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Musik, Film, Heiteres

Robert Glashüttner

Videospielkultur, digital geprägte Lebenswelten.

22. 1. 2013 - 11:02

Chipmusik für alle

Der freie Software-Tracker "DefleMask" macht das Produzieren von 8-Bit-Musik so einfach wie noch nie.

Jahrelang war für Musikmachende der Zugriff auf die prägnanten Sounds alter Spielkonsolen und Heimcomputer schwierig. Man brauchte eigene Steckkarten, teure Synthesizer oder hat auf klanglich oft unzureichende Software-Plug-Ins zurückgegriffen. Nur am Game Boy ging die Sache noch verhältnismäßig einfach vonstatten, weil es mit den Programmen "Nanoloop" und "Little Sound DJ" einigermaßen simpel zu bedienende Lösungen gab, die man via Cartridge ins Gerät stecken und loslegen konnte.

Seit Ende 2011 gibt es aber mit dem freien Software-Tracker "DefleMask" eine Lösung, die nicht nur unkompliziert ist, sondern auch noch mehrere Retro-Soundchips in sich vereint. Nun kann man etwa die originale Melodie von "Super Mario Bros." nicht nur 1:1 nachnotieren, das Musikstück wird nun auch mit den korrekten Sounds abgespielt.



Das klingt originalgetreu, weil "DefleMask" als sogenannter multi-system music tracker alle wichtigen Soundchips von alten Spielkonsolen und Heimcomputern unterstützt. Darunter jene von Sega Mega Drive, Nintendo Game Boy, Commodore 64 oder NEC PC Engine. Entwickelt wurde und wird "DefleMask" von einem argentinischen Entwickler und Chiptunes-Musiker namens Delek - erst Anfang 2013 hat er eine neue Version des Programms (v9) veröffentlicht und arbeitet ständig an weiteren Features.

"DefleMask" orientiert sich an den alten Tracker-Programmen, die ein bisschen so aussehen wie archaische Musik-Sequencer. Die Spuren laufen nicht horizontal von links nach rechts, sondern - so will es die Tradition - vertikal von oben nach unten. Normalerweise muss man in die Tracker Samples laden, weil werksseitig kein Klangerzeuger integriert ist. Bei "DefleMask" sucht man sich einfach seinen Lieblingschip aus und legt los.



Viele Chipmusiker/innen sind sehr puristisch und wollen ihre Musik nur auf den Originalgeräten produzieren bzw. hören. Software kann diesen Sounds zwar sehr, sehr nahe kommen, Fachleute hören natürlich trotzdem den Unterschied. "DefleMask" hebelt diese Kritik weitgehend aus, denn es kann die Songs in einem ROM-Format speichern, sodass diese bei Bedarf auch direkt von der jeweiligen Hardware, etwa einem Game Boy, angesteuert und gespielt werden können. Ebenso unterstützt wird das VGM-Format (Video Game Music). "DefleMask" ist ein Traum für jede und jeden, die oder der 8-Bit-Musik mag. Das Programm ist frei und für Linux, MacOS und Windows erschienen.

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  • zugverschrotter | vor 646 Tagen, 9 Stunden, 59 Minuten

    und wem 8bit nicht immer reichen

    der kann zwischendurch in seinem browser ein geiles rack zusammenstellen und drumpatterns für poly-bit crossover sounds kreieren

    http://www.audiotool.com/app

    ist zwar von einem getränkehersteller (ausnahmsweise einmal nicht der mit dem ochsen) gesponsert, aber das trifft ja auf so ziemlich die gesamte elektronikszene zu.

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  • parttimeidiot | vor 646 Tagen, 20 Stunden, 54 Minuten

    Leider geil ;)
    Danke für diesen Artikel!

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