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Esther Csapo

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1. 6. 2015 - 16:14

"Ängste sind naheliegender als Hoffnungen"

Die Politikwissenschaftlerin Eva Zeglowits analysiert im FM4-Interview die jüngsten Wahlerfolge der FPÖ als Erfolge im Ansprechen der Ängste und im Durchsetzen einer Geschichte der "Ausländerproblematik"

Die FPÖ ist die große Gewinnerin der Landtagswahlen in der Steiermark. 26,76% der Stimmen hat sie bekommen und damit fast zu den beiden Großparteien SPÖ und ÖVP aufgeschlossen. Die ersten Analysen des Wahlergebnis vermuten, dass weniger ein Votum über die steirische "Reformpartnerschaft" der FPÖ Zugewinne beschert hat, sondern vor allem ihre Position in der "Ausländerfrage". Wie kommt man zu so einem Ergebnis? Wir haben bei Eva Zeglovits, Politikwissenschaftlerin und Geschäftsführerin des Meinungsforschungsinstituts IFES nachgefragt:

Esther Csapo: Was war denn tatsächlich der Hauptgrund für die Gewinne der FPÖ?

Eva Zeglovits: Ich denke es ist schwierig, einen einzelnen Grund auszumachen, man kann sicherlich ein ganze Bündel an Gründen benennen. Eines davon ist ganz bestimmt das Thema der Zuwanderung/Ausländer, auf das die FPÖ seit Jahren baut. Das hat in diesem Kontext einen besonderen Stellenwert, weil natürlich durch die Debatte um die Zeltstädte für Asylwerber die Bundesregierung im Moment eher das Bild abgibt, mit dieser Situation nicht zurecht zu kommen, oder überfordert zu sein. Das spielt natürlich in diesem Fall der FPÖ in die Hände, die dieses Thema, bzw. die Sorgen, die die Menschen damit verbinden, aufgegriffen hat und damit bestimmt Wählerstimmen gewonnen hat.

Eva Zeglovits

Foto Wilke

Sind diese Sorgen speziell in der Steiermark besonders groß?

Die Sorgen ziehen sich durch das ganze Land. Es wird unterschiedliche Betroffenheiten geben, je nachdem, ob in einer Gemeinde Asylbewerber Platz gefunden haben, oder ob es geplant ist. Üblicherweise ist es so: Je weniger Berührungspunkte man hat, desto mehr Angst hat man. Es ist ein Phänomen, das sich oft zeigt, dass dort wo am wenigsten Berührungspunkte da sind, die Angst am Größsten ist, aber die Betroffenheit zieht sich bestimmt quer durch Österreich.

Woher kommen jetzt die vielen WählerInnenstimmen für die FPÖ?

Also die FPÖ zieht üblicherweise - und das hat sich jetzt auch bei der steirischen Wahl gezeigt - in einem höheren Ausmaß Männer an als Frauen, es sind oft eher die Jüngeren als die Älteren. Wenn eine Partei aber beinahe 30% macht, dann kann man das nicht mehr auf einzelne Gruppen reduzieren, dann ist das ein Phänomen, das sich sehr breit durch die Bevölkerung zieht.

Warum gewinnt offenbar immer die FPÖ, wenn es um das Thema Asyl geht?

In der Politikwissenschaft sagen wir, dass es zwei Emotionen gibt, die mobilisieren: Die eine ist Angst, die andere ist Hoffnung, und mit dem Thema Asyl sind die Ängste näherliegender als die Hoffnungen. Die Bevölkerung hat in einem großen Ausmaß Sorgen. Es gibt viele Unsicherheiten. Man weiß nicht genau, was passiert, und hier gelingt es der FPÖ einfach am Besten, die Ängste anzusprechen. Da fühlen sich die Menschen dann Ernst genommen, dann wählen sie auch die Freiheitlichen.

Was aber noch auffällt: Es werden im FPÖ-Wahlkampf ja sehr viele Themen über Ausländer gespielt, von Arbeitslosigkeit bis Bildung, Sicherheit etc. Was machen SPÖ und ÖVP falsch, dass eben so vieles unter diesem Gesichtspunkt "Ausländerproblematik" diskutiert wird?

Erzähl uns eine Geschichte: Auch Martin Blumenau behandelt in seinem daily-Blumenau-Eintrag das Thema Storytelling in der Politik.

Die Freiheitliche Partei hat hier in den letzten Jahren erfolgreich einen sogenannten Frame gesetzt. Das sagen wir dann, wenn eine Geschichte innerhalb bestimmter Eckdaten passiert. Es werden hier sehr viele Geschichten erzählt, die schon damit begonnen und auch beendet werden, dass hier die Zuwanderer eine Rolle spielen - ob das jetzt die Bildungsthemen sind oder Arbeitsplätze - was auch immer. Das ist in der politischen Kommunikation ein großer Erfolg, wenn einem das gelingt, seine eigene Geschichte den anderen sozusagen aufzuzwingen. Da denke ich, dass sich SPÖ und ÖVP die Geschichte von den Freiheitlichen erzählen haben lassen.

Das heißt, eigentlich müssten SPÖ und ÖVP ihre eigene Geschichte erzählen?

Genau. Wenn sie eine eigene Geschichte finden. Wie gesagt: Angst und Hoffnung sind die zwei Emotionen, die mobilisieren. Damit kann man Erfolg haben.

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