland: Entweder es führt zu einer Totalvernichtung innerhalb von kürzester Zeit oder das Heimtrinken wird wieder populär. Insgesamt kann jedoch keine Abnahme des Alkoholkonsums oder -missbrauches festgestellt werden.

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    • moosesgarcia | vor 338 Tagen, 18 Stunden, 12 Minuten

      Und wie immer bei allen Belangen der Jugend: NIEMAND spricht von den Eltern bzw. mit den Eltern.

      Ich finde es halt verwirrend, dass immer von der komasaufenden, herumlungernden Jugend gesprochen wird, aber niemand mal nachfragt, wo eigentlich deren Eltern sind, um mal was voranzutreiben.

      Dass wir es hier mit einem gesamtgesellschaftlichen Problem zu tun haben, dass mit einer lächerlichen Promillegrenze oder mit dem Verbot des öffentlichen Niedersaufens (Salzburg) so rein gar nicht zu bewältigen ist, das wird von einer kurzfristig denkenden Politik natürlich übersehen. Warum die Ursachen bekämpfen, wenn die Symptome schneller bekämpfbar sind und beim Wähler mal gach ein paar Stimmen abzuholen sind.

    • derntl | vor 338 Tagen, 14 Stunden, 41 Minuten

      @moosesgarcia

      ja, du hast natürlich recht, dass es sich hier um ein gesamtgesellschaftliches problem handelt und es nicht eines der jugendlichen alleine ist. ich hab josef ackerl im interview auch gefragt, warum das alkohol-problem meistens auf die jugendlichen abwälzt wird, obwohl ihnen der übermäßige alkohol-konsum ja an allen ecken vorgelebt wird. ackerls antwort darauf: "sie haben natürlich recht, dass die erwachsenen vorbilder sein müssten und es nicht immer sind. aber es handelt sich um ein jugendschutz-gesetz und wir wissen, dass es für kinder und jugendliche gut ist, wenn man diese dinge intensiver mit ihnen bespricht, denn die gefährdung der gesundheit ist hier in einem weitaus höherem maße vorhanden."

  • zarniwoop | vor 339 Tagen, 17 Stunden, 5 Minuten

    Wieder einmal...

    ... ein Beispiel, wie die Alten-Generation einer ach so verkommenen Jugend zeigen will, was Ordnung und Anstand ist.
    Wo kämen wir denn da hin!
    Wenn diese Asso-Jugend sich glatt noch ein Recht raus nähme, einfach mal so fröhlich zu sein und über die Stränge zu schlagen, ohne Angst davor, dass irgendein Uniformträger plötzlich mit Arrest und/oder Geldstrafe droht.
    Die Alten waren da ja immer schon viel anständiger, es gab keine freiwillige Feuerwehren, keine Maibaumaufstellereien etc. Alkohol bekam man zu Jugend-Zeiten von heute auf den wachsenden Wähleranteil der noch Älteren schielenden Polit-Pöbler sicherlich nur in der Apotheke und war rein medizinischen Zwecken vorbehalten...
    Diese gesund- und sicherheitsversessenen Ewiggestrigen sollten sich lieber mal Gedanken darüber machen, wie man den Jugendlichen fairere Chancen zur aktiven Teilnahme an einer erwartenswerten Zukunft verschaffen könnte!

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