Standort: fm4.ORF.at / Meldung: "Wie man richtig Feministin ist"

Musik, Film, Heiteres

Jenny Blochberger

Film, Fantasy & Feminismus

8. 3. 2017 - 11:30

Wie man richtig Feministin ist

Am Beispiel Emma Watson.

Aufgrund eines Fotoshootings und des darauffolgenden Aufschreis müssen wir uns wieder mal mit der Frage beschäftigen: Dürfen Feministinnen ihre Titten herzeigen?

Die einfache Antwort auf die eingangs gestellte Frage ist natürlich: ja, Feministinnen dürfen alles. Die komplizierte Antwort ist: naja.

Internationaler Frauentag

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Der Fall: Schauspielerin Emma Watson, gesegnet und gebrandmarkt gleichzeitig durch die ewige Assoziation mit ihrer Rolle der belesenen, klugen (aber auch ziemlich Goodie-Two-Shoes-mäßigen) Hermione Granger in den Harry-Potter-Filmen, setzt sich seit einiger Zeit sehr aktiv für Frauenrechte ein. Sie ist UN-Sonderbotschafterin für Frauenrechte, hat als solche die Aktion HeForShe mitbegründet, eine vielbeachtete Rede vor der UNO gehalten und spricht in jedem Interview über das Thema Feminismus.

Schauspielerin Emma Watson

VALERIE MACON / AFP

Vor kurzem hat sie ein Fotoshooting für das Glam-Magazin Vanity Fair gemacht; auf einem der veröffentlichten Bilder sieht man ansatzweise ihre Brüste.

OMG!

Verräterin!

So geht doch Feminismus nicht!

Und andere Ausrufe waren die Folge. Twitter und andere Social Media hatten, wie man so sagt, a field day.

Meine erste Reaktion war eher so: Bitches*, please. Lasst‘s
mir die Emma Watson in Ruhe. Ist doch super, wie sie sich mit ihrer Popularität und ihrer Kann-kein-Wässerchen-trüben-Ausstrahlung für den teilweise immer noch verrufenen Begriff Feminismus einsetzt. Gute Frau, weitermachen. Das letzte, was wir brauchen, ist eine Schiefertafel, auf der die unumstößlichen Gebote des Feminismus eingemeißelt sind, und alle, die gegen eins davon verstoßen, werden auf Twitter geteert, gefedert und eine Kollaborateurin mit dem Patriarchat geheißen.

*Männer mitgemeint

Aber, wie gesagt: naja.

Das gegenständliche Foto ist genau von jenem Male Gaze geprägt, mit dem Emma Watson bei der sich ebenfalls als Feministin deklarierenden Beyoncé ein Problem hatte. Das in solchen Fällen gern bemühte „Empowerment“ ist eine Ausrede, mit der man jegliches Popowackeln im skimpy Outfit rechtfertigen kann. Und ja, selbstverständlich gibt es mehrerlei Maßstäbe! Wir leben ja auch in der wirklichen Welt und nicht in einem Thomas-Brezina-Roman bar jeglicher Zwischentöne. Deswegen ist es auch was ganz anderes, wenn etwa Lena Dunham für ein Fashion Magazin topless posiert, weil Lena Dunhams nicht-schönheitsnormenkonformer Körper, platziert an einer Stelle, die traditionell ausschließlich für schönheitsnormierte Körper vorgesehen ist, an sich schon etwas Revolutionäres hat. Context matters.

Nichtsdestotrotz ist auch Emma Watson ein Mensch und die Aufregung über ihr kurzes Verlassen des feministischen Pfades ein wenig übertrieben. Klar kommt uns Emma jetzt mit „Beim Feminismus geht es um Wahlmöglichkeiten, keine Frau soll einer andere vorschreiben, was sie zu tun hat!“

Jo eh. Aber dann müsste man ja auch die Klappe halten, wenn Kellyann Conway von sich gibt „I look at myself as a product of my choices, not a victim of my circumstances”, oder müsste alle Musikvideos durchwinken, in denen Frauen total selbstbestimmt sexistische Stereotype bedienen. So einfach ist es halt nun mal nicht. Menschen dürfen/müssen sehr wohl an ihren Handlungen gemessen werden. Und als konventionell schöne Frau sexy Underboob in einem glamourösen Stylemagazin zeigen – da findet man den feministischen Zugang auch mit der Lupe nicht.

Don’t get me wrong: ich finde nicht, dass man deswegen auf die arme Emma eindreschen muss als hätte sie soeben das Lebenswerk von Gloria Steinem (die sie übrigens verteidigt hat) in einem antifeministischen Freudenfeuer verbrannt. Ich kann mir gut vorstellen, dass sie selber gar nicht mehr so glücklich mit ihrer Entscheidung ist, dieses Foto freizugeben, aber das öffentlich zu machen würde die Diskussion vielleicht weiter hochkochen lassen, und sie will ziemlich sicher jetzt dann bald mal ihre Ruhe.

Prinzipiell bin ich dafür, auch in der Öffentlichkeit stehende Menschen als menschlich zu betrachten. Wie man hört, hatte Emma Watson schon öfter mit diesem Fotografen zusammengearbeitet, ihm also wohl vertraut, und da sagt es sich schon mal schneller „Ja, schönes Bild, vielleicht bissi gewagt, aber eigentlich gefall ich mir und die Leute sollten sich echt mal dran gewöhnen, dass ich nimmer 12 bin, sondern eine erwachsene Frau mit Brüsten. Passt, freigegeben!“

Dazu kommt noch, dass Schauspielerinnen in der Gehaltsklasse einfach an die Glamourwelt der inszenierten Schönheit gewöhnt sind; wenn man sich selbstverständlich in dieser Welt bewegt, bedarf es einer gewissen Anstrengung, deren Mechanismen ständig zu hinterfragen. Dass Emma Watson das einmal verabsäumt hat, ist menschlich verständlich; dass sie sich mit „Feminismus bedeutet Wahlfreiheit“ verteidigt, ist vielleicht kein Grund, mit der geballten Selbstherrlichkeit des feministischen Internets über sie herzufallen, aber halt auch kein gutes Argument. Vielleicht schon eher das: so groß ist jetzt der Unterschied zu einem Red-Carpet-Auftritt mit gewagtem Dekolleté auch nicht - das bekrittelte Foto zeigt genausoviel von unten, wie man sonst von oben sieht. Vielleicht sollten Stars wie Emma Watson also eher die Industrie bekämpfen, die freigiebig das Opium der unerreichbaren Schönheitsideale verteilt. Und sich damit selbst abschaffen. We won’t be holding our breath.

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  • kreon | vor 18 Tagen, 10 Stunden, 52 Minuten

    Dieser Artikel von Jenny ist ein tolles Beispiel für den gedanklichen Prozess des Wegrationalisierens kognitiver Dissonanzen, wenn Emotion auf Realität trifft.

    Auch toll: Nur Frauen mit einem "nicht-schönheitsnormenkonformer Körper" dürfen sich ausziehen. Kein Wunder, dass hübsche intelligente Frauen einen weiten Bogen um Feminismus machen. Auch weil diese Hass-Ideologie starke unabhängige Frauen wie Kellyann Conway (oder Chrissie Hynde vor zwei Jahren) verachtet, wenn sie sich weigern das Opfer zu spielen.

    Auf dieses Posting antworten
    • jennyblochberger | vor 18 Tagen, 10 Stunden, 39 Minuten

      Richtig, steht ja da: Nur Frauen mit einem nicht-schönheitskonformen Körper dürfen sich ausziehen.
      Achso, steht nicht da? Komisch, irgendwo musst du das doch herhaben?

    • softmachine | vor 18 Tagen, 8 Stunden, 9 Minuten

      Dieser Kommentar von Kreon ist ein tolles Beispiel für den gedanklichen Prozess des Wegrationalisierens kognitiver Dissonanzen, wenn Emotion auf Realität trifft.

    • muahahahatschi | vor 17 Tagen, 15 Stunden, 56 Minuten

      classic altright kreon
      er bezieht seine nachrichten quellen vom bannon conway medium breitbart und infowars
      menschen die tatsächlich zu den hinterbliebenen des sandy hook massakers hingehen und es als fake verschwörungstheorie hinstellen
      das aller letzte..die familien müssen nicht nur den verlust ihres kindes beklagen sie müssen sich mit altright fake news auseinandersetzen..das aller aller unterste

      und die conway lol.das größte opfer das so tut als ob sie alle 5minuten von nem refugee angangen wird
      kein refugee hat bock auf vogelscheuchen

      alt right werden zu whiney SJWs haha ..einerseits fürs freespeech sein wollen. aber sobald man sie als intest nazis bezeichnet "OMG das geht zu weit" ..lol die pedantische nancy reagan trump FCC kommt auf uns

    • muahahahatschi | vor 17 Tagen, 15 Stunden, 53 Minuten

      zu

    • kreon | vor 17 Tagen, 9 Stunden, 17 Minuten

      @jenny
      Warum wirst du von Schönheit getriggert?

      @softi
      Warum wirst du von Logik getriggert?

      @mua
      Warum wirst du von, ach du wirst von allem getriggert.

    • muahahahatschi | vor 17 Tagen, 7 Stunden,

      kein argument nur hilflose fragen haha
      https://www.youtube.com/watch?v=TT4UomqHvuA

      bitch der troll wurde im antibush movement geboren your just a copycat haha

    • muahahahatschi | vor 17 Tagen, 6 Stunden, 51 Minuten

      mit deinen rape allegations von bill clinton machst du dich öffentlich zum infowars fan, (die einzigen die es genau wie du als rape bezeichneten haha)
      https://www.infowars.com/sandy-hook-ar-15-hoax-still-no-school-surveillance-footage-released/
      das aller letzte haha

    • muahahahatschi | vor 17 Tagen, 6 Stunden, 46 Minuten

      https://www.youtube.com/watch?v=4Jl-BeR4M4c

    • kreon | vor 16 Tagen, 19 Stunden, 22 Minuten

      Aufpassen, du wurdest neulich gefilmt!

      https://youtu.be/zOnI_6NhR2o

    • muahahahatschi | vor 16 Tagen, 18 Stunden, 1 Minute

      triggered haha
      es verlinkt einen als virus-seuche bekannten link haha und das in der strengsten zensurumgebung die nordkoreas internet liberal wirken lässt
      dangermike haha

  • muahahahatschi | vor 18 Tagen, 17 Stunden, 19 Minuten

    es gab zeiten wo frauen mit der axt und valkyren schwert herumliefen bis sich die amazonen tiddies in tote männer körper borten..yüüüaa

    oder war das nur die nerd fantasie von worldof warcraft-warhammer-magic karten opfern...momentmal..

    Auf dieses Posting antworten
  • vattenmelon | vor 18 Tagen, 19 Stunden, 49 Minuten

    Die Brüste herzuzeigen gehört zum Feminismus einfach dazu...und dabei ist nichts Schlechtes daran.
    (Kein Sarkasmus)

    Auf dieses Posting antworten
  • motter | vor 19 Tagen, 11 Stunden, 29 Minuten

    Wie was wieso sollten Feministinnen keine Brüste zeigen? Haben nicht gerade Femen den Beweis angetreten? http://www.blankmagazin.at/blank10/2017/02/08/feminismus-oben-ohne/

    Auf dieses Posting antworten
    • softmachine | vor 18 Tagen, 11 Stunden, 28 Minuten

      context matters

  • bigbadjohn | vor 19 Tagen, 12 Stunden, 12 Minuten

    Birgit Kelle spricht Klartext

    https://www.welt.de/debatte/kommentare/article162655361/Der-Feminismus-schafft-die-Weiblichkeit-ab.html

    Auf dieses Posting antworten
    • spok | vor 19 Tagen, 6 Stunden, 46 Minuten

      Feminismus - der false friend der Frauen.

  • sauvage | vor 19 Tagen, 16 Stunden, 37 Minuten

    Ich nehme extremen Anstoß daran, Emma Watson wegen eines Fotos mit Kellyanne Conway zu vergleichen. Der Vergleich hinkt nicht. Der Vergleich ist querschnittsgelähmt.

    Emma Watson setzt ihre Stimme und ihre Prominenz für Frauenrechte ein. Kellyanne Conway ist eine gewissenlose Komplizin des Frauenhasses.

    Ich stimme dir beim Thema Male Gaze unbedingt zu. Und ich finde es unglaublich wichtig, es jeder Frau freizustellen, wie sie damit umgeht. Der Körper ist die unbedingte Grenze. Jemandes anderen Körper und was der oder die damit macht geht niemand anderen etwas an. Da beginnt bedingungsloser Respekt, der so verdammt schwer ist.

    Auf dieses Posting antworten
    • sauvage | vor 19 Tagen, 16 Stunden, 36 Minuten

      Es ist vollkommen unerheblich, wie wir uns in dieser Situation entscheiden würden. Die Entscheidung, was sie mit ihrem Körper macht, was sie davon herzeigt oder nicht, ist Emma Watsons. Punkt.

      Irgendwo sitzen die misogynen Arschlöcher und hören die Debatte wegen des Fotos und lachen sich wieder einmal einen Ast, weil die depperten Frauen wieder einmal zu sehr damit beschäftigt sind, aneinander herumzukritteln, anstatt einfach zu sagen: Du tust, was du für richtig hältst, solange alles erwachsen sind und niemand zu Schaden kommt, geht es mich nichts an und ich werde dein Recht darauf, als Frau mit deinem Körper so umzugehen, wie du es für richtig hältst, bis auf den Tod verteidigen und zwar egal, ob ich dir im Detail zustimme oder nicht.

    • jennyblochberger | vor 19 Tagen, 13 Stunden, 46 Minuten

      Ich hab ja auch nicht die beiden Frauen miteinander verglichen - die stehen einander selbstverständlich diametral entgegen - sondern die Argumentation von wegen Wahlfreiheit, die sich schon sehr ähnelt. Sicher hab ich Wahlfreiheit, aber was ich dann wähle, sag halt auch was über mich aus.
      Und dass jede/r selber über seinen/ihren Körper entscheiden können soll, ist eh klar. Aber genauso wie Emma Watson sich beim Betrachten von Beyoncés Videos fragen darf, ob die gute Bey hier nicht dem männlichen Betrachter gar sehr in die Hände spielt, darf man das dann auch, wenn Emma bei dem Spielchen mitspielt. Das Bild ist natürlich eine sexualisierte Darstellung, braucht man ja wohl nicht abstreiten. Das ist jetzt nicht superschlimm, aber perpetuiert halt ein Frauenbild, das Frauen als Sexobjekte sieht und noch dazu unrealistisch ist. Ich finde sowas nicht schockierend, sondern ermüdend. Ich will einfach nicht ständig diese Bilder vorgehalten bekommen, alle immer schön, super geschminkt, sexy - warum muss jede in der Öffentlichkeit stehende Frau verdammt nochmal sexy sein? Feminismus bedeutet für mich eben auch, dagegen anzugehen und nicht, es zu unterstützen. Deswegen Emma Watson gleich ihren Feminismus abzusprechen ist lächerlich und mache ich auch...

    • jennyblochberger | vor 19 Tagen, 13 Stunden, 45 Minuten

      ...und mache ich auch nicht. Es ist ja nicht alles komplett schwarz oder weiß. Mir wäre überhaupt ein etwas gelassenerer Ton bei solchen Debatten recht (jetzt nicht auf dich bezogen, Sauvage). Nicht alles ist eine Attacke. Hinterfragen darf man aber gewisse Mechanismen sehr wohl. Sonst braucht man über die Darstellung von Frauen in den Medien ja gar nicht reden.

    • fargonaut | vor 19 Tagen, 11 Stunden, 53 Minuten

      den Male Gaze beim besagten Emma Watson Bild kann ich nicht erkennen
      Sie scheint mir im Bild die aktivere Rolle einzunehmen als der Betrachter

    • sauvage | vor 19 Tagen, 10 Stunden, 51 Minuten

      Ich bin total für einen gelasseneren Ton in jeder Debatte. Ich finde Sachlichkeit super. Ich versuche hier jetzt mal eine längere Antwort:

      Was mich an deinem Artikel und Postings fasziniert ist, wie sehr ich dir in zentralen Punkten zustimme und wie gar nicht bei der einzelnen Ausführung. Ich versuche einmal zusammenzufassen:
      1. Du findest die ewige Sexualisierung von Frauen ermüdend. Ich auch.
      2. Gibt es auch andere Möglichkeiten, als dem "männlichen Blick" in die Hände zu spielen? Klar.
      3. Sagt die Wahl, die jemand in der Hinsicht trifft, etwas über die/den EinzelneN und deren/dessen Prioritäten aus? Natürlich.
      4. Gehören die Mechanismen dahinter hinterfragt? O ja.

    • sauvage | vor 19 Tagen, 10 Stunden, 51 Minuten

      Ich glaube, wo wir voneinander abweichen, korrigiere mich, wenn ich falsch liege, ist die Ausführung dessen, was für uns persönlich Feminismus bedeutet. Ich sehe das so: Wenn ich mich dafür einsetze, Frauen die gleiche Wahlfreiheit, den gleichen Respekt, den gleichen Wert als Mensch zuzuerkennen, dann muss ich auch damit leben, dass manche Frauen mit dieser Wahlfreiheit Entscheidungen treffen werden, die mir aus diversen Gründen nicht taugen. Das ist deren Recht. Womöglich tun andere Frauen etwas gegen ihre eigenen Interessen oder verstoßen auch nur gegen mein persönliches Regelwerk, wie ich die Welt begreife.

      So sehr ich Kellyanne Conway für bösartig halte, so sehr muss ich zähneknirschend ihre Entscheidungen respektieren. So sehr ich dir dahingehend zustimme, dass es erfrischend wäre, eine Weile mal nur bekleidete Modelfotos zu sehen, es sei denn, sie bewerben Unterwäsche oder Nacktstrände, so sehr muss ich Emma Watsons Entscheidung respektieren, sich so zu zeigen.

    • sauvage | vor 19 Tagen, 10 Stunden, 50 Minuten

      Was mir an der Debatte auffällt, auch hier: Das System, in dem von Frauen in der Öffentlichkeit prinzipiell Sexiness erwartet wird, gehört dringend geändert. Dann frage ich: Warum geht es in der ganzen Debatte jetzt wieder um Emma Watson?

      Reden wir über den Fotographen? Fragen wir, was der sonst so im Portfolio hat, ob das sein Opus moderandi ist, Frauen prinzipiell leicht bekleidet abzulichten? Reden wir über Fotographen im Allgemeinen? Reden wir über den Ausbeuter und Sexualkriminellen Terry Richardson? Reden wir über Vanity Fair? Reden wir über all die Magazine, die diese Bilder vermarkten?

      Nein. Kritisiert wird Emma Watson. Und das sollte uns sehr viel zu denken geben dahingehend, wie wir Frauen, besonders wir, die wir uns als Feministinnen bezeichnen, miteinander umgehen. Meiner Meinung nach werden wir nie irgendwohin kommen, wenn wir nicht schleunigst aufhören, dieses Spielchen mitzuspielen.

    • himbeerschlund | vor 19 Tagen, 8 Stunden, 49 Minuten

      Du hast vollkommen Recht. Die Objektivierungsmaschine ist nicht von Watson, Beyoncé oder Dunham angeworfen worden. Ich nehm hier schon Vanity Fair und in letzter Instanz den Photographen in die Verantwortung. Wir wissen, dass ein feministisches "sich Zeigen" funktionieren kann. Beide, Lena Dunham und Beyoncé Knowles beweisen das auf unterschiedliche Weise. Einmal durch die selbstverständliche Nichtentsprechung und die damit verbundene Forderung eines feministischen Blicks oder durch die radikale Aufarbeitung von Objektivierung, die Drehung seiner Codierung um 180° und damit die Freisetzung der in ihr eingeschriebenen Kritik am male gaze. Das Arschwackeln kann genauso ein "**** you" sein. Beides übernimmt kritische Verantwortung über den eigenen Körper.
      Die naive Behauptung, dass diese Codes unmissverständlich sind und nicht gegenwärtig auch Gegenstand von Zweckentfremdung ist der Tatsache geschuldet, dass hier nicht nur Körper verzeichnet werden, die nur über ihre Anerkennung existieren können, sonder ihr Fehlen im kulturellen Diskurs war selbst die Bedingung für ihre Entstehung. Selbst wenn es also zu einem Missverständnis kommt oder gar zu einer Zweckentfremdung, dann bleibt die Absicht auf dieses Missverhältnis hinzuweisen bestehen.
      Watson macht diesen Schritt strukturell nicht mit, hat aber trotzdem das Anliegen Feministin zu sein. Das ist, glaub ich,...

    • himbeerschlund | vor 19 Tagen, 8 Stunden, 48 Minuten

      ... ungemein schwerer zu sehen wenn ich den Fehler mache das Bild - das Fertige, vorinterpretierte Bild der objektiv/urbar und damit verkaufbar gemachten Emma Watson - als echtes, authentisches Bild stehen lasse. Das Recht hat sie nur selbst, wir nicht.

    • sauvage | vor 19 Tagen, 8 Stunden, 39 Minuten

      Ich möchte an dieser Stelle noch anmerken, dass mir dieser respektvolle Austausch mit dir ein Genuss ist.

    • sauvage | vor 19 Tagen, 8 Stunden, 8 Minuten

      Gaah, ich bin schon so müde, ich kann nimmer lesen und/oder schreiben, offenbar dachte mein Hirn, wenn sich's doch mit dem eigentlich intendierten Wort reimt, wird's schon passen. Noch einmal, was ich eigentlich schreiben wollte: Ich möchte an dieser Stelle noch anmerken, dass mir dieser respektvolle Austausch mit euch hier ein Genuss ist.

    • jennyblochberger | vor 19 Tagen, 5 Stunden, 48 Minuten

      Zuerst mal: ich finde es auch sehr angenehm, wie sich die Diskussion hier entwickelt. Und ich bin auch weit entfernt davon, zu glauben, ich hätte die gesamte Feminismusweisheit mit dem Löffel gefressen. Einen Satz von himbeerschlund finde ich bemerkenswert: "Die Objektivierungsmaschine ist nicht von Watson, Beyoncé oder Dunham angeworfen worden." Das ist richtig, und auch die Schlußfolgerung ist richtig, dass es gar nicht so sehr um genannte Personen und ihre jeweiligen Entscheidungen geht als eher um die Maschine dahinter. Total. Aber die Maschine funktioniert nur mit Menschenmaterial, d.h. man muss mitspielen. Aber muss man? Ich finde es schon interessant zu untersuchen, wie sehr man von diesen Erwartungen unter Druck gesetzt wird, dass man sich auch als deklarierte Feministin dieser Maschine unterwirft. Wer der Fotograf ist, ist mMn völlig unerheblich. Das Foto selber ist ein sexy Hochglanzfoto wie Milliarden andere, als solches sogar relativ bieder (und deswegen eigentlich auch problematischer als wäre es ungeschönt, ein unschmeichelhafter Schnappschuss mit Achselhaaren und Fettpölsterchen). Ich verlange von Emma Watson auch gar nicht, dass sie die feministische Revolution anführt. Absolut kannsolldarf sie ein sexy Fotoshooting machen, wenn sie sich danach fühlt, und ich darf auch...

    • jennyblochberger | vor 19 Tagen, 5 Stunden, 48 Minuten

      ...anmerken, dass ich sexy Fotoshootings in Hochglanzmagazinen irgendwie deppert finde. Es geht doch nicht nur um "fühlt sich Emma grad danach, sich sexy fotografieren zu lassen", sondern um das gesamte Umfeld, also was ist das für scheißteures Gwand, was sich keine Normalverdienerin leisten kann, was für Rollenbilder werden in dem Hochglanzblatt so vorgelebt, welche Story wird um die Bilder drumherumgebaut, ist das für normale Frauen ermächtigend oder reiner Eskapismus à la Reich und Schön? Ist doch ein Unterschied, ob man Fotos für sich selber (bzw. sein persönliches Umfeld) macht oder in einen Kontext setzt, der für alle anderen Frauen als die Abgebildete selbst gar nicht so empowerend ist.

    • himbeerschlund | vor 19 Tagen, 4 Stunden, 43 Minuten

      Ums kurz zu machen, ich find das hier auch super. Ich versteh den Ansatz der Kritik der nicht repräsentativen Ikonisierung. Mir war einfach ein analytischer und struktureller Zugang wichtig um zu sagen, dass vieles an der Prozesshaftigkeit institutionalisiert ist (Photographen, Redakteure, Magazine). Entbindet Emma nicht von ihrer Verantwortung als Feministin in einer solidarischen Gemeinschaft, eh.

    • softmachine | vor 19 Tagen, 2 Stunden, 58 Minuten

      hm. feminismus kann ja auch nicht nur teil des neoliberalen teils der neoliberalen dogmatischen selbstverwirklichung sein, oder ? oder nicht ? ist feminismus teil der kritik am neoliberlaismus, sprich der permanenten produktwerdung von körpern, oder doch nur selbstbewusste selbstbehauptung und durchsetzungsmöglichkeit ? das ist doch gerade der scheideweg des feminismus. ist feminsmus teil des neoliberalismus oder kritik daran ? macht sich EW nicht zum produkt, oder ist sie eh immer produkt, sobald sie abgelichtet wird und entproduziert sich sogar durch ihre nacktheit vom medialen produkt EW, wie wir sie kennen? "context matters" bringt das sehr schön auf den punkt.nackt in einem lars von trier film ist anders nackt wie in vanity fair ist anders nackt wie bei einer demo gegen sexistische oligarchen in der ukraine usw...

    • sauvage | vor 18 Tagen, 21 Stunden, 59 Minuten

      @jennyblochberger: Ich stimme dir wieder in allem zu, nur meine finale Schlussfolgerung ist eine andere.

      Zwei Absätze stechen für mich hervor:
      "Aber die Maschine funktioniert nur mit Menschenmaterial, d.h. man muss mitspielen. Aber muss man? Ich finde es schon interessant zu untersuchen, wie sehr man von diesen Erwartungen unter Druck gesetzt wird, dass man sich auch als deklarierte Feministin dieser Maschine unterwirft." Natürlich muss frau nicht. Es ist eine Wahlmöglichkeit unter vielen.
      "Ist doch ein Unterschied, ob man Fotos für sich selber (bzw. sein persönliches Umfeld) macht oder in einen Kontext setzt, der für alle anderen Frauen als die Abgebildete selbst gar nicht so empowerend ist." Natürlich ist das ein Unterschied. Und wieder: Das muss meines Erachtens jede Frau für sich selbst entscheiden.

    • sauvage | vor 18 Tagen, 21 Stunden, 56 Minuten

      Meine Conclusio, an der ich mich jeden Tag abarbeite, weil es so verdammt schwer ist, nicht zu bewerten, ist immer wieder diese: Feminismus heißt Wahlfreiheit und damit geht einher, dass andere Frauen ihren Feminismus anders leben als ich. Und das habe ich zu respektieren.

      Andernfalls haben wir eine Wiederholung/Fortsetzung der Geschichte mit anderen Mitteln: Früher haben Männer die Regeln festgelegt dafür, was eine "gute Frau" ausmacht, jetzt tun das halt die Feministinnen dafür, was eine "gute Feministin" ausmacht.

    • sauvage | vor 18 Tagen, 21 Stunden, 51 Minuten

      "Gut" ist eine Bewertung. Meine Bewertung. Und da kommt immer und immer wieder mein innerer Schweinehund ins Spiel, den ich täglich an die Leine nehmen muss: Es.steht.mir.nicht.zu, darüber zu urteilen, wie andere Menschen ihr Leben leben. Ich habe meine Meinungen, klar. Andere Leute haben andere und das ist ihr Recht. Hausnummer: Ich trage schon lange keine Stöckelschuhe mehr, weil ich sie unbequem und mich darin eingeschränkt bis hilflos fühle. Eine beruflich sehr erfolgreiche Freundin hingegen findet Stöckelschuhe empowering, schon allein durch das Geräusch auf dem Boden. Hat eine von uns allein "recht"? Oder haben wir einfach nur beide das Recht, anzuziehen, was wir verdammtnochmal wollen?