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Musik, Film, Heiteres

Andreas Gstettner-Brugger

Vertieft sich gern in elektronische Popmusik, Indiegeschrammel, gute Bücher und österreichische Musik.

26. 1. 2013 - 15:53

Eispiratenparty

Die Open-Air-Bühne vom FM4 Geburtstagsfest mit den intergalaktischen Hypersounds von Gin Ga, Friska Viljor, Delphic und Marsimoto. Inklusive Eistorte.

FM4 Geburtstagsfest 2013

Radio FM4

Das fantastische FM4 Geburtstagsfest

Seit einigen Tagen geht mir ein skurriles Sci-Fi Abenteuer der 1980er durch den Kopf, Krieg der Eispiraten. Vielleicht ist es die klirrende Kälte, die mich an den aberwitzigen Trash mit Robert Urich erinnert.

Oder vielleicht ist es die FM4 Piratenflagge, die alljährlich über der Wiener Arena flattert, wenn vor der Open-Air-Bühne tausende Menschen in Ski-Ausrüstung eine Eisparty feiern. Ich habe mir auf alle Fälle schon wäremetechnisch ausgeklügelte Bekleidungsschichten zurechtgelegt, um auf die Ankunft unserer intergalaktischen Musikhelden vorbereitet zu sein (Schafwolle is the new loud!).

Open Air Bühne vom FM4 Geburtstagsfest

Christian Stipkovits

Auch wenn die äußere Wirtlichkeit heute Abend aller Wahrscheinlichkeit nach einem Besuch auf dem Planeten Hoth gleicht, wird die Feierstimmung und das dargebotene Musikuniversum unsere Herzen erwärmen.

Mit Spannung darf man vor allem Delphic erwarten, die sich mit ihrem zweiten Album "Collections", das sie erstmals hier präsentieren, neu erfunden haben. Und wenn der außerirdisch clevere Rapper Marsimoto die Bühne entert, dann wird Wien wieder green! Und vielleicht wärmt uns dann Marteria mit seiner Spacecrew Miss Platnum und Yasha mit einem musikalischen Feuer. Also, zieht Euch warm an und nix wie hin zur Arena Wien. Von dort gibt es ab sofort laufend News aus der Mitte des Geschehens!

This goes out to every boy and girl

Sie können es richtig gut, egal bei welcher Temperatur. Die heimischen Gin Ga bestechen von der ersten eiskalten Minute an durch ihre von trancigen Rhythmen getriebenen Songs.

Schlagwerker Matias Meno dürfte wirklich von einer anderen Welt stammen. Lediglich mit T-Shirt bekleidet bildet er das solide Fundament, über das sich Sänger und Gitarrist Axel Konrad in all seinen großartigen Posen nicht nur musikalisch inszenieren kann. Auch wenn die sich immer leicht verstimmende Geige ein wenig zickt, rocken die Jungs sehr tight und professionell das noch etwas zaghafte Eröffnungspublikum. Neben einem Hendrix-liken Intro/Refrain-Riff und extatischen Percussionschlägen grinst Gin Gas Live-Bassist unentwegt, während er die tief grabenden Lines zu den straffen Liedern spielt.

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Als übertragenes Geburtstagsständchen spielen uns die Indielieblinge einen ganz neuen Song heute zum ersten Mal. Mit eher zurückgelehntem Tempo erinnert dieses Premierenstück ein bisschen an Americana goes Indiepop. Mit "Fashion" und meinem Lieblingsstück "This Is Happening" zeigt das Quartett all seine Routine und Livererfahrung. Und wenn dann noch der galante, spacige Disko-"Dancer" ausgepackt wird, dann schreien alle Eiszapfen vor der Bühne kräftig mit. Ein wundervoller Festauftakt. Übrigens, ganz nebenbei gratuliert Axel uns zur Volljährigjkeit mit den Worten: "FM4 ist jetzt wehrdienstpflichtig!" Herzlichen Dank auch.

We will carry you

Ich kenne mich grade gar nicht mehr aus. Irgendwie war in meinem Kopf gespeichert, Friska Viljor würden traurige Songs für schunkelnde Betrunkene spielen. Vielleicht liegt es daran, dass die Schweden in einem Interview einmal gemeint haben, dass Musik schreiben ihre Therapie sei. Oder war es so, dass es billiger ist, als zum Therapeuten zu gehn? Egal. Was die fünf Skandinavier uns heute Abend bieten, ist ein Uptempo-Partyset, das wirklich niemanden mehr kalt lässt.

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Friska Viljor steht eine massive Europatour bevor:

13. 2.: Graz, PPC
14. 2.: Innsbruck, Weekender
16. 2.: Bern, Bierhübeli
17. 2.: Zurich, Mascotte
20. 2.: Frankfurt, Batschkapp
21. 2.: Munich, Theaterfabrik
23. 2.: Berlin, Huxleys
24. 2.: Köln, Stollwerck
21.-23. 2.: Hurricane/Southside

Spätestens bei "On And On" hüpft man zum Refrain auf dem Heu der Wiener Arena kräftig auf und ab. Auch die neuen Songs von dem kürzlich veröffentlichten fünften Album "Remember Our Name" fügen sich nahtlos in das schnelle Indie-Rock-Treiben ein. Es ist überaus lustig, mit anzusehen, wie die vier Frontmusiker wie ein geölter Zylindermotor gegen die Kälte anspringen. Langer grüner Parka, rote Wollmütze und dichter Bart, das ist wohl die beste Grundausstattung, die sich Sänger und Mandolinist Joakim Sveningsson für dieses Open-Air-Fest aussuchen konnte. Die Schlagkraft der Live-Performance und die Wucht des Sounds können sich durchaus mit jener von Arcade Fire messen, auch wenn da jetzt einige aufschreien werden. Aber in dieser Stunde hier bei unserem Geburtstagsfest in der Kälte versprüht dieser Auftritt wärmende Magie.

Und wenn Joakim dann noch ganz lapidar mit charmanten schwedischem Akzent meint, "We are going to try to play some more songs and it's going to be brilliant!", dann kann man eigentlich nur applaudieren. Selbst wenn die Euphorie aufgrund der vielen Handschuhe etwas leiser ausfällt als sonst.

Let's do something real

The spaceship has landed. Wie erwartet hypnotisieren Delphic mit ihren spacigen Sounds das Publikum. Die Jungs aus Manchester starten mit ihrer Single "Baiya" Sample-betont. Ein massiver Sound waltzt sich über die frierenden Köpfe, mit hämmernden Beats, fetzige Gitarrenriffs und geschmeidig mehrstimmigem Gesang. Delphic übertragen die perfekte Produktion von "Collections" sehr professionell auf die Bühne. Das entscheidende dabei ist, dass sich die Band genug musikalischen Freiraum lässt. Die Übergänge werden wie beim Debüt "Acolytes" fließend. Alles fügt sich zu einem großen, extatischen DJ-artigen Set zusammen, das Unterscheidungen zwischen organisch und elektronisch fast nicht mehr zulässt.

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In guter Underworld-Manier weiten sich harmonische Passagen in krautiger Repetition zu Trancenummern aus, die an elegischer Breite kaum zu überbieten sind. Dabei legen es Sänger James Cook und seine Musiker geschmackvoll episch an. Sie switchen zwischen Debüt und Nachfolger hin und her. So vermischen sich Dancetrack und Popsongs zu einem clever durchdachten, bis ins Detail durchchoreographierten Live-Gig. "Nothing's wrong today..." hallt durch die klirrend kalte Luft in die Nacht und über uns die Sterne. Der wummernde Bass, die Jungle-artigen, live gespielten Rhythmen, die abgestimmten Samples und Synthesizers, die feine Gitarrenarbeit, die bestechend starken Vocals, alles kommt hier zu einem tanzbaren Popdiscomix zusammen, den so manche, wenn nicht vor Kälte, dann vor Ehrfurcht erstarren lassen.

Zwischendurch darf dann auch mal die ganze Band in experimentelle, freiere Klangräume abdriften, um kontinuierlich einem erneuten Klimax entgegen zu steuern. Diese Musiker aus Manchester haben hart an sich und ihrer Show gearbeitet.

Ich bin dein Papa!

"Wo sind meine Marsianerinnen und Marsianer?" Das Publikum tobt, während der grüne Rap-Superheld Marsimoto durch den Bühnennebel groovet. Es grünt so grün, wenn die fetten Beats aus den Boxen blühn.

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Durch die Wucht des Basses fällt man fast in Ohnmacht. Die Heliumstimme vom anderen Hip-Hop-Stern hat uns sofort gefesselt und mit geschmeidigen Bewegungen im Plastikstretchanzug lässt Marsimoto ein Klanggewitter auf das nächste folgen. Da darf sich auch der werte DJ schon mal aus dem Schutz seiner Turntable-Burg herauswagen und zur Flying V-Gitarre greifen. Mit intergalaktischen Rhymes weiß Herr Marten Laciny - so heißt Marsimoto ohne grüne Maske - zu begeistern, denn sein Flow durchdringt wie heiße Lava die Kaltfront zwischen Bühne und Publikum. Die Masse hüpft stetig auf dem Stroh auf und ab, sodass der darunterliegende Schnee durch die herzliche Vibration fast zu schmelzen bereit wäre.

"Grün!" erschallt das Echo durch die Wiener Arena, Jubelgeschrei und Freudenpfiffe sind die Antwort. Was wäre wohl aus diesem cleveren Hip-Hop-Granden geworden, wenn er in seinem vielschichtigen Lebenslauf manchmal anders abgebogen wäre? Denn, wie Alex Hertel hier angemerkt hat, "Der ehemalige Profi-Fußballer des FC Hansa Rostock, Model und Schauspiel-Schüler hat sich zum Glück für eine Karriere als Rap-Musiker entschieden." Und so harren hier auch hunderte Menschen bei gefühlten minus tausend Grad aus, um den quirrligen Sprachakrobaten live zu sehen.

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Als schließlich die große, gelbe FM4 Geburtstagstorte stilecht zu Star Wars Klängen auf die Bühne gerollt wird, verwandelt sich der Marsianer zu Marteria, der mit Unterstützung von Miss Platnum und Yashs für einen smoothen Ausklang sorgt. Finally, we are 18! Das Alter, in dem man wählen darf, endlich den Führerschein macht, unabhängig wird und offiziell in die Erwachsenenwelt entlassen wird. Was von nun an auch immer kommt, jetzt wird erst einmal in der großen Halle weitergefeiert. Und das mit den wichtigsten Menschen, die diese Tradition hervorgebracht haben: Nämlich Euch!

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