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Musik, Film, Heiteres

Daniela Derntl

Diggin' Diversity

2. 12. 2016 - 18:56

From Gianna With Love

Gianna Charles kann bereits auf eine lange und abwechslungsreiche Karriere zurückblicken. Jetzt hat die Wiener Soul-Pop-Sängerin ihre Debüt-EP veröffentlicht und ist der FM4 Soundpark Act des Monats.

FM4 Soundpark Act des Monats

  • im Dezember: Gianna

Alle FM4 Soundpark Acts findet ihr hier.

Ihr halbes Leben macht Gianna Charles, besser bekannt als Gianna, schon Musik. Los ging es für die 30-jährige Sängerin mit der samtenen Stimme im Alter von 15 Jahren. Damals hat die Mutter den fleißig trällernden Teenager heimlich aufgenommen, und die Bänder, ohne Giannas Wissen, an ein großes Label geschickt - und prompt wurde sie unter Vertrag genommen:

Daniela Derntl

Die Anfänge

"Das war ein ungewöhnlicher Start. Ich musste mich auch erst daran gewöhnen, auf der Bühne zu stehen. Ich hab das auch erst viel später gelernt zu genießen. Es war natürlich toll. Damals war ich noch sehr jung und sehr naiv. Man denkt sich, ja, jetzt komm ich groß raus und werde ein Star. Mittlerweile bin ich aber sehr froh, dass alles anders gekommen ist, dass ich meine Zeit hatte, mich zu entwickeln. Ich hab sehr früh viel Erfahrung gesammelt in diesem Business und da hab ich auch gelernt was ich nicht mehr möchte. Es war eine tolle Erfahrung, es waren die ersten Schritte, ich bin sehr dankbar, dass das so passiert ist, aber es hat seine guten und seine schlechten Seiten."

Auf Tour mit Supermax

Die ersten Jahre ihrer Karriere hat Gianna im Studio verbracht, die Liebe zur Bühne entdeckte sie erst fünf Jahre später, bei den donnerstäglichen Jam-Sessions im Luftbad, einem Lokal im sechsten Wiener Gemeindebezirk. Das Luftbad war ihre "erste kleine Live-Plattform", schwärmt sie, eine Möglichkeit sich live auszuprobieren und ein Ort, um gute Kontakte und Freundschaften zu knüpfen, von denen einige bis heute halten.

Vor allem, wurde sie dort auch zum zweiten Mal in ihrer jungen Karriere entdeckt: ein Band-Mitglied von Supermax hat sie dort singen gehört und sie kurzerhand zum Band-Leader Kurt Hauenstein geschickt, der damals eine Sängerin gesucht hat. Hauenstein war Österreichs erster, internationaler Popstar, der mit dem Disco-Klassiker "Love Machine" 1977 große Erfolge gefeiert hat. Er hat Gianna dann auf die Supermax-Welttournee mitgenommen und die beiden sind bis zu seinem Tod 2011 gemeinsam auf der Bühne gestanden:

"Ich hab ihn wunderbar in Erinnerung, ich werde ihn immer in meinem Herzen tragen. Das war meine erste internationale Tour-Erfahrung und er war ein sehr gelassener Mensch, trotz seines Ruhmes. Lustigerweise hatte er den weniger in Österreich, sondern viel mehr außerhalb. Er hat mir viel Freiraum gelassen, ich konnte eigentlich machen, was ich wollte. Das war für mich eine riesen Ehre, mit ihm auf so großen Bühnen zu stehen."

Lika Gray

Debüt-EP "One"

Danach war es für Gianna an der Zeit, ihre eigenen Visionen zu verfolgen. Im November ist ihre Debüt-EP "One" erschienen. Der Titel hat aber eine tiefer gehende Bedeutung als die bloße Numerierung ihres Werks:

ONE" - Maxi EP - November 11 2016

Gianna-Music & Caesar Caesar Rec. Collaboration
@caesarcaesarecords

Olivia Coeln

"Eins hat für mich eine besondere Bedeutung. Es ist sowohl die kleinste Zahl als auch die größte Zahl, das alles Beinhaltende und das kleinste Einzelne. Ich habe auch eine Tätowierung mit einer Eins, die eh auch auf dem Cover zu sehen ist. Das begleitet mich also schon länger und das hat ganz gut gepasst."

Free-Flow

Eröffnet wird die EP von "Steppin In", einem Song, in dem Gianna über New York singt, wo nicht nur der Song, sondern auch die gesamte EP entstanden ist. Sie hat dort mit den beiden Produzenten Christian Cerny und Gregory Henits zusammengearbeitet, mit denen sie auch schon ihre allererste Single "Heart" aufgenommen hat. Dabei gehört Gianna zu den Glücklichen, denen der Text einfach zufliegt. Im Free Flow singt sie über das, was ihr in dem Moment in den Sinn kommt. Fertig ist der Track:

"Das funktioniert bei mir sehr flott, spontan und fließend" erzählt Gianna, "Wenn die Chemie, die Stimmung und die Musik passt, dann geht das eigentlich von alleine."

Soul-Pop

Gianna macht souligen Pop. In seinen warmen, hellen Farben schimmert HipHop, RnB, G-Funk und House. Das klingt mal smooth und laidback, und dann wieder upbeat und tanzbar. Ihr Credo sind positive Gefühle und eine ebensolche Lebenseinstellung, die sie als spiritueller Mensch auch in ihrem Songs transportieren will, wie zum Beispiel in "Smile":

"Nicht lamentieren und sich am vorgegebenen System die Zähne ausbeißen. Man sollte sich einfach mit Menschen zusammentun, die man gerne hat und die einen inspirieren und zusammen, mit einem guten Gefühl, etwas Neues erschaffen. Darum geht’s – mit einem Lächeln durch die Welt zu gehen!", erzählt Gianna im Interview, "es ist mir wichtig, eine upliftende Botschaft und Stimmung rüber zu bringen. Was man so hört in den kommerziellen Charts und mit was man so bombardiert wird, ist oft so emotional detached. Also so in die Richtung 'ich kann meine eigenen Rechnungen zahlen, ich brauch dich nicht', 'du bist austauschbar und ich bin stark alleine' und das ist alles so ein bisschen hart und kalt. Mir ist wichtig, genau das Gegenteil zu sagen, weil Gefühle wichtig sind, weil Verletzlichkeit wichtig ist, damit man lernen kann und dass ein Miteinander sehr wichtig ist. Also man soll schon realistisch und nicht naiv durchs Leben gehen, aber mit Liebe im Herzen, einer Großzügigkeit und Mitgefühl für einander. Dafür will ich meine Stimme nutzen."

Björk und Prince als Vorbilder

Vorbilder sind für sie, gerade in Hinblick auf die positive Botschaft der Musik, Björk und Prince: "Björks Songs sind eigentlich wie Gedichte, da ist irrsinnig viel Weisheit und Liebe drin verpackt. Es ist sehr authentisch und trifft einen ins Herz, auch wenn es musikalisch nicht für jeden leicht genießbar ist. Björk hat mich von klein auf begleitet, durch meine Brüder. Und dann natürlich Prince. Diese beiden sind meine beiden Herzenskünstler, auch wenn sie total unterschiedlich sind. Bei Prince geht einem einfach das Herz auf. Die Stimme, die Musik. Einfach Prince. Ich muss schon sagen, wenn ich heute Lieder von ihm höre, dann kullert mir schon eine Träne herunter. Er fehlt mir."

Lika Gray

Erstes Album

Gianna arbeitet bereits an ihrem ersten Album, das sie komplett in Eigenregie produziert und nächsten Winter veröffentlichen will. Sie ist autonome Künstlerin, die komplett ihr eigenes Ding durchzieht. So schneidet sie ihre Musikvideos auch selbst und kümmert sich auch selbst um den Vertrieb ihrer Debüt-EP. Label hat sie dafür keines kontaktiert, "learning by doing" lautet ihre Devise:

"Es ist gut zu sehen, wie das funktioniert und es ist auch gut zu sehen, wo mir etwas fehlt. Denn für das Album brauche ich die Erfahrung und ich wollte auch was zu präsentieren haben, bevor ich zu einem Label geh. Denn ich bin wirklich nicht die Künstlerin, die nicht weiß, was sie will. Ich weiß genau, was ich will und ich bin sehr spezifisch. Ich bin auch nicht abgeneigt und ich bin zuversichtlich, dass sich in Zukunft Möglichkeiten eröffnen werden. Aber dann hab ich schon etwas gemacht und bin nicht ganz am Anfang. Ich wollte einfach nicht mit leeren Händen zu einem Label gehen und sagen: Bitte, bitte, helft mir! Die Leute sollen mich erst mal kennenlernen, damit sich etwas tut und es auch schon Interesse gibt. Das ist als Künstlerin einfach die bessere Position."

Um Gianna live zu sehen, muss man sich noch etwas gedulden. Die Proben mit Band starten Anfang des Jahres, die ersten Konzerte sind im Frühsommer geplant. Wir können es kaum erwarten!

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