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Musik, Film, Heiteres

Andreas Gstettner-Brugger

Vertieft sich gern in elektronische Popmusik, Indiegeschrammel, gute Bücher und österreichische Musik.

31. 1. 2013 - 10:00

Nordische Popbeats

Sphärische Elektrobeats, Weltmusikfusionpop und melancholisch zerbrechliche Songwriterin. Der Spot On Denmark Abend im Wiener WUK bietet die gegenwärtig spannendsten Acts aus Dänemark.

Meine enge musikalische Verbundenheit mit Dänemark hat nicht nur mit den von mir sehr verehrten Kashmir zu tun. Auch nicht mit meinem großen Faible für Dänische Hot Dogs.

Es liegt vielmehr an der sehr bunten und qualitativ unglaublich dichten Musiklandschaft des hohen Nordens. Wann immer ich auf das Spot Festival nach Aarhus fahre, komme ich mit einigen Neuentdeckungen zurück. Und von denen wiederum geben sich ein knappes Jahr darauf bei einem Spot On Denmark Tag in Wien die Ehre. Diesmal wird am Freitag 01. Februar das Wiener WUK bespielt. Mit drei großartigen Acts, versteht sich.

Hier wird mächtig geklotzt

Eine Stimme wie aus einem anderen Universum. Etwas unheilvoll und zugleich betörend erhebt sie sich über trockene Beats und weit verzweigte Soundflächen. Ein gewisser New Wave Charakter könnte man den Tracks der Dänischen Elektropopband Rangleklods schon attestieren. Wie bei dem wundervoll in das wundervoll bebilderte Fauna- und Flora-Reich versetzte Stück "Riverbed".

ranglekolds

Jonas Bang

Eine gewisse Verträumtheit mit Hang zur Traurigkeit kann man Produzent Esben Andersen sicher nicht absprechen, wenn bei "Clouds" ein steter Rhythmus das Blut durch die verwirrenden Jugendjahre pumpt.

Live ist das natürlich ein bisschen eine andere Geschichte. Da massieren dann doch die Bässe die Magengrube, da darf dann auch mal richtig in Dance-Manier mit lautem Club-Pop geklotzt werden. Die Bühnenpräsenz konnten die Dänen letztes Jahr beim Waves Festival schon unter Beweis stellen. In "heimeliger" Atmosphäre des WUK (ein Location, die wohl bei jedem Konzert durch den unglaublich guten Sound besticht) wird sicher auch der eine oder andere Schweißtropfen des ekstatisch tanzenden Besuchers durch die trockeneisneblige Luft segeln.

Mit gebrochener Simme

"Hold On To Nothing" ist der Titel einer EP, die in Skandinavien derzeit hohe Wellen schlägt und auch unsere musikalische Mdienküste erreichen sollte. Hinter Broken Twin steckt die zerbrechliche Stimme von Sängerin Majke und das verschrobene Elektronikmosaik eines ihrer früheren Bandkollegen. Die "Beaches" von denen Broken Twin singt, sind einsam und verlassen. Über dem spiegelglatten Meer ziehen Nebelschwaden lautlos am Horizont entlang. Majkes Stimme lässt einen nicht kalt, sondern berührt durch ihre Klarheit und Unmittelbarkeit. Hier entstehen große Gefühle zu großen und zugleich wenigen Akkorden.

Broken Twin

Broken Twin

Das entfernt klingende Piano, das auf einem staubigen Parkettboden des Wohnzimmer eines verlassenen Standhäuschens stehen könnte, untermalt die atemberaubende, tief traurige Ballade "Out Of Air". Und das unterschwellig quirlige "The Lights"besticht erneut durch zartes Songwriting und wundervollem Chorgesang. Produziert wurde dieses kostbare EP-Juwel übrigens von Brian Batz alias Sleep Party People. Angeblich wird auch schon fieberhaft in einem Studio in Dänemark an den Debüt gearbeitet. Und ihr könnt kommenden Freitag Broken Twin noch als richtigen Geheimtipp erleben.

Verträumter Eklektizismus

Was als Trio begann, ist nach nur einem Jahr zu einer siebenköpfigen band angewachsen, die mit ihrem selbst betitelten Debüt gleich auf Platz 9 der Dänischen Charts eingestiegen ist. Viel Vorschlusslorbeeren also für The Eclectic Moniker, die - was das musikalische betrifft - ihren Namen zu Recht tragen. Der südländische Calypso-Sound von "Easter Island", der unweigerlich an Palmenstrand, und dort tanzende, mit Blumenketten behängte, braun gebrannte Menschen denken lässt, wirkt gleich mal wie Balsam für die Großstadtseele. Aber es ist vor allem die unglaublich intensive Stimme von Frederik Vedersø, die einen in den Bann schlägt.

The Eclectic Moniker

Daniel Buchwald

Es ist auch der sonnendurchflutete, leichtfüßige Sound des Kollektivs aus Kopenhagen, der einem unweigerlich das Lächeln aufs Gesicht zaubert. Sich traurig oder alleine zu fühlen funktioniert nicht, wenn man sich The Eclectic Moniker anhört. Die sieben Musiker bringen einen dazu, selbst in dunklen Zeiten die helle, schöne Seite des Lebens zu sehen. Ein Song wie "Going To Paris", der mit seinem frischen Mix aus Percussion, aberwitzigen Gitarrenlinien und einer mächtigen Portion Elektronik einem Zuckungen im Tnazbein beschert, wird sicher auch das Publikum des Wiener WUKs zu einer großen, freudigen, sich amüsierenden Familie zusammenschweißen. Und sogar als reines Trio wissen The Eclectic Moniker bei einer Acoustic-Session zu überzeugen.

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