Standort: fm4.ORF.at / Meldung: "Eagles Of Death Metal: Nos Amis"

Musik, Film, Heiteres

Susi Ondrušová

Preview / Review

22. 2. 2017 - 18:36

Eagles Of Death Metal: Nos Amis

Schauspieler und Filmemacher Colin Hanks und seine Doku über die Eagles Of Death Metal und ihre beiden Konzerte in Paris.

Bekannt aus Serien wie Dexter, Fargo oder Life In Pieces arbeitet Colin Hanks nicht nur vor, sondern auch hinter der Kamera: 2015 hat Colin Hanks seine erste und sehr empfehlenswerte Doku über die Geschichte von Tower Records gedreht.

Als Musikfan stellt er sich nicht nur für Musikvideos zur Verfügung, sondern besucht auch regelmäßig Konzerte in Los Angeles. Die Mitglieder der Queens Of The Stone Age und der Eagles Of Death Metal zählen zu seinen Freunden.

Eagles of Death Metal auf der Bühne vor Publikum

HBO

Die Pariser Anschläge von 2015 auf fm4.orf.at

L.A. Weekly: Jesse Hughes im Interview über Nos Amis, die Anschläge in Paris, Trump u.a.

Die Biografie der beiden Gründungsmitglieder der Eagles Of Death Metal ist eng mit der neuen Rock´n´Roll-Geschichtsschreibung verbunden: Am 13. November 2015 haben Terroristen im Pariser Konzertvenue Bataclan 89 Konzertbesucherinnen und Fans der Band getötet. Paris war die folgenden Tage unter „lockdown“, die Welt unter Schock.

Seit dem 13. November vor zwei Jahren vergehen wenig Tage, an denen ich nicht an die Band oder die Anschläge denke: wenn man im Urlaub bewaffnete Polizisten im Shopping Center sieht oder in größeren Konzerthallen Polizisten begegnet. „The attack was on our way of life!“, meint U2-Sänger Bono dazu im Film. “Nos Amis” erzählt die Geschichte dieser Zäsur in der Biographie der Band und im Leben der beteiligten Musiker und Fans.

„I´m the arm, you´re the fist!”

Die Doku beginnt mit Interviews über die Anfänge der Band, über die Biographie der beiden Protagonisten: Kindheit und Schule in Palm Springs, Familie, Josh Hommes Erfolg mit Kyuss, Jesse Hughes' Verwandlung in den Rock'n'Roll-Frontman, den man heute kennt. Es geht um die Anekdoten rund um ihre Spitznamen Boots Electric oder Baby Duck.

Ein Großteil der Doku widmet sich der Nacherzählung des tragischen Abends vom 13. November - aus der Perspektive des sichtlich unter Schock stehenden Jesse Hughes, seiner Bandkollegen Dave Catching oder Julian Dorio. Einige Details sind surrealer und beklemmender als alles, was man sich in den schlimmsten Alpträumen vorstellen kann. Colin Hanks ist mit der Kamera ganz nah an der Band.

„I´m the arm, you´re the fist!”, meint Josh Homme zu seinem Freund Jesse Hughes während einem aufbauenden Vier-Augen-Gespräch. Vor dem Konzert treffen die Bandmitglieder die Überlebenden der Bataclan-Anschläge.


In der wohl berührendsten Szene im Film erzählt ein Fan, dass er gesehen hat, wie die Attentäter ins Bataclan einmarschieren und entschuldigt sich bei Jesse Hughes, dass er sie nicht aufhalten konnte. Es folgt eine Umarmung.

Der Film endet eigentlich an dem Punkt, wo er hätte beginnen sollen: mit Ausschnitten aus diesem Konzert, bei dem die Band zu Ende bringt, was ihnen genommen wurde: das Konzert, das gemeinsame Feiern und Mitsingen und Tanzen.

niko ostermann

In meinem persönlichen Musik-Doku-Ranking ist „Nos Amis“ allerdings nicht sehr weit oben. In transatlantische Budget-Fragen einer HBO-Produktion hab ich sehr wenig Einblick. Zwischen dem Anschlag und dem Konzert vom 16. Februar 2016 liegen allerdings drei Monate und drei Tage: in dieser kurzen Zeit fanden die Interviews mit den Eagles-Bandmitgliedern, mit U2, den Fans und Freunden statt, Archivaufnahmen wurden gesichtet und das Material dieser eigentlichen „Hauptshow“ musste aufgenommen werden.

Das eigentliche Thema hat nicht genug Platz

Die chronologische Struktur der Doku gibt dem eigentlichen Thema des Films nicht genug Platz: Musik als Heilmittel, die notwendig gewordene Trauma-Aufarbeitung für die Band und Fans, schwingt als Thema natürlich mit, wird aber nicht genügend ausgestellt oder: beleuchtet. So fehlt am Ende genau das, wovor ich mich als nicht ganz so großer Fan der Band am Anfang des Films eigentlich gefürchtet hab: die Livemusik, die Bühnenansagen, die Magie und Sympathie, für die die Band überhaupt berühmt geworden ist.

Aber vielleicht gilt bei dieser Doku genau das gleiche, was Josh Homme über das eigentliche Konzert gesagt hat: „There´s not much room of error but there´s almost no way to do it right!”

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Forum

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  • kreon | vor 31 Tagen, 18 Stunden, 35 Minuten

    Ist die Doku genauso ungeschönt wie dieses Interview?

    http://takimag.com/article/surrendering_to_death_gavin_mcinnes/print#axzz48gKLoVO9

    Auf dieses Posting antworten