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Musik, Film, Heiteres

Christian Lehner Berlin

Pop, Politik und das olle Leben

19. 12. 2016 - 15:16

Ein Jahr durch die Linse

Hustler Shots von Musikern aus dem FM4-Universum mit Animal Collective, SOHN, Garbage, Die Heiterkeit, Pixies, Ja, Panik, Justice u.v.m.

Rewind 2016

Der FM4 Jahresrückblick

Ich nenne sie Hustle Shots. Sie müssen schnell passieren und sind ein bisschen anlassig. „Darf ich vielleicht noch ein Foto für unsere Website schießen?“ Diese mit unschuldiger Miene vorgetragene Frage steht stets am Ende des Interviews. Die Gefragten sagen fast immer ja. Die Menschen vom begleitenden Promo-Team rollen dann manchmal mit den Augen.

Yeasayer

Christian Lehner

Typischer Hustle Shot mit Yeasayer: Mieses Licht, trashige Kulisse, Models, die machen, was sie wollen.

Viele Stars, oder solche, die sich dafür halten, verbieten Hustle Shots per Vertrag. Andere wollen die Bilder vor der Veröffentlichung sehen. Da der gelernte Interviewer die Gesprächszeit in der Regel bis zur letzten Sekunde ausreizt, bleibt immer nur sehr wenig Raum für Hustle Shots. Es wird auch nicht besser, wenn man die begleitenden Promo-Menschen bittet, doch ein paar Minuten vor Ablauf des Minutenbudgets in den Interviewraum zu kommen und mit Handzeichen auf das nahe Gesprächsende hinzuweisen, was in der Regel sehr lustig anzusehen ist (gute Idee für eine Fotoserie, übrigens).

Ein Jahr durch die Linse - Folgen aus den Vorjahren

Habe ich schon erwähnt, dass alles schnell gehen muss? Es gibt keine Profi-Beleuchtung, keine Assis, keine Maske, keine Props. Man nimmt, was man hat und ist dankbar für trashig eingerichtete Konferenzräume oder geschmäcklerisch zugerichtete Hotelzimmer. Manchmal schiebt man die Objekte der Begierde auch kurz auf die Straße raus.

Man verwendet bei der Kamera einen etwas höheren Belichtungsfaktor, oder stellt sein Gegenüber in die Nähe eines Lampenschirms. Trotz absoluten Dilettantentums ist der Blitz tabu. Der Hustle-Schießer vertraut auf seinen Instinkt und hofft, dass das schon irgendwie klappen wird. Es klappt dann auch. Manchmal. Irgendwie.

Man lässt die Instant-Models so dreinschauen, wie sie wollen, was viele als Erleichterung empfinden. Sie dürfen auch tun und lassen, was sie möchten. Nasenbohren ist dann aber doch eher unerwünscht. Man hat in der Regel nicht mehr als zwei/drei Versuche, bis die begleitenden Promo-Menschen ungeduldig werden und das Kampflächeln zum Krampflächeln mutiert. Am Ende kommen sich alle irgendwie benutzt vor. Nur nicht der Foto-Hustler. Der stopft lose Linsen und Kamerabodies in den Rucksack, nimmt sich selbst am Kragen und schmeißt sich hochkant hinaus. „Thank You! And thank you for the music!“ Und es muss alles sehr schnell gehen. Genau. Sehr. Schnell. Gehen.

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