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Musik, Film, Heiteres

Robert Rotifer

Robert Rotifer London/Canterbury

Themsenstrandgut von der Metropole bis zur Mündung: Bier ohne Krone, Brot wie Watte und gesalzene Butter.

22. 7. 2012 - 14:21

go wiggo

Clean Living Under Difficult Circumstances. Ein Mod gewinnt heute die Tour de France, und warum das eigentlich völlig logisch ist.

Okay, lassen wir einmal das ganze Gejammere über die olympischen Spielereien beiseite. Wie ich der ORF-News-Seite entnehme, war meine Taktik, mir die Horrorstories für die Woche davor aufzuheben, ohnehin nicht so schlau, weil all die Geschichten in verdünnter Form bereits aufgetischt wurden. Hätt ich mir denken können eigentlich.

Aber egal: Das tatsächlich Wesentliche findet sowieso ein paar hundert Meilen östlich von London statt, und zwar heute nachmittag auf jener Straße, die die Briten so beharrlich "Schonseliiiehsej" nennen (aussprechen und weinen), wenn der erste Brite überhaupt je zum Sieger der Tour de France gekrönt wird.

Der popkulturelle Aspekt liegt in Bradley Wiggins' offenem Bekenntnis dazu, was er selbst "the mod movement" nennt.
Untenstehendes Bild hier verleiht seinen Worten nicht nur Glaubwürdigkeit, es ruft auch eine der kurioseren Koalitionen von Sport und Popkultur ins Gedächtnis.

Bradley Wiggins in seinem Fred Perry-Special Edition Shirt

In der Tat, Fred Perry mag mit Andy Murray den potenziellen Nachfolger seines historischen Namensgebers als letzter britischer Wimbledon-Sieger an Adidas verloren haben (und wir haben alle gesehen, wohin das führt), aber die Idee, Bradley Wiggins als Werbeträger für die heurige Saison zu gewinnen, hat sich jetzt schon als Goldgriff erwiesen.

Das von Wiggins persönlich designte, in himmelblau, schwarz und weiß erhältliche Cycling Top erhebt die Perry-typischen Streifchen an den Säumen zum selbstbewussten Statement: Patriotisch rot und blau am Kragen und der Weltmeister-Regenbogen an den Bündchen.

Nun kommt es ja nicht völlig überraschend, dass ein Jam- und Small Faces-Fan, der als Teenager in Kilburn mit Oasis als Soundtrack seiner Jugend aufwuchs (was für meinereiner ja mit Mod gar nicht zusammengeht, aber das ist wohl eine Generationenfrage), zum Radsport finden sollte.

Hätte mir auch passieren können, wenn mir auf Steigungen nicht immer die Luft ausgegangen wäre.

Zunächst einmal waren Cycling Tops immer schon ein wichtiger Teil der Mod-Garderobe, zumal körpernah geschnitten, hochgeschlossen und mit einem gewissen androgynen Charme behaftet.

Peugeot-Werbung aus den Siebzigern

Dann der Zufall, dass etwa das Team-Shirt von Peugeot von den Sixties bis in die Two-Tone-Zeit der Spätsiebziger hinein ein Design hatte, das mit seinem Schachbrettmuster dem Mod-Revival jener Zeit gewissermaßen an die schmale Brust geschnitten war.

Man vergleiche das Design mit der unter mod-affinen Menschen in den Achtzigern populären James Jacket (Kapuzenjacke mit Schachbrett um die Brust).

Dazu die zu ebenjener Mod-Neudeutung der Ära ebenso ideal passende, seither bedauerlicherweise verlorene Tradition, dass Rennradfahrer ausschließlich weiße Socken und schwarze Schuhe trugen.

Dass Mods immer gerne Bowling-Schuhe trugen, ist weithin bekannt, der schlanke schwarze Radfahrschuh mit Belüftungslöchern war nur wegen seiner eher tanzuntauglichen Sohlen weniger beliebt, aber durchaus Teil des Repertoires.

Interessanterweise trägt Wiggo ja aus Prinzip schwarze Socken, aber das Brechen von Kleidungsregeln gehört genauso zum ewig produktiven Retro/Innovations-Paradoxon der Mod Culture wie jene Regeln selbst.

The Style Council auf dem Fahrrad
Wiggins' Idol Paul Weller im Video zu "My Ever Changing Moods" von The Style Council Mitte der Achtziger

Abgesehen von den ästhetischen Parallelen von Mod und Radfahren gibt es da aber auch einen ideologischen Zusammenhang, schließlich ist Mod eine Working-Class-Kultur mit eingebautem Widerspruch zwischen Individualismus und Team-Denken, einer starken Vorliebe für zweirädrige Vehikel und äh... Amphetamine.

Letzteres ist in Sachen Radfahren hoffentlich nicht Teil jenes Lifestyle oder jener Subkultur, von der Bradley Wiggins so gern spricht. In diesem Fall besser Clean living under difficult circumstances, wie einst Pete Meaden das Mod-Leben definierte, der allerdings sicher keinen Doping-Test bestanden hätte.

So, und jetzt setz' ich mich mit einem Krug Pimm's vor den Fernseher und sehe mir den ersten Tour de France-Gewinner der Geschichte an, zu dessen Gitarrensammlung ein ersteigerter Bass aus dem Nachlass des John Entwistle gehört. Wir sehen uns auf der "Schonseliiiehsej".

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  • gedge | vor 305 Tagen, 7 Stunden, 27 Minuten

    daß oasis und mod "zusammengehen" (wie immer man dieses wort definiert) hat ja glaub ich nie wer behauptet, eine gewisse übernahme mod- typischer zeichen und codes konnte man bei den gallaghers schon feststellen, daß diese mit 70er jahre -rockismen kombiniert wurden machte für mich als heranwachsender gerade den reiz aus ,wahrscheinlich weil ich damals auch der metal- welt durchaus zugetan war und ich deren oftmalige fähigkeit zur selbstironie immer schon erfrischender empfand als die im eigenen bekanntenkreis gelebte reine mod- lehre mit all ihrer selbstverliebten pfauenhaftigkeit und ihrem clothing-style-snobismus. na was solls,ist wohl alles wirklich ein generationen-ding, und noels gitarren- gurt is zum original-mod-sein ja auch einfach zu breit,gell robert ;-)!
    und noch was, daß die britpop welle der 90er mittels massiven namedroppings und sound-anlehnung viele der alten mod bands ins bewußtsein einer ganzen jungen generation spülte, darf man nicht vergessen, die wunderbaren the creation lernte ich erst durch noels wiederholte erwähnung überhaupt kennen, nur so als beispiel!)

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  • thehns | vor 305 Tagen, 8 Stunden, 26 Minuten

    Alles klar. Der ist also mit der Vespa gefahren - kein Wunder dass er schneller als die anderen auf ihren lahmen Bikes war! ;-)

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  • shiloh | vor 305 Tagen, 9 Stunden, 43 Minuten

    und ich setz` mich jetzt mangels Fernsehers auf`s Rad. Die Straßen sind endlich trocken, da geh`n sich noch ein paar KM aus...

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  • didz | vor 305 Tagen, 11 Stunden, 33 Minuten

    cool!

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