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Musik, Film, Heiteres

Rainer Springenschmid

Punk & Politik, Fußball & Feuilleton: Don't believe the hype!

14. 3. 2016 - 12:13

Alleingelassen - aufgemuckt

Mit der AfD profitiert jetzt auch in Deutschland eine Partei von der jahrzehntelangen Ignoranz der Politik für ein Grundbedürfnis der Menschen: Aufmerksamkeit.

Ich habe oft an Kid denken müssen in den letzten Monaten. Jens-Peter Salzmann, genannt Kid, ein Freund in Weimar, Thüringen, früher DDR. Damals, als wir uns kennenlernten, war die DDR in ihren letzten Jahren, man merkte allerdings noch nichts davon. Eine Horde Punks aus München besuchte ihre Punkerfreunde in Weimar. Wir hatten eine Menge Spaß und immer viel zu wenig West-Bier dabei, aber wenn's sein muss, dann trinkt man eben auch das gallige DDR-Ehringsdorfer. Wir mussten, das war für die Bundis und den Ösi neu, aber für die Weimarer Alltag, immer auf der Hut sein vor der Volkspolizei und den Nazi-Skins, die schon damals nicht zu übersehen waren.

Frauke Petry und Ronald Glaeser

APA/AFP/JOHN MACDOUGALL

Ein Kranz von den Falschen

Die Punks von Weimar waren keine blöden Suffköpfe, sondern intelligente, spaßbegabte kritische Geister, die aus dem permanenten Katz und Maus-Spiel mit den DDR-Obrigkeiten eine Menge Spaß ziehen konnten, obwohl es beileibe nicht immer ein Spaß war. Täd, der Sänger ihrer Bands Küchenspione und Mehrzweckorchester Fröhliche Note, fasste für seine Texte ein halbes Jahr Knast aus, und er war nicht der einzige. Kid war der Leader of the Pack, vor allem war er der intelligenteste, amüsanteste und aktivste der Gruppe.

Wahrscheinlich war auch die Idee auf seinem Mist gewachsen, am Jahrestag der Befreiung des KZ Buchenwald, am Denkmal des dort ermordeten Kommunisten Ernst Thälmann, einen Kranz mit der Aufschrift Nie wieder Faschismus - die Punks von Weimar niederzulegen. "Sie haben uns nicht gelassen", erzählt Kid Salzmann gerne, mit gespielter Verwunderung und einem Schmunzeln um die Mundwinkel. Die Punks erschienen dem realsozialistischen Staat wohl vor allem deshalb so gefährlich - und weit suspekter als die Nazis - , weil sie ihn von einer linken Grundhaltung aus vorführten. "Wir sind ja auch Sozialisten", grinste Kid ein ums andere Mal, "aber wir meinen's ernst. Und wir wollen halt auch Spaß haben."

Nach der Wende kamen schnell die Gegenbesuche, irgendwann wurde der Kontakt dann eher sporadisch. Zum zwanzigsten Mauerfall-Jubiläum vor ein paar Jahren fuhr ich nach Weimar und führte mit Kid Salzmann, inzwischen vom Platinen-Löter zum Meister in japanischer Akupunktur umgeschult, ein Interview zum Thema. Es sollte eins der besten, interessantesten und berührendsten Interviews werden, die ich bis heute geführt habe.

Die Umstände haben sich gedreht

Nicht nur, weil Kid ein begnadeter Erzähler ist, er ist auch ein scharfer Analyst der Verhältnisse. An der Tatsache, dass er, der von der DDR-Staatspartei SED auf die schwarze Liste gesetzte Anarcho-Rebell, zwanzig Jahre später die aus der SED hervorgegangene Linke wählte, konnte er nichts seltsam finden. "Die Umstände haben sich eben geändert", meinte er trocken. Und er beschrieb diese Umstände gewohnt griffig: "Mir selbst geht es zigmal, hundertmal, tausendmal besser als zu DDR-Zeiten. Aber es gibt hunderttausende, Millionen Menschen, denen es schlechter geht. Die Leute werden mit ihrer Gesundheit alleine gelassen, die Leute werden mit ihrem Wunsch nach Arbeit alleine gelassen. Wenn du früher eine Bohrmaschine gebraucht hast, weil du einen Schuppen gebaut hast, bist du zum Nachbarn eine ausborgen gegangen und der ist noch mitgekommen und hat dir beim Bauen geholfen. Heute hörst du kauf Dir doch selber eine im Baumarkt."

Diese Sätze waren es, an die ich so oft denken musste, wenn in den letzten Monaten die Neid-Debatte um die aus Syrien Vertriebenen aufkeimte. Diese Sätze waren es, die mir in den Sinn kamen, als ich darüber nachdachte, was um alles in der Welt eigentlich vernunftbegabte Menschen dazu bringt, gegen eine vermeintliche Islamisierung des Abendlandes auf die Straße zu gehen. Und diese Sätze sind es, die mir nicht aus dem Kopf gehen, wenn ich die zweistelligen AfD-Wahlergebnisse von gestern oder die aktuellen Umfragewerte der FPÖ sehe. Oder wenn ich den Diskursen zuhöre, die bis weit in die Mitte der Gesellschaft reichen.

Ich bin weit davon entfernt, anzunehmen, dass ausschließlich Nazis und Rassisten rechtspopulistische Parteien wählen. Natürlich, ein gewisser rassistischer und autoritärer Bodensatz gehört dazu, aber es wäre wohl vermessen zu behaupten, dass sich mehr als eine kleine Minderheit an Menschen in Europa vollständig von den rassistisch und autoritär geprägten gesellschaftlichen Strukturen haben frei machen können. Aufrichtiger Antirassismus kann nur davon ausgehen, sich seiner eigenen Prägungen bewusst zu sein und sich davon zu lösen zu versuchen.

Der rassistische Bodensatz

Was also braucht es, um diesen latenten, virulenten Rassismus zu entfesseln? Woher kommt diese gehörige Portion Wut, dieser Hass auf Fremde und aufs politische Establishment, das die westliche Welt von Frankreich bis Polen und von Österreich bis in die USA durchzieht?

Ich denke, es liegt genau an dem, was Kid Salzmann beobachtet hat, zum Zwanzigjährigen des Mauerfalls: die Menschen fühlen sich alleingelassen. Denn der Mauerfall war ja nicht nur eine Zeitenwende für die EuropäerInnen östlich des Eisernen Vorhangs, sondern auch für die im Westen. Das Ende der Geschichte war einer der Slogans, mit dem recht unverblümt verkündet wurde, dass nun Schluss sein müsse mit dem ganzen sozialen und politischen Gedöns, die Ära des Turbokapitalismus wurde eingeläutet, die Fesseln wurden abgestreift, denn der Zusammenbruch des Ostblocks sei der endgültige Beweis, dass Sozialismus und mit ihm jeglicher Gedanke an Soziales unnützer Ballast sei.

No such thing

"There is no such thing as society", das Bonmot der Grande Dame des Neoliberalismus, Margaret Thatcher, wurde zum Schlachtruf der neuen Zeit, zu einem Schlachtruf, in den auch die Sozialdemokratie nach Blair und Schröder freudig einstimmte. "Reform" war der Kampfschrei und ist es bis heute, obwohl schon seit Jahren niemand mehr weiß, was, warum und wozu reformiert werden soll und was eigentlich das Ziel dabei ist. Egal. Wer nicht mitmacht, der ist ewiggestrig, politisch zurückgeblieben und ein Bremsklotz.

Vorbei die Zeiten, als man sich Gedanken darüber machte, das Leben der Menschen in seinem Land (oder in Europa oder auf der ganzen Welt, je nach politischem Standpunkt) verbessern zu wollen. Heute will man nur noch die Bedingungen für die Wirtschaft verbessern Handelshemmnisse abbauen und Standortfaktoren optimieren. Dass bei jeder Pensionsreform, bei jeder Steuerreform, bei jeder Gesundheitsreform und bei jeder Arbeitsmarktreform am Ende weniger Geld und soziale Stabilität für einen großen Teil der Bevölkerung herauskommt, das hat das politische und das journalistische Establishment über Jahre hinweg maximal mit einem Schulterzucken zur Kenntnis genommen. Die soziale Frage war eben nicht mehr sonderlich hip, wer sie stellte, war Ideologe, Realitätsverweigerer, übriggebliebener Altsozialist, Gutmensch oder Sozialromantiker - und wer wollte schon übriggeblieben sein?

Gnadenlosigkeit als politisches Geschäftsmodell

Wer die Alternativlosigkeit, die eine Gnadenlosigkeit ist, nicht im eigenen Geldbeutel merkte, der merkte sie am gestiegenen Konkurrenzdruck. Mehr Stress am Arbeitsplatz, das Damoklesschwert von Einsparungen und Umstrukturierungen hängt seit Jahren permanent über den allermeisten von uns. Und es sind nicht nur die Taten, die die Menschen aus ihrer sozialen Sicherheit reißen, es sind vor allem auch die Worte, die permanente Drohung mit der Unausweichlichkeit des immer weiter fortschreitenden Sozialabbaus, die uns die Frage Wann trifft es mich? in die Hinterköpfe einbrennt.

Es ist noch gar nicht so lange her, da inszenierte das politische Establishment Europas in einem öffentlichen Schauprozess den Höhepunkt dieser sozialen Eiszeit am Beispiel Griechenlands. Jeder konnte sehen, dass in dem Land, das Europa seinen Namen gab, in der Wiege der Demokratie - auf die man, wenn es erforderlich war, aus dem Stegreif Lobeshymnen singen konnte - die Gesellschaft mutwillig zugrunde gerichtet, Millionen Menschen in Armut gestürzt, das Gesundheits- und Pensionssystem ruiniert und der Lebensstandard fast aller Menschen massiv verschlechtert wurde. Weil diese Menschen und ihre Leben wertlos waren im Vergleich zu den Wirtschaftsdaten, im Vergleich zu Eigentum und Profiten von Banken und Konzernen, zu dem, was als notwendig bezeichnet wurde. Das Zeitalter der Alternativlosigkeit hatte sein Hochfest gefeiert.

Und auf einmal kamen die Flüchtlinge. Die Menschen, deren Not jeder, sogar das politische Establishment, zur Kenntnis nehmen musste. Sie starben nicht lautlos und unmerklich, wie die tausenden Säuglinge oder Pensionisten, denen das im Namen der wirtschaftlichen Notwendigkeiten zugrunde gerichtete griechische Gesundheitssystem nicht mehr helfen konnte. Nicht lautlos wie die tausenden verarmten Griechen, die Selbstmord begingen, weil sie keinen Ausweg aus der im Namen des Eigentums verordneten Armut sahen. Die Flüchtlinge flohen vor einem mörderischen Krieg, dessen Bilder täglich auf unsere Screens getragen wurde, und sie starben zu hunderten und zu tausenden auf dem Weg zu uns.

Die Bilder der Toten

Das Elend, die Not wurde sichtbar, und die, die es mitbrachten, bekamen das Mitgefühl nicht nur der Gutmenschen, sondern auch das der Politik, denn wäre die mit ähnlicher Gnadenlosigkeit vorgegangen wie im Fall Griechenlands, die Fassade der Europäischen Werte, die man sich als ideologisches Backup bewahrt hatte, wäre kaum aufrechter zu erhalten gewesen.

"Und was ist mit unseren Armen und Obdachlosen?" riefen die, die sich um die Armen und Obdachlosen am allerwenigsten scherten - und die Empörung war groß. Geht es denn nicht selbst den Ärmsten in unserer Gesellschaft noch hundertmal besser als einem Menschen, der im syrischen Bombenterror alles verloren hat, und auf der Flucht vielleicht noch einen Bruder, einen Partner oder ein Kind dazu? Aber es geht den Rechten natürlich auch heute nicht um die Armen und Obdachlosen, sondern um das uns, nicht um das uns als Gemeinschaft, sondern um das uns als Gegensatz zu denen. Die Menschen, die sich von diesem uns angespornt fühlen, wie blind ausgerechnet die Parteien der noch größeren Gnadenlosigkeit zu wählen, scheren sich nicht um harte Fakten und nackte Zahlen, denn es geht nicht um harte Fakten und nackte Zahlen.

Nein, man beneidet Flüchtlinge nicht um das bisschen Materielle, das sie bekommen, und die erfundenen Zahlen und die Gratis-Smartphones sind eine Metapher. Es geht um Aufmerksamkeit, um Zuwendung, darum, dass der Staat, die Gesellschaft, der öffentliche Diskurs, das politische und gesellschaftliche Establishment sich jahrzehntelang um das Leben der Kapitalismusverlierer nicht geschert haben, und es zum großen Teil auch heute noch nicht tun. Der Satz "was wollt ihr, ihr habt es doch immer noch besser als die Flüchtlinge" ist Hohn in den Ohren der Menschen, deren Hoffnung auf ein Leben in Wohlstand und sozialer Sicherheit mit jeder Reform ein Stück mehr zerronnen ist. All das, die Aufmerksamkeit, die Zuwendung, den öffentlichen Diskurs, das Kümmern und das "wir schaffen das", das ihnen in den Jahrzehnten seit der Ausrufung von Turbokapitalismus und Eigenverantwortung verweigert wurde, das bekommen die Flüchtlinge.

Opfer bringen für den Profit

Seit Jahrzehnten lautet die Botschaft des Establishments "Wir alle müssen Opfer bringen" - und jeder weiß, dass mit "wir alle" die, die es sagen, nicht mitgemeint sind. Muss man sich angesichts dieser Gnadenlosigkeit wirklich wundern über die Schießbefehl-Forderungen von rechts außen? Ja, die Gnadenlosigkeit der politischen Rechten ist noch viel größer, denn sie forcieren in ihrer Bigotterie den Sozialabbau überall dort, wo sie regieren, aber dieses Paradox lösen sie mit einer Lüge auf, die ihnen viele gerne glauben, weil es eine letzte Hoffnung ist für ihre Existenzangst: Wenn du uns wählst, dann trifft es nicht "uns alle", es trifft nur die anderen.

Natürlich geht es nicht allen Rechtswählern materiell schlechter als früher, und natürlich ist das soziale Netz noch nicht völlig zerschnitten, in Teilbereichen funktioniert es besser als je zuvor. Aber der Mensch lebt nicht vom Brot allein, er braucht auch das Gefühl, in der Gesellschaft etwas zu zählen und der Allgemeinheit etwas Wert zu sein. Wenn sich dieser Wert ausschließlich am erwirtschafteten Profit bemisst, wenn das eigene Leben keinen Wert mehr hat, dann fühlt man sich, wie Kid Salzmann es beschrieben hat, allein gelassen. Dann findet man selbst in der Rückschau auf einen Unrechtsstaat wie der DDR eine Art von Menschlichkeit, die man heute vermisst.

Wen wundert es also, dass das zum Kollateralschaden des Turbokapitalismus degradierte Volk dann die wählt, die der eigenen Stimme Aufmerksamkeit verschaffen? Nicht die zahnlosen Linken, die man mit Schulterzucken und Ignoranz klein halten kann. Sondern die, vor denen die Etablierten zittern? Nicht trotz der gut gemeinten Appelle wählt man Trump, Le Pen und AfD, nicht obwohl sie von allen Umstehenden für verrückt oder zumindest für irrational erklärt und lächerlich gemacht werden, sondern gerade deswegen.

Wasser auf die Mühlen der Rechten

Und in dieser Konstellation ist fast jede Reaktion des Establishments, die wir in den letzten Jahrzehnten hierzulande erlebt haben - und die uns die Deutschen, lernresistent, seit Monaten nachahmen - nur neues Wasser auf die Mühlen der Rechten: denn stellt man sich den Wählern entgegen und erklärt ihnen ihre Irrtümer von oben herab, dann vertieft man die Gräben; verschärft man in vorauseilendem Gehorsam das Asylrecht, bestätigt man deren Slogans und befeuert ihre Kampagnen erst recht. Nimmt man die rechten Parolen zum Maßstab der Politik, übersieht man die eigentlichen Bedürfnisse, die sich dahinter verstecken, erst recht wieder.

Will man den Rechten das Wasser abgraben und die Spaltung der Gesellschaft überwinden, dann muss man aufhören, die sozialen Verlierer, die Unterschicht, für ihre Rechtschreibfehler und ihre mangelnde Bildung zu verlachen und muss aufhören, aus der privilegierten bildungsbürgerlichen Position die immer noch wachsende soziale Unsicherheit mit Achselzucken und neuen Selbstoptimierungs-Anstrengungen zur Kenntnis zu nehmen.

Wir müssen wieder über die soziale Frage sprechen und über soziale Sicherheit, wir müssen darüber reden, wie man Steuerflucht bekämpft und Vermögen gerecht verteilt, anstatt darüber, wessen Pensionen man kürzt und wo der Sparstift noch zu nachsichtig war. Wir müssen die Kälte vertreiben, und vor allem denen wieder zuhören, mit ihnen reden statt über sie – und wir müssen die eigentlichen Bedürfnisse, die sich hinter den rechten Slogans verstecken, zur politischen Agenda machen. Wir müssen uns wieder um das gute Leben kümmern. Nicht nur für uns Bobos, sondern für alle.

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  • softmachine | vor 129 Tagen, 9 Stunden, 49 Minuten

    ein guter artikel, aber die story von tausenden toten säuglingen und pensionisten in GR ist eine populistische mär.

    Auf dieses Posting antworten
  • bolle | vor 131 Tagen, 9 Stunden, 52 Minuten

    Tickt der Osten anders?

    "Ich denke, es liegt genau an dem, was Kid Salzmann beobachtet hat, zum Zwanzigjährigen des Mauerfalls: die Menschen fühlen sich alleingelassen."
    Das ist aber nur der "halbe Schritt", der ignoriert, dass Verantwortung, Emanzipation und Aufgeklärtheit auch aus einem selbst kommen müssen. Die DDR-Alternativszene ist ja der beste Beleg dafür, dass man sich einem System auch entziehen kann und eigene Lebensräume entwickeln kann. Ich bin selbst "Born in the GDR" und habe allergrößte Schwierigkeiten, meine "mitteldeutschen Landsleute" auch nur ansatzweise zu verstehen. Wer AfD, Pegida und Co. allen Ernstes als "Wende 2.0" begreift, hat - mit Verlaub - nicht alle Latten am Zaun. Die fehlende Bereitschaft (und der MDR ist hierbei der "beste Verbündete") der Selbstemanzipation ist für mich nicht entschuldbar. Früher und teilweise noch heute wählt(e) dieses Mileu PDS (Linkspartei), die sich nicht im Geringsten anschickt, "modern, avangardistisch und aufklärerisch" zu sein (siehe Wahlplakate in Sachsen-Anhalt, bräsiger kann ein Spitzenkandidat nicht daher kommen), wie sich eigentlich für "links" gehören sollte. Ein viel größerer Teil wählt nun, im Grunde konsequenterweise, AfD, und glaubt, das wäre die Rettung. Hinzu kommt die Ignoranz des Westens, auch nur ansatzweise die Bedeutung des Wende-Herbstes (in der...

    Auf dieses Posting antworten
    • bolle | vor 131 Tagen, 9 Stunden, 52 Minuten

      ...DDR)als Selbstbestimmung der Bürgerinnen und Bürger "Ost" anzuerkennen, die eine belastbare mediale Auseinandersetzung nicht zulässt und doch einmal so dringend nötig wäre. Ich befürchte, dass die Abkopplung Ost-/Mitteldeutschlands in noch rechtere und reaktionäere Gefilde noch längst nicht abgeschlossen ist.

    • bolle | vor 131 Tagen, 9 Stunden, 44 Minuten

      PS: danke, Rainer, für den sehr lesenswerten Beitrag. Und nicht zuletzt dafür, dass Du mit einer authentischen "Ost-(DDR-)-Sicht" beginnst.

  • meinemutter | vor 132 Tagen, 4 Stunden, 19 Minuten

    willkommen in unserer ösi-welt,deutschland.
    30 jahre lang (bzw seit haider 1984) konntet ihr euch zurecht überlegen vorkommen..vorbei

    jetzt verstehen hoffentlich auch eure bobos die logische lösung weche wäre-->
    nichtmehr wählen gehen!
    weder die NLP seminar opfer die sich selbst als "gutmensch" bezeichnen und PK oder orthografie als normierung eines souveräns ansehen wollen..die huxleys.
    die eine gouvernementalität durch eine strikte kontrollsemantik des menschen vollziehen.obwohl das wort bei weitem nicht das komplexeste unserer ton und bildfrequenz ist.ergo ziemlich scheissegal

    und die noch grösseren vollidioten bzw. machtgeilen NLP vollidioten die den demagogen seit 2000 jahren mimmen und eine souveränität mit sicherheitsdispositiven erzwingen wollen(und ähnlicher PK semantik neuerdings)
    http://www.uni-muenster.de/PeaCon/global-texte/g-bio/g-bio-n/foucault-vorlesung-17-3-76.htm

    es war nicht margaret thatcher und die neoliberalen reagonomics, die ein neues zeitalter eingeleitet haben es war eine digitalisierung die den ersten schritt zu datenbeschleunigung im mainstream einleiten konnte.

    scheiss auf dieses cognitive bias game
    give it to the machine.
    das sagte marx schon den linken mit seiner "sprache der maschine".
    und die heutige maschine sagts den konservativen empirikern ohnehin in ihrem instinkt.

    der tenor"geh wählen sei ein teil es ist für dich wer nicht wählt ist ein blöder mongo buhuhuuhu"
    zunehmend lächerlich

    https://en.wikipedia.org/wiki/E-democracy

    Auf dieses Posting antworten
    • meinemutter | vor 132 Tagen, 4 Stunden, 15 Minuten

      unsere vorväter haben gekämpft damit wir frei wählen können die kinder in afrika buhuhu

      fuck off
      geh nicht wählen sei kein volltrottl!

    • meinemutter | vor 132 Tagen, 4 Stunden, 11 Minuten

      solang es menschen sind

    • appetiteforconstruction | vor 130 Tagen, 20 Stunden, 12 Minuten

      Und was genau bewirkst du, wenn du nicht wählen gehst? Was ändert sich? Nichts. Wenn für dich eh alles ok ist und du findest, dass alle Parteien gleich gut (oder gleich schlecht) sind, dann lass es. Wenn doch nicht alles super ist, wenn dir manche Parteien vielleicht doch besser (oder weniger schlecht) als andere erscheinen und du dir Gedanken über Probleme und Lösungen machst (und du denkst offenbar viel nach, auch wenn dein Stil es eher nicht leicht macht, dir zu folgen), dann beweg deinen Arsch und schlepp dich gefälligst ins Wahllokal.

      Und ja, auch wenn es pathetisch klingt, es sind Tausende Menschen dafür gestorben, dass sie - und wir - frei wählen können. (Und es sterben auch jetzt noch jeden Tag Menschen dafür, dass sie das auch wollen - in ihrer Heimat oder auf der Flucht zu uns.) Das Mindeste, was wir tun können, ist dieses Opfer zu würdigen und die Freiheit, die uns andere (unsere Vorväter und -mütter, fremde Soldaten,...) geschenkt haben, verantwortungsvoll zu nutzen.

    • meinemutter | vor 130 Tagen, 18 Stunden, 34 Minuten

      das hauptargument früher war
      "schlag was besseres vor!"
      nichtwählen gehen war somit wirklich dumm
      (in entwicklungsländern wäre es heute noch dumm nicht wählen zu gehen weil sie einfach technisch noch nicht derartig vernetzt sind)
      mittlerweile tun sich ernstzunehmende alternativen auf
      "schlag was besseres vor"?
      bitteschön:
      http://www.donau-uni.ac.at/en/department/gpa/telematik/edemocracy-conference/edem/vid/22330/index.php?cursor=16

      http://www.ibm.com/industries/government/ieg/pdf/e-democracy%20putting%20down%20roots.pdf.

      http://blogs.lse.ac.uk/europpblog/2015/06/23/five-minutes-with-peter-parycek-data-and-artificial-intelligence-are-areas-where-well-see-big-changes-to-the-way-democracy-works/

      auch der EU council hat eigene stellen dafür eingerichtet.
      die amerikanische regierung,die baidu uni in peking,jedes top college befasst sich damit
      ganz zu schweigen von den top tech playern google undco(die schon eigene diplomatische stellen in ländern haben ..und das als private tech company
      https://wikileaks.org/google-is-not-what-it-seems/

      etc etc
      es ist keine komplette utopie mehr!

      die zeiten wo politiker eine bewegung vertreten und effektiv die menschheit kompromisslos nach vorne bringen können sind vorbei.
      die FDRs kreisky JFKs.die haben den krieg noch miterlebt das sind menschen die wussten was es heist sein leben für das "grosse ganze" zu opfern.zB für rechte des arbeiters "a giant leap for mankind!".für die lohnte es sich zu kämpfen und wählen zu gehen.aber es gibt sie nichtmehr.
      alles wird dermaßen verzerrt bis die eigentliche idee nichtmehr erkennbar ist wenn sie realisiert wird.
      das hat den vorteil das ein trump/strache/adf im dualisistischen system"cognitive bias" niemals komplett das sagen haben werden.es ist nachwievor eine absicherung gegen eine diktatur.
      der nachteil ist...

    • meinemutter | vor 130 Tagen, 18 Stunden, 33 Minuten

      das zB. obamas/faymanns/merkels reden einfach nur schöne reden(zumindest bei obama) sind ohne effektive realisierung dahinter.

      wir sind einfach assimiliert in der NLP rhetorik wo sich die neoliberalen genauso auskennen wie die anderen.
      man hat sich schon damit abgefunden nichtsmehr in der ökonomisch wie ökologischen wirklichkeit durchsetzen zu können.. es wurde ein "house of cards" spiel.
      zuerst sind wir alle human und es wird niiimals einen grenzzaun geben
      paar tage später zerknirscht "ja da müsse ma türen mit absperrungen links und rechts hinstellen"(copyright standup comedy gott faymann)
      und so geht das die gaaanze zeit in jeeeeder entscheidung.wir sinds schon gewohnt und nehmen es hin!
      ist das effektiv for mankind?

      stell dir vor es geht niemand mehr wählen und die stochastisch unzulässliche untergrenze wird erreicht bis sich bernoulli undco im grab umdrehen(beteiligung ist ohnehin nurmehr bei 60%)
      DAS wäre ein statement.

      direkte demokratie ist keine utopie mehr..sie ist seit jahrzehnten in den startlöchern nur die technologie fehlte.daher musste man "zwischen" den statistiken hampelmänner/frauen hinstellen
      http://www.wired.com/1994/01/e-dem/

      die wirtschaft geht damit schon in die mainstreamphase
      http://www.wired.com/insights/2015/02/what-can-watson-do-for-your-company/

    • meinemutter | vor 130 Tagen, 18 Stunden, 13 Minuten

      will man programme von den besten nerds des planeten erstellt,die psychologische,ökonomische parameter und faktoren in echtzeit einbeziehen

      oder will man werner faymann?
      es ist eigentlich eine ziemlich eindeutige gretchen frage

    • meinemutter | vor 130 Tagen, 18 Stunden, 3 Minuten

      http://www.theguardian.com/books/2010/mar/27/big-short-inside-doomsday-machine

      im moment sind noch die "charisma strategen" an der macht..leute die keine ahnung von der eigentlichen materie haben

      nerds bzw ihre programme konnten die immobilien blase vorraussagen
      etc etc

  • miikesmama | vor 132 Tagen, 8 Stunden, 47 Minuten

    Mir scheint das alles recht am Thema vorbeizugehen, der ganze Absatz unter "Die Umstände haben sich verändert" bzw. um den Satz herum

    "(...)als ich darüber nachdachte, was um alles in der Welt eigentlich vernunftbegabte Menschen dazu bringt, gegen eine vermeintliche Islamisierung des Abendlandes auf die Straße zu gehen." zeigt aber sehr schön die Zwickmühle.

    Die "Linke"/der "Liberale" kann einfach nicht verstehen, wie die "Mitte" auf einmal immer mehr "nach Rechts" tendiert und sieht hier Rassismus (der wahrscheinlich seit jeher latent daher brodelte und sich jetzt unter den Zurufen von Agitatoren in ganz Europa entlädt). Aber nur ein kurzes Gedankenexperiment, nehmen wir an es bräche im Norden Europas ein Krieg aus, oder nehmen wir an die Nord- und Ostsee wären am Überschwappen, und Millionen Finnen, Schweden, Dänen oder Norweger wären auf einmal auf der Flucht Richtung Süden, wären dann Zustände in der EU wie wir sie heute haben vorstellbar (Grenzschließungen, Anhaltelager, Länder die sich partout weigern irgendeine Asylquote anzunehmen)? Es fällt mir schwer dass zu glauben. Denn es ist nicht der Rassismus, die Fremdenfeindlichkeit die sich hier entlädt (auch Norweger sind uns fremd), sondern der Anti-Islamismus.

    Und solange die Linke das nicht...

    Auf dieses Posting antworten
    • miikesmama | vor 132 Tagen, 8 Stunden, 47 Minuten

      versteht, wird ihr Ekel und ihre Abscheu ein Teil des Problems bleiben, und nicht ein Teil der Lösung.

    • miikesmama | vor 132 Tagen, 7 Stunden, 57 Minuten

      Ps Hab den Satz ""There is no such thing as society" noch nie gehört, klingt aber einleuchtend. Gab es den jemals "eine Gesellschaft"?

    • softmachine | vor 129 Tagen, 10 Stunden, 4 Minuten

      no one is an island.

  • gregorjohannsson1980 | vor 132 Tagen, 13 Stunden, 47 Minuten

    Word!

    Auf dieses Posting antworten
    • gregorjohannsson1980 | vor 132 Tagen, 13 Stunden, 45 Minuten

      Ich meinte: super Analyse! Sollte eine Antwort auf den allerersten Kommentar sein.

  • arnonymous | vor 132 Tagen, 15 Stunden, 21 Minuten

    hmm

    stimmt.

    oder, einfacher:
    die linke hat sich von wahlberechtigten arbeitern abgewendet und nichtwahlberechtigten migranten zugewendet.

    kommt sogar oben einmal, "hunderte millionen in armut" - die armut in bangladesh geht dem hartz-4ler eher genau am arsch vorbei. wenn der arme aus bangladesh dann aber auch noch nach Europa kommt und dann als grund für kürzungen in H4 angeführt wird, klappt dem kevin das messer auf. oh wunder.

    wen soll der heimische proletarier denn wählen? die partei die sie/ihn als undankbaren rassisten beschimpft, der bitte brav integrieren helfen soll (in welche viertel werden denn migranten so gedrückt, eher nicht in die frisch gentrifizierten? um welche jobs streiten sie sich denn dann? eher nicht die freien geförderten author-in-residence töpfe)? oder dann doch jemanden wie AfD/F/FN?...?

    wie hat der grün-wähler herr wolf von den sofa surfers doch so herrlich ehrlich zugegeben? die eigenen kinder dann doch in die privatschule, wegen dem ausländeranteil warats (hier die reaktion vom rotifer damals, vorhersehbar: http://fm4.orf.at/stories/1659133/). und nein, wolfgang ist nicht rassist, nein, er ist realist und will seinen kindern einfach gute chancen erarbeiten und kann sichs leisten. andere wollen das gleiche, können es sich nicht leisten und wählen dann halt strache...

    Auf dieses Posting antworten
    • arnonymous | vor 132 Tagen, 15 Stunden, 20 Minuten

      ...(weil die F forderungen zum ausländeranteil in klassen 1:1 die gleichen effekt wie wolf's privatschule hätte). nur, einer wird dann von fm4 hofiert und verteidigt, der andere als brunzdummer strache-wähler, nazi, abschaum tituliert. damit er/sie ja nie wieder links wählt.

      wär mal interessant, wenn jemand mal zur finanzierung der flüchtlingshilfe ganz konkret die töpfe der oberschicht angehen würde (kultursubventionen, studiengebühren, etc.). zweckgebunden, und dann schau ma mal. die oper, die arena, das WUK in flüchtlingsheime umbauen. wir müssen alle opfer bringen.

    • springen | vor 132 Tagen, 15 Stunden, 9 Minuten

      da hältst du aber die Mittelschicht für die Oberschicht

      Die Prekarisierung ist ja über die Kürzung von Kultursubventionen und den Ruf nach/die Einführung von Studiengebühren genauso vorangetrieben worden. Das Bildungsbürgertum antwortet nur anders drauf: mit Selbstoptimierung die Fitness für den freien Markt steigern. Ganz im Sinne der (neo)Liberalen also mit Entsolidarisierung und Ellbogen. Denn die können sich's leisten, weil sie noch einen Grundstock an Bildungskapital haben, mit dem sie in der Gesellschaft andocken können.

      Tritzdem reichen die Ängste und die FPÖ-Wählerschaft bis weit in den Mittelstand hinein.

    • arnonymous | vor 132 Tagen, 11 Stunden, 32 Minuten

      absolut, ich glaub hier liegt ja schon eins der probleme. die eigene arbeiterschicht gibts offiziell gar nicht mehr, sind alle "mittelschicht", weil haus (auf kredit), auto (leasing) und kinder und hund. nur halt auf sehr dünnem boden, kann alles gleich wieder weg sein, hängt alles am einkommen, null finanzielle polster - die echte mittelschicht hat geerbten wohlstand. da kann einer mal prekär sein, lebt trotzdem in der voll ausbezahlten wohnung der oma.

    • meinemutter | vor 132 Tagen, 4 Stunden, 1 Minute

      das klingt wie "
      fuck die reichen ju ä mittelschichtler habens so gut während der ehrliche arbeiter um den letzten bissen brot am marktplatz kämpfen muss während er sich die lumpige oliver-twist mütze gerade richten muss"

      die realität is:
      fuck ich muss mich 10 minuten beim AMS anstellen hackl mal ein jahr am bau dann wieder nicht geh gratis studieren bekomms sogar bezahlt wenn nicht fuck ich muss mich 20 minuten beim sozialamt anstellen wo nur ausländer hocken und mich voll nervös machen mimimi

    • arnonymous | vor 132 Tagen, 1 Stunde, 1 Minute

      deine realität ist komplett wurscht, da sie nix am wahlverhalten ändert. als ob ängste und hass je rational waren. fakt ist wer rechts wählt, und das sind halt primär die unterschichtler.

    • meinemutter | vor 132 Tagen, 22 Minuten

      Nope fpö wird bekanntlich aus allen schichten gewählt du würschtl kannst nedmal die simpelste google recherche erledigen und willst klugscheissen
      http://m.diepresse.com/home/panorama/oesterreich/4846143/index.do

      Na was war der diskurs der monate.die annäherung von rechts an die mitte

      Aber da warst noch in deiner islamangst wie ne gemeindebau oma auf herztabletten

  • urck | vor 132 Tagen, 17 Stunden, 40 Minuten

    Wow. Guter Artikel . Trocken ,(relativ) unaufgeregt und größtenteils treffend.

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