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Musik, Film, Heiteres

Eva Umbauer

Popculture-Fan und FM4 Heartbeat-moderierende Musikjournalistin.

13. 3. 2017 - 04:00

Dybdahl, der Norweger

Der Sänger, Songwriter und Multiinstrumentalist Thomas Dybdahl ist unser Artist Of The Week.

Wer ist Thomas Dybdahl nun eigentlich? "Das ist eine gute Frage", lacht eine freundliche Stimme aus Norwegen beim FM4-Interview am Telefon. "Vielleicht sollten wir einen Psychologen fragen", meint der sympathische und wirklich sehr talentierte Musiker, der vor über eineinhalb Jahrzehnten sein erstes Minialbum veröffentlichte.

Thomas Dybdahl

Julie Pike

Nachdem er zuerst Gitarrist in einer Band war, begann er allein Musik zu machen. In Norwegen ist Thomas Dybdahl sehr bekannt. Von der gewissermaßen einsamen One-Man-Band seiner Anfangszeit als Solo-Künstler ist Dybdahl heute aber recht weit weg. Er kennt viele Musiker und Musikerinnen, mit denen er bei seinen Songs zusammenarbeitet. Und auch wenn Thomas Dybdahl international nicht überall größere Bekanntheit hat, so zählen KünstlerInnen wie die britische Band Morcheeba oder auch der US-Produzent Larry Klein zu seinen Fans. Letzterer - er war einmal mit der Songwriter-Ikone Joni Mitchell verheiratet - produzierte das letzte Album von Thomas Dybdahl, das vor vier Jahren erschienene „What´s Left Is Forever“. Für dieses war Thomas Dybdahl auch für einen Grammy nominiert, in der Kategorie ‚best engineered album’. Selbst dabei sein konnte Dybdahl bei den Grammys damals nicht, dafür lud ihn Larry Klein heuer dazu ein: Thomas spielte Gitarre beim Auftritt des Klassik-Stars Lang Lang. Und so ist er noch müde von der Reise, als er sein Telefon zuhause in der norwegischen Stadt Stavanger abhebt, um im FM4-Interview über seinen neuen Longplayer zu reden. Ja, wer ist nun Thomas Dybdahl?

Just a guy from Norway who loves music

Wenn dir Thomas Dybdahl gefällt, hör dir Musik von Musiklegenden wie John Martyn oder den Isley Brothers an.

Manche nennen ihn den norwegischen Bon Iver, andere wiederum einen skandinavischen Nick Drake, und wieder andere vergleichen ihn mit José Gonzalez, bei dem auch so zart mit dem Beserl über die Snare Drum gestrichen wird. Diese Vergleiche stören Thomas Dybdahl nicht. "Ganz im Gegenteil", meint er. Man möchte schließlich den einen oder anderen Anhaltspunkt haben, wenn man die Musik eines Künstlers noch nicht kennt oder erst dabei ist, sie kennenzulernen. "Mostly it´s acoustic music", sagt Thomas Dybdahl über seine Songs, die von Folk, Country, aber auch von Jazz beeinflusst sind, und eine Prise Soul hat der Norweger auch immer wieder in seinem Sound.

The Great October Sound

Am letzten Album von Thomas Dybdahl hieß ein Song "The Great Plains".

Das erste komplette Album von Thomas Dybdahl erschien vor 15 Jahren und hieß „The Great October Sound“. Weil die darauf folgenden Alben ebenfalls im Oktober erschienen, war Dybdahl nun der ‚october boy’, ein filigraner Songwriter aus dem Norden, der das Melancholische zelebrierte, auch wenn er, wie er über sich sagt, "eigentlich kein trauriger Mensch ist". Darum nennt er sein neuestes Werk – es ist sein bereits sechstes Album – auch "The Great Plains". Die Mitte, das Ebene mag Dybdahl, der sich nicht als in einer Minute himmelhoch jauchzend und in der nächsten zu Tode betrübt beschreibt, sondern als recht ausgeglichen. In genau diesem Zustand, sagt er, "entstehen meine besten Songs".

Dass der Albumtitel "The Great Plains" an die Prärie östlich der Rocky Mountains denken lässt, ist aber auch klar. Thomas Dybdahl hat schließlich einen recht starken Bezug zu Nordamerika, wo er auch ein Publikum hat. Für sein letztes Album war er länger in Los Angeles und hat dazu seine Familie mitgenommen – um ausgeglichen zu bleiben. Das neue Album ist wieder in Norwegen entstanden, auch wenn es darauf Songs gibt, die ihren Ursprung in seiner Zeit in L.A. haben, etwa "Like Bonnie And Clyde", ein beschwingteres Stück, das Thomas Dybdahl zusammen mit dem US-Songwriter David Baerwald geschrieben hat; ihn kennen Musikfans vielleicht noch von seinem Duo David & David. "Dieser Song ist der ‚fun song’ auf meinem neuen Album", meint Thomas Dybdahl.

Thomas Dybdahl

Julie Pike

Thomas Dybdahl - The Great Plains

Warner

Das Album "The Great Plains" ist Ende Februrar 2017 erschienen.

Am wunderschönen "Moving Pictures" singt die Norwegerin Nina Nielsen mit. Das geheimnisvolle "When I Was Young" ist zusammen mit dem US-Lyriker David Poe entstanden; von ihm kommen die Zeilen "mother was a preacher, my father was a friend, sister kept the fire going – she had a voice you´d never heard". Es handelt sich also nicht etwa um einen autobiografischen Song. Das wunderhübsche "Born And Raised" hingegen hat tatsächlich autobiografische Züge: "born and raised on the water´s edge" heißt es in diesem Song, in dem es letztlich darum geht, wie einen die Umgebung, in der man aufwächst, prägt. Thomas Dybdahl wuchs in Sandnes auf, einem Ort an der norwegischen Westküste, der etwas südlich von Stavanger liegt, einer Stadt, die sehr urban ist, aber umgeben von grandioser Natur. Thomas Dybdahl liebt die Fjordlandschaft in diesem Teil von Norwegen, genauso wie die Stadt Stavanger. "A postcard from a gorgeous waterfall", singt er in "Paradise Lost", dem ersten Song am neuen Album. Das Land und die Stadt. Da folgt dann auf "Born And Raised" der Song "Just A Little Bit", der einen hibbeligen, leicht poppigen Sound hat, der von modernem R&B beeinflusst ist. Aber gleich kommt noch einmal der große, klassische Dybdahl - mit "Bleed", dem letzten Song am neuen Album, in dem es heißt "it´s a goddamn curse".




Dybdahl der Norweger ist wieder da, der ewige Geheimtipp - leihen wir ihm unser Ohr, denn diese Musik ist unwiderstehlich.

Thomas Dybdahl spielt am 09. Mai im Rockhouse Salzburg und am 11. Mai im b72 in Wien. Mehr Termine im FM4 Terminkalender.

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