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Musik, Film, Heiteres

Daniela Derntl

Diggin' Diversity

13. 2. 2016 - 05:00

"Sarah, wir wollen ein Kind von dir!"

Die deutsche Liedermacherin Sarah Lesch gewinnt den Protestsongcontest 2016 mit ihrem Lied "Testament". Hier gibt's alle Fotos vom Finale und das Video der Siegerin.

Protestsongcontest

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Die diesjährige Finalshow beim Protestsongcontest war die längste in ihrer 13-jährigen Geschichte. Über drei Stunden hat sie gedauert - Stunden, die wie im Flug vergangen sind, weil die Show abwechslungsreich (zehn Bands), lustig (Moderations-Kapazunder Michael Ostrowski) und aufregend (Publikum vs. Jury) war.

Von HipHop, Indie und moderner Volksmusik bis hin zu Liedermacherei und trashigem Techno war alles mit dabei. Den laut Michael Ostrowski "härtesten Musikwettbewerb zwischen Erdberg und dem Madison-Square-Garden in Manhattan" hat die deutsche Liedermacherin Sarah Lesch gewonnen. Den Song "Testament" hat sie für ihren Sohn geschrieben, als er in die Schule gekommen ist, für Sarah ein Ort des Zwangs und der Verletzungen. "Das Lied soll ihn immer daran erinnern, dass er frei ist und nur sich selbst gehört. Niemand anderem und keinem System", meint Sarah Lesch.

Auf Platz Zwei landet die Dub/Reggae-Combo Barefoot Basement meets Tombo, Bronze holt das Quintett Holawind.

Das Finale vom FM4 Protestsongcontest könnt ihr euch ab sofort für 7 Tage im FM4 Player anhören. Die Videos des Abends reichen wir alsbald wie möglich nach.

Protestsongcontest Live

    Eröffnet wurde die Protestsongcontest-Sause wie jedes Jahr vom Chor der Wiener Arbeitersänger. Nonchalant und charmant demotiviert durch den Abend führte Conférencier Michael "Nicht-Wissen als Chance" Ostrowski und als selbsternannter "Stachel im Fleisch" der Veranstaltung stellte er den Finalisten härtere Fragen als Armin Wolf. Chapeau!

    Der "Zankapfel der Veranstaltung" (O-Ton Ostrowski) war die sechsköpfige Jury, deren Entscheidung und Kommentare für viele Kontroversen im Publikum sorgte.
    Wie immer mit dabei, wie immer sehr umstritten: Martin Blumenau und Peter Paul Skrepek von der Musikergilde.

    Die anderen vier JurorInnen machten das heuer zum ersten Mal: Elias Hirschl war selbst schon ein paar Mal als Teilnehmer beim Protestsongcontest dabei und kennt den Zirkus schon. Apropos: Die Musikerin Clara Blume betreibt den Singer-Songwriter-Circus und war heuer ebenfalls in der Jury, genauso wie die Sängerin und "Refugees Welcome to Austria"-Chefin Farangis Nomadee. Ebenfalls neu: Christine Hödl, die man von der Talentshow "Die große Chance" kennen könnte, die sie 2011 gewonnen hat. Nicht zu vergessen: das siebte Jurymitglied und das wichtigste Zünglein an der Waage seid ihr gewesen, zu Hause vor dem Rechner beim Live-Videostream oder unterwegs via Smartphone konntet ihr auf fm4.ORF.at für euren Favoriten abstimmen.

    1. Joachim Unger & der Chor des Islamischen Realgymnasiums Wien - "Wir. Stimmen gegen den Krieg"

    Gegen Krieg, für Frieden - diese Botschaft übermittelt der Liedermacher Joachim Unger (der auch schon als Joachim Wean im Finale des Protestsongcontests mit dabei war) mit dem Schulchor des Islamischen Realgymnasiums Wien. Das Friedensprojekt gibt es seit Februar 2015 und ursprünglich haben rund 90 Schüler und Schülerinnen aus der Unter- und Oberstufe den Wiener Dialekt gelernt und lautstark gegen Gewalt, Repression, gegen das Foltern und Morden im Namen des Islam protestiert. Im Protestsongcontest-Finale stehen dann doch ein paar weniger Schülerinnen auf der Bühne, aber das macht gar nichts. Das Publikum ist begeistert, die Jury ebenso.

    Die Jury über Joachim Unger & der Chor des IRG Wien:

    Martin Blumenau lobt den Symbolwert des Songs, echauffiert sich aber darüber, dass die SchülerInnen mit den LehrerInnen gemeinsame Sache machen würden. Was natürlich Blödsinn ist, denn Joachim Unger ist kein Lehrer.

    Peter Paul Skrepek war überrascht von der Darbietung: "Eine perfekte Aufführung, das Lied ist ausgesprochen gut komponiert. Ein kompetenter Beitrag, um die Verrückten dieser Welt in Grenzen zu halten. Die brauchen wir hier nicht."

    Clara Blume freut sich, dass der Song fantastisch live funktioniert und gratuliert Joachim Unger zu seiner Initative, die für Songwriter gar nicht so selbstverständlich ist: "Die jetzt antretenden KandidatInnen werden es schwer haben."

    2. Kurt Razelli - "50 Schilling"

    Blaues Licht, wabernde Sounds, Sirenen.

    Ein Mann in einer Arnold-Schwarzenegger-Maske auf der Bühne, eine wütende Blondine auf der Leinwand.

    Kurt Razelli ist seit fünf Jahren der Trash- und Reality-TV-Chronist der Nation. Er remixt kuriose Bonmots aus Fernsehsendungen wie "Wir leben im Gemeindebau", "Zeit im Bild" oder "Alltagsgeschichten" und verewigt sie in genial-jenseitigen Kollagen.

    Den "50 Schilling"-Song hat er aus einer "Am Schauplatz"-Sendung des Vorjahrs destilliert. Dabei protestiert eine wütende Frau gegen das Wirtschaftssystem, die steigenden Preise und das liebe Geld. Eine Thematik, die Kurt Razelli auch schon mit dem "7200 Schilling"-Song aufgegriffen hat.

    Einziger Unterschied: das Material des 7200-Schilling-Songs ist bereits zwanzig Jahre alt, doch die Botschaft bleibt aktuell. Beim Finale präsentiert Kurt Razelli erstmals das Video zum Song, das während seines DJ-Gigs im Hintergrund gezeigt wird.

    Nach dem Auftritt will die Plauderei mit Michael Ostrowski nicht so richtig in die Gänge kommen, im Interview bleibt Razelli wortlos - er lässt lieber die anderen sprechen.

    Die Jury über Kurt Razelli:

    Elias Hirschel liebt alles, was Kurt Razelli macht: "Sampeln ist eine Art von schreiben. Ich finde es großartig, dass er die Leute für sich selber reden lässt. Das reicht. Die Frau offenbar reicht. Weißt was ich meine? Er sagt halt nichts gegen die Gesellschaft, sondern lässt die Gesellschaft selber reden und das reicht. Das ist deppert genug. Das ist großartig."

    Farangis Nomadee: "Ich finde die Technik recht cool. Diese Message-Fetzen. Aber ich finde es nicht wirklich zeitgemäß - weil der Schilling ist schon ein Zeiterl her."

    Peter Paul Skrepek hingegen würde lieber gleich zur Krone oder zum Gulden zurückgehen und Clara Blume lobt die Originalität und die Performance von Kurt Razelli.

    3. Laura Rafetseder - "Beating Hearts"

    Laura Rafetseder kennt beide Seiten des Protestsongcontests. Vor zwei Jahren war sie selbst Jury-Mitglied, dieses Mal steht sie auf der anderen Seite und singt über die Notwendigkeit der Solidarisierung in Zeiten der Entsolidarisierung: "Wir sind eigentlich viel stärker als wir denken", sagt sie, bevor sie ihr nachdenkliches, von Zupf-Gitarre und Geige begleitetes Protestlied "Beating Hearts" anstimmt.

    Der Song ist vor drei Jahren nach einigen Konflikten mit einer Arbeitskollegin entstanden, erzählt sie im FM4-Interview: "Ich hab das damals aus der Betroffenheit heraus geschrieben und ich glaube, es geht vielen Menschen so, dass sie eigentlich mit ihren Problemen alleine sind. Krise, Angst vor Arbeitsplatz-Verlust, steigender Arbeitsdruck, steigende Lebenserhaltungskosten und so weiter - und ein jeder ist davon betroffen, aber es gibt wenig Zusammenhalt und wenig, wo man sich mitteilen kann. Das Lustige ist, dass der Song zu völlig anderen Themen auch passt: Flüchtlingskrise, sektiererische Gewalt im Nahen Osten und so weiter, weil es eigentlich um eine sehr grundlegende Sehnsucht nach Einheit geht."

    Im Herbst kommt ihr neues Album "Swimmers in the Arctic Sea" heraus, nächsten Freitag erscheint die Single "Beating Hearts" als Download.

    Die Jury über Laura Rafetseder:

    Christine Hödl hat weniger auf den Text gehört, sondern versucht, die Musik zu spüren und lobt Lauras außergewöhnliche Stimme: "Der Song war geil."

    Peter Paul Skrepek erklärt, dass "Beating Hearts" musikhistorisch ein klassisches Protestlied ist in der Tradition von Woody Guthrie oder Pete Seeger: "Das war erfrischend, mir hat es gut gefallen."

    Clara Blume unterstreicht die Wichtigkeit eines guten Songtexts: "Das sind 50 Prozent, speziell bei einem Protestsong. Mich hat es musikalisch nicht so überzeugt. Ich finde es interessant, dass sie sich eine unkonventionelle Songstruktur ausgesucht hat, gerade in einer pop-uniformierten Welt. Sie hat sich entschieden, immer dieselbe Melodie zu verwenden und mit einem anderen Text zu durchbrechen. Das find ich mutig, weil es nicht im klassischen Sinne Ohrwurm-Material ist."

    4. Papers Please - "Make Peace, Not Walls"

    Schilderwald: "We are the 99%", "Die Mauern müssen weg!", "Gender Equality", "Power to the People". Sängerin Emily Bottino fordert das Publikum auf, mit ihr zu singen: "United we stand. Divided we fall."

    Papers Please ist ein international besetztes Trio (Österreich, Irland, USA) und protestiert mit "Make Peace, Not Walls" gegen Hass, Intoleranz und Segregation.

    Die Idee für den Song kam dem in Graz lebenden Trio 2014, 25 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer, erzählt Sängerin Emily Bottino im FM4-Interview: "It’s really for anybody who has ever been on the wrong side of any kind of wall, any kind of divider. For me that means being a foreigner in Austria and the countries that I’ve lived. It also means being a woman, but it also means being white or an English speaker or being misunderstood about the opinions that I have."

    Die Jury über Papers Please:

    Farangis Nomadee: "Es flowt. Cooler Song".

    Clara Blume: "Die Frau hat eine Hammer-Stimme, eine Wahnsinns-Ausstrahlung."

    Martin Blumanau: "Das war schönes Mutmachen im Dunkeln", was auch immer das bedeuten mag.

    5. Shan Blitzero - "Das gute, alte Vorurteil"

    Eine Ode an die Voreingenommenheit stimmt der weiß-gekleidete Shan Blitzero mit seiner Ukulele an. Unterstützt wird er dabei von einem Kontrabassisten, einem Schlagzeuger und einer Sängerin im Dirndel. Auf Blitzeros Brust prangt ein "Abgestempelt"-Schild, auf seinem Haupt trohnt ein Palästinenser-Tuch. Tosender Applaus! "Das Lied ist jetzt nicht so gut angekommen", scherzt Ostrowski. Unserem Moderator muss der Musiker erklären, dass Shan Blitzero ein Anagramm des Namens Hans Lobitzer ist.

    Lobitzer ist ein treuer Begleiter des Protestsongcontests. Seit fünf Jahren ist es für den Wiener Musiker Tradition, zwischen Weihnachten und Neujahr ein Protestlied zu schreiben und beim Wettbewerb einzureichen. Dieses Mal beschäftigt er sich, wie viele andere Künstler beim Protestsongcontest, mit der Flüchtlingsthematik. Sein Song "Das gute, alte Vorurteil" protestiert gegen Schubladendenken und fordert zu einem respektvollen Miteinander auf.

    Die Jury über Shan Blitzero:

    Farangis Nomadee gefällt, dass Blitzero ein Wiederholungstäter beim Protestsongcontest ist: "Textlich ist es etwas, was wir bei Refugees Welcome sehr oft im Sommer erlebt haben. Er hält der Gesellschaft einen Spiegel vor." Sie erzählt von ihren Erfahrungen mit ihren eigenen Vorurteilen, die sie, als Kleinkind ebenfalls Flüchtling, auch selbst gehabt hat, bevor sie im Sommer nach Traiskirchen gefahren ist.

    Peter Paul Skrepek spricht die Rolle der Medien an: "Die Medien sind nicht die gschissenen. Die machen nur das, was ihnen angeschafft wird. Nachrichten sind ein großes Geschäft. Es wird verkauft. Wenn nichts passiert, wird was erfunden. Und diese Krise, die uns hier in den letzten Jahren erreicht hat, ist in Wirklichkeit eine gigantische Nachrichteninszenierung mit echten Darstellern."

    Christine Hödl erzählt über ihre persönliche Erfahrung mit Flüchtlingen und geht ebenfalls nicht wirklich auf die Musik ein. Schade!

    6. Barefoot Basement meets Tombo - "Right Neider"

    Pow! Es wird laut, dicht und dubbig. Bläser-Fanfahren, ein zwingender Groove. Das Publikum beginnt sich erstmals zu bewegen und reckt die Faust. Die Melodie kennt man, es ist die Titelmusik von "Knigth Rider", den Barefoot Basement zusammen mit Tombo in den "Right Neider" verwandelt haben. Im Song geht es um Mitgefühl, erklärt Sänger Tombo Michael Ostrowski.

    Jetzt um 21:33 Uhr glaubt man, den Gewinner des 13. Protestsongcontests bereits zu kennen - der Applaus nimmt kein Ende, die Jury ist begeistert. Martin Blumenau lobt das Mitgefühl von Tombo, weil er ihn auf der Toilette vorgelassen hat und war auch musikalisch überzeugt: "Das ist doch eindeutig das Beste, was wir heute gehört haben. Der Text hat die richtigen Bilder evoziert, das ist musikalisch voller Pfeffer, das war live mit vielen Menschen. Da war alles da. Ich glaube, wir können Schluss machen!"

    Clara Blume würde Martin Blumenau gerne widersprechen, schafft es aber nicht: "Das war unfassbar. 100 Prozent Thumbs Up."

    Barefoot Basement ist eine instrumentale Reggae und Dub-Combo aus Wiener Neustadt, die sich beim FM4 Protestsongcontest wortgewaltige Unterstützung von Tombo, dem ehemaligen Frontman von Cheese Vibes holt. Der Titel ihres Protestsongs ist ein Wortspiel - "Right Neider" statt "Knight Rider" und mit Ska und Reggae-Geschützen wie Akkordeon, Keyboard, Orgel, Gitarre, Schlagzeug, Bläser und Bass protestiert die neun-köpfige Formation gegen die erstarkende rechte Szene im Land.

    7. Sarah Lesch - "Testament"

    Nach der neunköpfigen Barefoot-Basement-Batterie wird es wieder leerer auf der Bühne. Räumlich wie musikalisch. Die Sängerin Sarah Lesch kommt in Begleitung ihrer Gitarre auf die Bühne und schnorrt sich erstmal ein Bier und fragt, wer denn dieser Grissemann sei, denn im Backstage hat jemand an die Wand geschrieben: "Grissemann, ich will ein Kind von dir" und drunter steht: "Wer nicht?". "Deshalb will ich wissen wer Grissemann ist. Vielleicht verstehen wir uns ganz gut - und sorry, dass ich euch jetzt so eine Klatsche mit meinem Song verpassen muss."

    Sympathische Ansagen der Leipziger Liedermacherin, ihr nachdenklicher Protestsong "Testament" erinnert an Bettina Wegners "Kinder (So kleine Hände)" und richtet sich gegen die Verrohung der Gesellschaft und des eigenen Selbst: "Es ist eine Verteidigung für die Verletzlichkeit in uns, die man sich bewahren sollte." Der Songtitel "Testament" verrät es schon. Das Lied ist ein Vermächtnis an ihren elfjährigen Sohn, den Sarah Lesch nur sehr ungern in die Schule geschickt hat, denn die Schule ist für sie ein Ort des Zwangs und der Verletzungen. Sie selbst konnte und wollte sich als Kind nicht in das enge Schulsystem einfügen: "Das Lied soll ihn immer daran erinnern, dass er frei ist und nur sich selbst gehört. Niemand anderem und keinem System."

    Nach dem Auftritt: tobender Applaus aus dem Publikum. Michael Ostrowski kommt mit einem Foto von Grissemann auf die Bühne - und Sarah Lesch kommentiert: "Ach Gott". Priceless!

    Die Jury über Sarah Lesch:

    Farangis Nomadee lobt ihre Bühnenpräsenz: "Gänsehaut. Super Stimme. Hut ab vor dem Text."

    Peter Paul Skrepekt: "Eine Mischung aus Reinhard Mey und auf der anderen Seite erinnert sie mich an Franz Josef Degenhart. Sarah ist etwas gelungen, was heute Abend noch überhaupt nicht gelungen ist: Systemkritik, ohne jemanden in die Suppe zu spucken. Ich glaube, was Besseres kommt heute nicht mehr."

    Clara Blume: "Sarah, scheiß auf Grissemann. Wir wollen ein Kind von dir."

    Elias Hirschel: "Textlich das beste Lied des Abends. Das Lied dauert sechs Minuten lang, hat keinen Refrain und wird nicht langweilig. Das ist nicht leicht, das zu schaffen."

    8. Junk & Mr. 3st - "Train of Hope"

    Junk ist ein HipHop-MC aus Wien, der gerne Sprüche klopft, ihnen aber auch Taten folgen lässt. Im Herbst war er einer der vielen freiwilligen Helfer am Wiener West- und Hauptbahnhof" und nach der Hilfsorganisation "Train of Hope" hat er auch seinen Protestsong benannt: "Es ist ein sehr persönliches Thema, ich war selbst am Hauptbahnhof tätig für mehrere Wochen. Im Song hab ich meine sehr persönlichen Erlebnisse von dort verarbeitet", erzählt Junk im FM4-Interview.

    Train of Hope hat momentan seine Zelte am Wiener Hauptbahnhof abgebrochen, doch im Frühling will die Initative wieder zurück kehren und dann wird auch Jakob Wirl aka Junk wieder mithelfen. Neben Train of Hope engagiert er sich auch noch in einem Jugendzentrum für die Integration von minderjährigen Flüchtlingen.

    Bei seinem Auftritt hat Junk Unterstützung von DJ A.B.L.E. und seinem Back-Up-MC Cle von "Die Stunde der Dilettanten".

    Die Jury über Junk & Mr. 3st:

    Martin Blumenau analysiert "eine zerrissene Skizze, um jetzt ein Bild zu evozieren. Ich finde das deshalb adäquat und angebracht, weil die Train-of-Hope-Helfer-Geschichten hören ja nicht auf, das läuft ja weiter. Das heißt, das Stück geht einfach rein in diese Szenerie, bleibt drinnen und geht unvermittelt wieder raus. Entsprechend zu dem, wie es ausschaut. Das finde ich atmosphärisch schön gelungen. Fast filmisch."

    Farangis Nomade: "Der Song malt definitv Bilder, von dem was Helfer und Helferinnen das letzte Jahr über erlebt haben. Er erinnert mich an viel, was passiert ist. Es ist schon so ein bissl ein Leidenskampf. Das ist unpackbar, wie viele Leute sich da engagieren und man ist dann irgendwann am Ende der Energiereserven angelangt. Die Hook ist etwas zurückhaltender, ich glaube das ist der letzte Funken Energie, wir können jetzt noch nicht aufhören, wir müssen jetzt noch weiter tun. Das hat das für mich musikalisch widergespiegelt."

    9. Holawind - "Johanna"

    "Diese Lied ist für die Johanna geschrieben - voller Liebe", verkündet die mit Krone und rotem Umhang verkleidete Sängerin Raffaela Gmeiner. Das Protestlied von Holawind heißt "Johanna" und richtet sich gegen die österreichische Innenministerin Johanna Mikl-Leitner: "Europa muss eine Festung werden, Flüchtlinge dürfen Schutz haben, aber nicht in Österreich", zitiert die Sängerin die Innenministerin im FM4-Interview: "Solche Aussagen sind dermaßen widerlich, dagegen muss protestiert werden."

    Holawind besteht aus fünf jungen Studierenden, die sich beim Musikwissenschafts- bzw. Musiktherapie-Studium in Wien kennengelernt haben. Mit Cello, Harfe, Hackbrett und Percussion verbindet das Quintett traditionelle Volksmusik mit jazzigen Einflüssen und kritischen Texten.

    Die Band gibt es erst seit einem Jahr, ihr Auftritt im Finale des Protestsongcontests war erst ihr Zweiter. Der erste war beim Vorfinale. Souverän gemeistert!

    Die Jury über Holawind:

    Elias Hirschel ist voller Lob: "Die Instrumentierung ist nicht zu toppen. Kein einziges 'normales' Instrument ist dabei. Finde ich großartig. Auch textlich, schön gereimt. Ich mag die heisere Stimme der Sängerin."

    Christine Hödl wär wie Elias Hirschel auch gerne bei Holawind dabei. Am liebsten als Harfe, Martin Blumenau wäre dann gern das Hackbrett.

    10. Bernhard Eder - "Es is zum rean"

    Der letzte im Bunde ist Bernhard Eder. Sein melancholisches, dennoch kraftvolles Protestlied "Es is zum rean" richtet sich vor allem gegen das heimische Kleinformat: "Es geht um gewisse Tagesblätter, die man eh so kennt und gewisse Politiker und gegen eine gewisse Stimmung, die seit einigen Monaten in diversen Foren und auch auf Facebook herrscht."

    "Es ist zum rean" ist Ende August 2015 entstanden. In nur zwanzig Minuten hat er sich all seinen Frust von der Seele geschrieben: "Traiskirchen war ein Auslöser und dass die Regierung überhaupt nichts gemacht hat. Das waren Zustände unter aller Sau - und die haben sich nicht einmal zu Wort gemeldet, die waren scheinbar alle auf Urlaub. Und dann diese Medienberichte. Wie die über Sachen berichtet haben."

    "Melodies for Refugees" unterstützt FlüchtlingshelferInnen, die CD gibt es im FM4 Shop.

    Der Song ist übrigens auch auf dem von Bernhard Eder organisierten Sampler "Melodies for Refugees" zu finden und im Finale wurde Bernhard Eder von einem Chor bestehend aus befreundeten Musikern und Musikerinnen unterstützt, "weil die Veranstaltung ausverkauft war und die alle auf die Gästeliste wollten." Eine kleine Protestparty auf der Bühne - und im Publikum.

    Die Jury über Bernhard Eder:

    Farangis Nomade: "Der Text spricht sicher sehr vielen Leuten aus der Seele, weil man einfach die Schnauze voll hat von dem, was man die ganze Zeit liest. Es bringt den Frust von vielen Leuten einfach auf den Punkt. Es ist eine Hymne, ein sehr guter Protestsong. Ich wollte die ganze Zeit auf die Bühne und mitsingen."

    Elias Hirschel: "Großartiger Refrain. Mehr als die Zeile brauchts nicht!"

    Clara Blume: "Der Bernhard. Bist du narrisch. Das ist einer der umtriebigsten Songwriter der Szene. Ich finds fantastisch, weil er wirklich eine laufende Karriere hat. Er releast ständig Alben, die alle funktionieren. Er hat eine bestehende Karriere und trotzdem macht er mit beim Protestsongcontest, was auch ein bisschen ein Sprungbrett ist für jüngere Musiker und das spricht für sich, das ist wirklich keine Selbstverständlichkeit. Was man bei ihm merkt ist, dass er unglaublich bühnenerprobt ist. Irrsinnig resolut und sehr entspannt. Es ist ein unglaublich catchy Song. Das ist ein Vollblut-Musiker. Das war ein ausgesprochen würdiger Abschluss des Protestsongcontests."

    Sarah Lesch hat gewonnen!

    Die Liedermacherin konnte mit ihrem kritischen Song "Testament" Jury, Publikum und euch Online-Voter begeistern und hat deshalb verdient gewonnen. Sie ist am Samstag, den 13.2., live zu Gast in FM4 Connected und am Abend wird sie im Wiener Salon Schräg auftreten. Der Eintritt ist frei, ihre "Gage" wird aus dem bestehen, was ihr ihr in den Hut werfen werdet. Kommet also zahlreich!

    Sarah Lesch gewinnt den PSC16

    Christian Stipkovits, Radio FM4

    Sympathisch, kritisch, witzig: Die Gewinnerin des Protestsongcontests Sarah Lesch

    Das Finale vom FM4 Protestsongcontest könnt ihr euch ab sofort für 7 Tage im FM4 Player anhören. Die ganze Veranstaltung gibt es auch ab Montag im Videostream zum Anschauen.

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    Forum

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    • furbo | vor 106 Tagen, 14 Stunden, 8 Minuten

      Protest gegen die Jury

      Die desaströse Jury hinterlässt einen schalen Beigeschmack von der an sich hochwertigen Veranstaltung: Jurymitglied Hödl ist weder fähig, ihre Gedanken zu artikulieren ohne in belanglose Nebensächlichkeiten abzudriften, noch ihre Bewertung mathematisch fehlerfrei abzugeben. Jurymitglied Skrepek fehlt leider jegliches Gespür, was eine angemessene Lied- oder Systemkritik betrifft. Er verliert sich leider in ausufernden und oberlehrerhaft vorgetragenen Stehsätzen. Liebe PSC-Verantwortliche: Wenn ihr diese Veranstaltung retten wollt, achtet auf die Besetzung der Jury.

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      • herraxolotl | vor 105 Tagen, 21 Stunden, 6 Minuten

        Protest gegen die Jury

        Dem kann ich mich nur anschliessen.

      • zita | vor 105 Tagen, 9 Stunden, 56 Minuten

        Protest gegen die Jury

        Ja, leider muss auch ich mich anschließen, wenngleich die Gewinnerin zurecht gewonnen hat, zumindest ist ihr Sieg nachvollziehbar.
        Die Kommentare der Jury waren aber teilweise von Inkompetenz und teilweise von Selbstbeweihräucherung geprägt.
        Der erste Song wurde z.B. gelobt, weil er auch live so toll funktioniert. Offenbar hat die Jury gedacht, dass das Playback eine unsichtbare live-Band ist (nur der Gesang war bei diesem Act live).
        Ein andermal wurde vergessen, wem man eigentlich 5 Punkte geben will, naja wurscht.
        Was sich leider wie ein roter Faden durch die Kommentare zog, waren Abschweifungen, Themenverfehlungen und oberlehrer/innenhafte Selbstbeweihräucherungen. Zu den Songs selbst wurde oft nichts Relevantes gesagt.
        So gut der Protestsongcontest sowohl von der Gesamtidee als auch von der Umsetzung her ist: Bei der Jury sehe auch ich dringend Handlungsbedarf, von den sechs Juroren sollte wenigstens ein/e arrivierte/r Musiker/in bzw Liedermacher/in dabei sein. Die Schreibtischtäter und Hobbykünstler/innen waren da ganz klar überfordert.