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Phekt

Geschichten aus dem Hip Hop-Universum und benachbarten Galaxien.

22. 12. 2016 - 13:43

Was los digga, Ahnma?

Ein persönlicher Rückblick auf die Hip Hop-Highlights von 2016.

Rewind 2016

Der FM4 Jahresrückblick

In wenigen Tagen geht das Jahr zu Ende, die Zeit der Rückblicke und Best-Of-Listen ist wieder angebrochen. Ich hab gerade zwei Tage damit verbracht, persönliche Highlights des Jahres aus Hip Hop-Perspektive in meinem jährlichen "2016on45"-Mix einzufangen. 365 Tage Musik gemixt in 40 Minuten. Ein unmögliches Unterfangen. Wie jedes Jahr hab ich auch heuer wieder damit gehadert, die relevantesten Songs des Jahres (welche waren das nochmal?) mit den eigenen Präferenzen so zu kombinieren, dass am Ende ein stimmiges Gesamtbild entsteht.

Hier nun die schriftliche Version bzw. ein Rückblick auf Releases, die Hip Hop im Jahr 2016 aus meiner Sicht geprägt haben. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit, denn es waren natürlich noch weit mehr wichtige Releases als die, die hier erwähnt werden. Und die Reihung ist auch zufällig gewählt.

Cover von "Advanced Chemistry"

Beginner

Beginner - "Advanced Chemistry"

Während wir auf einem Auge noch weinten, weil sich 2016 die Münchner Rap-Instanz Blumentopf aufgelöst hat, waren im anderen Auge Tränen der Freude über eines der gelungensten Comebacks der deutschen Rap-Geschichte.

Lange hat es gedauert, oft wurde es verschoben. Seit heuer ist es draußen: das neue Album der Beginner aus Hamburg.

Mit dem Video zur ersten Single "Ahnma" und der ungewöhnlichen Gäste-Kombo in Form von GZUZ (von der 187 Straßenbande) und Gentleman haben sie gezeigt, dass das richtige Gespür für Nostalgie und Zeitgeist ein harmonisches Ganzes ergeben kann. Der Song hat erwartungsgemäß polarisiert. Bei zahlreichen DJ-Gigs in den vergangenen Monaten hab ich festgestellt, dass "Ahnma" einer der Hits des Jahres ist. Zumindest wenn man den Mitgröhl-Faktor zwischen Vorarlberg und Wien berücksichtigt.

DJ Mad ist auch beim FM4 Geburstagsfest am 21. Jänner in der Ottakringer Brauerei Wien.

Mit ihrem neuen Album "Advanced Chemistry" haben die Beginner übrigens alle vergangenen Erfolge toppen können. Größere Konzerthallen, mehr Views bei den Videos und aufgrund der Nachfrage wurden sogar die alten Alben reissued. Dass sie Torch als Spezial-Gast bei ihrer Tour dabei hatten, war außerdem Geschichtsunterricht für jüngere Fans. Schön, dass Eizi Eiz, DJ Mad und Denyo wieder da sind.


Yung Hurn ft. RIN "Bianco"

Aus österreichischer Sicht war 2016 ebenfalls ein gutes Jahr. Die Helden - zumindest wenn man das internationale Echo berücksichtigt - heißen auf jeden Fall Yung Hurn, Lex Lugner oder Crack Ignaz.

Während das nihilistisch dadaistisch angelegte "Nein" von Yung Hurn bei mir noch alle Realness-Alarmsirenen und Abwehr-Gänsehaut hat hochgehen lassen ("Das geht doch nicht!", "Was soll das?", "Wo sind die Rap-Skills?"), hat mich "Bianco" völlig unvorbereitet erwischt. Ich bin kein Freund des weißen Pulverschnees, trotzdem ertappe ich mich regelmäßig beim Singen von "der Scheiß ist Weiß, Bianco". Ein klassischer Ohrwurm, den auch Haftbefehl und Xatar beim Interview im Rahmen vom Hip Hop Open-Festival zelebriert haben.

Das dazugehörige Video, das Yung Hurn und RIN in einem weißen Birkenwald zeigt, während sie mit Feuerlöschern Farbe verspritzen, ist für mich eines der gelungensten des Jahres.

Wesentlich verantwortlich für den Erfolg der Nummer ist Lex Lugner. Seines Zeichens Produzent, der auf einem alten, verstaubten PC in einer kleinen Wiener WG unfassbare musikalische Perlen kreiert. Auf sein Talent sind mittlerweile auch schon Labels und Künstler aus Deutschland aufmerksam geworden. Da kommt noch einiges.

Cover von SOIA

SOIA


SOIA - "H.I.O.P."

Spätestens seit ich SOIA in München als Support Act von "Hiatus Kaiyote" gesehen hab, bin ich Fan. Die Wiener Sängerin hat mit MEZ einen kongenialen Produzenten gefunden, der die passenden Beats für ihre Stimme maßschneidert. "Hidden in obvious Places" ist ein wunderschönes Album, das weit über die Grenzen Österreichs hinaus Fans gefunden hat.


A Tribe Called Quest - "Thank you 4 your service"

Das Comeback des Jahres für mich. Leider mit dem traurigen Beigeschmack, dass einer der essentiellen Akteure von ATCQ, Phife Dawg, heuer im Frühling verstorben ist. Dass Q-Tip und Co. kürzlich völlig überraschend nach mehr als zehn Jahren mit "Thank you 4 your service" ein neues Album veröffentlicht haben, war Balsam auf die vom tragischen Ereignis geschundene Hip Hop-Seele. Die erste Single "We the people" ist eines meiner Highlights des Jahres. Da ist alles drinnen, was einen guten Rap-Song ausmacht.


Cover von Anderson Paak Malibu

Anderson Paak

Anderson .Paak - "Malibu"

"Yes Laawd!" Danke für Anderson .Paak. Sein heuer erschienenes Album "Malibu" ist die von mir mit Abstand am meisten gehörte und gespielte Platte des Jahres. Das kürzlich gemeinsam mit Knxwledge produzierte und auf Stones Throw-Records veröffentlichte Album als Duo "NxWorries" rotiert bei mir ebenfalls in Dauerschleife.

So gut wie alle sind sich einig: Anderson .Paak ist einer der wichtigsten Künstler des Jahres. Er vereint spielerisch Hip Hop, Soul, Funk, Rock und Uptempo-Sounds und sorgt mit seinem breiten Grinsen, der charakteristischen Stimme und seinen Live-Shows überall für glückliche Gesichter. Noch nie hab ich einen Mann so gut Schlagzeug spielen sehen, während er singt und performed und dabei wie auf Platte klingt. Mein persönlicher Favorit des Jahres.


Kaytranada

Kaytranada

Kaytranada - "99,9%"

Der kanadische Produzent hat heuer sein Debüt-Album "99,9%" veröffentlicht. Als Remixer und DJ hat er sich schon in den letzten Jahren international etabliert, mit seinem Album hat er die Latte noch einmal ordentlich angehoben. House, Hip Hop, R&B - bei Kaytranada wird alles zu einem stimmigen Ganzen.

Die Liste der mitwirkenden Künstlerinnen und Künstler sagt eigentlich schon alles: Karriem Riggins, Syd, Little Dragon, BADBADNOTGOOD, Craig David, Anderson .Paak, Vic Mensa, uvm.


Audio88 & Yassin

Audio88 & Yassin

Audio88 & Yassin "Halleluja"

"Ihr kommt mit Wackness und Müll... wir mit Mädness und Döll"

Die Berliner Audio88 & Yassin stehen dank Zeilen wie "Laktoseintoleranz ist das AIDS des kleinen Mannes" für immer in meiner Helden-Liste. Rotzig on point, mit einem unfassbaren Gespür für die vielen Facetten der Wackness im Leben. Das hat bisher nur Retrogott so genial auf den Punkt gebracht.

Mit ihrer Platte "Halleluja" haben die Beiden heuer viele Jünglinge um sich scharen können, die folglich in Massen zu ihren Rap-Messen gepilgert sind. Produziert unter anderem von Dexter und Torky Tork, die aus obskuren Samples Kopfnicker-Anthems kreieren. Inklusive Unterstützung des Südtiroler bzw. Wiener Produzenten Fid Mella.

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