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7. 3. 2014 - 17:58

Puber was here

Am Donnerstag wurde der gesuchte Schweizer Sprayer PUBER angeblich in Wien verhaftet. Ist das Katz und Maus-Spiel mit der Exekutive nun vorbei? Was wollte uns Puber mit seinen Aktionen sagen? Wie sind die Reaktionen darauf?

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Der Schweizer Graffiti-Writer PUBER hat in Wien seit Monaten gehörig für Aufregung gesorgt. Nun ist er laut Medienberichten verhaftet worden.

Nun ist es also passiert: der Schweizer Graffiti-Writer PUBER wurde laut Medienberichten in einer Wohngemeinschaft in Wien verhaftet und abgeführt. Publik wurde die Geschichte durch eine merkwürdig reißerische Fotostrecke des Polizei-Einsatzes auf der Webseite vom Vice-Magazin. Ob die gezeigte Person tatsächlich für alle Puber-Tags in Wien verantwortlich ist, muss erst bewiesen werden. Auch für ihn gilt die Unschuldsvermutung. Eine derartig peinliche Story hat nichts mit investigativem Journalismus zu tun, sondern erinnert eher an die düsteren Zeiten des Prangers und löst bei mir großes Unbehagen aus. Aber alles der Reihe nach. Was ist passiert?

Graffiti Schriftzug Puber auf einer Hauswand

APA/HELMUT FOHRINGER

Im Grunde nichts Neues

Vor knapp einem Jahr ist mir der Name PUBER erstmals in Wien aufgefallen. Ich kannte das Tag (= Namenskürzel) bereits von diversen Reisen nach Zürich, denn entlang der Banhstrecke vom Schweizer Flughafen in die Stadt taucht der Name ebenfalls häufig auf Lärmschutzwänden und Brückenpfeilern auf.

Ob es sich um die gleiche Person handelt, ist bis heute offiziell nicht geklärt. Theoretisch kann jede und jeder mit Spraydose und Stiften losziehen und beliebige Namen schreiben. Jedes einzelne Tag muss akribisch nachgewiesen werden, bevor ein Mensch dafür bestraft werden kann.

Wer auch immer für die Puber-Graffiti in Wien verantwortlich ist, hat im Grunde nichts Neues gemacht. Das Phänomen, dass eine Person den Namen ihres Alter Egos illegal in der ganzen Stadt platziert, gibt es schon sehr lange. In Philadelphia wurde Ende der 60er Jahre ein gewisser "Cornbread" zum gejagten stadtbekannten Phantom. In New York hat Anfang der 70er Jahre der heute weltberühmte TAKI 183 genau das gemacht, was Puber in Wien gemacht hat: seinen Namen "All City", also in der gesamten Stadt, verbreitet. Ein viel beachteter Artikel einer New Yorker Zeitung von damals gilt als Urknall für die rasante Verbreitung und Weiterentwicklung von Graffiti in NYC und weit darüber hinaus. Denn Taki 183 wurde erst dadurch wirklich prominent. Heute stellt er, der als einer der Pioniere urbaner Kalligraphie gilt, seine Tags auf Leinwänden in renommierten internationalen Galerien aus und verdient damit Geld.

Antikes Graffiti von Kyselak

CC BY-SA 3.0 AT - http://commons.wikimedia.org/wiki/User:Kyselakproject

Und sogar Österreich hatte Anfang des 19. Jahrhunderts bereits einen Puber: er hieß Joseph Kyselak, war Hofkammerbeamter und passionierter Alpinist. Auf seinen zahlreichen Reisen und Wanderungen hat er mit Meißel, Hammer und schwarzer Ölfarbe auf Ruinen, Bergspitzen, in Höhlen und auf zahlreichen anderen Oberflächen seinen Namen eingraviert. Manche dieser frühen Tags sind noch heute sichtbar. Kyselak war wahrscheinlich der erste Tagger weltweit. Und auch er wurde damals vom Kaiser gerügt, heute werden über ihn Bücher geschrieben und Filme gedreht.

Ruhestörung in Wien

Wien wird im Vergleich mit anderen Metropolen manchmal nachgesagt, langsamer und "gemütlicher" zu sein. Bezogen auf die heimische Graffiti-Szene trifft das auf jeden Fall zu. Denn Städte wie Berlin, Paris oder Amsterdam haben seit Jahrzehnten jährlich mit zig Sprayern vom Typ Puber zu tun. Hamburg hat OZ, Berlin die 1UP-Crew, San Francisco hatte TWIST (der heute übrigens einer der bestbezahlten Künstler der Bay Area ist), Paris hatte O'CLOCK, TRANE und HORFE. Es grenzt also fast an ein Wunder, dass Wien erst 2013/2014 mit einer derartig intensiven Graffiti-Serie konfrontiert wurde (abgesehen von einem gewissen "LUXUS", der ebenfalls seit vielen Jahren zum Wiener Stadtbild gehört). Die Bundeshauptstadt war somit ein dankbarer Ort für den Farbrausch des Schweizer Writers. Denn die Konkurrenz ist hierzulande vergleichsweise zahm, friedlich und zurückhaltend. Die Stadt Wien bietet zahlreiche legale Flächen (zum Beispiel die Wände am Donaukanal) für Graffiti-Sprayer an und ist vergleichsweise liberal im Zur-Verfügung-Stellen von zu bemalenden Wänden im öffentlichen Raum. Puber hat diesen "Frieden" mit seinem provokant-aggressiven Graffiti-Zugang kurzzeitig gestört.

Graffiti "Puber" an einer Hauswand

APA/HELMUT FOHRINGER

Riesengroße Tags mit Spraydosen auf Hausfassaden, übermalte Bilder und Signaturen anderer Künstler, provokante großkotzige Sprüche, angebliche körperliche Gewalt und Drohungen gegen andere Writer, etc. Sympathieträger sehen anders aus. Die Meinung innerhalb der Szene zu Puber ist dementsprechend gespalten. Manche hassen ihn für seinen respektlosen Zugang, seine Ignoranz und die teilweise wirklich blöden Sprüche, die er neben seine Bilder gemalt hat. Andere bewundern den scheinbar unsichtbaren Outlaw, der sich an keine Regeln hält und der vermeintlich macht, was er will, ohne gestoppt werden zu können. Immerhin riskiert hier jemand alles, nur um wahrgenommen zu werden. Das hat auch was mit Idealismus zu tun, denn mit illegalem Tagging lässt sich kein Geld verdienen, ganz im Gegenteil: es ist anstrengend, stressig und gefährlich. Man hat keinen wirklichen sozialen Mehrwert, denn illegale Sprayer halten ihre Tätigkeit aus Eigenschutz meist geheim, involvieren oft nicht mal ihre Freunde oder Lebenspartner und müssen mit einer gewissen Paranoia leben. Ein glamouröser Lifestyle sieht anders aus.

Wer so offensichtlich am sprichwörtlichen "Watschenbaum" rüttelt wie Puber, der bekommt früher oder später meist die Rechnung dafür präsentiert. Es war nur eine Frage der Zeit, bis das Projekt "Puber goes All City" in die Hose geht. Irgendwann macht jeder Fehler oder wird verraten. In seinem Fall - vorausgesetzt, dass er für alle Tags verantwortlich gemacht wird - könnte sich das fatal auf die weitere Lebensplanung auswirken. Denn abgesehen von einer Gefängnisstrafe sind vor allem die hohen Schadenersatzforderungen, die auf ihn warten, existenzbedrohend. Ich gehe allerdings davon aus, dass Puber diese Konsequenzen als realistischen Teil des "All City"-Lifestyles akzeptiert hat.

Schockierende Schadenfreude und Doppelmoral

Nach dem Bekanntwerden seiner Verhaftung haben sich die Meldungen zu Puber in diversen Social Media-Plattformen und Online-Medien überschlagen. Überraschend war für mich nicht seine Verhaftung, sondern die Reaktion darauf. Abgesehen vom letztklassigen Vice-Artikel fand ich es sehr beklemmend, wie vermeintlich kritisch und liberal denkende Menschen zu einem wütenden Internet-Mob werden, der fremdes Eigentum mit einer Vehemenz verteidigt, als ginge es um ihre persönlichen Besitztümer. Ich möchte kurz in Erinnerung rufen, dass Puber in erster Linie mit Farben durch die Stadt gezogen ist. Und obwohl es illegal ist, fremdes Eigentum mit Spraydosen zu bemalen, so kann man trotzdem darüber diskutieren, ob es Sachbeschädigung ist, wenn jemand eine dünne Farbschicht aufträgt. Alle Häuser stehen noch, sind funktionstüchtig und sogar bewohnbar. Klar, die Optik einer Stadt oder Straße verändert sich durch Graffiti. Bunte Farben sind nicht von allen erwünscht, das kann und muss man akzeptieren. Doch wer fragt eigentlich, ob wir Leuchtreklamen, Logos großer Konzerne und Werbeplakate für diverse Produkte an jeder Straßenecke sehen wollen?

Das Argument, dass das okay sei, weil die Firmen dafür zahlen und Genehmigungen haben, ist - wie ich finde - ein schwaches. Denn im Grunde ist Werbung nichts anderes als Graffiti, mit dem Zweck, ein Produkt zu verkaufen. Daran sind wir gewohnt, das ist toleriert und für alle in Ordnung. Was die Menschen verwirrt, sind Botschaften ohne vermeintlichen Sinn dahinter. Puber? Was ist das? Was will der? Warum schreibt der seinen Namen überall hin? Spinnt der? Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht.

Graffiticollage des Graffiti "Puber"

APA/HELMUT FOHRINGER

Der P-Promi Faktor

Egomanie und einen Hang zu Größenwahn kann man Puber in jedem Fall nachsagen. Er hat es scheinbar genossen, innerhalb kürzester Zeit prominent und Gesprächsthema in Hipster-Zirkeln, bei Politikern und Stadtbewohnern geworden zu sein. Ich kenne ihn nicht persönlich und kann nicht erklären, was ihn angetrieben hat und ob dahinter eine größere Botschaft steckt. Ich möchte die Person Puber und seine Aktionen auch nicht verteidigen. Als Kenner der Szene möchte ich aber ein paar grundsätzliche Dinge erklären und Widersprüche aufzeigen.

Was Puber auf jeden Fall geschafft hat, ist zu polarisieren und aufzufallen. Denn Graffiti ist eine sehr puristische Form der Kommunikation. Tags sind die einfachste und schnellste Variante, seinen Namen auf einer Oberfläche zu hinterlassen. Aus diesen ordinären Unterschriften haben sich im Laufe der Jahre die aufwendigen, bunten, komplexen und illustrativen Graffiti entwickelt, die wiederum von einer verhältnismäßig großen breiten Masse akzeptiert werden. Nur: das Eine gibt es ohne das Andere nicht. Wer Street Art und Graffiti schätzt, muss auch Tags und Handstyles als deren Ursprung akzeptieren. Oft stecken exakt die gleichen Künstlerinnen und Künstler hinter den vermeintlich hässlichen Tags.

"Die bunten Bilder mit den Gesichtern, Pfeilen und Figuren find ich toll. Aber diese hingeschmierten Unterschriften sind das Allerletzte. Das kann ja jeder."

Ein Argument, das man immer wieder in der Diskussion über Graffiti hört. Es zeugt von Unwissenheit und Ignoranz. Bewohner urbaner Räume werden sich im Jahr 2014 wohl oder übel daran gewöhnen müssen, dass Graffiti Teil des gegenwärtigen Stadtbildes geworden sind. Das muss nicht immer schlecht sein. Denn oft sind es genau die Graffiti-frequentierten Bezirke, in denen die interessantesten Clubs, Pop-Up Stores, Restaurants, Plattenläden und jungen Büro-Gemeinschaften zu finden sind. Denn je sauberer und feiner eine Straße bzw. ein Viertel ist, desto teurer sind tendenziell die Mietpreise.

Aus Eigenerfahrung weiß ich, dass es nichts schlimmeres gibt, als sterile, graue, völlig kontrollierte Städte mit Spiegelfassaden und Bürotürmen. Rotterdam hat das in den letzten Jahren kurzzeitig probiert. Nachdem Street Art und Graffiti Ende der 90er Jahre die Straßen der Design-affinen holländischen Hafenstadt geprägt haben, wurden überall Überwachungskameras installiert und alle Wände gereinigt. Das war, verglichen mit dem alten Rotterdam, plötzlich irrsinnig langweilig und hat sich auf den Vibe in der Stadt negativ ausgewirkt. Außerdem sind die Kosten für die wöchentliche Reinigung irgendwann explodiert. Mittlerweile kehren die bunten Bilder, Tags und Sticker wieder langsam zurück ins Stadtbild und es fühlt sich subjektiv gesagt besser an. Eine Meinung, die auch viele Locals mit mir teilen. Denn dort, wo Menschen leben, darf man das durchaus auch sehen und spüren. Rotterdam orientiert sich jetzt interessanterweise an Wien und hat unlängst Enzis wie im MQ in der Stadt aufgestellt, um wieder mehr junge Menschen zum Verweilen auf der Straße und auf öffentlichen Plätzen zu animieren.

Sperrt ihn ein! vs. Free Puber

Dass Menschen in Online-Foren ernsthaft fordern, Puber solle doch mit einer Zahnbürste alle seine Tags entfernen, jagt mir eine Gänsehaut über den Rücken. Seriously?

Wenn ehemalige Punks auf Facebook "keine Gnade" schreiben und vermeintlich links-liberale Hipster "Höchststrafe!" fordern und über seine Verhaftung jubeln, dann frag ich mich schon, was da los ist. Besonders dann, wenn exakt diese Leute bei Vernissagen hipper Street Artists (die meist auch eine Tagging-Vergangenheit haben) in Galerien anzutreffen sind, um dort den neuesten "ROA", "Shepard Fairy-Print" oder Miss Van-T-Shirts zu kaufen. Da wurde offensichtlich etwas falsch verstanden. Man denke nur an die Marke OBEY, die heute weltbekannt ist und ebenfalls als illegal angebrachte Poster- und Sticker-Kampagne jahrelang für Verwirrung gesorgt hat. Wer weiß. Vielleicht wird über Puber in vierzig Jahren ein Buch geschrieben und es würde mich nicht wundern, wenn irgendwann Original-Mauerstücke mit echten Puber-Tags aus Wien für viel Geld im Dorotheum versteigert werden. Alles ist möglich. Das zeigen Karrieren von Künstlern wie Basquiat, Banksy oder dem illegalen New Yorker Graffiti-Sprayer COPE2, der heute in Kunstkreisen hofiert wird.

Puber ist ein Vertreter der puristischsten und unbeliebtesten Form von Graffiti. Er ist als No Name nach Wien gekommen, ein Jahr später kennen ihn alle. Somit hat er sein Ziel erreicht. Er hat durch seine Tags mit seiner Umwelt kommuniziert und eine Diskussion angestoßen, die es so zuvor nicht gegeben hat. Der Bezirksvorsteher vom 7. Wiener Gemeindebezirk hat ihn via Tafel darauf aufmerksam gemacht, dass es letztklassig sei, die Malereien von Kindern zu übermalen. Das hat er mit einem Tag auf jener Tafel quittiert. Und die Redaktion von The Gap hat nach einem mittelmäßigen Artikel ebenfalls ein Puber-Tag auf die Fensterscheibe bekommen. Gleichzeitig fühlen sich wiederum andere Sprayer dazu bemüßigt, seine Tags mit einer "Reiß dich zam"-Schablone zu übermalen. Eine Form der Kommunikation im urbanen Raum, die nur dann funktioniert, wenn jemand polarisiert und aufregt. Und das tut Puber auf jeden Fall.

Mittlerweile gibt es sogar ein "Free Puber"-Movement (war auch irgendwie klar) und Ambitionen, diverse Benefiz-Partys für ihn zu veranstalten, um Anwaltskosten, etc. zu bezahlen. Es bleibt spannend, wie sich der Fall weiterentwickelt und welche Konsequenzen das auf Graffiti in Wien haben wird.

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  • nicknamexy | vor 226 Tagen, 15 Stunden, 35 Minuten

    Pfui Puber...

    Puber? Wieder ein kleiner Volldepp, der glaubt wichtig zu sein. Und sein Style? Er hat Keinen. Ist Puber ein Graffiti Künstler? Nein!
    Er ist und bleibt ein Stadt-Verschmutzer!
    Es gibt so viele "schöne" Graffitis echter Sprüher. Grafiken, welche wirklich als Kunstwerk gesehen werden können.
    Aber ein Vollkoffer, welcher nicht mal g´scheit seinen Namen schreiben kann, wird auf einmal in den Himmel gehoben.
    Bekommt sogar eine Ausstellung?!?!?

    Auf dieses Posting antworten
  • fm4isthepitsman | vor 800 Tagen, 3 Stunden, 1 Minute

    FM4 says:

    Marginalisiert alle Graffiti-Sprüher.
    Sie sind schlecht und dumm.

    Auf dieses Posting antworten
  • thomast | vor 929 Tagen, 6 Stunden, 31 Minuten

    Der Autor übersieht einige,

    kleine, fast schon irrelevante Aspekte.

    Allen voran den, dass diese Verbrecher nur existieren können, weil sich alle anderen an die Gesetze halten.

    Würden die Geschädigten z.B. illegal Kameras aufstellen, dann wäre Puber wie die anderen Verbrecher rasch gefasst. Da man ihn nicht gut der Polizei ausliefern kann, müsste man ihn verprügeln oder Schlimmeres.

    Wenn der Autor meint, Dinge wie Happy Slapping oder Farbschmierereien wären keine Verbrechen sondern "Kunst", soll er doch selbst den Beweis erbringen! Er muss nur sagen wo er wohnt, ich komme dann vorbei, und dekoriere Seien Wohnung um, wie ich es für "künstlerisch wertvoll" halte.

    Auch Piercings und Tätowierungen sind "Körperkunst", es wird den Autor daher sicher nicht stören, wenn ich ihm gegen seinen Willen "Depp" auf die Stirne tätowiere (ist ja nur eine bissi Farbe, da darf sich niemand dran stören und meiner Ansicht nach ist es auch keine Körperverletzung) und ihm einige Piercings im Gesicht anbringe.

    Ich würde dem Autor auch gerne etwas sehr Kunstvolles angedeihen lassen, eine Rasur (und ich meine da kein Gesichtswaxing) oder einen invertierten Irokesenschnitt.

    Ich würde auch gerne täglich die Kleidung des Autors kunstvoll umdekorieren, da braucht es ja nur eine Schere.

    Der Autor muss...

    Auf dieses Posting antworten
    • thomast | vor 929 Tagen, 6 Stunden, 26 Minuten

      ... auch wasserscheu sein, er will nicht, dass man ihm täglich (auch mehrmals) als "performance art" einen Eimer Wasser übergiesst, ist doch nur gutes altes H2O.

      Es scheint also recht einfach belegt zu sein, dass Sprüher und andere Verbrecher und deren Verteidiger - wie der Autor - es dringend vorziehen, *nicht* Ziel der künstlerischen Betätigung anderer zu werden.

      "Street Art" also Parkbänke zerstören, Mistkübel anzünden, Fahrräder beschädigen, Scheibenwischer und Seitenspiegel abreissen, Fenster einschlagen, Farbspritzereien etc.etc. sind alles Dinge, deren Erduldung der Autor immer nur von anderen erwartet, ....

  • 0ttod0 | vor 933 Tagen, 11 Stunden, 45 Minuten

    Wenn es so cool und hipp und modern ist...

    ... sich über geltendes Recht hinwegzusetzen, das Eigentum anderer zu zerstören und das ganze auch noch als kulturelle Meisterleistung zu betrachten: Warum wandern die Leute, die so denken, nicht einfach nach Somalia aus? Dort gibt es keinen funktionierenden Staat, kein Rechtssystem, keine Probleme mit spießigen Kleinbürgern.

    Auf dieses Posting antworten
    • yestheylivebaby | vor 933 Tagen, 10 Stunden, 34 Minuten

      ob du's glaubst oder nicht...auch somalia hat ein rechtssystem...welches beispielsweise "piraterie" strengstens untersagt!

      it's a wild world.

    • softmachine | vor 933 Tagen, 8 Stunden, 10 Minuten

      warum gründen reiche, die denken eine stadt wäre ein privatgut, nicht ihre eigenen gated communities oder wandern als einsiedler in die wüste aus ? im übrigen: O5

    • miikesmama | vor 933 Tagen, 6 Stunden, 27 Minuten

      @softmachine: Könnte es aber auch sein, dass nicht nur "Reiche", sondern auch Normalverdiener und Arbeitslose sich wünschen, dass ihre Stadt so bleibt wie sie ist, und nicht durch Graffitis "verschönert" wird? Oder hat das für dich wirklich alles mit dem Klassenkampf zu tun?

    • yestheylivebaby | vor 933 Tagen, 2 Stunden, 52 Minuten

      es darf keinen Klassenkampf geben.

      und deshalb:

      ACKERMANN

      (mit victory-zeichen)

  • miikesmama | vor 934 Tagen, 2 Stunden, 22 Minuten

    Das neue Biedermayertum gegen Streetart?

    Auch wenn das bieder, prüde, nach Mainstream, altertümlich und obsolet klingt: ich mag die Architektur dieser Stadt, und sie dermaßen verschandelt zu sehen, tat schon irrsinnig weh.

    Denn eins ist klar, wenn DAS als Streetart gilt würde ich gerne über den Begriff "Art" diskutieren. Ich fahre jeden Tag am Donaukanal Richtung Heiligenstadt und bin jedes Mal erstaunt, mit wie viel Hingabe, Talent, Ideenreichtum und ja, Handwerk, da einige mit Spraydosen diese Betonpfeiler besprühen. Bei vielen dieser Bilder tut es fast weh, dass sie irgendwann einmal von neuen überdeckt werden. Da steckt eine Vision dahinter, ein künstlerischer Ausdruck, eine Idee, das was Puber macht, macht hingegen jeder Hund: überall schnell Hinpinkeln um zu zeigen "I was here"...

    Der Vergleich mit Werbung hinkt auch ganz schön: egal wie man zu dieser Konsumgesellschaft steht, in 99% der Fälle sind Werbungungen ja rein visuell ansprechend und durchdacht und vor allem: an ihrem Platz, eingesperrt hinter ein paar Glasscheiben bei einer Bus-Station oder hängend auf Billboardwänden. Sie zerstören/verschandeln keine Hausfassade, und jeder von uns hat gelernt mit ihnen umzugehen und sie auch auszublenden. So ein Scheiß "Puber" auf einem wunderschönen Gründerzeithaus im 9.ten Bezirk bspws. zu sehen,...

    Auf dieses Posting antworten
    • miikesmama | vor 934 Tagen, 2 Stunden, 22 Minuten

      das ist ein ganz anderes Kaliber.

      Also bitte, anzeigen, anklagen, einsperren für möglichst lange - auch um ein Signal an mögliche Nachahmungstäter zu schicken...

    • elchaos | vor 933 Tagen, 22 Stunden, 51 Minuten

      ich persönlich tu mir wesentlich schwerer, werbung auszublenden als graffiti. gerade weil tags selten etwas kommunizieren, mehr ornamentalen charakter haben. werbung schreit mich an: lies mich, schau mich an, ich will dir was sagen, ich will in deinen kopf und dort spuren hinterlassen. da muss man sich schon viel aktiver dagegen wehren. unbewusste nebenwirkungen nicht ausgeschlossen.

      für mich persönlich ist 99% der werbung im öffentlichen raum "verschandelung", graffiti ist mir wurscht oder hinundwieder ein hingucker im positiven sinne.

      aber ja, ästhethik ist geschmackssache und jede/r hat ein recht auf eine eigene position. ich verstehe und respektiere, dass andere das anders empfinden.

    • softmachine | vor 933 Tagen, 22 Stunden, 49 Minuten

      kronenzeitungsscheisse. was ist hier bitte los ? kakaniertreffen ? die stadt als museum veteranen ? wir sagen: habsburgerpissgelbanstreicher ab nach madeira ins exil !!

    • elchaos | vor 933 Tagen, 22 Stunden, 45 Minuten

      was mich trotzdem verblüfft: wie sehr ich hier in der minderheit bin. und dass die mehrheit sich zwar an dem tag am gründerzeithaus stört, nicht aber an der werbetafel direkt davor/darüber/daneben. das ergibt für mich keinen sinn. müsste man sich nicht zumindest von beidem gestört fühlen, wenn man die klassische ästhethik schätzt?

      (zwischenfrage: findest du 99% der werbungen visuell ansprechend weil sie attraktive frauen in suggestiven posen präsentieren? nichts gegen attraktive frauen und suggestive posen, aber ich würd mir gern ansuchen können, wann ich mir die anschau.)

      und wenn du werbung ausblenden kannst, warum dann nicht den puber?

    • yestheylivebaby | vor 933 Tagen, 13 Stunden, 2 Minuten

      @vergleich schiache werbetafel non Coca-Cola/schiaches puber-kraxl

      ich würde irrsinnig gern den gesamten atommüll und alle atomwaffen einfach aufessen und als klare, saubere luft wieder rausfurzen. ich hab das analysiert und bin zum ergebnis gekommen: das schaff ich nicht. bin aber voll dafür, daß das jemand schafft, würd demjenigen mindestens die füße waschen..

      wenn mir allerdings eine taube auf den kopf scheisst, würde ich mir die haare waschen und mich über die taube ärgern. "scheißtaube!" würde ich sagen und die sache schnell wieder vergessen. an meiner einstellung zu tauben würde das nicht viel ändern. ich mag sie nicht besonders, finde aber auch nicht, daß man sie einsperren oder umbringen sollte..

      die "atomsache" würde mich weiterhin beschäftigen und ich würde mich jeden tag ärgern, daß ich dagegen nichts tun kann und , daß sonst auch niemand was tut...
      aber es ist halt so.

    • elchaos | vor 933 Tagen, 12 Stunden, 39 Minuten

      schöne geschichte, yestheylivebaby!

      es gibt halt leute, die haben ein problem mit tauben. und leute, die gegen atomenergie mobil machen. pick your battles.

    • miikesmama | vor 933 Tagen, 12 Stunden, 33 Minuten

      @elchaos: Die Sache mit den Werbetafeln, da gehts für mich wie schon erwähnt um die Platzierung. Wo sieht man Werbung im öffentlichen Raum? Ich bemerke sie vorwiegend bei Öffi-Haltestellen (zwischen Glas), als Abgrenzung von Strassen- zu sonstigen Flächen als Billboardwände, manchmal sind auch Gerüste beim Fassadenbau durch Werbung verhüllt. All das ist aber (ganz bieder) an "seinem Platz", kann nächsten Monat wieder weg sein, und die Wiener Linien/der Brachlandbesitzer/die Baufirma verdient ja auch daran.

      Und wie gesagt, im Gegensatz zum Tag ist Werbung NICHT permanent "auf dem Haus" angebracht. Übrigens stört mich dumme, billige und/oder sexistische Werbung genauso wie der Puber, aber most of time sinds einfach schön-bunte Bilderl, über die die Augen drüber-fliegen und in der nächsten Sekunde wieder vergessen haben...

    • miikesmama | vor 933 Tagen, 12 Stunden, 28 Minuten

      Aber irgendwie kommt mir die Diskussion ein bischen aufgeblasen vor. Zumindest ich habe vor der Verhaftung zwar Pubers "Werke" gesehen, aber nichts von ihm gewusst (ich dachte auch nicht an eine Einzelperson sondern an eine Gang oder Gruppe o.ä.). Wir reden doch nur plötzlich über Kunst und Werbung im öffentlichen Raum, weil der Mensch jetzt geschnappt wurde. Also bitte, um beim Thema zu bleiben, wenn er Gesetze verletzt hat muss er sich dafür verantworten wie jeder andere auch, oder etwa nicht?

    • elchaos | vor 933 Tagen, 11 Stunden, 43 Minuten

      klar, eigenverantwortung.

      mir gehts halt mit graffiti tendentiell wie dir mit werbung: "bunte Bilderl, über die die Augen drüber-fliegen und in der nächsten Sekunde wieder vergessen haben". der unterschied ist nur dass graffiti keine botschaften in meinem unterbewussten hinterlassen (wollen). das macht sie mir sympathischer.

      und selbst wenn die jeweilige werbung wechselt, die werbeflächen sind meist langlebiger natur. dass auch noch wer dran verdient(!!!), dass ich mich visuell und inhaltlich belästigt fühl, ist für mich definitiv kein pluspunkt. das ist verwertungslogik, die nur auf gewinnmaximierung zielt und auf alles andere scheisst. so wie puber nur auf seine ego-befriedigung zielt und auf alles andere scheisst. ein spinner vs ein ganzes system. in beiden fällen realität, mit der man sich auseinanderzusetzen hat.

    • elchaos | vor 933 Tagen, 11 Stunden, 42 Minuten

      und wir können uns halt genausowenig aussuchen, ob man uns ne halbwegs intelligent-ästhethische oder ne sexistisch-dumme werbung vors haus hängt, wie wir uns aussuchen können, ob wer puber, strache 4 bürgermeister oder ein kunstwerk sprayt.

      man kann nicht alles haben.

    • yestheylivebaby | vor 933 Tagen, 10 Stunden, 58 Minuten

      ich meinte, gegen hässliche werbetafeln im öffentlichen raum, die (von wem auch immer) genehmigt wurden, kann ich in meiner derzeitigen situation wenig tun, außer dagegen sein.
      ein, in meinen augen, hässliches tag auf meiner hauswand kann ich entfernen und gegebenenfalls schadenersatz fordern.

      oder anders: wenn jemand die komplette sahara zuscheisst, werde ich nicht hinfliegen und alleine mit den aufräumarbeiten beginnen.

      wenn mir tony montana vor die tür scheisst, werde ich ihn nicht gleich mit einer kettensäge attackieren...

      bei jedem anderen würde ich verärgert reagieren und versuchen etwas zu unternehmen, damit das nicht nocheinmal passiert. selbstverständlich ohne kettensäge.

    • yestheylivebaby | vor 933 Tagen, 10 Stunden, 49 Minuten

      übrigens plane ich gerade ein kleines projekt. dafür hab ich 10 000 flyer drucken lassen und "mülle" damit nächstes monat die halbe stadt zu.
      mir gefällt das design und ich hoffe inständig, daß es allen anderen bewohnern der stadt, die diese flyer auf ihren windschutzscheiben und in ihren postfächern finden auch gefällt! höchst wahrscheinlich wird es aber nicht so sein. hoffentlich komm ich dafür nicht ins gefängnis! ist das überhaupt verboten? weiß ich gar nicht. machen werd ich's auf jeden fall. WERBUNG ist schließlich wichtig!

    • miikesmama | vor 933 Tagen, 6 Stunden, 44 Minuten

      @elchaos: Du hast Recht was die Gewinnmaximierung anbelangt, Punkt für dich. Dennoch einige Einwände:
      Wenn der C&A gerade einen Jeansrock um 29Euro bewirbt, du dir das Plakat gezwungenermaßen ansiehst aber an dem Produkt selber kein Interesse hast, was für eine Botschaft hinterlässt diese Werbung dann in deinem Unterbewusstsein?!? Werbung schafft ja keine Bedürfnisse oder eine Nachfrage (an diese Theorie glaube ich nicht), Werbung versucht ja "nur" das Interesse auf Produkte zu lenken, wenn potentieller Bedarf danach schon gegeben ist. Du wirst dir diesen Rock trotz aller Werbung also dennoch nicht kaufen weil du a) möglicherweiße ein Mann bist, b) schon einen hast, c) der beworbene dir nicht gefällt d) du ihn überteuert findest e.) du schlechte Erfahrungen gemacht hast mit C&A f.) C&A so eine Ausbeuterfirma ist usw. usf. Das gilt nicht nur für diese C&A Werbung, sondern für 99% aller beworbenen Produkte, vom Clooney-Nescafe-Automaten bis zum Dyson Staubsauger - wo kein Interesse besteht, nutzt auch die penetranteste Werbung nichts (und wird auch nix in deinem Unterbewusstsein hinterlassen, außer dir gefällt ein Model darauf ;-)
      [Oder ist das so eine "Die Russen haben in den 50ern mit unterschwelligen Botschaften experimentiert und heute...

    • miikesmama | vor 933 Tagen, 6 Stunden, 43 Minuten

      verwendet diese Technik die Werbung"-Geschichte??]

      Weiters, für Leute wie mich die keinen TV haben, Ad-Blocker installiert haben und an ihrem Postkasterl ein "Bitte keine Werbung"- Schild versehen haben, für die ist Werbung auf Billboards oder Öffi-Station ein guter Weg sich zu informieren was es wo um wieviel gerade neues gibt, oder was gerade im Kino läuft. Hat also auch eine Informationsunktion für Leute wie mich.

      Deine Unterscheidung kann ich so auch nicht teilen. Du hast natürlich völlig Recht wenn du schreibst jede/r hat ein anderes ästhetisches Empfinden, ok, aber ärgert es dich nicht wenn du ließt die Wiener Linien oder die ÖBB muss um 10.000e Euros Graffiti von Zügen entfernen, und du weißt dass das Geld nur vom Steuerzahler kommen kann?

    • miikesmama | vor 933 Tagen, 6 Stunden, 38 Minuten

      @yestheylivebaby: Ich wünsche dir viel Spass mit deiner Aktion und bin schon gespannt ob ich auch einen sehe. Flyer auf Windschutzscheiben und in Postkästchen dürften (weil nicht permanent) auch gesetzlich kein Problem darstellen.
      Wenn du wirklich Werbung für deine Band/deine Homepage/whatever machen willst, würde ich auch zu Pickerln in den Szenelokaltoiletten dieser Stadt raten, wo es halt erlaubt ist - an effective way to spread the word. Nur immer dran denken: Auf AUGENhöhe über dem Urinal ;-)

    • elchaos | vor 933 Tagen, 2 Stunden, 1 Minute

      @miikesmama: es ärgert mich tatsächlich nicht, wenn ich erfahre, dass züge um steuergeld graffiti-gereinigt werden. ich nehme es hin. wenn ich graffiti prinzipiell okay finde und als kulturelles phänomen oder teil des stadtbildes gutheisse, im wissen, dass sie nicht dem ästhethischen mehrheitsgeschmack entsprechen, bleibt mir nichts anderes übrig. so wie du werbung im öffentlichen raum hinnimmst (warum auch immer), die ich wiederum tendentiell unangenehm finde, mal mehr, mal weniger ärgerlich. verschiedene ansichten, geschmäcker, gemüter, würde ich sagen.

    • yestheylivebaby | vor 933 Tagen, 1 Stunde, 57 Minuten

      danke, Mike! es geht dabei um die Vermietung von Lagerraum und ich habe es "City-storage" genannt. Habe auch schon ein vier Meter breites Werbeschild für oberhalb der Einfahrt bestellt: CITYSTORAGE...
      doch mittlerweile frage ich mich immer intensiver, ob ich das Schild nicht abbestellen und stattdessen die besten sprayer der Stadt engagieren sollte. schließlich gehört mir fast die halbe Fassade und ob ich da ein werbeschild oder ein werbegraffiti mache ist meine Sache, Hauptsache die leute werden aufmerksam.

    • elchaos | vor 933 Tagen, 1 Stunde, 43 Minuten

      den informationsfaktor verstehe ich. abgesehen davon scheinen wir unterschiedliche glaubensauffassungen zum thema werbung zu haben. ich glaube sehr wohl, dass werbung auch auf anderen ebenen operiert als der von dir beschriebenen. all die bilder "attraktiver" menschen bewirken vielleicht nicht, dass ich plötzlich zur kaffeetrinkerin werde, wenn ich keine bin oder mir einen rock zulege, wenn ich lieber hosen trage. aber sie suggerieren mir, dass ich auch so attraktiv sein sollte (weil dann glücklicher) und dass das besser funktionieren würde, wenn ich a) mehr geld verdiene, b) ins fitness studio gehe, c) zum friseur und/oder d) eine neue hose kaufe, auch wenn ich schon eine zuhause habe. oder ich kauf mir eine schokolade, weil ich das deprimierend finde und auf a) bis d) keine lust habe. in jedem fall werde ich zum konsumieren animiert, und mir wird suggeriert, dass mein status quo optimierungsbedürftig ist. das nervt.

    • yestheylivebaby | vor 933 Tagen, 1 Stunde, 24 Minuten

      und wenn das bei mir klappen sollte, warum nicht auch bei anderen Firmen? es könnte richtungsweisend für die werbetechnische Bedeutung von graffiti sein.
      man könnte beispielsweise mit Gerhard Schröder sprechen...puber könnte der Gazprom und damit Russland ein völlig neues, fetziges Undergroundimage verpassen: "PUTIN" tags auf allen Pipelines in 100m abständen...
      das würde er hinkriegen und könnte von dem Geld seine Anwälte bezahlen. alle seiten wären glücklich und es käme schnell zur "deeskalation" von so mancher Debatte und ich wäre der Butterfly bei dem Effekt!

  • eierbär74 | vor 935 Tagen, 7 Stunden, 42 Minuten

    Erstens ist es natürlich Sachbeschädigung, denn ich empfehle dem Autor einmal seinen Pulli oder sein Auto (oder Rad) zu besprayen. Der Pulli wärmt weiterhin und das Auto ist in seiner Funktion nicht im geringsten durch die "dünne Farbschicht" (sic!) gestört. Die Oberfläche und das Aussehen gehört natürlich zu jedem Ding und sind sehr wichtig.
    Zweitens sind Tags ein Zeichen der Brutalisierung und Anonymisierung der Stadt. Buben, die unter ihrer Anonymität leiden und sich eine Bedeutung suchen, schmieren ihren Namen irgendwo hin, weil ihnen die Rechte und Empfindungen der Menschen gleichgültig sind und weil für sie Öffentliches keinen Wert darstellt und produzieren damit genau die Umstände unter denen sie leiden. Wer das Geschmiere häßlich und störend empfindet, ist in den Augen der Szene halt einfach uncool, alt, bürgerlich, usw. - wird also für seine Meinung noch mehr abgewertet, als der Tagger für seine Sachbeschädigung.
    Drittens wird immer viel mit den Schlagworten Kunst, Freiheit und Demokratisierung herumgeworfen. Wenn ein einzelner herumschmiert, ist das aber weder demokratisch noch künstlerisch und es ist Freiheit auf Kosten anderer Menschen (Sachbeschädigung, Verlust der Lebensqualität durch häßliche Umgebung). Offensichtlich hat die demokratische Mehrheit nämlich da eine ganz andere...

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    • eierbär74 | vor 935 Tagen, 7 Stunden, 41 Minuten

      ...andere Sicht und es wäre wichtig, dass sich die Szene und die Sympatisanten da hinterfragen und selbst so viel Empathie und Reflektion aufbringen, wie sie von den Menschen der Stadt fordern. Weder ist jeder öffentliche Akt, der Kritik hervorruft, politisch, noch ist jedes Geschmiere Kunst - wer sich da nicht einer Qualitäts- udn Inhaltsfrage stellt und sich alles zurechtbiegt, ist nur ein Heuchler.

  • christianlehner | vor 935 Tagen, 8 Stunden, 29 Minuten

    über den puberismus

    es kann sein, dass ich (durch die räumliche trennung) hier als einer der wenigen keine eindeutige meinung zum angewandten puberismus habe.

    aus der distanz betrachtet ist puber für mich wie ein virus, der den körper stadt ergriffen hat und nun allerlei symptome zeitigt.

    einerseits hat sich die selbstverständlichkeit, street art/graffiti als cool, subversiv oder künstlerisch wertvoll zu empfinden auch unter den von phekt als "liberal" bezeichneten stadtbewohnerInnen erledigt.

    andererseits macht puber sichtbar, wie verbürgerlicht im klassischen sinn dieses klientel (von dem ich mich jetzt gar nicht ausnehmen will) in der zwischenzeit geworden ist.

    es scheint, dass die stadt wieder ein ort der ordnung und durchreglementierung sein muss. der körper wird in besitztümer aufgeteilt. öffentlich wird ausschließlich als in "öffentlicher hand" gelesen nicht als gemeinschaftlich. die reibung von menschen, kapital, kunst, soll gefälligst in dafür vorhergesehenen, kuratierten zonen stadtfinden und dem ästhetischen konsens der dafür zuständigen meinungsführenden entsprechen. city is the new suburbia (aber klar, new york wünscht man sich dann beim besuch doch ein bisserl wilder, ein bisserl so wie früher, wie aus film, funk und fernsehen). stadt als abendteuerspielplatz des urbanen, wo man - wie in disneyland - eintritt...

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    • christianlehner | vor 935 Tagen, 8 Stunden, 29 Minuten

      - eintritt bezahlt und dann in sündteuren condos in der industriebrache von greenpoint wohnen kann.

      puber als virus hat nun diesen paradigmenwechsel auch in wien sichtbar gemacht. viele finden grauslich sichtbar. viele finden anti-kunst-sichtbar, weil ja keine message, kein tieferer sinn, kein wirkliche botschaft außerhalb des tag-gewordenen selfies dahintersteckt. puber der maniac. aber muss man da in der bewertung nicht auch ein bisserl vorsichtig sein? wenn egoistische, öffentliche einfältigkeit eines einzelnen in einer stadt wie wien eine längst überfällige diskussion losgetreten hat, dann - so fürchte ich für einige anti-puberanten - könnte das in zukunft und von dort rückblickend, tatsächlich einmal als kunst eingestuft werden. und er musste sich dabei nicht einmal ein ohr abschneiden. wieder einmal geht es um die frage: wie wollen wir zusammenleben?

    • christianlehner | vor 935 Tagen, 8 Stunden, 25 Minuten

      "einerseits hat sich die selbstverständlichkeit, street art/graffiti als cool, subversiv oder künstlerisch wertvoll zu empfinden auch unter den von phekt als "liberal" bezeichneten stadtbewohnerInnen erledigt." da fehlt noch was, denn diese selbstverständlichkeit zu hinterfragen ist imo begrüßenswert.

    • elchaos | vor 935 Tagen, 8 Stunden,

      ich möchte bitte jeden buchstaben unterschreiben. danke, christian!

    • ondrusova | vor 934 Tagen, 15 Stunden, 38 Minuten

      +1

  • go1988 | vor 935 Tagen, 9 Stunden, 53 Minuten

    Puber einen Idealismus zuzuschreiben finde ich ist ein starkes Stück.

    "Andere bewundern den scheinbar unsichtbaren Outlaw, der sich an keine Regeln hält und der vermeintlich macht, was er will, ohne gestoppt werden zu können. Immerhin riskiert hier jemand alles, nur um wahrgenommen zu werden."

    Das gleiche kann man über einen notorischen Ladendieb sagen, der in jeden Libro geht, CDs fladert und dort eine rote Rose als Erkennungszeichen lässt. Aber das macht ihn auch noch nicht zu einem Künstler oder seine Taten wünschenswert.

    Pupers Kritzelein (tags sehen anders aus, siehe Hades, Bikini oder Daten) sind wie der 4berger4ever Schriftzug, der in so vielen Öffis zu finden ist: Hässlich, vor allem weil sie einfach nur dazu dienen um etwas markiert zu haben. Hades, Daten und bikini Schriftzüge muss man suchen, sie werden einem nicht so ins Gesicht gekotzt wie PUBER. Außerdem geben sie ästhetisch was her, ich könnt auch überall 'Go1988' hinsprayen, aber das macht mich nicht zu einem Grafittikünstler.

    Von HDS wird man sogar bei der Einfahrt nach Wien willkommen geheißen, Puber sagt einem "geh weg, hier war ich schon!".

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  • teilzeitjugendlicher | vor 935 Tagen, 14 Stunden, 35 Minuten

    dickes Lob an den Herrn Phekt für seinen Artikel!

    Der Geschäftsführer von VICE CEE ist ja übrigens auch ein rühriger NEOS-Politiker und einer dieser typischen erfolgreichen Unternehmer.
    Kein Zusammenhang? Nun, gerade bei der Puber-Diskussion zeigt sich, wie die Leute aus dem NEOS-Umfeld so ticken. Pop-Welt, Graffiti und sonstiges "junges" Zeug ist alles supitoll, cool und fesch, so lange man dieses der kapitalistischen Verwertungslogik zuführen kann. Wenn das nicht so einfach geht wie beim (mir durchaus unsympathischem Puber, halt auch so ein typischer Narzisst), dann kann man heftig draufhauen wie ein FPÖler beim "Ausländer" und sein wahres hässliches Gesicht zeigen.

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    • ketu | vor 935 Tagen, 13 Stunden, 12 Minuten

      schon lang nemma son hirnschaas bzgl. dem neos vergleich gelesen.

    • zikmund | vor 935 Tagen, 9 Stunden, 30 Minuten

      I second that, ketu.
      Wo bewegen sich denn die anderen Parteien außerhalb einer "kapitalistischen Verwertungslogik", was auch immer das in Zeiten von FB-Whatsapp Mergern sein soll?

  • ondrusova | vor 936 Tagen, 6 Stunden, 41 Minuten

    ich spare auf ein haus (irgendwo im1.) dann koennt ihr alle zu mir sprayen kommen.

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    • ondrusova | vor 936 Tagen, 6 Stunden, 40 Minuten

      david lynch ist auch eingeladen.

    • softmachine | vor 936 Tagen, 52 Minuten

      PUBER