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Simon Welebil

Abenteuer im Kopf, drinnen, draußen und im Netz

17. 1. 2013 - 18:38

Ein Weltmeister, der kaum jemanden interessiert

Wegen einer Posse um die Qualifikation zu den Olympischen Spielen 2014 verteilt sich die Welt-Elite der SnowboarderInnen dieser Tage auf zwei Kontinente.

Es ist Snowboard-WM und keiner sieht hin. Natürlich gilt das nicht für all die ZuschauerInnen in Kanada, die Mark McMorris, Torah Bright oder Peetu Piiroinen direkt am Slope-Style-Kurs anfeuern, sondern für die Snowboard-Szene insgesamt, die Magazine, die Blogs, die Sendungen oder die Sponsoren, die Snowboard-Industrie.

Der Grund dafür liegt darin, dass es die WM der FIS ist, des internationalen Skiverbands, und die genießt in der Snowboard-Community kein besonders hohes Ansehen. In einer "normalen" Saison finden sich deshalb auch nur vereinzelt Top-FahrerInnen auf FIS-Contests ein, aber diese Saison bringt die FIS den ganzen Tour-Kalender der SnowboarderInnen durcheinander.

Keine FIS-Punkte = keine olympischen Spiele

In etwas über einem Jahr finden nämlich in Sotschi in Russland die olympischen Winterspiele statt und die FIS ist dafür zuständig, die Qualifikation durchzuführen. Für die RiderInnen bedeutet das: Alle, die bei den Spielen teilnehmen wollen, benötigen Punkte aus dem FIS-Snowboard-Weltcup.

Das Big-Air Finale von Davos wird übrigens per Stream übertragen. Los geht's am Samstag, 19.1. um 12 Uhr.

Berührungsängste zwischen SnowboarderInnen und dem Schiverband, wie es sie um die Jahrtausendwende noch gegeben hat, gehören mittlerweile der Vergangenheit an, und doch bringt die FIS die weltbesten Rider in eine Zwickmühle. Denn gleichzeitig mit der der FIS-WM in Kanada findet diese Woche auch eine der bedeutendsten Snowboard-Contests statt, der Evolution-Contest in Davos, ein 6*-Contest der World Snowboard Tour. Die RiderInnen müssen sich entscheiden, ob sie die FIS-WM in Kanada fahren oder den Contest in der Schweiz. Das Feld ist gespalten.

Fahrerfeld zerrissen

Unter der Entscheidung der FIS, ihre WM Mitte Jänner anzusetzen, leiden schlussendlich beide Veranstaltungen. In Davos ist der Kader der Top-RiderInnen stark ausgedünnt und in Kanada kann sich der Sieger im Big Air oder im Slope Style auch nicht richtig über den Weltmeistertitel freuen, wenn Fahrer wie Seb Toots oder Antoine Truchon gar nicht teilgenommen haben.

Zudem ist die Qualität der FIS-Contests immer wieder Grund zur Diskussion und Jammerei. So twittert etwa Mark McMorris, letztjähriger X-Games Sieger vor dem FIS-Weltcup letzte Woche:

Tweet von Mark McMorris

twitter.com/markmcmorris

FIS ab 2018 raus aus dem Snowboarden?

Die Posse um die Qualifikation für die Olympischen Spiele reicht in die 1990er Jahre zurück, als das Internationale Komitee (IOC) der FIS die Zuständigkeit für die Qualifikation zu den ersten Snowboard-Bewerben bei den olympischen Spielen zuspricht. Ausgebootet wurde damals die International Snowboard Federation, der von SnowboarderInnen gegründete Verband, der daraufhin in Konkurs ging.

Seither hat sich aber die World Snowboard Tour, ein Zusammenschluss der führenden Contests, als dominierender Verband in der Snowboard-Szene etabliert, der die FIS im Freestyle-Bereich ziemlich alt aussehen lässt. Über 350 Contests finden dieses Jahr unter dem Dach der WST statt, die FIS-Freestyle Bewerbe kann man an den Fingern abzählen.

Fest verankert im Snowboarden ist die FIS einzig im Boardercross und im alpinen Bereich. Letzterer ist aber seit Jahren dabei, komplett in der Bedeutungslosigkeit zu versinken, was auch dem IOC nicht entgangen ist. Für die olympischen Spiele 2018 gibt es etwa die Überlegung, die alpinen Snowboard-Bewerbe aus dem Programm zu nehmen und stattdessen den Big-Air-Bewerb aufzunehmen. Hier fehlen der FIS aber die Bewerbe, um eine Qualifikation durchzuführen und damit die Legitimation als durchführender Verband, wie Air&Style-Gründer Andrew Hourmont heute im FM4-Interview meint. Vielleicht kommt dann ja endlich die World Snowboard-Tour zum Zug.

Bastards Contest in Gerlos

Große Contests gibt es dieses Wochenende aber nicht nur in Kanada oder der Schweiz, sondern auch in Österreich. Am Freitag etwa findet in Gerlos im Zillertal der Bastards Big-Air Contest statt. Mit dabei natürlich die Zillertaler Ästhetiker Crew um Chris Kröll, Peter König oder Mario Wanger und auch einige internationale Rider. Der Bastards-Contest ist aber kein reiner Snowboard-Bewerb, auch die Freeskier battlen sich um Preisgeld. Los geht’s bereits am Nachmittag, die Finali beginnen ab 19 Uhr in der Zillertal Arena, bei der Afterparty legen die Wax Wreckaz. Der Eintritt zum Contest ist frei und Shuttlebusse gibt’s von Fügen, Mayrhofen und sogar von Krimml.

Railrocker Contest in St.Pölten

Am Freitag gibt’s auch für die Leute ganz im Osten was zu sehen, konkret in St. Pölten. Dort findet nämlich der Railrocker Rail-Contest statt. Im Freigelände des VAZ St. Pölten stehen seit gestern eine Anfahrtsrampe und zwei feine Obstacles. Sogar ein Auto mit Dachträger wurde in das Setup integriert. Der Contest startet um 18.30 Uhr, auch hier ist der Eintritt zum Contest frei. Auf der Afterparty im Warehouse spielen dann übrigens die Texta-Buam auf.

Every moment, each day is perfect

Gefunden habe ich das Video übrigens auf der Bergfilme-FB Seite, wo jeden Tag solche Filme gepostet werden - eine Empfehlung.

Zum Schluss noch ein Video, das ich euch nicht vorenthalten will, auch wenn es nicht unbedingt zum Winter passt, denn es geht ums Kajakfahren. Atemberaubend schöne Bilder, Musik mit viel Pathos und eine klare Erzählstimme aus dem Off - was braucht man mehr, um den Tag gut ausklingen zu lassen?

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