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Musik, Film, Heiteres

Daniela Derntl

Daniela Derntl

Diggin' Diversity

17. 8. 2012 - 19:57

Electro-Dubstep-Megazord

Die erste Nacht im FM4 Frequency Nightpark war intensiv und schnell vorbei. Erstes Highlight: Foreign Beggars

"Die Frequency-Leute sind im Vergleich zum Nova-Rock-Publikum freundlicher und weniger aggressiv, weil sie den Nightpark zum Auspowern haben!"

Diese krude These hat mein Sitznachbar im Shuttlebus vom Day- zum Nightpark aufgestellt. Kann das sein? Das Argument, dass die Metaller aggressiver seien, weil Metal extrem hart und testosteronschwanger ist, gilt im Nightpark nicht. Auch hier schenkt man sich nichts, was den Härtegrad der Musik betrifft. Nada!

Frequency Festival
Superhero Nr. 1: Auspowern mit dem Mighty Morphin Power Ranger

Das gilt zum Beispiel für die Band 17th Boulevard, die mit ihrer dick aufgetragenen Gitarren-Schlagzeug-Electro-Fusion sowohl Rock als auch Dubstep-Fans ansprechen will. Das Trio ist ein Sideproject von 3 Feet Smaller Sänger Marcus und klingt auch ähnlich: allerdings mit weniger Punk-Attitude, dafür gibt’s Pathos à la Linkin Park, getrieben vom Bass und Dubstep-Wobbels. Moshpit, Poguen, Abraven. Doch nach ihrem Konzert wirkt der Nightpark wie ausgestorben. Es ist halb fünf. Die Batterien sind leer, Möglichkeiten zum "Auspowern" gab´s allerhand:

Frequency Festival
17th Boulevard
Frequency Festival Sonic Cubes
Sonic Cubes

Zum Beispiel bei den Sonic Cubes: Schwerenöter-Electro mit catchy Hooks und zappelnden Melodien. Die zwei Quadrat-Schädel wärmen die überdimensionale Turnhalle vor der UAF Stage für den Grime/HipHop/Dubstep der Foreign Beggars auf, die mit Fussballstadien-ähnlichen Chorälen empfangen werden: "Fo-Reign-Beg-Gaaaaars"!

Der DJ wärmt mit ein paar Scratch-Übungen die Finger auf, dann wird die Turnstunde von den beiden MCs eröffnet: "Fuck that Shiiiiiiit", "Put your Hands up in the Air" und "Jump Around!

Frequency Festival  Foreign Beggars
Foreign Beggars
Frequency Festival
Foreign Beggars

Die Foreign Beggars machen nix Neues, aber das effektiv. Einen Euro für jedes "Jump" im Set, und der aktuelle Jackpot-Gewinner schaut bescheiden aus. Die beiden MCs, Orifice Vulgatron und Dag Nabbit suchen die Nähe zur Menge und motivieren sie zu olympiareifen Hochsprung-Verrenkungen. Es geht ab, es geht ab!

Frequency Festival
Superhero, Nr. 2: Spiderman

Während dessen ist es vor der anderen Stage noch relativ ruhig, um Mitternacht schlafen bereits die ersten erschöpften Tänzer am Hallenrand. Obwohl Etnik und DJ Sutter Cane, der Ersatz von Gesaffelstein, der leider seinen Flug verpasst hat, eine Tellermiene nach der anderen in den CD-Player werfen und den halben Floor wegsprengen. Verletzte gab es keine, aber einige hats am Trommelfell schwer erwischt.

Frequency Festival
Superhero, Nr. 3: Jetzt wissen wir auch, wie Superman das Geldbörsl-Problem löst.
Frequency Festival
Jö, ein Tierfreund im Nightpark... Duck Sauce aka A-Trak war allerdings schon im Vorjahr da!

Die Stimmung im Nightpark ist gut, aber nicht überschäumend. Die Party kommt nur wirklich vor der UAF-Stage in Gange und der Hof der Kaserne ist der Hauptplatz der müden Aspalt-Cowboys: Chillen, Trinken, Tratschen, Schlafen und Schmusen.

Der britische Dubstep-what-else-Produzent Jon Gooch aka Feed Me versteckt sich hinter einem blinkenden Haifisch-Unterkiefer und spielt ebenso bedrohliche Tracks, die hin und wieder von einer Frauenstimme aufgelockert werden, weil ganz so böse ist er dann doch wieder nicht. Doch mit der Zeit erschöpft sich das gute Bass-Rein-Raus-Spiel, dass von Vitalic um eine Nuance subtiler, aber ebenso vorhersehbar weitergeführt wird.

Frequency Festival
Feed Me
Frequency Festival
Vitalic

Mittlerweile ist es 5 Uhr: Ein paar verirrte Raver haben kein Zuhause und sind noch im Nightpark unterwegs: Wolfgang Möstl zum Beispiel. Er zählt zu den fleißigsten Indierockern des Landes, laut SR-Archiv ist er in sieben Bands aktiv, wie z.B. bei den Killed by 9 Volt Batteries, den Sex Jams oder auch Mile Me Deaf. Er hat im Nightpark seinen 28. Geburtstag gefeiert und war äußerst froh und erleichtert, dass er sich den Mitgliedsbeitrag für den gefürchteten wie verehrten Club27 sparen konnte. Puh!

Frequency Festival
Verwegen, aber immerhin 28 Jahre alt: Wolfgang Möstl von den Killed by 9V Batteries

Die Killed by 9 Volt Batteries spielen am Freitag um 19:30 am Brandwagen.

Es gibt auch noch einen anderen Grund zur Freude für Wolfgang Möstl: die Killed by 9 Volt Batteries feiern ebenfalls Geburtstag. Vor zehn Jahren haben sie sich beim FM4 Frequency am Salzburgring gegründet. Geflasht und schwer beeindruckt vom Sonic Youth und Beck-Konzert war es für ihn und seine Freunde eine klare Sache, ebenfalls eine Band zu gründen, die sich an eben diesen Vorbildern orientiert. Mission erfüllt!

Happy Birthday, Wolfgang & Kb9VB!!!

Frequency Festival
Gähnende Leere um 5:30 Uhr. Ab 22. Uhr wirds wieder voll!!

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