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Musik, Film, Heiteres

Robert Glashüttner

Videospielkultur, digital geprägte Lebenswelten.

11. 12. 2012 - 18:21

10 Jahre Creative Commons

"Manche Rechte vorbehalten" statt "Alle Rechte vorbehalten". Der Lizenzbaukasten Creative Commons ist nicht mehrheitsfähig, bietet aber seit 2002 eine gangbare Alternative zum Urheberrecht.

"All rights reserved" und "Alle Rechte vorbehalten" - das sind die bekannten Sätze, die wir bei fast allen alten und neuen Filmen, Büchern, Spielen, usw. ständig lesen. Das angloamerikanische Copyright und die/der deutschsprachige Schwester/Bruder Urheberrecht sind ein grundlegendes Prinzip unserer Gesellschaft. So war das zumindest bis zur Jahrtausendwende. Die erste populäre Filesharing-Software "Napster" und stetig schneller werdende Internetverbindungen haben dann die Karten neu gemischt. Gespeichert und konsumiert wurde ab sofort auch auf digitalen Datenträgern, wo es bekanntlich keine technischen Unterschiede zwischen Original und Kopie gibt. Deshalb ist auch der gerne bemühte Vergleich zum Diebstahl im Supermarkt unzulässig, denn wenn ich einen Apfel oder ein Joghurt aus dem Regal nehme, ist jeweils ein Stück weniger vorhanden. Eine Datei ist auch nach der 567. Kopie immer noch ein und dasselbe.

Als erstmals ein 2er vorne in der Jahreszahl stand, war es an der Zeit, das Urheberrecht neu zu denken. Einige schlaue Köpfe bemerkten das sehr früh, darunter der populäre US-amerikanische Rechtswissenschafter Lawrence Lessig, der im Jahr 2002 die Creative-Commons-Initiative gegründet hat. Das ist jetzt genau zehn Jahre her, und bei so einem Jubiläum stellt sich natürlich immer die Frage, was davon geblieben ist und wie es weiter geht.

Selbstermächtigung beim Schutz der eigenen Werke

Das Ziel von Creative Commons (CC) ist es, Werkschaffenden mehr Möglichkeiten zum Verwalten ihrer Rechte zu geben. Wenn man ein kreatives Werk schafft, gilt automatisch das Urheberrecht, also eben: Alle Rechte vorbehalten. Creative Commons bietet eine Alternative dazu: Aus einem Baukastensystem aus sechs verschiedenen Lizenzen kann man seine Rechte mehr oder weniger stark für die Öffentlichkeit zur Benutzung und Weiterverarbeitung zur Verfügung stellen.

Das beste und wichtigste Beispiel dafür ist das Online-Lexikon Wikipedia - immerhin die sechstwichtigste Site im gesamten Web. Alle Texte und Multimedia-Daten unterliegen dort Creative-Commons-Lizenzen. Für Nicole Ebber, die bei der Wikimedia Deutschland e. V. arbeitet und über Creative Commons diplomiert hat, ist die Beziehung zwischen Wikipedia und Creative Commons ein Geben und Nehmen.

Mitdiskutieren zum Urheberrecht:
In Wien am 11.12. beim Urheberrechtsdialog und am 20.12. in der Urania.

"Bei der Wikipedia wissen die Leute: Da kann ich die Inhalte frei verwenden, und diese stehen eben unter einer Creative-Commons-Lizenz. Sie sind das entsprechende Werkzeug, um diese Freiheit zu artikulieren. Das ist ein partnerschaftliches Ding: Wikipedia trägt mit seiner Bekanntheit dazu bei, dass CC bekannter wird, und CC vereinfacht die Nutzung von Wikipedia-Inhalten."

Kritische Stimmen sagen, dass Creative Commons nur etwas für Netz-affine Intellektuelle und Kunstschaffende mit viel Freizeit sei. Tatsächlich ist der Lizenzbaukasten auf den ersten Blick schwer zu durchschauen. Anderseits gibt es dadurch schon seit zehn Jahren eine praktisch gangbare Alternative zum Urheberrecht im digitalen Zeitalter. CC sehe sich auch nicht als Allheilmittel, so Nicole Ebber, es sei als Brückentechnologie gedacht, bis eine nachhaltige Reform des Urheberrechts passiert sei.

Großer Schritt für die Kunstschaffenden

Wer als Kreativer skeptisch ist und noch nicht weiß, ob es wirklich eine gute Idee ist, seine Werke für alle zur Verfügung zu stellen, kann erst mal die sogenannte "Non-Commercial"-Lizenz von Creative Commons probieren. Diese untersagt allerdings die Verwendung des jeweiligen Werkes nicht nur für große Konzerne sondern etwa auch in Schulbüchern, Zeitungen, Blogs - und auch in der Wikipedia. Aber:

Demnächst werden die CC-Lizenzen für die aktuelle Version 4.0 überarbeitet.

"Die 'Non-Commercial'-Lizenz ist der beliebteste Lizenzbaustein. Deswegen argumentiert man auch, dass das ein Einstieg sein kann, um zu zeigen, dass es eben auch Ergänzungen zum Urheberrecht gibt."

Wirklich populär geworden ist Creative Commons in der breiten Öffentlichkeit allerdings trotz der "Non Commercial"-Lizenz in den ersten zehn Jahren des Bestehens nicht. Seine eigentlichen Inhalte als Künstlerin oder Künstler völlig frei zu geben und nur von der Umwegsrentabilität zu leben - bei Musikern also etwa Konzerttickets oder Merchandising-Produkte - ist natürlich auch kein einfacher Schritt. In manchen Fällen sind Creative-Commons-Lizenzen aber wirtschaftlich durchaus auch ohne große finanzielle Risiken machbar, etwa beim öffentlich rechtlichen Rundfunk. Nicole Ebber:

10 Jahre CC Party? Zum Beispiel in München am 14.12.

"Der NDR in Deutschland hat einzelne Sendungen unter CC-Lizenzen veröffentlicht. Es gibt einige Filme, die unter CC-Lizenzen veröffentlicht werden. Bis es aber ins Alltagswissen übergeht - so weit sind wir, glaube ich, noch nicht."

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  • miikesmama | vor 1565 Tagen, 6 Stunden, 16 Minuten

    Eine interessante Diskussion, die durch das Sven Regner Interview vor einiger Zeit auch kurzzeitig ins öffentliche Bewusstsein geschwappt ist. Leider hat "digital", wie so vieles im Leben, ein für und wider. Es ist als junger Künstler irrsinnig leicht, aufgrund der digitalen Medien selbst Vertrieb und Marketing für seine Kunst/sprich sein Produkt zu übernehmen, als renommierter Küntler widerrum irrsinnig schwer, über das Internet Gewinne zu generieren.
    Auch ist das Bewusstsein der Konsumenten verloren gegangen, dass die Kunsterschaffung durchaus zeitaufwendig ist, und arbeitsintensiv, und viele sind schlicht und einfach nicht bereit dafür Geld auszugeben.

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