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Simon Welebil

Abenteuer im Kopf, drinnen, draußen und im Netz

6. 12. 2012 - 16:15

Kulturexport in Sachen Snowboard

Der Air&Style in Peking will neue Märkte für die Snowboard-Industrie erschließen, mit einem Riesenkicker und den weltbesten Big-Air Ridern.

Wieso veranstaltet die FIFA die Fußball-WM 2022 in Katar, einem kleinen Wüstenstaat mit nicht einmal zwei Millionen Einwohnern? Warum vergibt das Internationale Olympische Komitee die nächsten olympischen Winterspiele nach Sotschi und danach nach Pyeongchang - in Länder ohne Wintersport-Fanmassen? Aus dem selben Grund, aus dem auch der Air&Style Contest einen Stopp in Peking einlegt: Es geht darum, neue Märkte zu erschließen. In diesem Punkt steht der Snowboardsport, der sich ansonsten gern rebellisch gibt, der FIFA oder dem IOC um nichts nach.

Riesige Sprungschanze als Stahlkonstrukt im Natioinalstadion in Peking

Air&Style

Die Snowboard-Industrie hat eine harte Zeit hinter sich. Die fetten Jahre sind vorbei, die Kernmärkte in Europa und Nordamerika gesättigt. In anderen Gegenden der Welt sieht man hingegen noch großes Potential. Die Zahl der Menschen, die sich in China den verhältnismäßig teuren Sport Snowboarden leisten können, die vermögendere Mittelschicht, wird auf bis zu 250 Millionen Menschen geschätzt. So wundert es nicht, dass eine der größten Marken im Snowboard-Contest-Zirkus, der Air&Style Contest, schon vor zwei Jahren den Sprung nach Peking gewagt hat.

Air&Style auf Weltreise

Innsbruck, Seefeld, München, das waren bisher die Air&Style Austragungsorte in Europa. Pläne für London, Paris oder Moskau sind nie verwirklicht worden. Stattdessen wird es nächstes Frühjahr einen Air&Style Contest in Mexiko City geben und diesen Samstag, schon zum dritten Mal, in Peking.

Um den Chinesen das Snowboarden schmackhaft zu machen wird geklotzt und nicht gekleckert. Der Air&Style Peking ist einer von nur acht 6*-Contests, der höchsten Kategorie in der World Snowboard Tour. Gesprungen wird im Vogelnest, dem ikonischen Nationalstadion Chinas. Ein Ort mit mehr Prestige hätte sich innerhalb Chinas wohl kaum finden lassen. Der chinesische Superstar Sun Nan gibt den Showact und als Moderator und Einheizer (und eben nicht als Teilnehmer) tritt Snowboard-Celebrity Shaun White auf. Nicht dass Shaun White wirklich bekannt wäre, aber die Olympischen Spiele sind enorm populär und Shaun White ist immerhin Olympiasieger. Der Contest wird landesweit im Fernsehen übertragen.

Das Nationalstadtion in Peking. Drinnen steht ein Riesen-Stahlgerüst, das einmal eine Schanze werden soll.

Air&Style

Snowboard-Entwicklungshilfe

Ein sehr interessantes Interview zur Situation des Snowboardens in China gibt's hier.

In den letzten Jahren ist die Zahl der Schiressorts in China enorm gewachsen. Einige hundert gibt es inzwischen im Land und die Snowboardszene wächst beständig mit, an neuen FahrerInnen, aber auch was die Qualität anbelangt, wie man auf Videos aus China sehen kann.

Dass China in den nächsten Jahren allerdings einen Weltklasse-Fahrer hervorbringt, wird von Insidern bezweifelt. Die meisten Rider haben erst nach ihrem Studium mit dem Boarden begonnen, weil das chinesische Schul- und Universitätssystem so zeitintensiv ist. Für's Snowboarden bleiben nur die Wochenenden und das ist zu wenig, um große Entwicklungssprünge zu machen. Eine Ausnahme könnte höchstens aus dem chinesischen Nationalteam kommen, das schon früh Talente rekrutieren.

Snowboarden als Überraschungsei

Dass einem großen Teil des Publikums beim Pekinger Air&Style der Bezug zum Snowboarden fehlt, ist für die Rider wie Werni Stock eine große, aber auch großartige Herausforderung. Er schätzt es, wenn er die Leute beeindrucken kann und lobt die Stimmung im Stadion. Er will mit seinen Sprüngen den Snowboardsport in China pushen und auch Botschafter für den Snowboard-Lifestyle sein.

Das komplette Fahrerfeld kann man hier.

Abgesehen vom kommerziellen Hintergrund hat der Air&Style Contest Weltklasse-Format. Nur 24 Rider werden eingeladen, basierend auf ihrer Position in der Weltrangliste. Ulrik Badertscher aus Norwegen wird versuchen, seinen Vorjahrestitel zu verteidigen. Seine größten Konkurrenten sind wohl Peetu Piiroinen, der aktuelle Titelträger des Air&Style Innsbruck und der Belgier Seppe Smits, letzte Saison immerhin Weltcupsieger in der Disziplin Big Air.

Clemens Schattschneider mit dem Snowboard in der Luft

Air&Style

Clemens Schattschneider letztes Jahr beim Air&Style in Peking.

Doch auch die Österreicher wollen beim Sieg ein Wörtchen mitreden. Mit Mathias Weißenbacher, Clemens Schattschneider und Werni Stock sind gleich drei heimische Fahrer am Start. Für eine gute Platzierung braucht es sicher auch ein wenig Losglück, um nicht gleich in der ersten Runde der Head-to-Head-Duelle auf einen der großen Favoriten zu treffen.

Ansehen kann man sich den ganzen Contest am Samstag 8.12. ab 12:30 (MEZ) via Live-Stream entweder hier oder hier.

Und als kleiner Vorgeschmack die Highlights vom letzten Jahr:

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