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Lukas Lottersberger

Lukas Lottersberger

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Politik, Alltägliches und andere Kuriositäten.

17. 11. 2016 - 18:49

Gemeldeter Content auf Facebook

Die Kriterien, nach denen Facebook gemeldete Inhalte löscht oder stehen lässt, sind nicht immer nachvollziehbar. Eine Sprecherin hat uns einige Fragen beantwortet.

Das Video einer 15-jährigen, die vergangene Woche in Wien-Kagran von vier Jugendlichen verprügelt wurde, wurde von vielen NutzerInnen gemeldet. Der Clip wurde aber von Facebook zunächst nicht gelöscht, mit dem Hinweis, dass das Video nicht gegen die Gemeinschaftsstandards von Facebook verstößt.

Screenshot von Facebook: Video melden.

Screenshot Facebook

Wir wollten von Facebook selbst wissen, warum das Video trotz zahlreicher Meldungen weiterhin online war. Eine Facebook-Sprecherin hat uns schließlich heute noch überraschend geantwortet.

Die Facebook-Sprecherin, von der wir Auskunft bekommen haben, wollte anonym bleiben.

Zum konkreten Fall mit der verprügelten Jugendlichen

Die Facebook-Sprecherin räumt ein, dass immer wieder verstörende Inhalte auf Facebook geteilt werden, beruft sich aber hier auf den Punkt "Gewalttätige und Explizite Inhalte" in den Gemeinschaftsstandards: "Wenn Menschen solche Inhalte teilen, tun sie dies oft, um dies zu verurteilen. Wenn solche Inhalte aus sadistischem Vergnügen oder zum Zwecke der Gewaltverherrlichung geteilt werden, dann löscht Facebook sie. Schnell. In dem vorliegenden Fall ist der Post aber eindeutig gegen diese Gewalt."

Im konkreten Fall schlägt offenbar das "öffentliche Interesse" an dem Video den Passus aus den Gemeinschaftsstandards, der Mobbing dezidiert untersagt.

Es gibt auf Facebook auch Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen. Die Sprecherin führt aber aus, dass die "Kritik an einer bestimmten Kultur, Religion, Lebensstil oder politischer Ideologie" noch allein kein Grund sei, solche Diskussionen zu entfernen. "Wir glauben fest daran, dass Facebook-Nutzer die Möglichkeit haben, ihre Meinung zu äußern, und dass wir in der Regel diese Inhalte, Gruppen oder Seiten, die sich gegen Länder, Religionen, politischen Organisationen oder Ideen richten, nicht entfernen", erklärt die Facebook-Sprecherin.

Dass man damit in einigen Ländern mit der Rechtssprechung in Konflikt gerät, nimmt man scheinbar in Kauf. Die Sprecherin erklärt jedoch, dass man in gewissen Fällen mit Behörden zusammenarbeite. Wie das funktioniert, steht hier.

Facebook hat uns auch einen Link gesendet, bei dem auch Nicht-Facebook-NutzerInnen Privatsphäre-Verletzungen melden können (zB Recht am eigenen Bild).

Zum Umgang mit Hatespeech

Facebook mit seinen mehr als einer Milliarde NutzerInnen birgt auch Konfliktpotenzial, erklärt die Sprecherin. Sie betont: "Nichts ist für uns so wichtig wie die Sicherheit der Menschen auf Facebook. Gegen Nutzer, die anderen Personen Gewalt androhen, werden wir konsequent vorgehen. Mit den geeigneten Maßnahmen, in Kooperation mit starken Partnern und in Absprache mit Behörden und Politik. Auch unsere Prozesse im Bereich Community Operations (siehe nächster Punkt) werden wir prüfen und wenn nötig anpassen."

Facebook Deutschland ist seit Ende September 2015 volles Mitglied der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM). "In diesem Rahmen findet ein regelmäßiger Austausch zwischen Mitarbeitern des Facebook Community Operations Teams und Juristen der FSM-Beschwerdestelle statt", erklärt die Sprecherin. Schwerpunkt der Diskussion sollen die relevanten Rechtsgrundlagen und deren Auslegung hinsichtlich von Inhalten in sozialen Netzwerken sein, bei denen zwischen Meinungsfreiheit und dem Schutz anderer grundgesetzlich geschützter Rechte, etwa dem Persönlichkeitsrecht und der Menschenwürde, abzuwägen ist.

"Community Operations Team"

Das sind jene Leute, die gemeldete Inhalte begutachten. Laut Angaben der Facebook-Sprecherin, sind es Leute, die die Sprache des jeweiligen Inhalts als ihre Muttersprache haben. Die Community Operation Teams sind auf vier Standorte verteilt: Dublin, Hyderabad, Austin und Menlo Park. Angeblich arbeiten dort tausende Menschen rund um die Uhr daran, gemeldete Beiträge anzusehen.

Welcher gemeldete Content gelöscht wird

Auch wenn Facebook betont, dass Muttersprachler die jeweiligen Inhalte ansehen, wird von einigen Seiten vermutet, dass die dort Angestellten teilweise kulturell zu wenig sensibilisiert bzw. unqualifiziert sind.

Ein geleaktes Dokument aus dem Jahr 2012 gibt einen Einblick darüber, an welche Kriterien sich die Moderatoren halten müssen. Neben vielen nachvollziehbaren Ausschlusskriterien, wie zum Beispiel der Verbreitung kinderpornografischen Materials oder der Darstellung von Nekrophilie, finden sich auf der Liste aber auch diskutable Punkte.

Erlaubt sind etwa Bilder von:

  • männlichen Brustwarzen
  • zerquetschten Köpfen, Gliedmaßen sind ok, solange keine Innereien sichtbar sind.
  • Körperflüssigkeiten, außer Sperma
  • tiefen Fleischwunden und viel Blut ("excessive blood")
  • brennenden Flaggen, außer jener der Türkei

Nicht erlaubt sind:

  • weibliche Brustwarzen
  • stillende Mütter, bei denen Nippel zu sehen sind
  • sichtbare Po-Ritzen ("naked butt cracks")
  • das offensichtliche Zeigen von camel toes und moose knuckles
  • Bilder, die Kemal Atatürk diskreditieren

Zwar ist die Liste schon ein bisschen älter und vermutlich in der Zwischenzeit auch aktualisiert worden, dennoch bietet sie einen kleinen Einblick in die Arbeit der ModeratorInnen, und womit diese sicherlich auch heute noch tagtäglich konfrontiert sind. Genug Fragen bleiben bei einem Blick auf die Liste dennoch offen.

"Es wird Urteile hageln"

Wie wir mit Gewaltvideos auf Facebook umgehen
Im Gespräch mit Rat Auf Draht- und Safer Internet-Psychologin Elke Prochazka

Die Grünen wollen Facebook nun wegen des Umgangs mit dem Gewalt-Video klagen. Dabei soll der heuer in Österreich eingeführte Cybermobbing-Paragraf zum Einsatz kommen.

Eine Sachverhaltsdarstellung wurde vom Grünen Parlamentsklub gestern eingereicht, der Ball liegt jetzt also bei der Justiz. Falls es zu einem Prozess kommt, könnte das Ergebnis wegweisend dafür sein, welche Verantwortung Soziale Medien künftig für solche Inhalte tragen müssen.

"Langfristig muss diskutiert werden, was die Verantwortlichkeit der Plattformen ist", meint Max Schrems, der ja schon Erfahrung darin hat, Facebook zu klagen. Er ist gespannt, zu welchem Ergebnis die Anzeige der Grünen führen wird und überzeugt, dass diese mit ihrer Klage nicht alleine bleiben werden. Denn Facebook sei "inzwischen für große Teile der Bevölkerung eine wichtige Nachrichtenquelle geworden. Ich glaube, da wird es in den nächsten Jahren Urteile hageln."

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  • navysealciakatzenfan | vor 127 Tagen, 23 Stunden, 58 Minuten

    http://motherboard.vice.com/read/how-canadas-anti-cyberbullying-law-is-being-used-to-spy-on-journalists

    österreichische twitteria echochamber journalisten reden sich ins eigene verderben..wie immer 10 jahre später wie wir seit karl kraus wissen

    Auf dieses Posting antworten
  • didz | vor 128 Tagen, 5 Stunden, 32 Minuten

    Bin in der Schule damals dutzende Male verprügelt worden. Hat a niemand interessiert. Jetzt schreien alle die Zeiten werden immer schlimmer. Das gabs immer schon und wirds immer geben.Der Mensch ist halt dem Affen noch sehr ähnlich. Wobei sich Affen nicht grundlos schlagen...

    Auf dieses Posting antworten
    • navysealciakatzenfan | vor 128 Tagen, 1 Stunde, 18 Minuten

      "Hat a niemand interessiert"
      der vergleich hinkt und hat induktionsprobleme mit der realität.
      über 5 millionen hat das video interessiert und zum nachdenken angeregt.bzw im schlimmste fall halt in der prefrontalcortex einen clickbait reiz ausgelöst

      interfaces bzw bildschirme sind keine nervenbahnen..seit moores law sind manche einfach etwas langsamer um die konventionen von neuen medien wirklich zu begreifen und haben noch immer den "wow effekt" omg ich bin mit der welt connected omg da redet ein unbekannter mit mir in echtzeit omg omg..der oma internet effekt..

      auch wenn man ohne gewalteinwirkung gemobbt oder ausgegrenzt wird löst das im hirn dieselben reaktionen aus als wenn du auf den kopf geboxt wirst

      zensur ist die bewusste ausgrenzung von jenen echochambers angewendet die in ihren filterblasen leben um sich vor "fremden primitiven" wohl zu fühlen..bis sie am wahltag schockiert und überrascht schauen dass es eine welt ausserhalb ihrer chambers gibt und das die mehrheit gegen ihr SJW gesöcks ist..ich mein zizek himself sieht politische korrektheit undco es als totalitäre methode--linker gehts nicht heutzutage.zensur war schon immer und ist nachwievor fascho rechts.bzw die linke stasi variante.dazu muss man nichtmal george soros aktivisten gruppen undco bashen wie confirmation bias gefickte...

    • navysealciakatzenfan | vor 128 Tagen, 1 Stunde, 17 Minuten

      alt right nazis.aldous huxleys visionen reichen.

      HC strache trollt hier die grünen indem er scheinheilig für meinungsfreiheit einsteht aber im grunde der erste scherge der sicherheitsdispositive ist und seine facebookseite zensiert.hofer ist die besorgte stehts korrekte charity lady ..etc etc..der wichtigste faktor von trolling= `reaktion bekommen.die grünen REAGIEREN auf hass und straches scheinheiligkeit mit gesetzesnovellen .sie erfüllen den feuchten bubentraum jedes neocons.die staatliche kontrolle über das virtuelle.,.....das es da niemandem die haare aufstellt..wtf

      edward snowden himself warnt uns regelmässig vor den eingriffen des staates in soziale muster zur passiven machterhaltung!!
      https://www.youtube.com/watch?v=98eabjjAEz8

      ZENSUR ERFORDERT MEHR MONITORING! MONITORING IST EIN HÜBSCHES WORT FÜR ÜBERWACHUNG!
      facebook hat nur bock auf massenkommunikation für "machine learning" aber kein bock stasi zu spielen .und dafür haben sie credit verdient!ausnahmsweise..aber sobald ihr monopol in gefahr gerät werden sie sich logischerweise der politik beugen.

      es hat mit terrorparanoia der neocons begonnen(massenüberachung war nie effektiv homeland securtiy gibt es selbst zu )und endet mit hassparanoia von linksliberalen echochambers.
      fucking ironie wenns ned so tragisch wäre

  • navysealciakatzenfan | vor 128 Tagen, 20 Stunden, 20 Minuten

    die grünen und melania trump auf einer linie wenn es um die regelung des virtuellen geht

    https://www.theguardian.com/us-news/2016/nov/03/melania-trump-cyberbullying-campaign-speech

    das video entstand eindeutig durch FPÖ hetze (kopftuch als trigger wort im video 3 mal zu hören)..aber nein der österreichische feuilleton geht wie immer pseudowissenschaftlich auf facebook los..kein wort um die fpö zu bashen wo es ihnen wehtun würde.nämlich viral....na oida was geht mit euch blinden obrigkeitskuschen bobo heisln!

    allein wenn man sich die bisherige zensurliste von facebook ansieht sollten sich die black mirror spießer helmzuckerten hinterfragen was sie da mit ihren dystopischen gesetzesnovellen lostreten.sind wir wieder in fucking nancy reagan zeiten wo man das F wort zensieren muss..bist deppat
    sie geben die macht des virtuellen an konservative und neoliberale rechtspopulistische anwälte des ohnehin privatisierten rechtsstaats weiter.gratuliere.facebook wird das irgendwann scheissegal sein aber IHR DIE TWITTER CONTENT JOURNALISTEN MEIUNGSMACHER UND POLITIKER SOLLTET GEGEN ZENSUR SEIN STATT EUCH VON STRACHE TROLLEN ZU LASSEN INDEM IHR SOZIALWISSENSCHAFTEN MIT MEDIENWISSENSCHAFTEN VERWECHSELT!!!
    2008 war es viral obama hope .2016 ist es halt trump hass!same method kein eco newspeak faschismus!

    dogmatisches social justice warrior gefasel über mansplaning undco,die verwechslung von begriffen wie emotional contagion mit sozialwissenschaften statt netzwerktechnik netzwerktheorie als medienwissenschaft der zeit anzupassen...

    Auf dieses Posting antworten
    • navysealciakatzenfan | vor 128 Tagen, 20 Stunden, 19 Minuten

      in ihren anachronistischen alten biedermaier wohnungen..genau dieses spießige aufbudln und in hermetischen echochambers doktrinierte code über semantische first world problems hat gerade trump zum präsidenten kontercodiert.
      kein wunder das VDB unabhängig ist

      wtf
      die linke sollte sich von den grünen und ihrem zunehmend kontraintuitiven politisch korrekten/zensur- dilettanten bullshit distanzieren..nach dem wahlkampf

    • navysealciakatzenfan | vor 128 Tagen, 20 Stunden, 3 Minuten

      das bewusstsein des neuronalen netzwerkes hat in seiner kontingenz von ständig neuen emergenzen und entropien ALLE emotionen nötig

      nichtnur hope

      auch hass

      hass auf ungerechtigkeit

      hass auf missstände!

      HEISLN