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Musik, Film, Heiteres

Michael Fiedler

Politik und Spiele, Kultur und Gegenöffentlichkeit.

15. 7. 2014 - 17:44

Zurück in die Vergangenheit

800 ÖsterreicherInnen haben einen offenen Brief gegen das "Gendern" unterzeichnet. Über SprachkritikerInnen und Sommerlöcher.

Es sind die Sprachbewahrer von muttersprache.at, die offenbar Andreas Gabaliers Lernschwäche bei Liedertexten und seine süßlich-schleimige Erklärung samt freudschem Versprecher zum Anlass nehmen, sich öffentlich frauenfeindlich zu äußern. Der Verein hat ein Schreiben in der Juni-Ausgabe seiner Zeitschrift "Wiener Sprachblätter" veröffentlicht. Darin fordert man von der Bildungs- und Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek und Wissenschafts- und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner die "Rückkehr zur sprachlichen Normalität". Die bei der Veröffentlichung noch rund 300 UnterzeichnerInnen sind bis gestern auf 800 angewachsen.

Auf Twitter wird unter #wirsind800 eifrig gemutmaßt, was das bedeuten soll. Denn "sprachliche Normalität" gibt es nicht - eine Sprache verändert sich nun einmal. Und eine Sprache, die sich nicht ändert, sich nicht ändern darf, ist tot.

Der Verein hingegen ist offenbar gegen jede Veränderung der deutschen Sprache (österreichischen Idioms) - wurscht ob es sich um bundesdeutsche Ausdrücke oder Anglizismen handelt, egal ob sinnvolle Ergänzung der Sprache oder Verdrängung eines Wortes. Ironischerweise widerlegen sich aber genau da die "Sprachkritiker" selbst. Da heißt es im offenen Brief: "Sprache war und ist immer ein Bereich, der sich basisdemokratisch weiterentwickelt: Was die Mehrheit der Sprachteilhaber als richtig empfindet, wird als Regelfall angesehen."

Auf der Website der Sprachverteidiger, deren Logo ein Frakturschriftzug (was denn sonst?) ziert, wird der Ausdruck "Login" verweigert - statt dessen steht da "Einwahl". Ob das die Mehrheit versteht?

Bleistift und das Wort Vorständin

dpa-Zentralbild/Jens Kalaene

Gegen Sichtbarkeit

Die UnterzeichnerInnen des Briefes stören sämtliche "Verunstaltungen des Schriftbildes", wie das Binnen-I (LeserInnen), der Schrägstrich im Wortinneren (Leser/innen), Klammern (Leser(inn)en), und natürlich hochgestellte Buchstaben (Mag.ª). Den Unterstrich (Leser_innen) und das Sternchen (Leser*innen) haben sie nicht aufgeführt, es ist aber davon auszugehen, dass sie sich daran ebenfalls stoßen. All das sei "aus dem Schreibgebrauch zu eliminieren", heißt es, und sie fordern eine "Revision der gegenwärtigen Vorschriften." Was sind denn das eigentlich für Vorschriften?

Das Bildungs- und Frauenministerium hat eine Handvoll Richtlinien für den internen Gebrauch sowie Empfehlungen für den Unterricht. Das Wissenschafts-, Forschungs- und Wirtschaftsministerium hat eine Stabstelle für Gender- und Diversitätsmanagement und einen Leitfaden für nicht-diskriminierenden Sprachgebrauch. Und dann ist noch die geschlechtergerechte Betitelung in einer Richtlinie geregelt.

Etliche LehrerInnen und SchuldirektorInnen haben den offenen Brief unterzeichnet, dabei müssen sie weder das Binnen-I lehren noch den Gendergap-Unterstrich erklären. Der Leitfaden sagt im Grunde nur, dass sowohl die männliche als auch weibliche Form gelehrt werden soll. Alleine der Protest gegen diese Lappalie - manche würden sagen: Selbstverständlichkeit - zeigt die Rückschrittlichkeit des Briefes. Sprache konstruiert unsere Welt, und wenn Schulkinder nur vom Arzt und von der Friseurin hören, vom Mechaniker und der Krankenschwester, hat das Auswirkungen auf ihr Weltbild.

Frauen von der Venus

Apropos Weltbild: jenes der VerfasserInnen des offenen Briefes zeigt sich darin geradezu musterhaft:

"Die Verpflichtung zur generellen getrenntgeschlechtlichen Formulierung führt darüber hinaus dazu, dass manche Aussagen nun schlichtweg nicht mehr "politisch korrekt" formulierbar sind, z. B. Sätze wie "Frauen sind eben doch die besseren Zuhörer." Das Beispiel zeigt klar auf: Die verordneten Vorschriften widersprechen zum Teil den Grundregeln unserer Sprache."

Das Beispiel zeigt vor allem, welche Art Sätze grundsätzlich hinterfragenswert sind. Und ja, der Satz ist politisch korrekt formulierbar: Es ist ein Vorurteil, dass Frauen die besseren ZuhörerInnen sind.

Generische Fehler

Die Hauptunterzeichnenden sind zwei Sprachwissenschaftler, ein Lehrer, eine Translationswissenschaftlerin und ein Literaturwissenschaftler. Man sollte meinen, diese fünf könnten das "generische Maskulinum" richtig definieren:

"Das 'generische Maskulinum' (z. B. Mensch, Zuschauer...) zum Feindbild zu erklären und dessen Abschaffung zu verlangen, blendet die Tatsache aus, dass unsere Sprache ebenso ein 'generisches Femininum' (z. B. Person, Fachkraft...) und ein 'generisches Neutrum' (z. B. Publikum, Volk...) kennt."

Duden

dpa/Armin Weigel

BefürworterInnen der sprachlichen Gleichbehandlung unterscheiden zwischen Genus, dem grammatikalischen Geschlecht, und Sexus, dem biologischen Geschlecht.

"Der Zuschauer" ist ein Mann, "die Zuschauerin" eine Frau. Niemand fordert die Einführung von "MenschInnen", da "der Mensch" zwar einen männlichen Artikel, aber kein klares biologisches Geschlecht hat. Eigentlich ganz einfach. Wer das als SprachwissenschaftlerIn, LiteraturwissenschaftlerIn oder TranslationswissenschaftlerIn vermischt, macht das absichtlich - und täuscht damit die Öffentlichkeit. Außerdem macht er oder sie sich als WissenschaftlerIn ein bisschen lächerlich.

Ab ins Sommerloch

Jetzt stöhnen schon die ersten über das verdammte Sommerloch, in dem jeder Mist medial aufgebauscht wird. Wir sollten den BrieferlschreiberInnen aber dankbar sein, dass sie das Thema wieder einmal zu einer Geschichte machen, dass sie ihre Meinungen aus vergangenen Jahrhunderten offenbaren, dass sie ihren offenen Brief so schlecht formulieren.

Die SprachretterInnen der Vereins Muttersprache können gerne auf die Magistra verzichten, auf das Binnen-I, den Gendergap-Unterstrich, den Slash, den Stern oder die Klammer. Sie werden die deutsche Sprache damit aber trotzdem nicht in eine Zeit zurückschicken, in der Angela Merkel deutscher Bundeskanzler und Gabriele Heinisch-Hosek Frauenminister gewesen wäre. Es hat sich ausmitgemeint.

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  • zugverschrotter | vor 806 Tagen, 17 Stunden, 55 Minuten

    könnte mir bitte irgendjemand

    den sinn von einem hochgestellten a nach einer geschlechtslosen abkürzung (mag.), die per se keinerlei aufschluss über die endung und somit den genus oder sexus des zugrundeliegenden wortes gibt, erläutern.

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    • fm4isthepitsman | vor 805 Tagen, 18 Stunden, 45 Minuten

      Es gibt diese glänzenden spiegelnden Schilder vor Arztpraxen. Manchmal liest man dort z.B.: "Dr. Anneliese Hunzelhunz. Arzt für Allgemeinmedizin."

      Was ist jetzt absurder? Dass sich eine Frau Arzt nennt oder dass eine Frau sich Mag.a oder Dr.in nennt?

  • rogersandega | vor 807 Tagen, 8 Stunden, 24 Minuten

    WAS für einen Aufschrei gäbe es wohl bei uns, wenn in der deutschen Sprache dieselbe Regelung gälte wie in den romanischen Sprachen: dort ist automatisch jede Gruppe dem Genus nach männlich, sobald nur EIN Mann darunter ist (egal, ob der Rest der Gruppe nur aus Frauen besteht)....

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  • fm4isthepitsman | vor 807 Tagen, 18 Stunden, 14 Minuten

    SCHAM

    Bei all dem eitlen Hickhack sollten wir nicht vergessen, dass wir in unserem schönen Elternland nur deshalb im Wohlstand leben, weil jeden Tag tausend AfroamerikanerInnenkinder in Afrika (nicht zu schweigen von Amerika, aber auch außerhalb der USA, sowie auch Asien) durch unsere Versäumnisse sterben und weil unsere Essensreste nicht und nicht hinübergeschickt werden.

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    • biased | vor 807 Tagen, 2 Stunden, 43 Minuten

      ich weiß nicht, warum du glaubst das sei lustig

      Aber mir scheint du glaubst vieles andere auch.

    • fm4isthepitsman | vor 806 Tagen, 19 Stunden, 6 Minuten

      Das ist der Wahrheit. Dein Kommentar ergibt übrigens keinen besonders großen Sinn. Mir scheint du glaubst das aber.

  • whoru | vor 807 Tagen, 22 Stunden, 37 Minuten

    änderts

    halt künftig die artikel ...

    entweder is "der/die/das vorstand" erlaubt oder glei "des vorstand" und da sind alle inkludiert. aus!

    scheiß genderei, wenn de weiber ned so deppert wärn, tätns a si ned selber ausgrenzn sondern si a als vorstand angsprochn fühlen! is halt so, dass bei uns bestimmte wörter an weiblichn und andre an männlichn und wieder andre an sächlichn ham. regt si DER vogel auf? na, der pfeift oafoch drauf ...

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    • spok | vor 807 Tagen, 21 Stunden, 37 Minuten

      das ist nicht die schuld "der weiber". ich kenne quasi nur frauen, die gendern unnötig finden, nur eine ausnahme (die in meinen augen wohl die regel bestätigt).
      gendern nützt weder den frauen etwas, noch ist es von ihnen gewünscht, so mein eindruck.
      schuld ist höchstens der feminismus... aber das ist ja auch wieder so eine lautstarke minderheit.

    • abcdef | vor 807 Tagen, 20 Stunden, 34 Minuten

      Ich finde dieses Gendern auch blöd. Am besten wir verwenden ab jetzt nur mehr die weibliche Form, die Männer eh ned so deppert und grenzen sich nicht selber aus, sondern fühlen sich auch durch die weibliche Form, wie Vorständin, angesprochen.

    • spok | vor 807 Tagen, 20 Stunden, 26 Minuten

      ganz toller vorschlag.

  • spok | vor 807 Tagen, 22 Stunden, 55 Minuten

    Mir spricht der offene Brief gegen das Gendern aus der Seele. Ich finde, dass beim Gendern einfach nur die Sprache verhunzt wird, und in keiner Weise sich das Denken ändert, wie gerne behauptet wird.

    Wer glaubt, dass man über die Änderung der Sprache eine Änderung des Denkens herbeiführen wird (eigentlich: wer glaubt mit Sprache manipulieren zu können), wird gottseidank feststellen, dass sich die Leute nicht so leicht verbiegen lassen.

    Beispiel: Die ersten Sieger und die zweiten Sieger. Wer findet es nicht lächerlich, die zweiten als Sieger zu bezeichnen? Einen solchen Betrug merkt doch jeder.

    Im Übrigen wird bei dem ganzen eine umstrittene Hypothese absolut gesetzt, nämlich die, dass Männer und Frauen gleich wären. Das ist die Ideologie hinter dem Genderwahn. Diese glaubt längst nicht jeder. Ich bin überzeugt, dass es natürliche Unterschiede zwischen Mann und Frau gibt, und diese haben sich eben auch in der Sprache niedergeschlagen.

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    • abcdef | vor 807 Tagen, 20 Stunden, 30 Minuten

      Stimmt, Herren sind herrlich und Damen dämlich. Natürliche Unterschiede schlagen sich eben auch in der Sprache nieder...

    • spok | vor 807 Tagen, 20 Stunden, 23 Minuten

      sehr sachlicher niveauvoller input

    • abcdef | vor 807 Tagen, 20 Stunden, 7 Minuten

      Ich wünschte, es wäre so. Dämlich leitet sich tatsächlich von der Dame und herrlich von Herren ab.
      Da haben sich tatsächlich (geglaubte) Unterschiede in der Sprache niedergeschlagen.

    • abcdef | vor 807 Tagen, 19 Stunden, 51 Minuten

      Um jedoch einen inhaltlichen Input zu geben:
      Ich nehme an, dass Du Dich bei Deinem Posting darauf beziehst, dass man das Wort Verlierer vermeiden möchte und es also nur mehr Sieger gibt.
      Mir persönlich sagt dies nicht zu- da es für mich ein Auswuchs der Leistungsgesellschaft ist, wo jeder ein Sieger sein muß und das Allerschlimmste schlechthin ist, ein Verlierer zu sein.
      Das finde ich bedenklich.

      Wenn ich Dich richtig verstehe, meinst Du, dass das ein Euphemismus ist, den Verlierer zweiten Sieger zu nennen und es an dieser Tatsache Sieger-Verlierer nichts ändert.
      Andererseits, als Bsp.,eine Silbermedaille bei einer Olympia Abfahrt würde ich jetzt nicht als Betrug empfinden. Wo siehst Du da das Problem?

      Was ich aber interessant finde. Deine Aussage impliziert ja, dass es offensichtlich Wörter, bzw. Bezeichnungen gibt- die als beleidigend empfunden werden. Offensichtlich ist das, wofür zweiter Sieger verwendet wird, etwas Negatives. Also Sprache kann schon auch beleidigen und zurücksetzen?
      Dann meine Frage, was findest Du als angemessene Reaktion mit Sprache umzugehen- wenn Leute bestimmte Wörter bzw. einen bestimmt,en Sprachgebrauch als abwertend empfinden, wenn es denn Gendern bzw. umbenennen nicht ist?

    • spok | vor 807 Tagen, 19 Stunden, 5 Minuten

      Ein ehrliches und überraschtes Danke für deine Antwort.

      Um bei dem Beispiel mit den zweiten Siegern zu bleiben: Man will den Leuten nicht das Gefühl geben, Verlierer zu sein, daher nennt man sie "zweite Sieger". Aber: Verletzend an sich ist doch eigentlich nicht die Sprache, sondern die Realität. Verlieren tut halt weh. Umso wichtiger ist es ja eigentlich, zu lernen, dass vom Verlieren die Welt nicht untergeht und man ein guter Verlierer sein sollte. Daher kann man die Dinge ruhig beim Namen nennen. Wenn der Ausdruck "zweiter Sieger" jedoch zum Standard wird, wird er mit der Zeit genau die selbe Wirkung bekommen wie der Ausdruck "Verlierer". Das kann die Sprache nicht ändern.

      Noch ein Beispiel. Als Deutschland 2006 bei der Fußball-WM Dritter wurde, hieß es, sie seien "Weltmeister der Herzen". Als Deutschland 2010 wieder Dritter wurde, hörte ich einen Fan sagen: "So ein Scheiß. Schon wieder Weltmeister der Herzen." Sprich: Der beschönigende Ausdruck Weltmeister der Herzen hat seine Wirkung schnell verloren gehabt.

      So finde ich, dass Sprache ein Abbild der Realität ist, aber nur in sehr geringem Maße die Realität durch eine Veränderung der Sprache verändert werden kann. Die Menschen wehren sich dagegen,...

    • spok | vor 807 Tagen, 19 Stunden, 4 Minuten

      und das mit Recht. Denn es ist gut, wenn jeder selber denkt, und nicht den Leuten vorgeschrieben wird, was sie zu meinen haben - auch nicht über die Hintertür der Sprache.

      Und genau das ist ja das Problem beim Gendern: Es soll uns eine Ideologie übergestülpt werden, zu der wir eigentlich nicht ja gesagt haben.

    • fm4isthepitsman | vor 807 Tagen, 18 Stunden, 55 Minuten

      Zitat aus dem Brief:

      "Sprache dient nämlich sowohl in mündlicher als auch in schriftlicher Form einzig und allein der problemlosen Verständigung und nicht der Durchsetzung partikulärer Interessen. "

      Ein seltsam naiver Satz. Wer glaubt, dass Sprache nur dazu dient, glaubt auch, dass er jeder Werbung oder PR gegenüber immun ist. Steter Tropfen höhlt den Stein, und wer sich gestern über die Metrosexuellen gewundert hat, rasiert sich heute den Oberkörper. Dass gerade ein paar Germanisten federführend die Macht des Wortes derart verkennen und kleinreden, ist für sie ein Armutszeignis. (Ich stehe dem Gendern skeptisch gegenüber.)

    • abcdef | vor 807 Tagen, 18 Stunden, 13 Minuten

      Ich verstehe, Deine Argumentation, die Du bei den Verlierern gibst und da stimme ich Dir völlig zu.

      Zur Sprache als Abbild der Realität: Ja und Nein.
      Ja, sie ist eine Abbild der Realität, aber auch nein, Sprache wird auch dazu benutzt Dinge festzuschreiben.

      Zur Veränderung der Sprache- in einem anderen Kontext: Es ist mir oft nicht klar, woran sich Menschen stossen. Nimm als Bsp. (auch wenn das eine andere Diskussion ist), die Wörter Neger, Tschusch, etc.Der (einzige und für mich ausreichende) Grund, diese Wörter nicht mehr zu verwenden ist, weil sich die betreffenden Leute dadurch angegriffen, abgewertet, beleidigt fühlen.
      Nicht weil es politisch korrekt oder eine Ideologie oder vorgeschrieben oder whatsoever ist. Sondern, weil ich verstehe, das Gegenüber mag das nicht und das ist Grund genug das zu unterlassen.

      Ich- für mich- denke, dass der Grund hinter dem Gendern der gleiche ist. Es geht nicht darum, eine Meinung vorzuschreiben und zu sagen, Du sollst jetzt bitte so und so denken. Die Ideologie dahinter, so wie ich sie verstehe, will eigentlich das Gegenteil- nämlich hinterfragen.

      Ich habe vor kurzem ein Zitat von Luise Pusch (die feministische Sprachwissenschaftlerin, lustiger Zufall) gelesen
      "Für nichts wird so viel Reklame gemacht wie...

    • abcdef | vor 807 Tagen, 18 Stunden, 12 Minuten

      für Männer. Unentwegt erinnern sie an sich selbst: auf Geldscheinen und Gedenkmünzen, mit Bronzebüsten und Straßenschildern, in Lexika und Zitatsammlungen."

      Schau Dich um, in jeder beliebigen Stadt- wieviele Denkmäler Frauen gewidmet sind und wieviele Männern. Gehe in den Arkadenhof der Universität Wien, von 154 Ehrentafeln ist 1(!) einer Frau gewidmet. Marie von Ebner Eschenbach und selbst die war keine Wissenschafterin, sondern Schriftstellerin. Mir drängt sich die Frage auf- wieso ist das so? Gab es in der gesamten Geschichte der Universität Wien keine einzige auch nur irgendwie bedeutende wissenschaftliche Leistung einer Frau? Gibt es so wenige von Frauen erbrachte Leistungen oder Taten, die denen der Männer auch nur ebenbürtig wären, dass es für sie kaum Denkmäler gibt?

      Das kannst Du bejahen, dass das so ist und Frauen sind dazu einfach prinzipiell nicht so in der Lage. Oder Du hinterfragst es, und sagst, nein, das hat vielleicht auch andere, strukturelle Gründe, siehe z.B. Gabriele Possanner.

      Da fängt die Ideologie an, die hinter dem Gendern steht. Sieh es nicht als vorschreiben einer Meinung, sieh es vielleicht als Aufforderung an hinzusehen und das wahrzunehmen und Dir dann Deine eigene(!) Meinung zu bilden- ob es nicht doch Unterschiede...

    • abcdef | vor 807 Tagen, 18 Stunden, 10 Minuten

      gibt. Ob die nicht nur im Arkadenhof und bei den Denkmälern, sondern vielleicht auch in der Sprache und im Alltag da sind. Ob man diese gutheißt und damit leben möchte oder sie vielleicht doch unfair findet. Letzten Endes fällt dann alles auf die Frage zurück: Wie wollen wir (mit)einander leben?

      Das Binnen-i, nun ja, wenn es coolere Alternativen gibt, dann finde ich das super. Aber allein, dass das Binnen-i solche Diskussionen entfacht, ist schon eine wirklich gute Sache, finde ich.

      Der aufrichtige Dank geht von meiner aus Seite zurück!!!

    • abcdef | vor 807 Tagen, 18 Stunden, 6 Minuten

      Wie wollen wir (miteinander) leben?

      natürlich. Entschuldige

  • fm4isthepitsman | vor 807 Tagen, 23 Stunden, 5 Minuten

    Man sollte noch darauf hinweisen, dass die ganze Aktion in einem rechtsextremen Dunstkreis w/furzelt.

    http://dastandard.at/1363707752243/Sprach-Kampf-von-rechts-aussen

    Auf dieses Posting antworten
    • spok | vor 807 Tagen, 22 Stunden, 54 Minuten

      Ja, und Nazis sind das auch alle, Frauenfeinde, homophob noch dazu, außerdem Vegetarierer, genau wie Hitler.

      Sind ja nur schlechte Menschen gegen das Gendern, gell.

    • fm4isthepitsman | vor 807 Tagen, 18 Stunden, 48 Minuten

      Nicht nur schlechte Menschen, aber die, die sich extra mit ihrem Doktortitel dagegen aufpudeln und Unterschriften sammeln, sind meistens rechtskonservativ. Mastermind ist der Gymnasiallehrer im Stift Melk Tomas Kubelik (38), der seinen Doktorvater Zeman und noch ein paar, denen er im Studium als Geistesverwandter aufgefallen ist, als die 5 Erstunterzeichner gewonnen hat.

      Warum regst du dich eigentlich so auf?

    • biased | vor 807 Tagen, 2 Stunden, 40 Minuten

      Leute, die gegen Anglizismen in der Sprache polemisieren

      sind in der Regel Nazis. Da gibt es nicht viel zu diskutieren, das beweist ein Blick in die entsprechende Literatur.

    • lesucre | vor 807 Tagen, 1 Stunde, 32 Minuten

      passt irgendwie auch zur sprachdiskussion

      Heutzutage ist alles und jeder Nazi. Nazi ist mittlerweile auch nur mehr ein Kampfbegriff, brauchst dir nur diverse Antifa Blogs durchlesen. Was für die antikapitalisten die neoliberalen sind, ist für die Antifa der Nazi. Für mich ist das eine verhöhnung ihrer Opfer, just saying

    • fm4isthepitsman | vor 806 Tagen, 19 Stunden, 2 Minuten

      Das eine Verhöhnung der Opfer zu nennen, ist für mich eine Verhöhnung der Opfer.

      PS, nie vergessen: Es gibt 2 Arten von Faschismus: Faschismus und Antifaschismus.

  • qball | vor 808 Tagen, 15 Minuten

    Absatz "Generische Fehler"
    Die Hauptunterzeichnenden sind zwei SprachwissenschaftlerINNEN [...]

    wenn schon ...

    Auf dieses Posting antworten
    • alexwagner | vor 807 Tagen, 23 Stunden, 47 Minuten

      Nein, es ist eine Aufzählung. Die zwei Sprachwissenschaftler sind Männer. Außerdem haben ein Lehrer, eine Translationswissenschaftlerin und ein Literaturwissenschaftler unterzeichnet.

    • qball | vor 807 Tagen, 23 Stunden, 5 Minuten

      uups ...

      hätte gemeint translationswissenschaftlerInnen und literaturwissenschaftlerInnnen wären auch sprachwissenschaftlerInnen und hab die fünf (inkl. dem lehrer) fälschlicherweise in einen topf geworfen.

      aber bei konzentriertem durchlesen ist der sprachwissenschaflter in dem kontext durchaus richtig.

  • hyperist | vor 808 Tagen, 2 Stunden, 8 Minuten

    Und wenn man die Sprache ...

    ... dahingehend verändert, dass man das Anhängsel "in" überhaupt streicht? Im Englischen funktioniert das ja bis auf wenige Ausnahmen (waiter, waitress) auch, natürlich gibt's da nur das "the", aber drauf geschissen.
    Man spart insgesamt Buchstaben, das wäre bei der Flut des heutzutage zu Schreibenden und Lesenden wichtiger als dümmliche Scharmützel zwischen ängstlichen Konservativen und über das Ziel hinaus schiessenden Feministen (beiderlei Geschlechts, eh klar).
    Das "Fräulein" ist ja mittlerweile auch Geschichte ...

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    • spok | vor 807 Tagen, 22 Stunden, 53 Minuten

      ich wäre sofort dafür.

      eine einfache lösung, die hoffentlich dazu führt dass endlich mal eine ruh ist bei diesem unnötigen thema.

  • eierbär74 | vor 808 Tagen, 3 Stunden, 56 Minuten

    Für mich ist diese Diskussion ein Zeichen, dass sich die Menschen endlich laut gegen die Obrigkeit aufzulehnen beginnen und nicht mehr nur still die F wählen.
    In Österreich herrscht ein Establishment aus Politk, Medien und Kultur, dass es sich sehr gemütlich gemacht hat. Die haben sich eine Welt aus politisch korrekten Glaubenssätzen und Paradigmen aufgebaut und schauen auf die Mehrheit der Bürger herab. Die sind für sie nur "Ungebildet, Stammtisch, Angsterfüllt!" usw. und müssen ausgetrickst, umerzogen und belehrt werden.
    der ORF und speziell FM4 sind da für mich ein Paradebeispiel. In einer kleinen politisch korrekten Blase bestätigt man einander wie super man ist und wie böse "die Masse". Respekt oder Wertschätzung für die Menschen außerhalb des Medien-Politik-Kultur-Establishments gibt es nicht.
    Es ist doch völlig absurd, dass ausgerechnet Gabalier zu einem Rebell gegen die Obrigkeit wird und ein "altenativer Sender" wie FM4 mit den Ministern und der Obrigkeit gegen die Bürger kämpft.

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    • zarniwoop | vor 808 Tagen, 1 Stunde, 40 Minuten

      dicke Eier!

      oyoyoy! Kann man das vieleicht noch ein bisschen höher aufhängen?
      Wieso ein Binnen-I ein Auflehnen gegen eine Obrigkeit sein kann, erschließt sich nicht wirklich.
      Und ein "Establishment" herrscht hierzulande, weil es gewählt wurde - und zwar von einer doch recht vollzähligen Geamtbevölkerung (wenn die keine Lust hat, zum Wählen zu gehen, ändert das nix dran, DASS sie auch damit gewählt hat...).

    • spok | vor 807 Tagen, 22 Stunden, 49 Minuten

      ich teile eierbärs auffassung durchaus. die political correctness treibt die absurdesten blüten und wir müssen sie alle wunderhübsch finden und uns brav an ihrem duft erfreuen.
      das binnen-i ist einer dieser auswüchse, deren sinn ich immer noch nicht verstanden habe (obwohl ich die argumente dafür zur genüge kenne - die sind einfach nicht sinnvoll).

      und ja, es fühlt sich so an als gäbe es ein "establishment". man vergleiche die meinung dessen, was in den medien als gut und richtig verkauft wird, mit dem, was man richtige Menschen im Alltag sagen hört. Himmelweite Unterschiede.

  • bedenklich | vor 808 Tagen, 5 Stunden, 28 Minuten

    sehr guter artikel. vielen dank.

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