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Musik, Film, Heiteres

Stefan Trischler

Trishes

Beats, Breaks und Tribe Vibes - oder auch: HipHop, Soul und staubige Vinyl-Schätze.

9. 10. 2012 - 18:10

Die Hysterie der Hypemaschine

Der Backlash zum - zugegeben ziemlich misslungenen - Debütalbum der Youtube-Rapperin Kreayshawn sagt viel über den 2012er Zustand der Musikmedien aus.

Auf der Suche nach dem nächsten Hype und auf der Flucht vor den Blogs, die an der eigenen Relevanz knabbern, müssen Musikmedien in der heutigen Zeit ihre Meinungen mitunter schnell ändern. Mit durchaus unangenehmen Folgen für die Objekte der Berichterstattung: Da war die Bay Area-Rapperin Kreayshawn letzten September noch am Cover des Complex Magazins, knapp ein Jahr später werden ebendort schon ihre zehn größten Fehler via Slideshow (Clicks generieren, Clicks generieren!) aufgelistet.

Alles, was die Videoregisseurin aus Oakland anfangs hatte, war ein swagreiches Kurzfilmchen zu ihrer eingängigen Anti-Designerklamotten- Hymne Gucci Gucci. Dieses klickten schon in den ersten Monaten nach dem Upload dutzende Millionen Menschen an, und die Firma Columbia Records nahm Kreayshawn schnell unter Vertrag - in der weitverbreiteten Annahme, soviele views würden sich in vergleichbaren Plattenverkäufen niederschlagen. Taten sie nicht: Aus verschiedenen Gründen (zB war die CD anfangs nur in Läden der US-Handelskette Hot Topic erhältlich) gingen in der ersten Woche tatsächlich nur 3.900 Stück von Something About Kreayshawn über die Ladentische. Für amerikanische Verhältnisse ein übler Flop.

Sofort sprang der Gemütszustand der onlinemusikjournalistischen Hypemaschine von "irgendwie wurscht" auf "Häme" um, das Resultat waren Geschichten wie die oben erwähnte, eine weitere Slideshow und zahlreiche Überschriften, die vom schlechtestverkauften Majorlabel-Release in der Geschichte sprachen - was so nicht stimmt. Aber bei guten Superlativen fragt man ja lieber nicht nach!

Kreayshawn lässt der Negativrummel zumindest nach außen hin kalt - sie hat ja schon früher bei sich selbst das I Don't Give A Fuck-Syndrom diagnostiziert. Tatsächlich erkaufen Platten 2012 im Normalfall keine Villen und Porsches mehr, da wird es also eher interessant, was bei kommenden Touren und über andere Kanäle wieder hereinkommt. Bestimmt hat der große Bekanntheitsgrad aber ihrer Hauptkarriere als Musikvideoregisseurin geholfen.

Die eigentliche Signifikanz von Something About Kreayshawn ist wohl die Lektion, dass Youtube-Klicks in unserer Aufmerksamkeitsökonomie nur bedingt als harte Währung taugen. Denn musikalisch ist die Platte eher ein Fall fürs schnelle Weiterklicken: Der durchaus eigene Sound von Songs wie Gucci Gucci wurde durch Dance/R&B-Meterware ersetzt, an besonders schlimmen Stellen fühlt man sich gar an ein anderes Internetphänomen erinnert.

Aber vielleicht wird ja das nächste Download-Mixtape wieder besser.

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  • christianlehner | vor 225 Tagen, 22 Stunden, 8 Minuten

    was ich in diesem zusammenhang interessant finde, ist das involvement von columbia/sony records, die sämtliche nu/hipster/young hip hop artists zu signen scheinen. von asop über frau kreayshawn, die im schlimmsten fall werbefilmerin werden wird, bis zur odd future gang.

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    • diamondback | vor 225 Tagen, 14 Stunden, 44 Minuten

      irgendwie verstaendlich, oder? zu verlieren haben diese institutionen nur mehr wenig und testen was ankommt. die acts sind noch billig und ins marketing wird wenig gesteckt. aehnlich wie der ankauf von apple aktien in den fruehen 80ern.
      was mich wundert ist, wieso die grossen haeuser nicht staerker auf retro-sound acts (ala kitty, daisy and lews) setzen um ueber diesen umweg schmankerl aus dem backcatalog zu verkaufen?