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Musik, Film, Heiteres

Ali Cem Deniz

Das Alltagsmikroskop

14. 1. 2013 - 18:18

More news from nowhere

Jan Sprenger erzählt in seinem Debütroman „Kirgistan gibt es nicht“ die Coming-Of-Age Geschichte eines Backpackers.

Kirgistan gibt es nicht Cover

Rowohlt Berlin

"Kirgistan gibt es nicht" ist im Rowohlt Verlag erschienen

Eigentlich wollte der Mittzwanziger Jonas nach China, doch jetzt sitzt er im Nirgendwo in Kirgistan fest. Die Zeit dort verbringt er mit anderen Backpackern und Zufallsbekanntschaften. Kirgistan scheint eine der letzten Zufluchtsorte für Reisende zu sein, die das Unbekannte suchen. Jan aber wandert mit Gleichgültigkeit durch die kirgisischen Städte. Die Exotik der Ferne scheint keine Wirkung mehr auf ihn zeigen.

Insofern ist der Titel „Kirgistan gibt es nicht“ bestens gewählt, denn Jonas stellt durch das Reisen fest, dass es das Andere, das Fremde, nicht wirklich gibt.

„In China essen sie mit Stäbchen und in Indien mit den Händen, und in Bischkek sind die Straßen eben nicht so eben wie zum Beispiel in Bielefeld, aber Trockenreinigung gibt es auch in Karakol.“

Jonas entdeckt schließlich doch noch das Unbekannte in Kirgistan. Nicht in der Landschaft, sondern in der ukrainischen Fotografin Olga. Sie unterscheidet sich von den anderen Rucksacktouristen. Olga versucht in Kirgistan mit ihrer traumatischen Kindheit abzuschließen. Für Jonas wird die Eroberung der verschlossenen, wortkargen Olga zum eigentlichen Reiseziel.

Neben Olga gibt es für Jonas aber auch noch andere junge Frauen. Spätestens da entpuppt sich die Reisegeschichte als ein Coming-Of-Age Roman, der zwar interessant, aber an manchen Stellen zu konstruiert wirkt. Vor allem die Subgeschichte zwischen Jonas und der Österreicherin Uta ist überflüssig. Die extrovertierte, aber vulgäre Österreicherin bleibt nicht mehr als eine Kontrastfigur zur rätselhaften, anmutigen Olga.

Typisch für einen Debüt-Roman lassen sich auch in „Kirgistan gibt es nicht“ autobiografische Züge erahnen. Jan Sprenger lebt und arbeitet in China. Es ist also anzunehmen, dass er selbst Kirgistan bereist hat. Dennoch bleibt Kirgistan im Roman unterrepräsentiert. Bis auf wenige Ortsnamen und Dialoge könnte der Roman auch in Deutschland spielen. Auch deshalb ist der Titel ironisch treffend.

Die fragile Beziehung, die sich mühsam zwischen Jonas und Olga entwickelt, macht den Roman dennoch lesenswert.
Ohne die geheimnisvolle Vergangenheit Olgas wäre die Geschichte aber nicht viel mehr als ein durchschnittliches Reisetagebuch eines Studenten. Deshalb dürfte Jan Sprengers Debüt vor allem eine Empfehlung für leidenschaftliche Rucksacktouristen sein. Für alle anderen ist es eine sprachlich gelungene Coming-Of-Age Geschichte.

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