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Musik, Film, Heiteres

Eva Umbauer

Popculture-Fan und FM4 Heartbeat-moderierende Musikjournalistin.

16. 1. 2013 - 17:10

Niemals aufgeben. I Am Kloot sind zurück

I Am Kloot aus Manchester, angeführt von John Harold Arnold Bramwell, haben in ihrer fast 15-jährigen Bandgeschichte fünf Plattenlabel und sieben Manager verschlissen. Eine northern soul wie John Bramwell gibt jedoch niemals auf.

Schließlich haben I Am Kloot ja auch einen britischen Popmusik-Meister wie Guy Garvey unter ihren Fans, oder auch, ah, Pete Doherty. Ersterer hat den neuen Longplayer von I Am Kloot produziert, wie bereits auch das letzte Album des Trios und deren Debütalbum.

Man versteht einander, man kommt schließlich aus dem englischen Nordwesten, hat lange ohne größeren Erfolg gespielt - reichhaltige, schöne, zeitlose, erwachsene Popmusik voller Tiefe, die aber auch schon mal den Zynische berührt, oder zumindest ins Sarkastische gehen kann.

Man ist außerdem drinking buddy und schaut auch schon mal zu tief ins - vermeintlich - tröstende Glas. Bier bei Guy Garvey, Rotwein bei John Bramwell, der einmal Straßenmusikant in Paris war, bis er wieder - halbverhungert, wie die Legende besagt - ins heimatliche Manchester zurückkehrte.

Bittersweet Symphony

I Am Kloot spielen am 19.3. im WUK in Wien und am 20.3. im Conrad Sohm in Dornbirn.

I Am Kloot veröffentlichten vor zwölf Jahren ihr Debütalbum, "Natural History", vier weitere folgten, darunter das vom US-Gitarristen Gary Lucas - Jeff Buckley spielte etwa einmal in seiner Band God And Monsters - inspirierte "Gods And Monsters", das die bis dahin erfolgreichste Single von I Am Kloot enthält: "Over My Shoulder". Erst mit dem 2010er Longplayer "Sky At Night" erhalten John Bramwell und seine beiden stets subtil agierenden Mitspieler Peter Jobson (Bass) und Andy Hargreaves /Drums) in Großbritannien größere Anerkennung. Das Album verkauft sich gut und wird in der Kategorie "Bestes Album des Jahres" für den prestigeträchtigen Mercury Music Prize nominiert, neben Brit-Kalibern wie Paul Weller oder Newcomern wie dem Iren Conor O'Brien aka Villagers. Den Preis haben I Am Kloot dann zwar nicht gewonnen, sondern The XX, aber macht ja nichts.

I Am Kloot Mercury Awards London 2010

Mercury Awards

I Am Kloot hatten jedenfalls die Motivation, wieder ins Studio zu gehen, abermals mit Guy Garvey - der übrigens mit Elbow 2008 den Mercury Prize abstaubte - und herausgekommen ist "Let It All In", das neueste I-Am-Kloot-Album. Beinahe nahtlos knüpft es an den Vorgänger an, ist aber insgesamt etwas dezenter, und es hat auch gewisse Ähnlichkeiten mit dem allerersten Kloot-Album, in seiner Direktheit etwa. Große Songs aus dem Vereinten Königreich, die mitten ins Herz gehen, auch wenn man tausend Kilometer weg sein mag, oder noch weiter. I Am Kloot schreiben und spielen das was man schlicht und einfach gute Songs nennt.

Albumcover I Am Kloot "Take It All In" (England)

PIAS

"Let It All In" von I Am Kloot ist soeben bei PIAS erschienen.

Dazu diese gewisse zärtliche Hemdsärmeligkeit, die John Bramwell an sich hat, diese Verlässlichkeit, dass er mit I Am Kloot immer wieder zur Stelle sein wird, wenn es brennt in der Seele, auch wenn dieser (letzte?) britische working class hero selbst nicht ganz weiß, wie es weitergehen soll: "Where shall I go in this big black night?", fragte er im Song "Northern Skies", dem Opener vom "Sky At Night"-Album. "Even The Stars" etwa ist ein Bindeglied zwischen den beiden Alben, allein schon seiner Himmelszelt-Metaphorik wegen.

Etwas entspannter als der Vorgänger ist der neue Longplayer insgesamt. Er ist perfekt. Keine Schwachstellen. Er kann noch immer schreiben, dieser John Harold Arnold Bramwell. "Shoeless in your favourite dress, you walk the shore. Don´t let the clouds clutter up your sky", heißt es etwa im entzückenden, semi-akustischen "Shoeless".

Das Wort "kloot" ist holländisch und würde im Englischen "bollocks" heißen, also "Blödsinn, Mist, Schwachsinn". Wortwörtlich haben "kloot" und "bollocks" mit der männlichen Anatomie zu tun und stehen für, ah, "Eier".

Gleich mit dem Opener "Bullets" ist man aber bereits drinnen im neuen I-Am-Kloot-Abum. John Bramwell, wie er leibt und lebt, und hier entpuppt er sich gar als kleiner großer Doors-Fan. "I ´ve got the bullets here, should you return for another shot. You treat your heart like a cheap hotel", singt John Bramwell. In "These Days Are Mine" heißt es "The future just keeps on coming, turning the night back into day." Solche Zeilen brauchen Violinen. Hier sind sie. John Harold Arnold Bramwell, Großbritanniens bester Songwriter. Sein Glas ist dieser Tage schon beinahe mehr als half full, wo es früher stets in Richtung Neige ging. Diese Tage gehören ganz klar ihm und I Am Kloot.

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  • wuschdibumm | vor 554 Tagen, 10 Stunden,

    thx for the eye opener

    jetzt hab ich ewig lang nicht kapiert, dass sich der name auf gogerln bezieht, obwohl's eigentlich eh klar ist (klöten!!!). arg.

    Auf dieses Posting antworten
    • evaumbauer | vor 554 Tagen, 17 Minuten

      kloot

      Gogerln? Das Wort kannte ich gar nicht. ;-)
      Er hat mal in einem FM4 Interview gesagt, was es alles heißt, aber ich find´s grad nimmer und hab´s vergessen. Auf Schottisch heißt es auch etwas,....Aber "bollocks" ist das was es am meisten bedeutet. ;-)