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Erich Moechel

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Netzpolitik, Datenschutz - und Spaß am Gerät.

29. 8. 2012 - 16:11

Die SIM-Card wird zum Computer

Ein integrierter Mini-PC macht die neuen SIM-Karten zu digitalem Ausweis und Bezahlsystem. Die ersten dafür tauglichen Smartphones und Tablets sind schon da.

Mit der neuen Generation von SIM-Cards kommen bequemere und vor allem sicherere Zeiten auf die Benutzer von Smartphones und Tablets zu. Das versprechen jedenfalls die Hersteller.

Diese Karten verfügen über genügend Speicherplatz, zumal Telefonbuch, E-Mails, Bilder samt individuellen Einstellungen und andere Benutzerdaten darauf landen sollen. Angefangen wird mit zwei Gigabyte, zudem können die Daten des Benutzers im Speicherbereich der Karte über die USB-Schnittstelle des Smartphones und Tablets anderswohin kopiert werden.

Von der SIM zur USIM

Auf der neuen "universellen" SIM seien die Daten sogar sicher, wenn das Mobilgerät gestohlen würde, heißt es von führenden Herstellern wie der niederländischen Gemalto. Deshalb seien die USIMs auch für mobile Bezahlung bei Automaten und für Onlinebanking bestens geeignet.

Als Basis für sichere Services sorge die Card so für neue Umsätze bei den Netzbetreibern, so auf der Website des Unternehmens. Die dafür nötige Infrastruktur für sichere Verschlüsselung bzw. digitale Signaturen werde den jeweiligen nationalen Signaturgesetzen entsprechen.

Simcard
Die "alte" SIM-Card

Zahlen und unterschreiben

Fasst man die aufgezählten Features zusammen, dann wird die neue SIM-Card zum digitalen Ausweis, zusammen mit dem Smartphone wird das Handy zum Terminal für Geldtransaktionen.

Das gilt sowohl für Onlinebanking als auch für kontaktloses Bezahlen an Automaten in Parkhäusern und anderen Eintritt-Austritt-Systemen. Dieser Plan ist deshalb völlig realistisch, weil alle dafür nötigen Technologien nicht nur vorhanden, sondern zum Teil schon lange in Gebrauch sind.

Bisherige Versuche zur breiten Einführung digitaler Ausweise, mit denen die Bezahlfunktion steht und fällt, waren in erster Linie daran gescheitert, dass die nötigen Geräte zum Einlesen der Karten auf Benutzerseite fehlten. Geräte zum Einlesen von Karten aller Art hatte man zwar lange davor benutzt, aber die Terminals steckten allesamt in Bankomaten, in Privathaushalten gab es sie schlichtweg nicht.

Österreichs Fiasko mit der Bürgerkarte

Für das in Österreich "Bürgerkarte" genannte digitale Ausweisprojekt war von der Datenstruktur angefangen zwar das gesamte Prozedere genau definiert. Das ließ sich zwar physisch auf für künftige Funktionen vorgesehenen Speicherplatz auf der E-Card und anderen Karten übertragen, aber die Kartenleser für den Heim-PC fehlten.

Wer sich eines der subventionierten Geräte anschaffte, hatte als erste Hürde die fehlenden Gerätetreiber zu meistern und die Software zu installieren. An dieser Kombination war das Projekt primär gescheitert.

In Österreich hatte die schwarz-blaue Koalition die Einführung der Bürgerkarte Ende 2000 angekündigt. Die ersten digitalen Ausweiskarten waren bereits im März 2003 ausgegeben worden - das Scheitern des Projekts in 135 futurezone.ORF.at-Artikeln zum Thema.

Diese bereits durchdefinierte "Bürgerkartenfunktion" lässt sich ebenso gut auf eine USIM übertragen. Die USIM kann serienmäßig auch einen Funkchip ansteuern, der ähnlich wie die Chips in den neueren Reisepässen funktioniert. Auch diese Technik namens NFC hat sich andernorts längst bewährt, die ersten paar Dutzend Modelle der neuesten Smartphones und Tablets enthalten bereits einen solchen Chip.

Die Evolution

Die neuen Kärtchen in Formaten von 15 x 12 (Micro-USIM) bis hinunter zu 5 x 6 (fix verbaute USIM) können weitaus komplexere Operationen durchführen als die alte SIM. Dieses "Subscriber Identity Module" zur Anmeldung beim Netzbetreiber war die weitaus wichtigste Funktion darauf, deshalb wurde die Karte auch danach benannt.

Der korrekte technische Begriff ist eigentlich "Universal Integrated Circuit Card" (UICC), seit Anbeginn der GSM-Telefonie wird sie im European Telecom Standards Institute normiert und laufend weiterentwickelt. Zur Anmeldung im GSM-Netz kam ein Modul für UMTS-Telefonie und ein weiteres für Breitband dazu. Die Karten wurden physisch immer mehr geschrumpft, blieben aber vom Einsteckslot her rückwärts-kompatibel, ihr Speicherplatz wuchs ständig.

Aus Karte ward PC

Die neueste Generation ist nun ein miniaturisierter Computer. Da gibt es einen Prozessor, Flash-Speicherbausteine, eine USB-Schnittstelle, ein Modul für Signatur bzw. Verschlüsselung, einen TCP/IP-Stack, einen Miniwebserver, einen Funkchip (NFC) und die nötigen Schaltkreise, um all das anzusteuern. Die USIM hat einen integrierten Browser, kann sicher verschlüsseln und signieren sowie mit NFC-Lesegeräten interagieren.

Ein paar Dutzend verschiedener Smartphones und Tablets führender Hersteller wie Samsung, Nokia, HTC, Motorola, LG usw. sind bereits erhältlich, für den Herbst ist eine Unzahl neuer Modelle mit NFC-Chips angesagt. Auch Apple hat bereits angekündigt, diese Technologie in seine Mobilgeräte zu integrieren.

Einkaufen
Einkaufen, Eintritt zahlen zum Strand ... - alles möglich mit der neuen Karte

Neues im Nahfeld

Sie nennt sich "Near Field Communication" und ist keineswegs etwas völlig Neues, sondern hat sich längst etwa bei Eintrittssystemen im Alltag bewährt. Es sind in Plastikkarten integrierte Funkchips, die mit einem Lesegerät über ein Magnetfeld kommunizieren - man hält sie in die Nähe, ohne sie auflegen zu müssen. Aus dem Magnetfeld zieht die Chipkarte so den nötigen Strom, um Rechenoperationen wie Verschlüsselung und Authentifizierung durchführen zu können.

Das offizielle Handy bei den Olympischen Spielen in London, das Samsung Galaxy S III, wurde für Europa bereits NFC-tauglich ausgeliefert. Die komplette Liste aller Geräte gibt es auf der Branchensite NFC-World.

Der NFC-Chip im Handy ist das letzte Element, das für die Funktion der SIM-Card als elektronische Geldbörse fehlt. In Österreich hatten zum Beispiel die ÖBB und der Mobilbetreiber A1 bereits 2009 mit NFC-Testinstallationen begonnen, denn das Potenzial der Nahfeldtechnologie war bereits seit längerem unübersehbar.

Die Frage war nur noch, wann das "Universal Subscriber Identity Module" seinem Namen gerecht werden und gänzlich andere Funktionen bieten würde als Zugang zu den Netzen. Die Antwort ist mittlerweile da: Der Auftakt dafür wird im Herbst 2012 gesetzt.

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  • thomast | vor 293 Tagen, 3 Stunden, 37 Minuten

    Ah ja, eine Frage:

    Wozu NFC? Der Sinn von NFC ist, dass ich z.B.: eine Chipkarte bei mir trage, und beim betreten der Straßenbahn wird mir mein Fahrschein abgebucht. Also vereinfacht ausgedrückt.

    Wenn die Karte aber eh schon in einem Mobiltelefon steckt, oder einem Tablett, verfügt also über massig Energie und Verbindungen.

    Die Idee von NFC ist, dass es ohne Mobiltelefon und Computer funktioniert.

    Das in eine Sim Karte einzubauen macht allenfalls Sinn, um auch die abzudecken, die ihre Mobilgeräte nicht rechtzeitig aufgeladen haben.

    Warum soll der NFC Chip sowohl in die Simkarte als auch ins mobile Endgerät? Der NFC Chip im mobilen Endgerät macht Sinn, wenn die (alte) Sim Karte nicht selbst kann, aber sobald die neue Simkarte einen eigenen NFC Chip hat, braucht es den im Endgerät nicht mehr (dito für CPU & Co.).

    Fürs kontaktlose Bezahlen würde auch die elektronische Geldbörse reichen, wenn man einen NFC Chip in die Bankomatkarte integrierte.

    Also ich verstehe den Sinn nicht so ganz, wenn eine neue Chipkarte kommt, mit NFC & Co, OK, macht Sinn.

    Als Simkarte macht das aber keinen Sinn.

    Und die Bürgerkartenfunktion wird es auch nicht spielen, weil die dazu nötige "Kartenlesegerät Funktion" als Software vorliegt,...

    Auf dieses Posting antworten
    • thomast | vor 293 Tagen, 3 Stunden, 36 Minuten

      ... die Sicherheitsanforderungen für eine qualifizierte digitale Signatur ist so nicht zu erbringen. Da kann ich gleich das atrust Softwarezertifikat nutzen, und das kostet 15 Euro im Jahr.

      Dazu brauche ich keine Simkarte, das geht schon jetzt.

      Sobald das Pinpad keine eigene sichere Hardwareentität ist sondern eine Software ist der ganze Sinn der "digitalen Signatur" beim Teufel.

  • tesseract | vor 293 Tagen, 5 Stunden, 54 Minuten

    brave new world..........

    Auf dieses Posting antworten
  • dirry | vor 293 Tagen, 12 Stunden, 58 Minuten

    Die Antenne für NFC ist aber nicht auf der SIM, sondern im Handy. Die SIM übernimmt lediglich einen Teil der Verschlüsselung.

    Auch ist kein Webbrowser eingebaut, sondern bestenfalls eine Webserver-Biblothek um die Ansteuerung über eine Webservice-Schnittstelle zu ermöglichen.

    Auf dieses Posting antworten
    • tantejutta | vor 293 Tagen, 9 Stunden, 29 Minuten

      roger geschätzter regular

      Klar macht die USIM nur die essentiellen Teile der Krypto, dito das mit Webbrowser. Logo sind alle antennen im Handy, wie auch die physische USB. Musste halt alles arg verkürzt dargestellt werden...

  • frizzdog | vor 293 Tagen, 13 Stunden, 51 Minuten

    bei aller begeisterung für IT...

    jeder dieser neuerungsschritte führt zu mehr abhängigkeit und mehr möglichem mißbrauch, der zudem auch noch viel unüberblickbarer wird.
    das zukunftsbild der kriminalszene wird der identitätsraub.
    ich behaupte, dass 3/4 der menschen überhaupt keinen durchblick mehr haben, was da eigentlich alles geschieht, wenn sie irgendeinen "knopf der freiheit" drücken und das auch nachträglich nicht überprüfen können.

    Auf dieses Posting antworten
    • dergrossenagus | vor 293 Tagen, 12 Stunden, 20 Minuten

      danke

      bleib weiter beim alten dBase UNIX-vi und DOS...

    • tantejutta | vor 293 Tagen, 8 Stunden, 29 Minuten

      obige Story wurde in einem VIM

      erstellt, der als Editor an ein CMS andockt,. Wobei über allem St. Debian waltet ;) Das war nur 1/3 der Serie, da kommt noch was...ö

  • thomast | vor 293 Tagen, 14 Stunden, 15 Minuten

    Ned bös sein,

    aber die die Bürgerkarte ist gefloppt, weil sie unsinnig nur weniges kann. Es ist weder eine qualifizierte Signatur, noch kann ich damit übliche Rechtsgeschäfte abschliessen.

    Hätte man von Haus aus jedem Bürger kostenlos eine qualifizierte digitale Signiermöglichkeit geboten, könnten wir heute vom Bankgeschäft über Onlinehandel alles machen.

    Aber in der EU ist die Strom- oder Wasserrechnung immer noch ein besserer Identitätsnachweis als eine qualifizierte Signatur.

    Und die kostet etliche Euro im Monat. Und solange die nicht kostenlos ist, werden die Nutzer sie nicht haben und wird sie weiter ungenutzt bleiben.

    Die paar Euro für einen Kartenleser sind da nebensächlich.

    Wobei das durchaus so gewollt scheint, was machen wir mit der ganzen Bürgerüberwachung, wenn die Leute dann anfangen, alle E-Mail Nachrichten zu verschlüsseln?

    ;)

    Auf dieses Posting antworten
    • thomast | vor 293 Tagen, 14 Stunden, 4 Minuten

      Ah ja,

      Sim Kartenleser hat es vor 15 Jahren für knapp 100 Schilling beim Pearl gegeben, heute bekommt man sie überall für 5 bis 12 Euro.

      Z.B. als Multifunktionsleser:

      Soyntec Nexoos 660 Smart Combo

      Das Problem ist, dass die qualifizierte Signiermöglichkeit hierzulande einmalig 60 Euro und laufen 16 Euro im Jahr kostet.

      Da haben die Finanzminster wohl geträumt, dass das die halbe Bevölkerung kauft, 240 Millionen einmalig und und 80 Millionen jährliche Mehreinnahmen, schon sind den Politikern die Eurozeichen in den Augerln rumgehüpft, und sie haben ihr Hirnchen abgeschalten.

      Aber sind wir froh, denn die Attentäter vom 11 September 2001 hätten dann sicher verschlüsselt kommuniziert, und dann hätten wir heute ein Verschlüsselungsverbot.

      ;)

    • hanslblasta | vor 293 Tagen, 13 Stunden, 13 Minuten

      bitte auch net bös sein, aber

      "gratis" is leider nix; als Steuerzahler hab ich nur die imaginäre Wahl, dass sich das jeder zahlt oder dass der Staat sagt, machen wir das Projekt attraktiv für alle - und dafür sollen eben die Steuerzahler löhnen ...

    • thomast | vor 293 Tagen, 12 Stunden, 11 Minuten

      Hansl:

      Was soll ich sagen?

      Ich bin kostenlos in die Schule gegangen, Du umsonst.

      ;)

      Die Sache ist aber nun die, dass Alle Ecken Leute amtliche Lichtbilddokumente vom Staat bekommen, sei es ein Führerschein, ein Persi oder ein Pass. Der Mehraufwand, da gleich eine Karte für die digitale Signatur zu bekommen ist Pipifax.

      Aufwand verursacht nur die Versicherung, und die naja, ist ja nur nötig, weil man es unbedingt privatisieren wollte.

      Der Betrieb der Infrastruktur kostet den Staat de facto nix, weil wir eh das BRZ haben, und das bedeutet, für den Staat entstehe de facto reale Kosten von unter 5 Euro pro Karte und keine 1,50 im Jahr.

      Die realen Kosten dafür sind deutlich unter denen der Ecard oder Biometriereisepässe. Gleichzeitig aber würden dann Phishing, Internetbetrug & Co - zumindest für einige Jahre, zurück gehen, der volkswirtschaftliche Vorteil wäre enorm.

    • keinabschreiberling | vor 293 Tagen, 11 Stunden, 14 Minuten

      Tja

      entweder muss man selber nachweisen wer man ist und Dokumente übermitteln oder der Staat (!=volk) speichert alles und man gibt die Daten nur mehr frei. Letzteres wird darauf hinaus laufen das bald jeder Konzern alle Daten abrufen kann. Das Freigeben dauert dann nämlich auch zu lange wäre auch viel zu selbstständig für den trendigen möchtegern Roboter von Morgen.

      Manche sind so euphorisch vor lauter ipads, iphones und Richtfunkstrecken durch das Gehirn, das sie die Realität nicht mehr erkennen. Einmal Daten ausserhalb der eigenen Kontrolle gespeichert und weg sind sie für alle Zeiten ohne das man etwas dagegen machen kann. Daher vorbeugen und Daten nicht hergeben und schon gar nicht dem Staat.

      Nur zur Info lieber thomast, 15 Euro sind mehr als 100 Schlilling. Hoffentlich hat es keiner Deiner Lehrer gelesen und dir einen Eintrag in das neue elektronische Register gemacht, auf das die Arbeitskollegen in 20 Jahren drüber lachen wenn sie kontaktlos deine 'SIM' auslesen. Aso ist ja verschlüsselt ;)

    • thomast | vor 293 Tagen, 10 Stunden, 32 Minuten

      kleinschreiber:

      Und wo genau habe ich 100 ATS mit 15 EUR assoziiert?

      Meinst Du den Soyntec? Der ist ein Multifunktionsgerät.

    • euripides | vor 292 Tagen, 1 Stunde, 40 Minuten

      @thomast:

      Also mit der Bürgerkartenfunktion der ecard bekommt man eine qualifizierte Signatur gratis. Das war eine zeitlang keine qualifizierte, sondern eine "Verwaltungssignatur", mit dem Auslaufen dieser Sonderform ist man dann aber auf qualifizierte Zertifikate umgestiegen.

      Auch die Handy-Bürgerkarte ist technisch gesehen eine Serversignatur mit einem qualifizierten A-Trust-Zertifikat.