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Musik, Film, Heiteres

Philipp L'Heritier

Ocean of Sound: Rauschen im Rechner, konkrete Beats, Kraut- und Rübenfolk, von Computerwelt nach Funky Town.

20. 1. 2013 - 16:48

Wunderbare Jahre

Der Song zum Sonntag: Kwes - "Rollerblades"

  • Der Song zum Sonntag auf FM4
  • Über "Rollerblades" macht sich auch der geschätzte Wissenschafts- und Popjournalist Thomas Kramar in der Presse am Sonntag seine Gedanken.

Der englische Songwriter und Produzent Kwes transportiert in Interviews und in seinen Stücken ein Bild von sich selbst, das ihn als schüchternen Romantiker und ein bisschen als sterneguckenden, zärtlichen Stubenhocker zeichnet. 2012 hat der Mitt-Zwanziger Kwes auf Warp Records eine wunderhübsche kleine EP namens "Meantime" veröffentlicht. Der erste richtige Song darauf - nach einem instrumental gehaltenen, intro-haften Stück - nannte sich "Bashful", was so viel heißt wie "schamhaft" oder "verlegen".

Hier kokettiert aber kein Jungmann doof mit der Weinerlichkeit und stellt prunkhaft den eigenen Schmerz zur Schau, nein, im Falle von Kwes haben wir es schlicht mit einem ernsthaften und höflichen Künstler zu tun, der nicht anders kann, als daheim im einsamen Kabinett seine Alltagsproblemchen und die Sorgen mit der Liebe in schmale und schnörkellose Lieder zu packen. Kwes durchsetzt zwar seine Stücke gerne mit elektronischen Tupfern und wohligen ambientösen Schlieren, zuvorderst geht es ihm aber um tatsächliches Songwriting und die Geschichten, die so ein guter Song eben erzählen kann. Ein anderes Stück auf "Meantime" heißt beispielsweise "Honey". Da besang Kwes in einem nahezu fabel-haften Kniff mithilfe von Lebensmitteln als erzählerischen Trägermaterialen, "Honig" und "Kohl" nämlich, das immer wichtige Thema des Verliebtseins.

Kwes

Kwes

Kwes

Gerne kann und konnte man in den knappen, mit freundlicher Naivität vorgetragenen Erzählungen von Kwes den Geist von Jonathan Richman und dessen mit Absicht vorgelebter Kindlichkeit leise grüßen hören und sich vielleicht auch daran erinnern, wie jener große Künstler in einem seiner berühmtesten Stücke die Ankunft des "Ice Cream Man" herbeisehnte. Als Vorabsingle zu seinem demnächst auch bei Warp erscheinenden Debütalbum hat Kwes jetzt als 7-Inch wieder so einen Song veröffentlicht, der die genau richtig dosierte Putzigkeit zum Thema hat: "Rollerblades" heißt das Stück. "Rollerblades" - viel uncooler geht’s nicht mehr.

Der Song spielt im Jahr 1993, als der kleine Kwes gerade einmal sechs Jahre alt war und erzählt von einer kurzen, spielerischen Begegnung zweier Kinder. Schlaglichthaft berichtet Kwes der Welt hier von diesem schönen, aufflammenden Gefühl, das eine Ahnung darauf vorwegnimmt, was das einmal eventuell heißen kann: Dieses Sich-Verlieben. "Come Rollerblade With Me", sagen die beiden Figuren zueinander, die sich eben erst - und eigentlich gar nicht richtig - kennengelernt haben und sind sich dabei gegenseitig sehr sympathisch. Nach dem Rollerbladen verlieren sich die zwei wieder aus den Augen und sehen sich nie wieder, Kwes muss nämlich nach Hause, zum Abendessen.

Heute, erwachsen geworden, bleibt Kwes bloß noch das Rollerbladen und das Erinnern an das Rollerbladen. Das Denken - hier in komplett unschleimiger und bloß wärmender Nostalgie - an eine Jugend, in der alles noch rosa Wolken war und das Austesten eines neuen Eisgeschmacks immer auch die Entdeckung einer aufregenden, fremden Welt bedeuten konnte. Man bildet sich das alles aber vielleicht auch immer nur ein bisschen ein.

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