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Musik, Film, Heiteres

Susi Ondrušová

Preview / Review

7. 11. 2016 - 10:57

Joan As Police Woman

Von "Real Life" zu "Let It Be You": die wunderbare Reise der Joan Wasser.

“Wish us luck!” meint Joan Wasser, als ich sie am Telefon erreiche um sie über ihr neues Album „Let it BeYou“ zu befragen. Sie meint nicht das Glück das sie für die bevorstehende Tour braucht, die sie nach Europa bringen wird. „He´s not going to win. No no no!“ legt sie lauthals nach. Joan Wasser ist im 2008-Wahlkampf auf Obama-Ralleys aufgetreten, aber lange halten wir uns nicht mit dem Alptraum-Wahlkampf in ihrer Heimat auf. Es gibt viel zu besprechen. Ihre Solo-Karriere zum Beispiel.

Joan As Police Woman
Live am 23.11. @ Konzerthaus Wien

joan as police woman

ondrusova

„I was known as a violin player!” sagte Joan Wasser in ihrem ersten FM4 Interview vor zehn Jahren. In den 90ern hat sie in der Alt.Rock-Band The Dambuilders Geige gespielt. Sie macht sich als Session-Musikerin einen Namen, spielt für Elton John, Scissor Sisters, Sheryl Crow, Lou Reed, John Cale, Rufus Wainwright und wird Teil von Anohnis Band Anthony&The Johnsons.

„I loved putting myself in new situations when I was being a violin player. I´m fascinated with communication in general, so the way people approach their music and approach the audience it´s fascinating. Rufus and Anthony were amazing to be involved with they´re both exceptionally talented, following their unique path.” erzählte Wasser vor zehn Jahren anlässlich ihres Debüt-Albums “Real Life” im Interview.

Die Geige ist ihr irgendwann nicht genug, sie greift zur Gitarre und lernt ihr wichtigstes Instrument zu benutzen: ihre Stimme. Die ersten Songs die sie schreibt bezeichnet sie als „very poetic, full of imagery. I just kept trying to make them more simple and more to the point and direct! Through singing I learned a lot about honesty and how to be honest.“


So kann man alle ihre Alben als Versuche deuten einer emotionalen Wahrheit näherzukommen. Hand aufs Herz ist hier das Motto und das zeigen auch ihre Albentitel:

Real Life
To Survive
The Deep Field
The Classic

“The idea of my music definetly starts in soul music.” hat Joan Wasser in frühen Interviews gemeint. Mit den Worten „Punk Rock RnB“ wird ihre Musik oft beschrieben. Auch wenn sie manchmal noch immer die Bad Brains beim Autofahren hört, sagt sie heute: „There´s so many people yelling and so much anger and so much ugly that it seems much more powerful to come from a vulnerable place, a place of honesty. I´m trying to communicate with as much as beauty as possible, it seems a much more positive way!” Wie sie Schönheit mit ihrem Stil destilliert, ist auch auf ihrem 2009 erschienenen Album „Cover“ nachzuhören. Da covert sie sich Songs von Jimi Hendrix, Iggy Pop, Sonic Youth, T-Pain, T.I. oder Public Enemy.

Auf die Frage welcher der eine Song ist, den sie gerne Menschen zum Hören empfiehlt, die ihre Musik noch nicht kennen, meint sie: darauf zu antworten sei unmöglich. Sie meint, es würde wohl The Magic sein, von ihrem 2011 erschienenem Album „The Deep Field“


„It´s a pop song. But that´s very difficult. What song would you pick?“ Und in dem Moment bereue ich diese dumme Frage schon. Den einen Song ausstellen mit dem man Einlass in die wundersame Welt der Joan As Police Woman bekommt, ist unmöglich. „The Magic“ ist ein guter Anfang, noch besserer Anfang ist allerdings ihr aktuelles Album: „Let It Be You“.

Joan As Police Woman

Reveal Records

Ein Album, das seinen Ursprung mit dem Africa Express genommen hat. 2011 nimmt Joan Wasser an einer Reise nach Äthiopien ein, sie beschreibt diese als ihre „schönste musikalische Erfahrung“. Wieder in New York zuhause trifft sie bei einem Konzert den Musiker Benjamin Lazar Davis, der ebenfalls gerade in Afrika die musikalischen Muster der Pygmäen studiert hat. So ist die Grundlage ihrer Zusammenarbeit ihre Liebe zum Rhythmus: „The rhythmic density and beauty was very very moving to us. I don´t hear a whole lot of this kind of rhythm in western music. I´m sure it exists but it´s something that´s not a normal rhythm that you hear on the radio. Some of them are too complex but we took parts of them and learned the melody and rhythmic pattern and took a small chunk of it and looped it and wrote songs over it.”

Doch keine Angst, Joan As Police Woman macht keine Musik für die man ein Abschluss in Musikethnologie braucht. Die Songs funktionieren als ungewöhnliche aber wunderschöne Pop-Tracks auch wenn man die geographische Inspirationsquelle nicht kennt und noch nie etwas von Hindewhu gehört hat.

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