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Musik, Film, Heiteres

Martin Blumenau

Geschichten aus dem wirklichen Leben.

27. 1. 2013 - 12:28

Afrikacup-Journal '13. Eintrag 9.

Der Favorit holt sich den Respekt zurück. Und für Algerien bricht nicht nur das Tor zusammen.

Das ist das gewohnte Special innerhalb des Fußball-Journals diesen Jahres: die Begleitung zum Afrika-Cup, der drittgrößten Kontinental-Meisterschaft des Planeten.

Das alles im Rahmen des Journal '13, das heuer thematisch wohl dem Twitter-Profil entspricht: "Martin Blumenau, Chief Coordinator bei Radio FM4, Moderator, Autor und Blogger zu den Themen Jugendkultur, Demokratie- und Medienpolitik, Musik und Fußball.

Natürlich ist die umgeknickte rechte Stange von Raïs M'Bolhi und das damit schon quasi kassandrisch prophezeite Aus für Algerien der Aufreger des gestrigen Tages gewesen. Und weil es bis zur letzten Gruppe gedauert hat, ehe ein Team sich schon vorzeitig, nach nur zwei Matches, verabschieden musste, ist dieser Abgang etwas ganz Besonderes. Vor allem, weil Algerien sowohl gegen Tunesien als auch gegen Togo die bessere Mannschaft war und das - bis zur schieren Verzweiflung - nicht und nicht in Tore umzusetzen verstand. Und als dann der Torpfosten derart symbolisch umknickte, war dieses Schicksal besiegelt.

Trotzdem: die relevantere Erkenntnis war die Rückkehr der ivorischen Helden. Der 3:0-Sieg gegen Tunesien war zwar eine Spur zu deutlich (die beiden letzten Tore fielen auch erst in den letzten 5 Minuten), aber auch Resultat einer entschiedenen Umstellung von Côte d'Ivoire-Coach Sabri Lamouchi. Der setzte seine Altstars auf die Bank (Kolo Toure, der eine miserable und Didier Drogba, der eine mäßige erste Partie hatte), zog den eh allzu defensiven Zokora in die Abwehr zurück, setzte auf Tiote und Romaric in der Zentrale und gab Yaya Toure die offensivste Rolle im Mittelfeld des an sich unveränderten 4-3-3.

Weil Zokora fehlerlos spielte, Drogba-Ersatz Lacina Traore ein echter Gefahrenherd ist und das neu organisierte Mittelfeld keine Aussetzer hatte, waren die Ivorer schnell spielbestimmend, gingen in der 21. Minute nach einem echten Powerplay in Führung (Gervinho) und ließen danach zum einen defensiv nichts zu und zum anderen auch offensiv nicht locker. Mit Drogba, Gradel und Ya Konan brachte Lamouchi die meisten der degradierten Spieler als Ersatz - auch ein gutes Zeichen für fehlende Allüren oder Beleidigtheiten. Und ich bin mir nicht sicher, ob sowas mit den Drogbas und Toures von vor drei, vier Jahren möglich gewesen wäre. Vielleicht ist es die Reife und Gelassenheit, die den Oldies dieser goldenen ivorischen Generation bislang gefehlt hat, um endlich den ersten greifbaren Erfolg einzufahren. Vielleicht ist der gestrige Sieg gegen Tunesien der Turnaround: denn so wie beim letztjährigen Turnier, als sich das Team der Côte d'Ivoire mit einem öden Match nach dem anderen in ein dann zurecht verlorenes Finale schummelte, und so wie beim ersten Spiel dieses Turniers, das an jene Unseligkeiten anknüpfte, konnte und durfte es nicht weitergehen.

Die im Vergleich zum ersten Match gegen Algerien (das sie aus einer nicht nachvollziehbaren Laune des Schicksals heraus gewonnen hatten) deutlich aktiveren Tunesier von Sami Trabelsi hatten gegen das, was der Franko-Tunesier Lamouchi da mit seinem Team leistete, nie eine Chance. Obwohl auch seine Revirements Hand und Fuß hatten: das undeutliche 4-2-3-1 aus Spiel 1 wurde zu einem 4-3-3 umgebaut: das bedeutete zwar weniger Offensiv-Kräfte, die wurden dafür aber effektiver eingesetzt. So war Msakni diesmal auch wirklich zu sehen und Khalifa konnte seine Laufstärke ausspielen.Und auch die vielen kleinen Umstellungen während des Matches (so wechselten Ifa und Boussaidi nach 20 Minuten ihre Rollen als Rechts- und Innenverteidiger) waren ansehnlich. Und auch die finale Umstellung auf 4-1-4-1 wäre okay gewesen, wäre sie nicht weitaus zu spät erfolgt. Um die Einwechslung von Altstar Dhaouadi habe ich Coach Trabelsi aus der Ferne schon ab Minute 60 angefleht. Tunesien steht jetzt ein direktes Duell um den Viertelfinal-Einzug mit Togo bevor.

Die Mannschaft rund um Adebayor war dreißig Minuten lang kaum zu sehen, kam dann zu einem schön herausgespielten, aber glücklichen Tor und verteidigte diesen Vorsprung dann bis zum Umfallen, bis in die 13. Minute der Torstangen-Umfaller-bedingten Nachspielzeit. Der haarnachwuchsmäßig ordentlich nachgedunkelte Didier Six hatte recht deutlich umgestellt, von 4-3-3 auf 4-2-3-1, und auch personell, auffälligster Neuer war der vereinslose Salifou auf der rechten Seite, während Gakpe (in Spiel 1 noch Center) links auflief und Adebayor die Zentrale über hatte. Eine Maßnahme, die es brachte: der Kapitän brachte seinen einzigen Ball im Tor unter, Gakpe war in Spiel 1 noch gescheitert.

Bis auf den Torerfolg war es bei Algerien ganz ähnlich: aus 4-3-3 wurde 4-2-3-1, die Abwehr wurde zur Hälfte erneuert, die Flügel erneuert und Spielmacher Feghouli durfte ins Zentrum. Alles sinnhafte Maßnahmen, die Feldüberlegenheit brachten, sich aber eben nicht und nicht in Toren niederschlagen wollten. Das wackelte in der 85. Minute dann so bedenklich, dass fast ein Abbruch im Raum stand. Nach einer knappen Viertelstunde ging's weiter, ein Konter brachte das 2:0 und besiegelte daas algerische Aus.

Das ist natürlich gemein. Dass nämlich eines der auffälligen Teams, eine der interessantesten Mannschaften des Turniers die erste sein muss, die rausgeht.

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