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Musik, Film, Heiteres

Lisa Schneider

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1. 11. 2016 - 15:36

Make the Phoenix fly

Mavi Phoenix liebt Pop und Pop liebt Mavi Phoenix. Die oberösterreichische Rapperin, Sängerin und Producerin ist unser FM4 Soundpark Act im November.

So wie andere Kinder Puppen, Lego oder ein Smartphone mit der Pokémon Go-App zu Weihnachten geschenkt kriegen, hat Mavi Phoenix eben einen Laptop bekommen. Sie war elf, und ab dem Zeitpunkt das Musikprogramm „Garage Band“ ihr bester Freund (später abgelöst durch Ableton).

Mavi Phoenix

Liko.Films

Und was ihre realen Freunde dazu meinten?

FM4 Soundpark Act des Monats

Naja, das war schon ein bisschen schwierig. Anfangs wollte Mavi eine Band gründen, die hat's dann auch gegeben, wenn auch nur für zwei Wochen. Ob das jetzt dem Neid der anderen auf ihre Fähigkeiten oder aber doch dem gleichermaßen bescheuerten wie genialen Bandnamen „High Five“ geschuldet ist, muss an dieser Stelle offen bleiben. Fest steht: Mavi Phoenix steigt als Soloprojekt aus der Asche. Weil:

Alle FM4 Soundpark Acts findet ihr hier.

Interessanterweise bin ich mir mit nichts und niemandem in meinem Leben so sicher wie mit der Vorstellung von meiner Musik.

Und da geht sich eben kein zu intensives Teamworking aus, schon das Co-Producing ist da nicht immer so einfach (außer man trifft ebenso begabte Musiker wie den auch oberösterreichischen Rapper und Producer M.P. und nimmt zusammen ein Duett auf). 2015 erscheint die erste EP der jungen Musikerin, im Alleingang produziert, als sie 16, 17 Jahre alt war. Matura mal so nebenbei noch schnell fertig gemacht, um dann nach Wien zu ziehen. „Green Queen“ wird ihr Radiohit, zu dem es auch ein Video gibt. Wo es Mavi auch das erste Mal so richtig dämmert, dass nicht nur sie sich selbst, sondern sich auch andere Leute Gedanken über ihre Musik, gar ihre Texte machen könnten.

Dann war das Video fertig und ich hab mir echt so gedacht: Scheiße. Was ist jetzt, wenn mich jemand fragt, wer die „Green Queen“ ist? Es geht nämlich schon um ziemlich konkrete Personen, um konkrete Ereignisse.

Metaphernreiche Lyrics helfen bei der Abschottung vor Öffentlichkeit, Bitch-Fights und zu viel Gossip. Und nicht nur, aber auch deshalb, sowieso lieber alles auf Englisch.

Josh Homme singt like a prayer

Mavi Phoenix live!

maviphoenix.com

Mavi Phoenix wächst in Oberösterreich bei ihrer alleinerziehenden Mutter auf. Unter der Woche läuft im Radio 80er- und 90er Jahre-Pop, zugespitzte BHs liegen zwar keine herum, „Like a virgin“ kann Mavi aber trotzdem auswendig. Am Wochenende, beim ebenso sehr musikbegeisterten Vater, ist es dann oft sie, die bittet, den Sender zu wechseln: Er lässt die Boxen nämlich auch mal gern zu Hardrock dröhnen. Mit ihrer Liebe zu allen Musikgenres ist bei Mavi - was den Härtegrad angeht - nach Queens Of The Stone Age nämlich Schluss.

Sie selbst ist Rapperin, ist Popsängerin. Kanye West hängt als lebensgroßes Poster überm Bett, oder steht zumindest auf der iTunes-Playlist an der Spitze. Es ist schon fast lächerlich, das gesteht Mavi grinsend, wie schlimm der Hype um Jeezy war und ist. Aber er ist einfach der, der mich und tausende andere Künstler am meisten beeinflusst hat. Schnell fügt sie aber auch noch die großartigen N.E.R.D. unter der Flagge von Pharrell Williams hinzu.

Guilty pleasures?

Mavi Phoenix

Lukas Gansterer

Mavi liebt Pop, und zwar so richtig. Sie glaubt an Justin Bieber und singt unter der Dusche zu „Lucky“ von Britney Spears. Und sie tanzt auch mal zu den Pussycat Dolls wenn die Party lang genug andauert und Will I Am das Feature macht.

Pop Art

Auch ihre Musik ist pure Popmusik, im Sinne der Suche nach der Melodie, die hängen bleibt. Nichts anderes will sie machen, und was dabei rauskommt, ist nicht mehr nur die Discoscheibe, die radiotauglich oder Nanana-Ohrwurm ist. Sondern die sich Rap-Parts erlaubt, R’n’B wie geschmolzene Butter über die knusprigen Beats träufelt. Nicht umsonst war Mavi Phoenix mit Bilderbuch on the road, zunächst nur für einen Tourstopp in Stuttgart eingeladen, dann gleich für ein paar weitere Gigs als Support fixiert. Die Rapstrophe von „Softdrink“ performt sie live mit, und gemeinsam wird das Genre-Schubladendenken in Coca-Cola, Fanta und Sprite aufgelöst.

Selbstironie, die der jungen Künstlerin selbst ein Grinsen auf die Lippen zaubert, machen das Gesamtpaket Mavi Phoenix noch ein bisschen sympathischer: „Cause of Spanish I had to do the tenth grade twice“ singt sie im Opener-Song „Aventura“ der neuen EP. Ein Shout out an die SpanischlehrerInnen von früher, die ihr das Leben schwer und die Schulzeit ein bisschen verlängert haben. Jetzt packt Mavi die spanischen Wörter und Phrasen aus, die sie sich gemerkt hat, und wandelt sie in das um, was sie am besten kann: in gute Musik.

Im Takt kopfnickend sitzt neben ihr während der Produktion der neuen Songs meist Alex The Flipper, BFF und gleichzeitig mittlerweile wichtigster Mentor. Songs wie „Quiet“ entstehen wie ein Fingerschnipsen, während andere Monate brauchen, bis sie ihre Form finden. „Fly“ ist so ein Kandidat.

Ich weiß noch, dass ich Mavi Phoenix als Support für K.Flay im Wiener Flex Cafe vor gut einem Jahr gesehen habe und mir bis jetzt die Zeile „Make the Phoenix fly“ nicht aus dem Kopf gegangen ist. Jetzt habe ich sie auf der neuen EP wiederentdeckt und Mavi erzählt, dass es ein ganz schöner Kampf war mit dem Song. Der sich - am Ende - ausgezahlt hat.

Jetzt hat Mavi, die schon fast die Hälfte ihres Lebens Musik macht, herausgefunden, wie es für sie am besten klappt. Keine Leute, keine Vorgaben. Am besten ein Beat, ein Instrumental, auf die sie rappt, über die sie singt. Die Idee kommt dann, wenn das Gefühl klar ist, das sich im Bauch breitmacht. Und dann fließt auch der Text aufs Papier.

"Klar wurde ich oft belächelt"

Von Veranstaltern, von Musikern, hauptsächlich von männlichen. Mavi erinnert sich an den oberösterreichischen Lautstark-Kontest zurück, den sie 2013 gewinnt. Wo sie, als sie die Bühne betritt, komisch angeschielt wird und tuschelnd Fragen wie "Kann die überhaupt ein Instrument spielen?" und "Was will die da mit ihrer Computermusik?" aufkommen. Rückblickend schüttelt sie den Kopf. Musik ist mehr.

Mittlerweile hat sich das schon geändert. Ich glaube, einerseits, weil mich ein paar der Veranstalter schon kennen, andererseits, weil ich jetzt viel selbstbewusster bin. Jede Frau kennt das, belächelt zu werden in dem, was sie tut. Mittlerweile denke ich mir: Lach ruhig.

Die oft harsche Kritik, die nicht einmal so sehr direkt, sondern viel lieber feig und diskret über diverse Social Media-Kanäle verübt wird, kommt meist von Männern. Alles zu schlucken ist schwer, nach wie vor. Aber Mavi Phoenix meint, dass man auch durch die nicht konstruktive, einfach nur stumpfsinnige Kritik etwas lernt. Nämlich, dass man jedem Künstler, jeder Künstlerin mit Respekt begegnen sollte. Auch dann, wenn man ihn komplett scheiße findet.

Mach du dein Ding, ich mach meines.

Und ihr Ding, das macht Mavi Phoenix auch mit ihrer neuen, zweiten EP, ziemlich gut.

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