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Eva Umbauer

Popculture-Fan und FM4 Heartbeat-moderierende Musikjournalistin.

6. 11. 2016 - 10:55

Ahoi! Pop Finale

Avec, Mynth, Sophia und der unvergleichliche Ezra Furman haben das diesjährige Ahoi! Pop Festival in Linz abgeschlossen.

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Nach den Hidden Cameras, Jamie Lidell und der Greatest-Hits-Maschine Adam Green haben wir uns für den letzten Abend des heurigen Ahoi Pop auf so Unterschiedliches wie Avec, Sophia, den so großen kleinen Star Ezra Furman oder auch Myth gefreut. Letztere eröffnen den Abend. Es ist dunkel im Saal im Posthof, aber schon ein ordentliches Häufchen Menschen hat sich eingefunden für das sympathische, routinierte Geschwisterpaar Mynth. Giovanna und Mario stammen aus Salzburg, leben aber seit ein paar Jahren in Wien. Mynth spielen dunklen, aber positiven Geisterbeschwörungspop, den man gerne neuen Trip Hop nehmen darf.

She Bangs The Drum

Alle Fotos: a_kep

Sängerin Giovanna, die kleine Frau mit der großen aber nicht aufdringlichen Stimme, die auch schon mal ein wenig wie Neneh Cherry rappt - am Album tut das ein 'echter' Rapper, aber der ist heute nicht dabei - trägt Wallemantel und senffarbenen Turban, Bruder Mario hat einfach zur Jeansjacke gegriffen. Bei einem Electronic-Duo wie Mynth wird behend an den Knöpfen gedreht, aber auch einen Schlagzeuger haben die beiden mit dabei. Der manchmal vielleicht etwas zu druckvoll spielt, aber vielleicht war ich ja nur zu nah an den Boxen dran. Das Set von Mynth, mit Songs wie "Night Light", war hübsch, hat den Abend gut eröffnet.

Nach Mynth ist die oberösterreichische Überfliegerin Avec dran. Ihr Debutalbum, eine Platte wie aus einem Guss, begeistert auch live. Selten sind sich 'alle' so einig, was ein Album betrifft. Avec live unbeschwerter, als man bzw. ich gedacht hatte. Ein begeisterter Saal. Schön, dass eine junge österreichische Musikerin soviel Anklang findet. Den Bassisten in der Band von Avec konnte man übrigens tags davor mit Robb sehen.

Eure Schreiberin hier ist aber während Avec spielt schon voller Vorfreude auf Sophia, das wiedererstarkte wunderschöne Bandprojekt des schon lange in London lebenden Amerikaners Robin Proper-Sheppard. Den Spätgeborenen unter uns sagen Songs with "Holidays Are Nice" oder "Oh My Life" wahrscheinlich nichts, Zeit also sie zu entdecken oder sie wiederzuhören. Robin Proper-Sheppard hat heuer endlich wieder einmal ein Album unter dem Namen Sophia veröffentlicht. Die große Melancholie wird dieser Mann immer in sich tragen, auch wenn er dieser Tage schon mal ein zartes Lächeln in seinen Liedern ist. Heute jedoch ist Mr Proper-Sheppard in etwas 'brutaler' Stimmung.

Vorher kommt aber noch die New Yorker Band Public Access TV auf die Bühne. Vier frische Gesichter mit zwei Gitarren, Bass und Drums, jawohl, mehr braucht es nicht. Public Access TV gelten unter Fans und MusikkritikerInnen als 'hot shit'. Die neuen Strokes gar? Hmm. Schnittiger Gitarrenpop, gespielt von jungen Männern, wird jedenfalls niemals aussterben, soviel ist klar. Aber jetzt, Jungs, macht Platz für eine Legende: Robin Proper-Sheppard und seine wiederstarkten Sophia.

Men In Black

Setlist von Sophia

Bernd Himsl

Setlist von Sophia

Robin Proper-Sheppard war erst in der Band Godmachine, deren jähes Ende durch den Gehirntumor-Tod des Bassisten kam. Fortan war Proper-Sheppard dann Sophia. Das ist zwar ein 'Indie'-Abend heute, meint der Meister. "Aber wir dachten, wir spielen ein wenig Rock", sagt er, nachdem er uns ohnehin schon vor vollendete Tatsachen gestellt hat. Proper-Sheppard fackelt heute nicht lange und die zarten Momente sind rar. "Oh My Love", ein Sophia-Klassiker, ist dabei, und vom neuen Album etwa "California". Das ist Postrock meets Dreampop, wuchtig und zum Sich-Darin-Verlieren, gespielt von fünf schwarzgewandeten Männern.

Ja, und dann kommt er. Er. Er ist der US-Musiker Ezra Furman. Ezra trägt diesmal Röckchen und ein buntes T-Shirt. Den Lippenstift hat er auch noch aufgetragen. Im FM4-Interview vor seinem Auftritt macht er sich erstens Gedanken über die US-Präsidentschaftswahl und zweitens über die Tatsache, dass ein Publikum, in diesem Fall sein Publikum, gewisse Songs hören möchte, die er aber vielleicht gar nicht spielen möchte. "Die beste Kunst ist die, die du gemacht hast, weil du die Freiheit hattest, sie zu machen", meint Ezra, der kürzlich von San Francisco wieder heim nach Chicago gezogen ist. "Dort sind all die Musiker, mit denen ich spielen möchte, und dort sind meine Eltern", sagt Ezra Furman: "Ich liebe meine Eltern. Nicht alle Menschen lieben ihre Eltern."

Siehe auch:

  • Wind in den Segeln: Das äußerst hervorragende Ahoi! Pop Festival in Linz holt 2016 OK Kid, Adam Green, Ezra Furman und viele mehr an Bord.
  • Drei große Entertainer: Die Hidden Cameras, Adam Green, Jamie Lidell und Robb am Ahoi! Pop Festival. Ein guter Abend.

Ein neuer Song - vom Minialbum vom August - ist gleich dabei: "Little Piece Of Trash". Ezra Furman sagt es an mit "This is for you, 'Little Piece Of Trash'. Ok. We love you anyway, Ezra, weil du dem Rock'n'Roll eine gewisse Verrücktheit zurückgegeben hast, die er so nicht mehr kannte. Ezra Furman am Ahoi! Pop war großartig - wie er um sein Leben singt und spielt, und die Band - seine Boyfriends, samt Saxofon - ihn anfeuern. Die Welt meint es neuerdings gut mit Ezra Furman. Manchmal ist diese Welt eben doch gerecht.

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