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Roland Gratzer

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22. 8. 2012 - 11:32

Gewonnen hat der Mob

Heute vor 20 Jahren blickte die Welt auf ein Asylantenheim im ehemaligen Ost-Deutschland. Der nationalsozialistische Mob war plötzlich wieder auf der Straße.

Eine FM4-Spezialstunde zum Thema "Die junge Rechte". Zu hören heute Nachmittag in FM4 Connected (15-19)

20 Jahre nach den ausländerfeindlich-motivierten Anschlägen in Rostock-Lichtenhagen (Deutschland) werfen wir einen Blick auf den Status Quo der jungen rechten Szene im deutschsprachigen Raum.

Was ist in den letzten 20 Jahren geschehen, was ist versäumt worden? Und warum sind junge Menschen für rechtsextreme Politik so anfällig?

Hunderte Menschen, die Molotow-Cocktails und Steine auf ein Asylantenheim werfen. Tausende Menschen, die sie mit "Ausländer Raus!" und "Heil Hitler!" anfeuern. Rundherum Imbissstände, die den Mob mit Essen und vor allem Alkohol versorgen. Eine völlig hilflose Polizei, die tagelang zusieht und so unglaubliche Fehler macht, dass am Ende beinahe 115 Vietnamesen in den Flammen sterben. Kamerateams, die den Tatort Nacht für Tag perfekt ausleuchten und so möglicherweise Anreiz für weitere Gewalt bieten.

Die Ereignisse in Rostock Lichtenhagen vor genau 20 Jahren waren eine Zäsur der deutschen Nachkriegsgeschichte. Die Übergriffe wirkten wie der Ausbruch einer eigentlich aufgearbeiteten und gleichzeitig tabuisierten Geisteshaltung. Wir, die Deutschen gegen die, die anderen. Ein Riot mitten in einem vor kurzem in Frieden wiedervereinigten Land. Angeheizt von skrupellosen Politikern, denen für die von ihnen gewünschte Verschärfung des Asylrechts alles recht war. Sogar der Tod von Menschen.

Sonnenblumenhaus
Ort des Geschehens: das "Sonnenblumenhaus"

Steigende Spannungen, keine Reaktion der Politik

240 000 Menschen lebten damals in Rostock, davon 1688 Ausländer. Die Situation im Asylantenheim war aber mehr als dramatisch. Bei einer Kapazität von 250-300 Betten lebten zeitweise 650 Menschen in dem Plattenbau mit der Sonnenblume an der Außenfassade. Für viele Sinti und Roma war gar kein Platz im Haus. Sie kampierten in den umliegenden Grünanlagen. Weil die Verantwortlichen diesen Zustand aber nicht legalisieren wollten, wehrten sie sich gegen mobile Sanitäranlagen. Die hygienischen Zustände waren so schlimm, dass sogar die UNO protestierte. Die Warnungen vor Krankheitsepidemien blieben aber ungehört.

Dieser Artikel basiert im Wesentlichen auf folgendem Text der Wikipedia:

Die Unruhen von Rostock-Lichtenhagen

Das erschreckende Bildmaterial ist gut auf youtube dokumentiert. Empfehlenswert ist eine ganz kommentarlose Bild-Collage von Spiegel TV.

Die ohnehin angespannte Stimmung der deutschen Nachbarn kochte im Sommer immer mehr über. Tage vor den Unruhen druckten mehrere Zeitungen Aufrufe ab, am 22. August würde es eine "heiße Nacht" geben. Kommentarlos.

Politik und Polizei war das aber auch egal. In den neuen Bundesländern hatten so kurz nach der Wende vor allem westdeutsche Beamte das Sagen. Und die verbrachten ihr Wochenende lieber daheim in Bremen oder Hamburg.

Die erste Nacht

Samstag, 22. August 1992. 2000 Menschen sind dem Aufruf gefolgt und versammelten sich vor dem Asylheim. Am Beginn waren 30 Polizisten vor Ort. Die waren aber damit beschäftigt, selbst nicht Opfer der Meute zu werden. Verstärkung kam erst viel später. Neun Menschen wurden festgenommen, am nächsten Tag aber wieder freigelassen.

Die zweite Nacht

Zur Mittagszeit waren wieder die ersten "Ausländer raus"-Rufe zu hören. Wieder flogen Steine. Der in der Vornacht noch führerlose Mob hatte logistische Unterstützung bekommen. Rechtsextremisten aus ganz Deutschland waren vor Ort, darunter führende Mitglieder der rechten Szene. Der Kampf hieß wieder Demonstranten gegen Polizei, das Verhältnis war zirka ausgeglichen. Von den 130 festgenommenen waren 60 linke Gegendemonstranten.

Krawalle in Rostock-Lichtenhagen

Die dritte Nacht

Erst jetzt wurde das Heim evakuiert. Dass im Nebenhaus noch 115 vietnamesische "Vertragsarbeiter" lebten, war den Verantwortlichen egal. Wünsche nach mehr Polizeieinheiten wurden abgelehnt. Der Zorn der Menge richtete sich nun gegen die Vietnamesen. Selbst, als die ersten Stockwerke in Flammen standen, griff die Feuerwehr nicht ein. Auf aufgenommenen Notfunk-Aufnahmen ist zu hören, dass die Feuerwehr nicht zum Haus durchdringen konnte, die Polizei mit dem Mob beschäftigt war. In letzter Sekunde konnten sich die Bewohner über das Dach in ein Nachbarhaus retten. Von unten schrie die Menge: "Wir kriegen euch alle!" Die Situation beruhigte sich erst in der nächsten Nacht. Die Hausbewohner wurden in zwei Busse gesetzt, die von der Polizei kaum geschützt stundenlang umherirrten und von Autos verfolgt wurden. Am Ende landeten sie ohne Verpflegung in einer Turnhalle.

Die Folgen

Die Stimmung gegen Ausländer war zu dieser Zeit das bestimmende Thema in Medien und Politik. In Umfragen zu den Problemen von Deutschland führte die Asyldebatte weit vor Wiedervereinigung und Arbeitslosigkeit. Schon Mitte der 80er griffen CDU und CSU das Thema auf und machten Stimmung gegen "Asylbetrüger" und "Wirtschaftsflüchtlinge". Die Unionsparteien forderten eine Verschärfung des Asylrechts, SPD, FDP und die Grünen waren dagegen.

Nach den Unruhen von Rostock sollten diese Meinungen weichen, möchte man meinen. Dem war aber gar nicht so. So meinte Bernd Seite, CDU-Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, kurz nach den Vorfällen: "Die Vorfälle der vergangenen Tage machen deutlich, dass eine Ergänzung des Asylrechts dringend erforderlich ist, weil die Bevölkerung durch den ungebremsten Zustrom von Asylanten überfordert wird". Justizminister Herbert Helmrich (CDU) schoss Tage später nach: "Wir brauchen eine neue Mauer, was uns überschwemmen wird, geht bis in die Türkei".

Ein Randalierer

Obwohl "Sieg Heil!" ein eher leicht zu lesender Code ist, war für die Politik lange nicht ganz klar, auf welcher Seite die Unruhestifter standen. In Einklang mit der Bild-Zeitung gab der damalige Kanzler Helmut Kohl vor allem linken Extremisten und Resten der Stasi die Schuld. Kurz nach den Ereignissen kamen aber auch erste Vorwürfe an die Politik, die Situation nicht nur völlig falsch eingeschätzt, sondern auch bewusst zugelassen zu haben. Mehrere Polizisten beklagten, dass sie während des Einsatzes völlig führungslos waren und sich komplett auf sich alleine gestellt gefühlt hatten. Die Logistik der Einsatzkräfte war so dermaßen schlecht, dass schlichte Unfähigkeit fast nicht mehr als Argumentation herhalten konnte. So wurden etwa die dringend nötigen Wasserwerfer jeden Abend extra aus Schwerin hergebracht und nach dem Einsatz wieder abtransportiert. Einer der Einsatzleiter war am Höhepunkt der Unruhen mal ein paar Stunden daheim und hat geschlafen. Ihr Fett bekamen auch die Medien ab, die den Menschen eine wie schon gesagt perfekt ausgeleuchtete Bühne boten. Die BBC soll einem Demonstranten sogar 50 Mark bezahlt haben, damit er den Hitlergruß macht.

Schärfere Gesetze, weniger Hass

Die CDU brachte ihre Änderungswünsche durch, das Asylrecht wurde verschärft. Trotzdem sank in der Folgezeit die Ausländerfeindlichkeit in ganz Deutschland. Bei Lichterketten gegen rechts gingen an einem einzigen Tag 800000 Menschen auf die Straße. Perfekt abgeschirmt von der Polizei übrigens.

Im Kollektivgedächtnis wird von Rostock Lichtenhagen aber vor allem ein ikonisches Bild übrig bleiben, das ganz eng mit der seit damals geläufigen Phrase der hässliche Deutsche verbunden ist. Ein offensichtlich besoffener Mann im Deutschland-Dress, die Hand zum Hitlergruß erhoben, die Jogginghose vollgepisst.

Die "junge Rechte"

Hier gibt es die heutige FM4 Spezialstunde zum Thema zum Anhören:

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  • christianlehner | vor 300 Tagen, 22 Stunden, 52 Minuten

    das ende der kulturlinken in d

    ich kann mich noch gut erinnern. damals hat in deutschland quasi auch das kulturlinke herz aufgehört zu schlagen. die "alte" spex ist eigentlich bereits in rostock und hoyerswerda zugrunde gegangen, weil sich die etwas naive utopie zerschlagen hatte, dass bestimmte kultur bestimmte politische haltung implizierte. also der ganze indie, alternative pop usw., an dem ganz konkrete hoffnungen geknüpft waren, ginge in hand mit lebenspraxen und politischer einstellung. nun waren im mob allerdings auch viele kids mit nirvana oder dinosaur jr. shirts auszumachen. damals ein ungeheuerlicher schock für diederichsen und co! wie schon biased weiter unten angeführt hat, es waren eben nicht nur glatzen und organisierte neonazis, das reichte viel tiefer hinein in die gesellschaft.

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    • christianlehner | vor 300 Tagen, 22 Stunden, 50 Minuten

      eat my typos

    • gratzer | vor 300 Tagen, 19 Stunden, 41 Minuten

      natürlich reicht es tiefer hinein, das ist ja der schlimme beigeschmack einer schon furchtbaren sache. die avantgarde waren allerdings wirklich rechtsextreme. und was den "nationalsozialistischen mob" betrifft: in diesen tagen war er das auch. daheim waren es dann wieder ganz normaler bürgerInnen.

    • christianlehner | vor 300 Tagen, 17 Stunden, 25 Minuten

      ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass der großteil des mobs "untertags" ein 1000jähriges reich oder die rassengesetze von nürnberg installieren wollte... see? mit der labelung als "nationalsozialistischer mob" haben sich schon seinerzeit die staatlichen medien in allianz mit rtl und co. bequem ins fäustchen gelogen.

    • zikmund | vor 300 Tagen, 11 Stunden, 29 Minuten

      Jetzt mal ohne irgendwas relativieren zu wollen: Aber kommen solche Gewalttat Mobs im Sinne von Canetti's "Entladung einer Masse" nicht fast überall und kulturunabhängig vor? So kann man etwa in der Bangkok Post die letzten Tage oft von Massenausschreitungen der autochthonen buddhistischen Bevölkerung in Burma gegen die muslimischen Rohingya lesen, da sterben auch etliche. Oder ähnliches in Teilen Indien. Aber bekommt es durch die Geschichte in D und Ö deshalb eine schlimmere "Qualität"? Nur ein gedanklicher Einwurf...

    • biased | vor 300 Tagen, 8 Stunden, 43 Minuten

      @zikmund

      Der Gedanke ist nicht von der Hand der zu weisen, aber die Gemeinsamkeiten zwischen Rostock und Burma sind enden wollend.
      Nicht dass ich mich in burmesischer Innenpolitik auskenne, aber so weit ich weiß liegt die Gewalt gegen die Rohingya daran, dass deren Zahl, Status und Identität schlicht nicht geklärt ist und die Verteilungskonflikte in einem Land wie Burma schon an sich brutal sind. (Aber vielleicht irre mich da auch.)

      Rostock und die Gewalt von Neonazis spielen sich doch mehr im Imaginären ab. Es geht beim europäischen Rassismus, speziell Deutschland und Österreich nicht um Verteilungskämpfe, sondern um Phantasien, um Ängste und Gefühle, die nichts mit irgendeiner Realität zu tun haben.
      Eine der populärsten Naziveranstaltungen im Netz sind die sogenannten "Unsterblichen". Das sind Verrückte, die Fackelzüge in anonymous Masken durch Städte veranstalten, das filmen und ins Netz stellen.
      Ihr Ziel ist auf den "deutschen Volkstod" aufmerksam zu machen, der durch die geringe Geburtenrate der Deutschen ebenjene aussterben lässt.

      Für mich ist da schon ein Unterschied.

    • zikmund | vor 300 Tagen, 5 Stunden, 15 Minuten

      Was die Brutalität des Überlebenskampfes betrifft, hast du sicher recht. Was mir halt nur so auffällt ist die Neigung des Menschen immer einen noch ärmeren Hund zu finden den er als Sündenbock ausmacht und gegen den er sich als Masse zum Mob zusammen rottet. Ich glaub, dass da der Tag "deutsch" nicht so outstanding ist...

    • softmachine | vor 299 Tagen, 13 Stunden, 4 Minuten

      @lehner: hast du irgednwelche beweise, dass linke mit din jr und nirvana t-shirts dabeiwaren ? das ist jetzt eine zeitreise, aber ich glaub ich spinne: war nicht genau dass die strategie von cdu und csu und repuklikanern, zu behaupten rechte UND linke wären bei dem pogrom dabeigewesen ? und gab es keine gegendemo in rostock der linken ? und wurden nicht 3 mal soviel linke wie rechte verhaftet ? und mußte das innenministerium nicht einräumen, dass es keinerlei mitwirken von linken demonstranten bei dem pogrom gab ? sorry, aber ich hätte wirklich gerne irgendwelche links zu deinen behauptungen. im übrigen entstand die gewalt auf asylanten durch krasseste propaganda durch bild und co, schon lange vor rostock. und wenn wir es auch nicht sehen wollen, rostock hat nichts zum guten verändert, im gegenteil:ab rostock manifestierte sich die tödliche asylpolitik deutschlands und europas, wo hunderte menschen jedes jahr im mittelmeer verdursten, ertrinken, verrecken. man gab dem mob damals und heute recht.

    • christianlehner | vor 298 Tagen, 20 Stunden, 52 Minuten

      da ging's nicht darum, dass linke nichts dagegen unternommen hätten, sondern dass das tragen von band-t-shirts noch lange keine linke gesinnung macht. aus heutiger sicht eh eine naive annahme. die beweismittel vergilben 7000 km östlich in einem keller. entweder das seinerzeitige spiegel spezial zu pop und politik, oder ein spex-editorial, oder das kursbuch deutsche jungend, vielleicht sogar im guten alten mainstream der minderheiten.

    • softmachine | vor 298 Tagen, 20 Stunden, 18 Minuten

      aber du behauptest das hier als fakt.gab es nun leute mit nirvana t shirts und din jr shirts im pogrom oer nicht ? oder entspringt das deiner phantasie ? evtl meinst du ja eher den hip hop style, da gibt es gespräche von diederichsen dazu. empfand ja eher,dass die vorgänge die entpolitisierte DW und postpunkbewegungen wieder repolitisierte, siehe hamburger schule, straight edge etc. und terkessides mainstream der minderheiten ist ja von 1995 oder 1996, als sich spex ab 92 gegenteilig zu deiner behauptung völlig politisierte. hm ? also irgendwie kommt mir das alles ein wenig seltsam vor.

    • christianlehner | vor 298 Tagen, 19 Stunden, 56 Minuten

      michts von dem, was du schreibst, schließt aus, was ich geschrieben habe (wenn man sich von pop als hoffnungsträger verabschiedet, heißt das noch lange nicht, dass man das auch politisch tut) und ja, es war auch explizit von indie und hardcore shirts die rede nicht nur von hip-hop-wear. mir ist mein altes archiv von hier aus nicht zugänglich. also glaub es oder nicht. ich führ hier jetzt sicher nicht den üblichen eiertanz auf mit dir.

    • softmachine | vor 298 Tagen, 19 Stunden, 31 Minuten

      nein nein passt schon, sorry, es waren auch einige mit fm4 t shirts dabei...

    • gratzer | vor 295 Tagen, 45 Minuten

      untertags nicht, aber in der situation schon. genau so wie die begeisterte menge am heldenplatz in diesem moment ein nationalsozialistischer mob war. und der mob, der den justizpalast angezündet hat, war ein sozialistischer mob. und der, der 1848 den kriegsminister an die laterne gehängt hat, ein post-vormärz-mob war. ich finde, der mob definiert sich im moment.

  • stambuoch | vor 301 Tagen, 1 Stunde, 55 Minuten

    Man könnte fast meinen, dass schärfere Asylgesetze zu mehr Fremdenfeindlichkeit führen müssen, wenn man den letzten Abschnitt liest.

    Ich sehe das anders: wenn man den Leuten zeigt, dass man ein klare Konzept und klare Regeln hat, die man durchsetzt, dann fassen sie weder mehr Vertrauen. Es wäre viel eher gefährlich die Ängste, Sorgen und Befürchtungen der Leute nicht ernst zu nemen. So treibt man sie dann in die Arme der Rechtsextremen und dann hat ein Staat bös versagt!

    Was ist (rechts)extrem? Der Wunsch nach totalitären Verhältnissen, Führungsfiguren/Strukturen, auf revolutionären Umsturtz der Verhältnisse, das Schaffen eines neuen, besseren Menschen, der den anderen überlegen ist. Das Absprechen von Dasensberechtigungen an Menschengruppen bis hin zur Selektion lebenswert/nicht lebenswert. Der Glaube ein Sendungsbewustsein zu haben, die anderen mit der eigenen Ideolgie zu erlösen.

    Auf dieses Posting antworten
    • biased | vor 301 Tagen, 52 Minuten

      Diese Vorgänge sind für mich eine sehr lebendige Erinnerung

      Ich war in 1992 in Berlin Prenzlauer Berg, als man im Fernsehen die Bilder aus Rostock gesehen hat. Es gab Tage hindurch Berichterstattung und viele Interviews mit Anrainern, sogar Angreifern.
      Die ostdeutschen Normalbürger waren nicht bloß ausländerfeindlich, das sind die im Westen auch. Ihnen war der Frust ins Gesicht geschrieben, dass ihnen der versprochene Wohlstand nicht hinter her lief. Die Asylwerber, die angegriffen wurden, waren Projektionsfläche der eigenen Situation, Bittsteller und Abhängige, das Bild, das die ostdeutschen Normalos von sich selbst hatten und das durch die Schwierigkeiten der Wiedervereinigung zur unerträglichen Realität geworden war. Aber genau deshalb wurden die Asylsuchenden zur Zielscheibe. Was ihnen als Deutschen verwehrt worden war, der Zugang zu Konsum, Wohlstand und Arbeit, das durfte die anderen auf gar keinen Fall bekommen. Die Phantasien der Rostocker Normaldeutschen, dass die Asylwerber jene Arbeitsplätze bekommen würden, die ihnen verwehrt würden, die Sozialleistungen, die sie nicht in Anspruch nehmen könnten, waren allgegenwärtig. Der Rostocker Mob tobte, weil er sich fest einbildete, dass ihnen als Deutschen etwas zustand, das die Asylsuchenden bekommen würden, obwohl das natürlich reine Phantasie war.

    • stambuoch | vor 301 Tagen, 35 Minuten

      Eben...

      ...der Staat hat Versagt. Extremismus kann nur gedehen, wenn der Staat bzw. Die Gesellschaft versagt. Darum ist es wichtig, dass man die Ängste und Befürchtungen wahr nimmt und sie offensiv (z.B mit einer Kampagne, welche Behauptungen stimmen, welche nicht, wie ein Sachverhalt nun wirklich ist) inormiert/ausklärt und auch bereit ist Konsequenzen zu ziehen etc. Aber die Leute einfach sich selbst zu überlassen, ist brandgefährlich. Genau so gehen sie den Extremisten in die Arme. Das muss nicht Rostock sein. Das ist genau so gut sichtbar in Östereich (FPÖ), Schweiz (SVP).

    • softmachine | vor 299 Tagen, 13 Stunden,

      es gab ja schon eine kampagne. und zwar von bild, cdu, csu, reps gg. asylanten.das führte zu hoyerswerde, rostock, mannheim... das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen.

  • kasperl | vor 301 Tagen, 1 Stunde, 58 Minuten

    wann genau in welcher stunde?

    Auf dieses Posting antworten
  • biased | vor 301 Tagen, 2 Stunden,

    Man lügt sich ein wenig in die Tasche, wenn man...

    ...vom nationalsozialistsichen Mob spricht

    Die Nazis von Roctock waren nur zwei Jahre zuvor noch DDR Bürger gewesen, aufgewachsen, erzogen und geprägt im deutschen Arbeiter und Bauernstaat. Die Opfer waren zugewanderte Studenten und Arbeitskräfte aus sozialistischen Bruderländern wie Vietnam, Angola oder Kuba.

    Die Täter waren also im sozialistischen Deutschland (nicht im nationalsozialistischen) aufgewachsen, genau wie die drei NSU Verbrecher.
    Man sollte diesen Unterschied nicht so einfach verwischen.

    Auf dieses Posting antworten
    • arnonymous | vor 300 Tagen, 19 Stunden, 54 Minuten

      wie nennt man es dann, wenn der sozialismus ein starkes nationales element bekommt?

      siehe gewerkschaften, die nur für mitglieder aus dem stammland eintreten und für strikte schliessung des arbeitsmarkts für ausländer sind.

      im ehemaligen ostblock gab es wenig rassismus weil es parktisch keine migration gab. und wenn, dann waren es qualifizierte studenten, ingenieure, etc. dann gingen 89 die grenzen auf und die gesellschaften sahen sich plötzlich mit massivem zuzug konfrontiert - und immer aus noch ärmeren regionen.

      die reaktion war überall die gleiche, die benzinkanister wurden ausgepackt. wie ein organismus, der versuchte sich vor fremdkörpern zu wehren. ist heute noch im gange, siehe diverse mauern rund um roma/sinti lager.

      es waren keine nazis im politischen sinn. es war der pure hass auf ausländer, rassismus in reinkultur.

    • christianlehner | vor 300 Tagen, 17 Stunden, 30 Minuten

      ich ahne, worauf du hinauswillst,arnonymous, aber sozialismus + nationalismus ist eben nicht nationalsozialismus. das zu akzeptieren, hieße den definitionsunsinn des historischen nationalsozialismus ins recht zu setzen.

    • simonwelebil | vor 300 Tagen, 5 Stunden, 40 Minuten

      was man aber nicht außer acht lassen darf ist, dass es in der DDR auch Neonazis gegeben hat. Und nach Öffnung der Grenzen wurde Ostdeutschland erst richtig zur Brutstätte für Neonazis: kein funktionierender Verfassungsschutz und keine aufmerksame Zivilgesellschaft. Toralf Staud und Johannes Radke führen das in ihrem Buch "Neue Nazis" übrigens sehr detailliert aus.
      http://fm4.orf.at/stories/1703657/

    • biased | vor 300 Tagen, 3 Stunden, 4 Minuten

      @simonwelebil

      Worauf ich eigentlich hinaus wollte war eben nicht, dass es in der DDR Neonazis gab, sondern warum sich nach der Wende in Ostdeutschland eine Generation faschistischer Wähler etablierte, die zum einen die NPD in Landtage wählte, zum anderen als rassistischer und ausländerfeindlicher Mob in allen Partein bis zur Linken zu finden ist.

      Die Antwort darauf ist meiner Meinung nach stark mit der Rolle des Antisemitismus und der Aufarbeitung der Shoah in BRD und DDR verknüpft.
      Anders als in der BRD sahen sich die DDR Bürger nicht als Täter im Hitlerfaschismus, sondern als Opfer (eine interessante Parallele zu Österreich) und darum auch nicht für die Aufarbeitung der Shoah unmittelbar verantwortlich. In DDR Geschichtsbüchern wurde die Shoah kaum erwähnt, und spielte im öffentlichen Gedenken wenig Rolle. Als nach der Wende faschistische Parteien in Ostdeutschland Anhänger suchten, trafen sie auf eine Bevölkerung mit geringen Berührungsängsten. Die positive Umdeutung des Nazifaschimus als Identitätsangebot trug rasch Früchte, auch weil die Dämonisierung der DDR ihre (wenigen) positiven Seiten mit unter sich begrub.

    • softmachine | vor 299 Tagen, 1 Stunde, 9 Minuten

      das ist schon grotesk, wie hier geschichte tlw verdreht wird. die ddr war doch nicht grund für die pogrome. eine komplett hetzerische propaganda von cdu, republikanern und medien beherrschte anfang der 90er jahre das öffentliche bild. pogrome bzw anschläge gab es ja auch in mannheim, solingen, mölln etc.

    • biased | vor 298 Tagen, 22 Stunden, 36 Minuten

      ich finde deine Leseschwäche nur noch anödend

      "die ddr war doch nicht grund für die pogrome.."

      Das ist richtig. Es steht nämlich auch nicht in meinem Beitrag.

    • softmachine | vor 298 Tagen, 22 Stunden, 3 Minuten

      genau, wenn die arguemnte fehlen, kommt die aggression. passt gut zum thema.anscheined kannst du nict mal deine eigenen beiträge lesen, hier zum nachlesen:"Man lügt sich ein wenig in die Tasche, wenn man vom nationalsozialistsichen Mob spricht
      Die Nazis von Roctock waren nur zwei Jahre zuvor noch DDR Bürger gewesen, aufgewachsen, erzogen und geprägt im deutschen Arbeiter und Bauernstaat." und weiter "Die Täter waren also im sozialistischen Deutschland (nicht im nationalsozialistischen) aufgewachsen, genau wie die drei NSU Verbrecher." du lässt die asylantenfeindliche bild und cdu propaganda weg, die neoliberlae westliche raubzugspolitik (treuhand !), die einen sündenbock schuf, genauso wie die zig anschläge in westdeutschland damals und unterstellst eine verbindung von ddr vergangenheit und rechtsextremismus. sehr mieser stil.

    • biased | vor 298 Tagen, 21 Stunden, 21 Minuten

      Jetzt bin ich der mit der aggression

      Nirgendwo steht, dass die DDR der Grund für die Progome war, das ist etwas was du hinein interpretierst, weil du dich mit dem was ich geschrieben habe nicht aus einander setzen willst. das ist ja meisten so.

      Die DDR Erziehung war wie ich geschrieben habe nicht der Grund, sondern umgekehrt, sie war für die Täter gerade zu irrelevant. Die DDR Erziehung hatte also rein gar keinen Effekt, als die von dir erwähnte Kampagne von CDU und Bild und was weiß ich noch wem ein Drittel der ostdeutschen Bevölkerung in den faschistisch werden ließ.
      Nach über 40 Jahren antifaschistischer Erziehung wurde der Ossi einfach wegen CDU und Bild zum Nazi.
      Wie genau erklärt man das, außer gar nicht, so wie du?

    • softmachine | vor 298 Tagen, 20 Stunden, 56 Minuten

      "der ossi wurde zum nazi" ? sorry, ich glaube das macht hier nur noch wenig sinn.

  • crutches | vor 301 Tagen, 3 Stunden, 25 Minuten

    Gestorben ist zum Glück niemand. Das ist im ersten Absatz ein bißchen missverständlich....

    Auf dieses Posting antworten
    • gratzer | vor 300 Tagen, 19 Stunden, 40 Minuten

      du hast recht, danke. ist korrigiert.