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Musik, Film, Heiteres

Robert Rotifer

Robert Rotifer London/Canterbury

Themsenstrandgut von der Metropole bis zur Mündung: Bier ohne Krone, Brot wie Watte und gesalzene Butter.

17. 8. 2012 - 18:37

"I feel this system crumbling"

Sind Pussy Riot die politisch gefährlichste Rockband ever?

„Ich spüre, dass dieses System zerbröckelt“, sagte Nadezhda Tolokonnikova, Mitglied von Pussy Riot, ehe die Richterin sie und ihre zwei Bandkolleginnen für zwei Jahre ins Gefängnis schickte. Es war einer der emotionalsten Sätze im Kontext einer zutiefst rationalen Schlussrede und zugleich einer der klügsten.

Aus der Härte des Urteils, das Pussy Riot erwartete, aus der Rückhaltlosigkeit, mit der die Autorität im Verlauf des Prozesses ihre Macht bewiesen hatte, in Rechtssprechung und medialer Wahrnehmung die Realität für ihre Zwecke zurechtzurücken, ja sogar aus der unbiegsamen Starrheit der Plexiglasscheibe, hinter die drei Musikerinnen sitzen mussten, sprach die Schwäche des bröckelnden Systems. Und auch seine Dummheit.

Schlimmer kann sich weder eine Regierung, noch eine Kirche entblößen, als ihre volle Gewalt gegen drei junge Frauen zu richten, deren zunehmend waghalsige Guerilla-Gigs in den Monaten vor ihrer Festnahme via Youtube bereits ein weltweites Publikum gefunden hatten.

Sagte übrigens auch Markus Müller-Schinwald heute in seinem sehr aufschlussreichen Interview mit Christoph Weiss in FM4 Connected:

Dieses Element ist nicht mehr verfügbar

Heute vormittag, als noch vor der scheinbar endlosen Verlesung des Urteilswortlauts die Schuldigsprechung von Pussy Riot bekannt wurde, stach mir in der begrenzten, heimeligen Welt meiner Twitter-Timeline unter all den ebenso verständlichen wie vorhersagbaren Putin-böse-Boykottiert-Russland-Aussagen allerdings auch ein Tweet der Sängerin und Songschreiberin Mary Epworth ins Auge:

„I feel it's key that it's recognised that it's not specifically a feminist/punk issue they are fighting.“ - „Ich finde, es ist wesentlich, anzuerkennen, dass sie (Pussy Riot) nicht für eine spezifisch feministische bzw. Punk-Sache kämpfen.“

Und weiter: „Seeing it as solely a feminist issue misses how revolutionary they are. So powerful and inspiring.“ - „Die Sache einzig als feministisches Thema zu sehen, geht daran vorbei, wie revolutionär sie sind. So kraftvoll und inspirierend.“

Eine Aussage, die in ihrer dem Tweet-Format entsprechenden Verkürzung zunächst stutzig macht, aber ich glaube, ich weiß, worauf Epworth damit hinaus wollte.

Einerseits liegt im Kern des inkriminierten, von Pussy Riot in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale gesungenen Songs „Jungfrau Maria, Jag Putin fort“ (ich kenne zugegebenermaßen nur die zirkulierende englische Übersetzung) eine ganz konkrete feministische Stellungnahme: „Mutter Gottes, werde zur Feministin“, heißt es da.

 Russian feminist punk-rock band Pussy Riot members Maria Alyokhina (L), Yekaterina Samutsevich (C) and Nadezhda Tolokonnikova (R) sit in a glass-walled cage in a court room

Darüber hinaus attackiert der Song (in dem übrigens auch eine Referenz an die heute ebenfalls von einem russischen Gericht für illegal erklärten Gay Pride-Paraden enthalten ist) aber vor allem die Verquickungen zwischen der orthodoxen Kirche und dem Putin-Regime – ein Thema, das der westliche Medienmainstream bisher kaum wahrgenommen hat (vielleicht weil dieser Schulterschluss nicht dem alten Ostblock-Bild der Kirchen als Hort der Opposition entsprechen wollte) und das sich mit den Idealen von Riot Grrrl oder Punk nur sehr begrenzt erfassen lässt.

Riot Grrrl war Anfang der 1990er mit seiner feministischen Agenda eine bewusste, nachträgliche Instrumentalisierung des politisch diffusen Modells Punk.

Was Pussy Riot machen, ist wiederum eine bewusste Instrumentalisierung der Instrumentalisierung. Alles an ihrem Auftreten deutet darauf hin, dass sie uns – die via Youtube Zuschauenden – mindestens genauso gezielt ansprechen wie die russische Öffentlichkeit.

Masha, Katya und Nadezhda (ich verwende die englischen Schreibweisen) verwenden musikalische und visuelle Codes, die die Pop-Außenwelt deuten und einordnen kann.

Nicht umsonst las ich von Pussy Riot das erste Mal vorigen Winter auf dem Collapse Board-Blog des Original-Riot Grrrl-Verfechters der ersten Stunde Everett True, der die Russinnen gleich enthusiastisch zu seiner neuen Lieblingsband erklärte.

Und das nicht zu Unrecht: Da dachten wir, die Rockmusik als Subversionsmodell sei längst vorbei und gegessen, und dann reichen ein paar gereckte Gitarrenhälse und – laut Richterinnenspruch – religionsfeindliche Beckenbewegungen plötzlich aus, um das Establishment in Angst und Schrecken zu versetzen.

Die Gefahr liegt nun in der Versuchung, daraus selbstgefällig auf die vergleichsweise Rückständigkeit der russischen Gesellschaft zu schließen. Selbst wenn Pussy Riots Musik und ihre Ästhetik zutiefst derivativ sind, wäre es ein großer Denkfehler, sie bloß als russische Version eines in der ach so freien westlichen Pop-Welt längst durchgespielten Phänomens zu verstehen.

Christiane Rösingers neulich hier formulierte Skepsis gegenüber dieser sich selbst gratulierenden Solidarisierung/Aneignung war dementsprechend angebracht, genauso wie die Unterstützungserklärungen von Madonna bis Paul McCartney in all ihrer öffentlichkeitswirksamen Nützlichkeit einiges an Anmaßung in sich trugen.

Mit all dem, was sie tun und sagen, verkörpern Pussy Riot nämlich – und so gesehen hat Mary Epworth völlig recht – ein komplettes revolutionäres Umsturzmanifest, also weit mehr als der individualistische Befreiungsgestus der Rock-Kultur, die situationistische Irritation des Punk oder die feministische Selbstermächtigung von Riot Grrrl je zu verlangen wagten.

Um den tatsächlichen, vollinhaltlichen Umfang ihres Programms zu präsentieren, brauchte es paradoxerweise genau das Forum, welches das Putin-Regime und die Orthodoxe Kirche ihnen in seiner sagenhaften Arroganz verliehen hat.

Niemand kann Pussy Riot je besser erklären als Masha, Katya und Nadezhda am 8. August in ihren unglaublich präzisen, vor intellektuellem Scharfsinn strotzenden Schlussstatements vor Gericht, deren englische Übersetzung hier nachzulesen ist. Allerhöchste Empfehlung.

Wie sagt Nadezhda Tolonnikova am Anfang ihrer Rede (meine Übersetzung):

„Im großen und ganzen sind hier nicht die drei Mitglieder von Pussy Riot angeklagt. Wenn es nur um uns ginge, wäre dieses Ereignis kaum so signifikant. Dies ist ein Prozess über das ganze politische System der russischen Föderation, die zu ihrem großen Unglück Freude daran zeigt, ihre eigene Gewalttätigkeit gegen das Individuum, ihre Gleichgültigkeit gegen die menschliche Ehre und Würde zu zitieren und dabei all die schlimmsten Momente der russischen Geschichte zu wiederholen.“

Sie übertreibt nicht. Weder Johnny Rotten noch Kathleen Hanna waren in ihrer eigenen Zeit und Umgebung je so bedeutend.

Genau genommen - und wer das für Übertreibung hält, möge ein Gegenbeispiel anführen - war nie zuvor eine Rockband politisch so gefährlich wie Pussy Riot heute (Und kurioserweise hat das mit der politischen Relevanz von Popkultur an sich rein gar nichts zu tun).

Hier ist ein Link zu ihrer heute veröffentlichten neuen Single.

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  • kwikstep | vor 265 Tagen, 13 Stunden, 47 Minuten

    politisch gefährlich

    so eine raiffeisen werbung seitlich passt besonders gut zum thema.

    Auf dieses Posting antworten
  • pisastudie | vor 273 Tagen, 13 Stunden, 2 Minuten

    Hier zB ein Zitat von Plucer, Chefideologe von Voina, ca....

    ...vor einem Jahr:

    Unsere Position sieht so aus: wir sind gegen Urheberrechte, wir prozessieren nicht und beschweren uns über niemanden. Denn wir sind Voina. Prozessieren und Beschweren ist nicht unser Stil. Was Volodarskiy betrifft, so hat Voina die Situation öffentlich dargelegt: http://plucer.livejournal.com/229596.html

    In der Folge haben wir mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln für seine Befreiung gekämpft: http://plucer.livejournal.com/tag/%D0%A1%D0%B0%D1%88%D0%B0%20%D0%92%D0%BE%D0%BB%D0%BE%D0%B4%D0%B0%D1%80%D1%81%D0%BA%D0%B8%D0%B9 Doch Pyotr und Nadya haben ihre Sache zu Ende geführt, Alexandr musste seine Freiheitsstrafe antreten – 1 Jahr.

    Pyotr und Nadya haben sich einiges zuschulden kommen lassen. Mehr als man aufzählen kann. Z.B. hat Volodarskiy Pyotr dreimal vom zweiten Handy aus, welches die Bullen nicht beschlagnahmt, nicht bemerkt haben, angerufen und gesagt, dass die Bullen schon auf dem Weg zur Voina-Wohnung sind, um die Gruppe zu verhaften. Daraufhin haben Pyotr und Nadya ihre Sachen gepackt und haben sich davongeschlichen. „Wo geht ihr hin?“ erkundigten sich Vor und Koza. „Nur so, haben was zu erledigen“, antworteten Nadya und Pyotr. Als Oleg und Natalya die Bullen dann aus dem Fenster gesehen haben, haben sie alles stehen und liegen gelassen und sind über den Hinterausgang aus dem Haus und konnten wie durch ein Wunder durch die Menge...

    Auf dieses Posting antworten
    • pisastudie | vor 273 Tagen, 13 Stunden, 1 Minute

      ...der Bullen vor dem Hauseingang durchbrechen, die nicht gleich gecheckt haben, was zu tun ist und wer da überhaupt rausgeht. Provokation, Verrat und Eigen-PR um jeden Preis – das ist die Lebenseinstellung von Pyotr und Nadya.

      Zur Aktion sind sie mit Alexandr Volodarskiy damals ohne uns rausgegangen und haben ihn unverhohlen an die Bullen ausgeliefert. Pyotr war sehr fröhlich, als er von der Aktion zurückgekommen ist, und meinte, er hätte Alexandr ausgeliefert und dass das jetzt unsere Sternstunde ist, dass es in den Medien eine Wahnsinnswerbung für die Gruppe sein wird. Allen ist klar, dass eine Verhaftung für Schlagzeilen sorgen wird, war was muss man für ein Mensch sein, um so etwas bewusst zu seinen Gunsten auszunutzen, indem man Leute ausliefert! Danach haben Oleg und Natalya ihn aus der Gruppe rausgeschmissen, man war mit ihm fertig.

      Und das dritte entzückende Beispiel: nach unserer Aktion auf der Liteynyi-Brücke hat Pyotr in einem Interview mit Ren-TV dem ganzen Land erklärt, dass er der Urheber dieser Aktion und aller letzten Aktionen war, mit denen er nicht das Geringste zu tun hatte und von welchen er aus den Medien erfahren hatte. Er hat dann...

    • pisastudie | vor 273 Tagen, 13 Stunden,

      Unsere Position sieht so aus: wir sind gegen Urheberrechte, wir prozessieren nicht und beschweren uns über niemanden. Denn wir sind Voina. Prozessieren und Beschweren ist nicht unser Stil. Was Volodarskiy betrifft, so hat Voina die Situation öffentlich dargelegt: http://plucer.livejournal.com/229596.html

      In der Folge haben wir mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln für seine Befreiung gekämpft: http://plucer.livejournal.com/tag/%D0%A1%D0%B0%D1%88%D0%B0%20%D0%92%D0%BE%D0%BB%D0%BE%D0%B4%D0%B0%D1%80%D1%81%D0%BA%D0%B8%D0%B9 Doch Pyotr und Nadya haben ihre Sache zu Ende geführt, Alexandr musste seine Freiheitsstrafe antreten – 1 Jahr.

      Pyotr und Nadya haben sich einiges zuschulden kommen lassen. Mehr als man aufzählen kann. Z.B. hat Volodarskiy Pyotr dreimal vom zweiten Handy aus, welches die Bullen nicht beschlagnahmt, nicht bemerkt haben, angerufen und gesagt, dass die Bullen schon auf dem Weg zur Voina-Wohnung sind, um die Gruppe zu verhaften. Daraufhin haben Pyotr und Nadya ihre Sachen gepackt und haben sich davongeschlichen. „Wo geht ihr hin?“ erkundigten sich Vor und Koza. „Nur so, haben was zu erledigen“, antworteten Nadya und Pyotr. Als Oleg und Natalya die Bullen dann aus dem Fenster gesehen haben, haben sie alles stehen und liegen gelassen und sind über den Hinterausgang aus dem Haus und konnten wie durch ein Wunder durch die Menge der Bullen...

    • pisastudie | vor 273 Tagen, 12 Stunden, 59 Minuten

      ...noch Lyonya angerufen und ihn gebeten, ihm über Aktionen zu berichten, damit er den Medien dann im Namen der Gruppe Interviews geben kann, und hat Lyonya alle möglichen Vorteile dafür versprochen. Wenn man dann noch hinzufügt, dass er und seine Frau Nadya in die Garage eingebrochen sind, in der damals Oleg und Natalya gewohnt haben, und von dort das gesamte Archiv der Gruppe gestohlen haben, unsere gesamte Kunstbibliothek (ca. 1000 Bildbände) sowie Gewand und persönliche Sachen, dann wird das Porträt von Pyotr und Nadya vollständig.

      Wir selbst werden nicht für Twitter und die Marke kämpfen. Wir hoffen, dass das ohne uns passiert und dass der Verräter sich selbst ein Bein stellt. Der Drecksack, Plagiator und Lügner wird selbst für seine eigene Schande sorgen.

      Was Oleg und Lyonya betrifft, die 3,5 gesessen haben, so haben Pyotr und Nadya nicht nur nichts gemacht, um sie zu unterstützen, sondern im Gegenteil im Namen der Gruppe zu Attentaten auf die führenden Politiker des Landes aufgerufen. Es hat uns und unsere Anwälte viel Einsatz gekostet, um diese Appelle zu dementieren, weil Oleg und Lyonyas Fall in ein Schwerverbrechen umqualifiziert werden sollte. Pyotr ist eine Kreuzung aus...

    • pisastudie | vor 273 Tagen, 12 Stunden, 58 Minuten

      ...Nozdrev und Dostoyevskis Pyotr Verkhovenskiy. Witzig, dass der schnöde Pyotr Verkhovenskiy von Namen her fast gleich mit Pyotr Verzilov ist). Pyotr ist kanadischer Staatsbürger, russischer Spitzel und plagiierender Lügner. Das sind die drei Indulgenzen, auf die er spekuliert. Allerdings glaube ich, dass er auch ohne unsere Hilfe sehr schlecht enden wird. Und da geht es nicht um Twitter. Hier, würde ich sagen, nehme ich nichts persönlich, ich habe überhaupt nie mit ihm geredet. Diese Angelegenheiten werden im Himmel entschieden. Er wird in der Hölle brennen.

    • pisastudie | vor 273 Tagen, 12 Stunden, 53 Minuten

      * 3,5 Monate

    • softmachine | vor 273 Tagen, 11 Stunden, 47 Minuten

      sorry, aber diese form des konterrevolutionären selbstmitleids und neids, was soll das bringen ? ich verstehe nicht, wie man sich politisch positionieren will und sich dann über so einen quark aufregt.

    • miikesmama | vor 273 Tagen, 4 Stunden, 33 Minuten

      Gott, pisastudie, kannst du hier bitte nicht das ganze Forum zuspammen? Wenn du was "Interessantes" gefunden hast, stell doch einfach den Link hierher, anstatt das ganze Ding zu posten [by the way, wer ist der Typ? warum sollte man dem vertrauen? ok, das hat sich erledigt, hab grad seine letzten 2 Sätze gelesen]

      Und ach ja: tinyurl.com ist dein Freund!

    • pisastudie | vor 273 Tagen, 4 Stunden, 21 Minuten

      Link posten geht nicht, ich hab's übersetzt und es war eine Mail.

  • fürstmyschkin7 | vor 273 Tagen, 17 Stunden, 57 Minuten

    Maus/Elefant

    Ist der Hochschwangeren-Gangbang als subversive Performance zu verstehen ? Der Kleidungsstil der in der Mitte, ist nach Insiderberichten ein Symbol für die Kluft zwischen Arm und Reich. Und nach dem Bericht der Spiegel.de-Tante ist das gute Aussehen der einen im blauen T-Shirt das Kerosin, welches die Flamme der Rebellion aufflackern lâsst.

    Im Sommerloch findet sich allerhand Garn, Stoff und Nadel, mit welchem kreative und Könner feinste Kleider basteln.

    Www.youtube.com/watch?v=BL6JxwUCxBM

    Auf dieses Posting antworten
    • pisastudie | vor 273 Tagen, 14 Stunden, 50 Minuten

      Das Aussehen von Tolokonnikova - der Guardian liegt ihr ja, soweit ich gesehen habe, zu Füßen. Spiegel-Online schreibt alles ab etc. Wird mit Hilfe von unkritischen Journalisten eh schon zur Ikone hochstilisiert. Mich wundert nur, dass es noch keine rot-blau-weißen "Hope"-Plakate gibt (Nadeshda heißt "Hoffnung"). Und Verzilov im Hintergrund (mit kanadischem Pass) immer auf Medienwirksamkeit bedacht, immer schön dozieren bei TV-Interviews, nach der Urteilsverkündung hat er so gewirkt, als würde alles nach Plan laufen! Für mich hat der eine narzisstische Persönlichkeitsstörung. Die Tochter wird auch wieder schön instrumentalisiert: http://ic.pics.livejournal.com/pussy_riot/43639548/1050/640.jpg ("Ich gehe zur Demo, damit man Mama freilässt") - sicher selber geschrieben als Vierjährige.

      Naja, um zum eigentlichen Thema zurückzukommen - schöne Menschen sind eine schöne Projektionsfläche.

  • fürstmyschkin7 | vor 273 Tagen, 18 Stunden, 17 Minuten

    Maus/Elefant

    Auf dieses Posting antworten
  • biased | vor 273 Tagen, 18 Stunden, 42 Minuten

    Was ich auffällig finde ist, dass wir alle auf Pussy...

    ...Riot so instinktiv reagieren

    In Russland passieren viele schlimme Dinge, aber weder der Mord an Journalisten, noch der örtliche Terror gegen den Terrorismus noch der Krieg in Tschetschenien hat so viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen, wie Pussy Riot.

    Es geht nicht darum, ob das gut, schlecht oder moralisch richtig oder falsch ist, sondern es beschreibt die Tatsache, dass wir im Westen auf die Repression von Kultur mehr reagieren als auf alles andere.

    Die Taliban bekamen erst dann richtig ein Problem, als sie die Bhuddastatuen in Bamiyan sprengten, Timbuktu wurde ein Thema als UNESCO Denkmäler angegriffen wurden, Indonesien bekam nie mehr Schlagzeilen, als es Punks die Haaren schnitt und in Erziehungslager steckte und in China kann abgehen was will, Ai Wei Wei bekommt mehr Schlagzeilen als alles andere. Das ist wie gesagt eine Feststellung keine Bewertung.

    Pussy Riot ist also eine gute Gelegenheit auch etwas über unsere eigene Wahrnehmung zu lernen.

    Wir im Westen definieren uns über Kultur. Das ist für uns Identität, mehr als Ethnicity, Nation oder Religion. Der Song schlägt den Pass. Die Repression von individuellem künstlerischen Ausdrücken ist für uns tatsächlich (und aus guten Gründen) das absolute No Go, nicht Menschenrechtsverletzungen (mit der...

    Auf dieses Posting antworten
    • biased | vor 273 Tagen, 18 Stunden, 42 Minuten

      (Forts.)

      Ausnahme natürlich, wenn sie in Israel statt finden).

      Unser Begriff von Freiheit heißt Freiheit des radikalen individuellen Ausdrucks. Das Recht eine schräge Frisur zu haben, ist für uns wichtiger als alles andere. Und ich meine das nicht polemisch oder zynisch, sondern durchaus affirmativ.

      Wir sind eben nicht aus Anmaßung sondern aus historischen Gründen nicht mehr bereit die Repression des individuellen Ausdrucks hin zu nehmen und das ist eine unserer besten Eigenschaften.

      Freedom is not free!

    • miikesmama | vor 273 Tagen, 17 Stunden, 52 Minuten

      Deine These kann stimmen, muss aber nicht (Zumal du oft von "wir" und "uns" schreibst, und ich "uns" Österreichern unterstelle ein äußerst pervertiertes Verhältnis zu seinen Künstler zu haben...das nur so nebenbei)

      Anyways:
      Genauso gut könnte man die Reaktionen auf die von dir beschriebenen Vorfälle so deuten, dass sie eben durch Ai Wei Wei, Pussy Riot etc "auf einen Punkt gebracht werden", sprich diesen Problemen (Nachrichten-technisch ganz praktisch) ein Gesicht verpasst wurde. Die Individualisierung eines Massenproblems.
      Dass gerade im Sudan 10.000 Leute verhungert sind kann man schwer kommunizieren, das ist eine zu abstrakte Zahl, spricht man aber von einem Einzelschicksal (repräsentativ für viele natürlich) hat man Proteste, Aufschreie, mediale Aufmerksamkeit...

    • biased | vor 273 Tagen, 16 Stunden, 17 Minuten

      Um das nochmals zu verdeutlichen:

      Das Engagement für Pussy Riot ist wichtig und der Drecksstaat, der diese Frauen einsperrt sollte unter so starken Druck geraten, dass er sie wieder frei lässt.

      Aber dass das Interesse für tausende Hungertote schändlicher weise geringer ist, hat nichts mit Zahlen zu tun oder dass sie abstrakt sind, sondern ist ein Problem von Identität.

      Das "Wir" bezieht sich nicht auf Österreich, sondern auf die die protestieren und das sind würde ich mal meinen die polyglotten, an individueller Freiheit interessierten Europäer/innen, die sich darüber definieren, dass ihnen ein Song wichtiger ist als die Ehre des Vaterlands.

      Diese Minderheit der Bevölkerung wird in diesem Fall von den Massenmedien unterstützt und kann so größere Bedeutung erhalten als es ihre Zahl eigentlich zulassen würde.

    • softmachine | vor 273 Tagen, 11 Stunden, 55 Minuten

      falsch, es gehr um freiheit, um meinungsfreiheit. das ist sehr einfach. dass die medien zb nicht über 55 tote, verdurstete flüchtlinge vor sizilien, wie vor 3 wochen passiert, berichten, ist kein problem von pussy riot, sondern ein problem der aufmerksamkeitsökonomie. du kannst dich zb fragen, warum in diesem medium gerade 24 h über ein ein mainstreamfestival hofberichterstattet wird, während zig andere themen 100 mal interessanter und wichtiger wären. it ´s the economy.

    • biased | vor 273 Tagen, 7 Stunden, 18 Minuten

      Nirgendwo steht, dass das ein Problem von Pussy Riot ist

      Und nein: das hat nichts mit economy zu tun. Hätte es das, gäbe es keine Berichterstattung in den Medien, weil Russland ein wichtiger Handelspartner ist. Es geht hier natürlich um ein Primat der Politik über die Ökonomie, weil Russland natürlich ein Feind ist. Dass Massenmedien über Pussy Riot berichten hat mit Russland zu tun.
      Aber nur weil das so ist, heißt das natürlich nihct, dass der Protest über dieses Urteil nicht berechtigt ist und nicht meine volle Unterstützung hätte.

      Politik ist trotzdem kein Wunschkonzert. Die Aufmerksamkeit, die das Thema bekommt, ist der Tatsache geschuldet, dass für Europa und die USA Russland ein Konkurrent ist.

    • softmachine | vor 273 Tagen, 1 Stunde, 13 Minuten

      da sind wir eh d´accord. erst der politische kontext und widerstand macht die größe des protests aus. die aktion im iran hätte sie zu 99 % das leben gekostet.bei der ökonomie war ich schludrig.ich meinte mediale aufmerksamkeitsökonomie.

  • pisastudie | vor 274 Tagen, 3 Stunden, 22 Minuten

    Was mich bei dem Ganzen wirklich perplex macht, ist, wie sie die ganze Welt jetzt als Geiseln genommen haben. Selbst ehemalige von ihnen selbst aufs gröbste beschissene Kollegen stellen sich jetzt hinter sie, weil ja jetzt nicht der Zeitpunkt ist, um Kritik zu üben.

    Auf dieses Posting antworten
    • th3r3sa | vor 273 Tagen, 21 Stunden, 3 Minuten

      Trotz aller berechtigten Kritik an PR (und mir persönlich sagen ihre Protestaktionen auch nicht zu), aber in diesem Fall muss differenziert und eigene Animositäten hintan gestellt werden. An PR soll offensichtlich, mittels fadenscheiniger Begründung, die in einem modernen Rechtsstaat ihres gleichen sucht, ein Exempel statuiert werden, um zukünftige Kritik an Kirche und Staat (de facto Putin selbst) zu unterbinden oder abzuschrecken. Dieser Signalwirkung gilt es entgegenzutreten.

    • pisastudie | vor 273 Tagen, 15 Stunden, 3 Minuten

      Das ist ja gerade die Zwickmühle, um die sich für mich alles dreht. Soll man immer wieder an den Anfang zurückgehen und versuchen, die Spreu vom Weizen zu trennen, oder macht man bewusst einen Schnitt ("Animositäten hintanstellen") und definiert die Lage für sich neu, und zwar in dem Sinne, dass es parallel zum eigentlichen Ereignis jetzt um ein internationaleres, allerdings sehr oberflächliches gesellschaftliches Phänomen geht, welches aber keine gründliche Diskussion zulässt (s. "fuck you!" weiter unten) und eher im Bereich Twitter-Polit-Pop anzusiedeln ist.

      Was man aber nicht vergessen darf, ist, dass es hier um keine Kindergarten-Streitereien gegangen ist, sondern um Ausliefern von Kollegen an die Polizei aus PR-Gründen, Betrug, Diebstahl, sich als Teil/Anführer/Ideengeber der Gruppe ausgeben und mit diesem Programm auf Welttour gehen, als man schon längst rausgeschmissen wurde etc. Also keine Spur von Solidarität, ganz im Gegenteil! Und jetzt Solidarität einfordern? Den anderen bleibt jetzt blöderweise keine Wahl, denn sie möchten die Welle der Unterstützung auch für ihre eigenen Ziele nutzen.

      Darunter ist selbst Alexandr Volodarskiy, der bei einer Aktion (sehr ähnliche Geschichte, Verwaltungsstrafe wäre angebracht gewesen, aber das war in der Ukraine, also nicht so interessant für die Weltöffentlichkeit,...

    • pisastudie | vor 273 Tagen, 15 Stunden, 1 Minute

      ...war auch kein "Punk"-Buzzword dabei) von Verzilov+Tolokonnikova höchstpersönlich für 1 Jahr in die Strafkolonie befördert worden. Danach meinte Verzilov nur überschwänglich, das wäre die Sternstunde für die Gruppe, eine Wahnsinnswerbung in den Medien etc.

      Das sind also (zum Teil, zu den anderen kann ich nichts sagen, vermute aber Verzilov als Strippenzieher) die Menschen, um die es hier geht. Sie haben meine Unterstützung sicher nicht verdient.

      Was das Urteil und den Prozess betrifft - ja, so ist halt das System dort, vergleichbar war es in der Ukraine, und es gab im Land auch Proteste und Solidaritätskampagnen, obwohl niemand die ursprüngliche Aktion selbst gutgeheißen hat. Allerdings waren das im Fall Volodarskiy die einzigen Bedenken.

      Was mich stört, ist, dass es den Menschen hier ("im Westen") reicht, ein paar Schlagworte zu hören und auf "Codes" anzuspringen, um sich gleich zu einem Protest zu formieren, der alles Differenzierende hinwegfegt.

    • softmachine | vor 273 Tagen, 11 Stunden, 34 Minuten

      libe pisastudie, ich finde es krass dubios, wie du hier jeglichen politischen inhalt verschweigst. was soll das ? wer bist du ? was sollen diese viren ?

  • arnonymous | vor 274 Tagen, 5 Stunden, 36 Minuten

    hmm

    die dame ganz links im bild, mit der wallenden pracht, hat hochschwanger einen gangbang vor laufenden kameras in einer uni-bibliothek durchgezogen. knapp 7 jahre her jetzt.

    vielleicht nutzen pr das system ja vor allem für PR. das angelsächsische 'attention whore' ist natürlich im zusammenspiel mit feminismus interessant.

    hätten putin et al ein bisschen mehr geschick, hättens geldstrafen ausgeteilt und gut ist.

    Auf dieses Posting antworten
    • pisastudie | vor 274 Tagen, 4 Stunden, 3 Minuten

      Nein, das war die ganz rechts (Tolokonnikova) und es war im Zoologischen Museum. Vier Tage später hatte sie dann das Kind, also wirklich hochschwanger... http://gotps3.ru/files/guest/170812_516117080.jpeg

    • vanxxx | vor 274 Tagen, 2 Stunden, 36 Minuten

      Hurah for slutshaming!

    • quizwhiz | vor 274 Tagen, 1 Stunde, 48 Minuten

      arno, arno

      ist das hier "finde die fehler"? gut:
      1. dame ganz links: falsch, ganz rechts
      2. gangbang: falsch (!!!), sex mit ihrem ehemann bzw. gruppensex
      3. uni-bibliothek: falsch, museum
      4. knapp 7 jahre: falsch, gut 4 jahre

      also bitte, auch fakten verdrehen will gelernt sein.

    • softmachine | vor 274 Tagen, 1 Stunde, 41 Minuten

      @arno: jesneits deines defätistischen zynismus kannst du dir nichts vorstellen, was ? und was wäre schlecht an pr, wenn sich damit etwas politisch ändert ? nur weil du keine courage hast, musst du das doch nicht leuten vorwerfen, die das haben.

    • riem | vor 274 Tagen, 1 Stunde, 32 Minuten

      Holy shit. Das ist alles was mir dazu einfallt.

  • didz | vor 274 Tagen, 9 Stunden, 55 Minuten

    Was kan man als normalsterblicher zur unterstützung tun? Bitte um info, bin zu allem bereit.

    Auf dieses Posting antworten
    • elchaos | vor 274 Tagen, 3 Stunden, 6 Minuten

      hier für anwaltskosten spenden
      http://freepussyriot.org

      hier an die russischen behörden schreiben
      http://tinyurl.com/87yoldk
      (amnesty international)

  • pisastudie | vor 274 Tagen, 14 Stunden, 24 Minuten

    1. PR sind keine Musikerinnen. Verkauft sind halt gut. (Verzilov=Mastermind)
    2. Verzilov+Tolokonnikova waren gegenüber ehemaligen Voina-Mitstreitern und anderen Aktivisten seinerzeit selbst !!!sehr!!! unloyal, aber sobald's um die eigene Haut geht...
    3. Berühmt werden um jeden Preis war immer schon die Devise für das Dreamteam (das Kind als Instrument verwendet, ansonsten an die Großeltern abgeschoben, jetzt wird damit natürlich argumentiert).

    Auf dieses Posting antworten
    • softmachine | vor 274 Tagen, 14 Stunden, 15 Minuten

      fuck you !

    • pisastudie | vor 274 Tagen, 14 Stunden, 13 Minuten

      Und nicht zu vergessen:
      4. Beim Protest soll man immer bis zur letzten Konsequenz gehen, d.h. seine Strafe absitzen, so Verzilov zu anderen Aktivisten (extra an die Polizei ausliefern - mit Haftstrafen für die Betroffenen - war auch dabei).

    • softmachine | vor 274 Tagen, 13 Stunden, 45 Minuten

      divide et impera?

  • softmachine | vor 274 Tagen, 16 Stunden, 50 Minuten

    noch etwas: PR kommen eben nicht aus der musikszene, sie umschiffen die ausgelutschten musikalischen codes, weil sie konkret handeln, d.h. politisch. es sind btw auch nicht nur die 3 angeklagten, sondern PR besteht aus über 10 mitgliedern. ob das nun performances sind, wie bei der befreuneten künstlergruppe voina, wo viele von pr auch mitglieder sind (http://en.wikipedia.org/wiki/Voina), oder aber musik, es sind instrumente der ohnmacht, der politik. und die werden gehört.das hat mehr was von brecht/weill als von einer designten instantband wie sex pistols zu, wenn überhaupt. deswegen ist die frage so dumm, weil anscheinend gar nicht verstanden wurde, dass PR im neoliberal-rebellischen sinn keine musik und karriere machen wollen, sondern tatsächlich politik.

    Auf dieses Posting antworten
    • rotifer | vor 274 Tagen, 16 Stunden, 47 Minuten

      Nur weil du ständig Dinge als Widerspruch zum Text anführst, die eh drin stehen. Gelesen hast du ihn aber schon, oder? Just asking.

    • softmachine | vor 274 Tagen, 14 Stunden, 52 Minuten

      was soll denn so eine frage bringen ? sind sie nun die poliitsch gefählichste band ever oder war das swing im berlin 1943 oder whatever ? was soll das ? diese postpolitischen verwertungsfragen lassen PR zum glück hinter sich.

    • rotifer | vor 274 Tagen, 14 Stunden, 47 Minuten

      Also den Vorspann hast du gelesen. Okay, dann ist gut. Gute Nacht.

    • softmachine | vor 274 Tagen, 14 Stunden, 17 Minuten

      ja gute nacht, hab sogar den nachspann geschafft.schreib morgen doch mal was KONKRET über PRs politische ziele.weil nur "revolution" und "rebellion" aus flittertwitter , das sind inzwischen autowerbefloskelbegriffe geworden.

    • robertglashuettner | vor 274 Tagen, 3 Stunden, 16 Minuten

      im artikel steht rockband, nicht band.

    • softmachine | vor 274 Tagen, 1 Stunde, 50 Minuten

      so what ? sind PR eine rockband ? dachte, sie machen punk. das sind hier jedenfalls die eminenten fragen.