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Musik, Film, Heiteres

Philipp L'heritier

Ocean of Sound: Rauschen im Rechner, konkrete Beats, Kraut- und Rübenfolk, von Computerwelt nach Funky Town.

19. 2. 2017 - 15:37

Wir werden siegen, vielleicht morgen

Der Song zum Sonntag: Priests - Nicki

Dringlichkeit besteht immer. Vor kurzem ist nach einigen Eps und berechtigtem Vorabhype das Debütalbum des Quartetts Priests aus Washington, D.C. erschienen: "Nothing Feels Natural" heißt die Platte, und das ist auch schon so gemeint.

Priests sind eine Punkband. Alles fühlt sich also komisch an, da draußen, in uns drinnen. Wir gehören nicht so recht dazu, die Vorgänge in der Welt sind uns rätselhaft, alles irgendwie bloß eine Imitation of Life, von dem Leben, das wir uns so ausgedacht haben, früher.

Priests

Priests

Priests

Eine zentrale Zeile der Platte kommt da beispielsweise in dem Stück "Pink White House": "A puppet show in which you're made to feel like you participate", singt Sängerin Katie Alice Grier da in betont genervtem Tonfall. Alles nur Theater und Täuschung, das System. Wir sollen mitmachen. Priest aber wollen kämpfen, wir sollen es ihnen gleichtun.

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  • Auch der geschätzte Wissenschafts- und Popjournalist Thomas Kramar macht sich in der Presse am Sonntag zum jeweils selben Song seine Gedanken.

In musikalischer Hinsicht bespielen Priests da so ziemlich das ganze System, das das Punkrock-Geschichtsbuch hergibt: Garagenrock im Geiste von Iggy und den Stooges, Punkrock, der auch den Dub und den – nicht elektronischen - Dancefloor kennt, wie beispielsweise von The Clash.

Dazu kommt zickiger Surfrock aus den 60er-Jahren, nerviger Funkpunk wie von der Gang of Four und Artwave im Andenken an die Talking Heads. Kennt man mittlerweile alles schon ein bisschen, Priests aber kochen den Sound der Vorbilder auf knackige Riotrock-Evergreens runter. Bisweilen gibt's auch Exkursionen Richtung Lounge-Jazz oder den giftigen Psychobilly der Cramps.

Alles Hits auf diesem Album. Besonders spröde und symptomatisch ist der Song "Nicki": "I don’t make friends easily or naturally", singt Katie Alice Grier gleich zu Beginn. Eine ganze Welt voller Selbstzweifel, Enttäuschung, Abgrenzung, aber eben auch Arroganz und eigener Schuldgefühle.

Wir gehören nicht dazu und wollen es oft ja auch ganz genau so. Wir haben Recht, wir sind halt auch ein bisschen kompliziert. Es wird einiger Überwindung und Veränderungen bedürfen, damit wir uns aus unserer eigenen Mental City rausbewegen wollen werden, heißt es in "Nicki".

Außerdem: Wir können es auf die chemischen Substanzen schieben, oder auch aufs Patriarchat. Ein Leben voller Wahrheiten und voller Widersprüche. Wir sind das Problem, wir sind die Lösung.

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